Kassensturz zum Jahresende

Wie Sie noch Geld sparen können | 15.12.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Bald ist es vorbei, das Jahr 2020. Doch bevor es soweit ist, sollten Sie noch einen Kassensturz machen. Wenn Sie jetzt bei Ihren Ausgaben geschickt vorgehen, können Sie viel Geld sparen.

Spätestens im Dezember ist die Zeit gekommen, einen Kassensturz zu machen. Wo lässt sich finanziell noch etwas optimieren? Wann überweise ich zum Jahresende was, um gegebenenfalls noch Steuern zu sparen? Ein Überblick:

Handwerkerkosten vorziehen

Im Laufe des Jahres haben Sie vielleicht Handwerker-Hilfe benötigt? Das Finanzamt erkennt pro Jahr Rechnungen für Handwerkerarbeiten, zu denen auch Wartungsarbeiten zählen, bis zu maximal 6.000 Euro an. Dabei ist es unerheblich, ob Sie Mieter, Wohneigentümer oder Eigenheimbesitzer sind. Bis zu 1.200 Euro, also 20% von der Rechnungssumme, zieht das Finanzamt direkt von der Steuerschuld ab.

  • Wichtig: Achten Sie unbedingt darauf, dass der Handwerker auf der Rechnung die Lohn- und Fahrtkosten getrennt von den Materialkosten ausweist. Nur bei Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten winkt ein Steuerabzug. Zahlen Sie außerdem nicht in bar, sondern überweisen Sie den Betrag.

Wie Sie jetzt sparen können: Rechnen Sie die Beträge, die Sie 2020 an Handwerker überwiesen haben, zusammen. Haben Sie den Höchstbetrag von 6.000 Euro nicht ausgeschöpft, planen aber eine Sanierung für 2021? Sie haben die Möglichkeit, die Arbeit in diesem Jahr noch anzuzahlen. Eine andere Variante: Der Handwerkerfachbetrieb fordert eine Abschlagszahlung per Rechnung für 2020 und beginnt noch vor Jahresende mit den Arbeiten.

Gesundheitskosten bündeln

Wer Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen in seiner Steuererklärung geltend machen will, muss eine sogenannte zumutbare Belastung überschreiten. Die Grenze dafür hängt vom Familienstand, Einkommen und von der Anzahl der Kinder ab. Mit Blick auf Ihre Eigenbelastung sollten Sie außergewöhnliche Belastungen möglichst auf ein Jahr bündeln.

Wie Sie jetzt sparen können: Hatten Sie in diesem Jahr bereits hohe Krankheitskosten, erwägen Sie doch, ob Sie Aufwendungen des Folgejahres vorziehen können. Etwa Medikamentenbestellungen, neue Kontaktlinsen oder eine teure Zahnbehandlung. Sie hatten 2020 noch keine größeren außergewöhnlichen Belastungen? Dann sollten Sie, wenn möglich, Aufwendungen auf 2021 verschieben.

  • Wichtig: Steuerlich absetzbar sind gegebenenfalls auch Quittungen oder Rechnungen von Apotheken, Optikern, Physiotherapeuten und anderen Gesundheitsdienstleistern. Das gilt auch für Fahrten aus medizinischen Gründen.

Renten-Beiträge checken

Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zu berufsständischen Versorgungswerken oder für eine Rürup-Rente können Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben eintragen. Für 2020 liegt der Prozentsatz der Beiträge, die Sie als Sonderausgaben geltend machen können, bei 90% von 25.046 Euro jährlich bei Ledigen und von 50.092 Euro jährlich bei Verheirateten/eingetragenen Lebenspartnern. Arbeitnehmer müssen den Betrag, den der Arbeitgeber für sie in die gesetzliche Rentenversicherung oder in das Versorgungswerk eingezahlt hat, vom Maximalwert abziehen.

Wie Sie jetzt sparen können: Prüfen Sie, ob Sie den Maximalbetrag ausgeschöpft haben, um in den Genuss des höchst möglichen Steuereffekts zu kommen. Bleiben Sie als Rürup-Sparer darunter, wäre eine zusätzliche Einmalzahlung eine Option.

Freistellungsauftrag checken

Alle, die sparen oder Geld anlegen, haben steuerlich einen Freibetrag auf Kapitalerträge. Hierzu zählen etwa Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne aus Wertpapiergeschäften. Der Sparer/Anleger muss einen Freistellungsauftrag bei seiner Bank, Sparkasse, Bausparkasse oder Versicherung einreichen. Der sogenannte Sparerpauschbetrag beträgt für Ledige bis zu 801 Euro, für zusammen veranlagte Verheiratete bis zu 1.602 Euro. Den Pauschbetrag können Sparer/Anleger auf mehrere Konten und Depots verteilen.

  • Wichtig: Sie können Ihren Freistellungsauftrag in einem Jahr beliebig oft ändern. Kündigen können Sie ihn hingegen nur bis zum 31. Dezember eines Jahres. Spätestens am letzten Bankarbeitstag im Jahr – 2020 ist es der 30. Dezember – berücksichtigen Banken Änderungen. Nicht selten geben Geldinstitute aber frühere Eingangsfristen vor.

Wie Sie jetzt sparen können: Haben Sie Ihren Pauschbetrag richtig aufgeteilt? Sollte bei einer Bank der Betrag zu niedrig sein, behält diese von Ihren Kapitalerträgen 25% als Abgeltungssteuer – plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Zu viel gezahlte Steuern können Sie sich zwar über Ihre Einkommensteuererklärung zurückholen. Weitaus bequemer ist es, Sie checken Ihre Freistellungsaufträge noch in diesem Jahr.

Verlustbescheinigung beantragen

Sie haben bei Geldanlagen Verluste gemacht? In steuerlicher Hinsicht kann sich das rechnen. Wenn Sie als Anleger Konten bei unterschiedlichen Geldinstituten haben, können Sie sich für angefallene Verluste vom jeweiligen Geldinstitut eine Bescheinigung ausstellen lassen – die sogenannte Verlustbescheinigung. Diese muss bis zum 15. Dezember des laufenden Kalenderjahres bei der Bank beantragt werden.
 
Wie Sie jetzt sparen können: Mit der Verlustrechnung können Sie bei Ihrer Einkommensteuererklärung Kapitalverluste mit positiven Kapitalerträgen, die Sie bei einem Geldinstitut haben, verrechnen.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (7)


Kommentare

ING

08.01.2021

Hallo Frau Walther-Straube, für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer, vermindert um die sonstigen Steuerermäßigungen, auf Antrag um 20 % der Aufwendungen, höchstens jedoch um 1.200 Euro. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Erika Renate Walther-Straube

07.01.2021

Sachlich nicht richtig ist meiner Meinung nach die Behauptung, daß bei Handwerkerrechnungen 20 % direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Die Rechnung wird vielleicht als außergewöhnliche Belastung anerkannt und nach Abzug der zumutbaren Belastung als absetzbare Position berücksichtigt.
Wenn die 20 % direkt von der Steuerschuld abziehbar wären, würde ich jedes Jahr renovieren lassen.


@S.Behrens

07.01.2021

Finanztip ? Ist mir als Tippgeber für Geldanlagen in bleibenden Erinnerung. Das sind doch jene selbst ernannten "Igsperden", deren wiederholt ultimative Anlageempfehlung bei isländischen Banken genau zu dem Zeitpunkt erschien, als die Ihre Pleite erklären mussten. Und wo dann die gläubigen Konsumenten des "Finanztip" mehr als 18 Monate um Ihr Geld kämpfen mussten.


S. Behrens

22.12.2020

Zu ungenau: Beispiel Gesundheitskosten:
Zumutbare Belastung???
Das ist bei Finanztip viel detailierter und erschöpfend erklärt.
Fazit:
Die Tips von der ING sind meist nicht ausreichend beschrieben und damit nicht wirklich brauchbar. Das machen andere besser.


Dieter Linden

21.12.2020

Alles ganz verständlich. Der Hinweis auf die Anforderung der Verlustbescheinigung bis zum 15.12. kommt für dieses Jahr zumindest
ein wenig zu spät.


ING

21.12.2020

Hallo Charles, sb 01.01.2021 dürfen Erträge
1.: nach § 20 Absatz 6 Satz 5 EStG für Verluste aus Termingeschäften im Sinne des § 20 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 EStG, insbesondere aus der Veräußerung, der Glattstellung und dem Verfall von Optionen sowie
2.: nach § 20 Absatz 6 Satz 6 EStG für Verluste aus der ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung, aus der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter im Sinne des § 20 Absatz 1 EStG, aus der Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter im Sinne des § 20 Absatz 1 EStG auf einen Dritten oder aus einem sonstigen Ausfall von Wirtschaftsgütern im Sinne des § 20 Absatz 1 EStG nicht mehr über den Verrechnungstopf, sondern nur noch in der Veranlagung verrechnet werden. Diese Verluste werden somit nicht in den Verlustverrechnungstopf eingestellt. Dies war auch bisher beispielsweise für wertlos verfallene Aktien so. Ob der Verlust aus dem Verfall von Optionsscheinen weiterhin wie bisher in den Verlustverrechnungstopf gestellt wird oder, ob derartige Verluste künftig unter § 20 Absatz 6 Satz 5 EStG fallen und nicht mehr in den Verlustverrechnungstopf gestellt werden dürfen, ist bisher nicht klar.
Diese Verluste gem. nach § 20 Absatz 6 Satz 5 und 6 EStG werden dann in den Jahresendbelegen ab 2021 bescheinigt – nach bisherigem Stand der Sicht der Finanzverwaltung auch ohne Antrag der Kunden.
Mit den in den Jahresendbelegen bescheinigten Verlusten aus Termingeschäften bzw. aus dem wertlosen Verfall von Kapitalforderungen können Sie dann im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung die Verrechnung mit den ebenfalls erklärten positiven Erträgen aus Termingeschäften bzw. sonstigen positiven Erträgen veranlassen - bis zu einer Grenze von 10.000 EUR. Diese Grenze wird wahrscheinlich durch das Jahressteuergesetz 2020 auf 20.000 EUR angehoben werden. Die technische Umsetzung bei erfolgt Anfang 2021 rückwirkend zum 01.01.21. Ein wichtiger Hinweis: Das ist der aktuelle Stand der Gesetzgebung. Änderungen können noch durch das Jahressteuergesetz 2020 oder das finale Finanzministeriums-Schreiben erfolgen.
Für weitergehende Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater. Viele Grüße und schöne Feiertage, Ihr Social Media Team


Charles

20.12.2020

Ihr Hinweis zur Verlustbescheinigung kommt leider zu spät: 15
Dezember. Kann man einen Teilbetrag der Verluste bescheinigen
lassen? Es würde als Scalable Kapital Kunde helfen, die Verluste zu
reduzieren.