Das Grauen hat eine Zahl

Wirtschaftseinbruch durch Corona | 06.08.2020

Kolumne von Carsten Brzeski

© ING-DiBa AG

Eigentlich heißt es ja immer, dass das Grauen einen Namen hat. Für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft ist das seit Monaten nur ein einziger Name: Covid-19. Seit letzter Woche hat dieses Grauen aber nicht nur einen Namen, sondern auch eine Zahl. In Deutschland die Zahl 10,1%.

10,1%. Das ist der Einbruch der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal. Die Europäische Wirtschaft ist um mehr als 12% eingebrochen, genauso wie die italienische. Die französische Wirtschaft verlor fast 14%, die spanische mehr als 18%. In vielen Reaktionen konnte man danach lesen, um wie viele Jahre diese Länder in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeworfen wurden. Das ist natürlich zu viel Drama. Was diese BIP-Daten zeigen, sind ganz schlicht und einfach die Folgen des Lockdowns. Je länger und je stärker der Lockdown, um so grösser der Einbruch der Konjunktur. Österreich und Deutschland lockerten die Corona-Maßnahmen schon Ende April wieder, die meisten anderen Länder folgten erst im Laufe des Monats Mai. Für Schweden, die keinen Lockdown vollzogen haben, gibt es noch keine Wachstumszahlen.

Die aktuellen Wachstumsdaten sagen allerdings herzlich wenig über die Aussichten für die zweite Jahreshälfte. Daher überrascht es auch, dass die Finanzmärkte negativ reagierten. Was man von den Daten für die kommenden Monate mitnehmen kann, ist die Tatsache, dass die wirtschaftlichen Folgen eines Lockdowns sich wohl exponentiell entwickeln.

Was die aktuellen Daten auch maskieren, ist die Tatsache, dass es seit den ersten Lockerungen schon wieder stark nach oben geht. Die Monate Mai und Juni waren und sollten Monate mit starkem Wachstum sein. Die letzten Konjunkturindikatoren sowie mehr experimentelle Daten zeigen genau in diese Richtung. Die meisten Länder sind mittlerweile zurück auf einem Niveau, das zwischen 80% und 90% des Vor-Krisen-Niveaus liegt. Selbst wenn die wirtschaftliche Aktivität ab jetzt stagnieren sollte, das dritte Quartal wird wieder ordentliche Wachstumszahlen produzieren. Wie es danach weitergeht, hängt in großem Maße ab von einer möglichen zweiten Welle von Lockdown Maßnahmen, dem bisher verursachten permanenten Schaden hinsichtlich Arbeitslosigkeit und Insolvenzen und den üblichen Verdächtigen wie Handelsspannungen und Brexit. Darüber sagen die grauenhaften Daten der letzten Woche ganz kurz gesagt: nichts.

Das wirtschaftliche Grauen der Corona-Krise hat jetzt eine Zahl. Die Achterbahnfahrt geht allerdings weiter.

Autor: Carsten Brzeski


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