Kinderbetreuung

Welche Möglichkeiten es gibt und was sie kosten | 16.11.2018

Kinderbetreuung

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Von KiTa über Au-Pair bis hin zu Leihoma: Betreuungsmöglichkeiten gibt es viele, doch günstig sind nur wenige. Mit welchen Kosten zu rechnen ist und welche Alternativen es gibt.

Krippe, Kindertagesstätte und Hort – Kosten variieren

Anfang 2019 soll das „Gute-KiTa-Gesetz“ in Kraft treten. Dieses soll die Qualität der Betreuung verbessern, die Anzahl der Kindertagesstätten erhöhen und Eltern finanziell entlasten. Derzeit wenden Eltern bundesweit im Schnitt 5,6% und 173 Euro ihres monatlichen Nettoeinkommens für die Kita auf – hinzukommen Zusatzkosten für Essen, Ausflüge und Hygieneartikel wie Windeln. Die Preisgestaltung von Krippen-, Kita- und Hortplätzen liegt in kommunaler Hand und kann selbst innerhalb eines Bundeslandes variieren. Eine bundesweite Kostenübersicht besteht deshalb nicht.
 
Krippenplätze für Kinder ab einem Jahr sind in der Regel teurer als Kita-Plätze für Kinder ab drei Jahren, weil die Kleineren noch betreuungsintensiver sind. Die Beiträge richten sich außerdem nach dem Familieneinkommen. Anteilig überproportional stark belastet werden, nach einer Bertelsmann-Studie, einkommensarme Familien.

  • Berlin ist das erste Bundesland, das Gebühren für Betreuungskosten komplett abgeschafft hat: Seit dem 1. August zahlen Eltern hier für ihre Kinder nur noch das Mittagessen, im Schnitt 23 Euro monatlich.
  • Schleswig-Holstein ist der Gegenpol zu Berlin: Hier liegen die Betreuungskosten mit 9% im Schnitt am höchsten.
  • Niedersachsen und Hessen stellen ebenfalls seit dem 1.8.2018 zumindest für Kinder ab drei Jahren eine Betreuung von bis zu sechs Stunden am Tag gebührenfrei.
  • Die Gebühren für Hortplätze, die Schulkinder vor und nach dem Unterricht sowie in den Ferien in Anspruch nehmen können, richten sich ebenfalls nach gebuchter Zeitmenge und Einkommen.

Immerhin: Bis zum 14. Lebensjahr können zwei Drittel der Betreuungs-Kosten und maximal 4.000 Euro pro Jahr von der Steuer abgesetzt werden.

Das kosten Tagesmütter und -väter

Für die Betreuung gerade kleinerer Kinder und aufgrund der größeren zeitlichen Flexibilität sind Tagesmütter und -väter bei Eltern sehr gefragt. Klaus-Dieter Corsten-Zühlke vom Bundesverband für Kindertagespflege nennt noch weitere wichtige Faktoren: „Die Förderung des einzelnen Kindes und die Bindungskompetenz in der kleinen Gruppe sind klare Vorteile der Kindertagespflege.“ Maximal fünf Kinder dürfen von der Tagesmutter oder dem Tagesvater zeitgleich betreut werden. Vermittelt werden sie über die Jugendämter. Der elterliche Kostenanteil wird auf kommunaler Ebene festgelegt und schwankt bundesweit ähnlich wie bei den Kitas. Gezahlt wird an das Jugendamt oder ergänzend an die/den Tagesmutter/-vater direkt. „Im Schnitt liegt die Vergütung der Tagesmütter und -väter zwischen drei bis vier Euro pro Kind pro Stunde“, erklärt Corsten-Zühlke.
 
Anders verhält es sich, wenn die betreuende Person in den Haushalt der Familie geht: Sie braucht keine behördliche Erlaubnis für die Ausübung und die Vergütung kann mit den Eltern direkt verhandelt werden. Ziel des Bundesverbandes ist, eine einheitliche Qualität und möglichst auch Vergütung zu erreichen. „Kindertagespflege bedarf einer Erlaubnis. Das macht man nicht nebenbei, das ist ein Beruf, für den man sich qualifizieren muss. Darum muss dessen Ausübung auch die Existenz sichern“, sagt der Referent. Ein faires und einheitliches Vergütungsmodell hat der Verband vorgelegt, richten müssen die Kommunen sich danach jedoch nicht.

Mit welchen Kosten bei einem Au-Pair zu rechnen ist

Au-Pairs sind junge Menschen aus dem Ausland, die meistens nach Abschluss der Schule in einer Familie einen Auslandsaufenthalt verbringen und deren Kind(er) betreuen. Aber: Wer ein Au-Pair aufnehmen möchte, gewinnt damit gleichzeitig ein neues Familienmitglied. „Es muss entsprechend Platz vorhanden sein, denn ein Au-pair hat das Recht auf ein eigenes, abschließbares Zimmer“, erläutert Cordula Walter-Bolhöfer, Geschäftsführerin der Gütegemeinschaft Au-pair.

  • Bis zu 30 Stunden die Woche ist das Au-pair zuständig für die Kinderbetreuung, die Eltern kommen im Gegenzug für Kost und Logis auf.
  • Eltern müssen dem Au-Pair ein monatliches Taschengeld von 260 Euro zahlen.
  • Zusätzlich müssen sie 50 Euro zu einem Sprachkurs dazugeben
  • und monatlich etwa 40 Euro für die Kranken-, Haftpflicht- und Unfallversicherung des Gastes tragen.
  • In Summe bedeutet das: „Die Kosten für eine Au-pair-Vermittlung liegen je nach Service zwischen 300 und 1.200 Euro“, sagt Walter-Bolhöfer.

EU-Au-pairs dürfen bis zu zwei Jahren bleiben, nicht EU-Aupairs nur maximal ein Jahr. Es gibt aber auch kürzere Variationen, z.B. Sommer-Au-pairs. „Für die Kinder ist ein Au-pair ideal, das mindestens ein Jahr bleibt. Je weniger Wechsel, desto besser“, Walter-Bolhöfer. Grundsätzlich gilt: Ein Au-Pair sollte erst bei etwas größeren Kindern zum Einsatz kommen.

Familienpaten, Leihoma, Babysitter als kostengünstige Alternative

In Großstädten verlangen Babysitter inzwischen durchaus 10 Euro Stundenlohn, das können sich viele nur zur Überbrückung einiger Stunden leisten. Für einen dauerhaften Einsatz sollte für sie eine Haft- und Unfallversicherung abgeschlossen werden und eine Anmeldung bei der Minijobzentrale erfolgen.
 
Günstiger ist es, auch Familienangehörige einzubinden. Leben die Großeltern der Kinder nicht im Umfeld, kann sogar auf „Leihgroßeltern“ zurückgegriffen werden: Senioren stellen sich ehrenamtlich oder gegen eine geringe Aufwandsentschädigung für die Kinderbetreuung zur Verfügung. Anfragen hierfür können an Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz oder die Arbeiterwohlfahrt gestellt werden.
 
Auch für einkommensschwächere Familien gibt es Betreuungsalternativen. Für sie sind Familienpaten ggf. eine hilfreiche Unterstützung zur stundenweisen Betreuung. Die ehrenamtlichen Helfer werden von sozialen Einrichtungen begleitet, ausgebildet und zum Beispiel vom Kinderschutzbund vermittelt.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (10)


Kommentare

@Joe

23.11.2018

Weil ja so viele Großeltern in der Nähe wohnen, auf dem Land oder gesundheitlich noch so fit den kleinen nach zu laufen in der gefährlichen Großstadt.
Träum mal schön weiter....wenn die Kinder aus dem Alter raus sind mein lieber Joe - dann gehen sie in die Schule und dann gibt es bzw. sollte es Ganztagsschulen geben bis Abends, zu Zeiten, wo Eltern auch aus der Arbeit raus kommen, um sie abholen zu können.
Kinder gehören nicht allein daheim oder Nachmittags auf die Straße, da machen sie nur Unsinn und Abends ab einer gewissen Zeit gehören sie heim...sonst gammeln sie nur rum, machen Graffittis und Sachbeschädigung - alles aus Langeweile.


Joe

22.11.2018

Und wenn die Kinder aus dem Alter raus sind, in dem sie eine Kita oder Tagesmutter brauchen? Im Grundschulalter z.B.? Soll dann auch das Kindergeld gestrichen werden, da man dann keine teure Betreuung mehr braucht? Ich finde es unverschämt, den Eltern vorzuschreiben, wie sie die Betreuung ihrer Kinder organisieren, und sie zu drängen, das Kind in eine Kita zu geben. Nein, ich meine jetzt nicht, dass die Frau zu Hause bleiben soll, aber es könnten auch beide Elternteile Teilzeit arbeiten, es gibt auch Großeltern etc. Meine Kinder haben beim Großvater auf dem Land mit Tieren so vieles gelernt, was sie in einer Kita niemals könnten. Und es sind durchaus gesellschaftsfähige Wesen geworden.


Jan

21.11.2018

@Joe
Und das glaubst du?
Außerdem sollte das Geld dann auch nicht für Musik- / Reitunterricht oder so ausgegeben werden (Kinder werden mit zu viel Aktivitäten sowieso überfordert) SONDERN dieses Geld soll doch für Kindergrippe, -hort, -garten etc. sein, vielleicht auch Tagesmutter oder so.
Aber es soll kein Zubrot sein für andere Aktivitäten.
Die Forderung, dass Kindergeld gestrichen werden soll und dafür lieber die Unterbringung frei ist, bleibt bestehen und die anderen hier sehen es ja genau so.


Joe

21.11.2018

War da nicht gerade eine Stude der Bertelsmann-Stiftung, veröffentlich in der Zeit Online von gestern, die sagt, dass die meisten Eltern das Geld eben nicht für Saufen und Rauchen ausgeben, sondern davon Musik- und Reitunterricht bezahlen?


Olli

19.11.2018

Gebe Jan 100 Punkte!
Wer gibt Frau Dr. Giffey mal den Denkansatz?


Hans

19.11.2018

Jepp ich bin auch dafür was Jan schreibt, wir haben für unser Kind vom 10. Monat bis zum ende der 4ten Klasse bezahlt und es war in etwa die Größe des Kindergeldes,
@notting: die ersten 3 Jahre war unser Kind bei einer Tagesmutter, die Liste der möglichen Tagesmütter haben wir aus dem entspr. Dezernat der Gemeindeverwalung erhalten und nirgend wo anders her. Nur Tagesmütter die von denen aufgeführt waren, waren für eine Kostenübernahme zugelassen. In unserer Gemeinde macht es bzgl. der Betreuungskosten keinen Unterschied ob Tagesmutter oder Krippe, es gilt der gleiche Kostenschlüssel nach Elterngehalt und gezahlt wird NUR an die Gemeinde. Wir leben etwa 20km außerhalb Berlins.


Mario

19.11.2018

Hallo Jan ,

das sehe ich genauso. Wenn es noch mehr Kindergeld gibt haben die Kinder noch lange nicht davon. Du hast ja alles schon aufgeführt. Und dann wären auch die nicht so arbeitswilligen mit vielen Kindern weil sie weniger Geld bekommen zum arbeiten bereit. Und es würde arbeitsplätze schaffen und für eine bessere Bezahlung der Betreuer sorgen


Maria Petra Günther

19.11.2018

Da gebe ich dem Jan mal recht, wäre mir auch lieber.


notting

17.11.2018

"[...] Tagesmutter oder dem Tagesvater [...]. Vermittelt werden sie über die Jugendämter."
AFAIK ist das so falsch. Meine Eltern sind Tageseltern. Die kriegen die meisten Kontakte zu Kundschaft über den Tageseltern-Verein. Mag sein, dass es über das Jugendamt gehen muss, wenn irgendwelche Zuschüsse erwünscht sind, z. B. weil der alleinerziehende Elternteil nur dann arbeiten gehen kann, wenn sich jmd. um das Kind kümmert.

notting


Jan

16.11.2018

Ich habe noch keine Kinder.

Aber ich plädiere dafür, dass alles für Kinder, ob Kinderhort, Kindergrippe, Kindergarten etc. vom Staat - also der Allgemeinheit bezahlt wird.

Dafür sollte das Kindergeld gestrichen werden! Wird sowieso zweckentfremdet für rauchen, saufen, Drogen und massenhafte Überweisungen in Ausland lebende Kinder. Diese bringen unserem Renten- und Sozialsystem nichts.