Der Monat der Wahrheit

Kommt es im Oktober endlich zum Durchbruch bei Handelsstreit und Brexit? | 08.10.2019

Kolumne von Carsten Brzeski

© ING-DiBa AG

Angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen könnte man es fast schon wieder vergessen. Der Monat Oktober wird der Monat der Wahrheit.

Ein mögliches Amtsenthebungsverfahren des amerikanischen Präsidenten, mögliche Korruptionsvorwürfe gegen den Sohn des aktuell chancenreichsten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und der Londoner Supreme Court, der das Vorgehen des britischen Premierminister einstimmig als ungesetzlich, ungültig und ohne Effekt ablehnt.

Die Welt könnte aktuell wohl mal wieder kaum chaotischer sein. Nur haben wir uns mittlerweile an das tägliche Chaos gewöhnt, so dass es auch die Finanzmärkte kalt lässt. Und auch wenn der Monat September ausreichend Material für zukünftige Generationen von Politologen bereitstellte, so war der Monat Oktober prädestiniert, Monat der Wahrheit für die Weltwirtschaft zu werden. Der Monat des Showdowns im Handelsstreit zwischen den USA und China und der Monat des endgültigen Brexit Showdowns. Das Risiko ist hoch, dass beide Showdowns wie eine schlechte Fernsehserie enden.

Zwischen täglichen Tweets und Wasserstandmeldungen, ob man nun mal wieder näher dran oder weiter entfernt war von einem Deal, kann man das Thema Handelsstreit eigentlich gar nicht mehr hören. Wäre es nicht, dass die fortschreitende Unsicherheit vor allem der deutschen Konjunktur schwer zu schaffen macht. Beim großen Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping soll eigentlich der große Durchbruch kommen. Die landläufige Meinung war, dass Donald Trump vor Beginn des Wahlkampfs „seinen“ Deal benötigt. Was aber, wenn das Wahlkampfteam entscheidet, dass noch besser als ein Deal ein „beinahe“ Deal ist, den nur ein wiedergewählter Präsident Trump und kein anderer Präsident im Jahr 2021 eintüten kann? Und was, wenn die chinesischen Strategen denken, dass man den aktuellen Konflikt aussitzt, in der Hoffnung, dass Trump nicht wiedergewählt wird und man mit einem neuen US-Präsidenten bessere Geschäfte machen kann? Ein gefundenes Fressen für Spieltheoretiker.

Beim Brexit sieht es noch schlimmer aus. Die wirklich allerletzte Frist sollte der 31. Oktober sein. Boris Johnson würde wohl lieber tot im Graben liegen, als dass er Brüssel um eine Verlängerung der Frist fragen würde. Genau das ist aber, was das britische Parlament mit seinem „No-No-Deal Brexit“ Gesetz fragt. Oder eine Unterzeichnung des alten, von Theresa May ausgehandelten, Brexit Vertrags. Denn niemand kann glauben, dass man in den kommenden vier Wochen mit Brüssel noch einen neuen Vertrag verhandeln kann. So bleibt also alles beim Alten, scheint die britische Politik zu implodieren, mit möglicherweise fatalen Folgen für die Gesellschaft, und bleiben weiterhin ein ungeordneter Brexit, Fristverlängerung, Neuwahlen, Referendum oder x-beliebige Kombinationen dieser Elemente im Bereich des Möglichen. Was macht man bei so viel Chaos und Unsicherheit meistens in Europa? Genau, man verschiebt die Entscheidung.

Und so ist es wie bei einer guten Fernsehserie: mit immer wieder neuen „Cliffhangern“ und abstruseren Handlungen versucht man den Zuschauer zu binden, der wiederum seiner ursprünglichen Lieblingsserie irgendwann entgeistert den Rücken zudreht. Wenn Handelsstreit und Brexit nicht so enorm wichtig wären für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte würde man das hier eigentlich auch gerne tun.

Autor: Carsten Brzeski


Ihre Meinung

Kommentare (4)


Kommentare

Peter Weiand

10.10.2019

So ist es, mehr braucht man dazu nicht zu sagen.


Reinhard Schumacher

09.10.2019

Super formuliert, mit dem nötigen Abstand, damit man sich nicht in Emotionen verstrickt.


Spantax

09.10.2019

...mit dem falschen Bein aufgestanden? Völlig unnötiger Kommentar. Bringt mir gar nichts.


Dr. EW. Drescher

09.10.2019

unnötiger Artikel: Allgemeinplätze, nichts Neues und schon gar nichts, woraus man konkretes Handeln ableiten könnte.