Kurzzeitig erkrankt

Möglichkeiten, Rechte und Pflichten als Arbeitnehmer | 03.04.2018

20150624_Baukosten_artikel

© Geber86 - istock.com

Wer krank ist, gehört ins Bett. Doch immer mehr Deutsche schleppen sich mit Husten und Schnupfen zur Arbeit. Das schadet nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Arbeitgeber, wenn sich weitere Kollegen anstecken. Was Arbeitnehmer für Alternativen- und für Pflichten haben.

Laut einer aktuellen Studie des TV-Senders „Health TV“ gehen 61 Prozent der Deutschen krank zur Arbeit. Dieses Phänomen heißt „Präsentismus“ und bezeichnet das Arbeiten eines Arbeitnehmers trotz kurzzeitiger Erkrankung. Vor allem auf Männer trifft das zu. Laut Studie arbeiten sie krank etwa zehn Tage pro Jahr, bei Frauen sind es immerhin noch sechseinhalb Tage.

Die Folge: Arbeitnehmer fallen oft längerfristig aus, weil sie ihre Krankheit verschleppen. Nicht selten stecken sich andere Kollegen an. „Das Verhalten ist zwar nicht strafbar, aber auch nicht sehr kollegial, wenn es sich um eine ansteckende Erkrankung handelt. Oft wird im falsch verstandenen Pflichtbewusstsein gehandelt“, erklärt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht, aus Nürnberg. Häufig sind wichtige Termine, Fristen oder eine lange To-do-Liste der Grund, weshalb Erkrankte trotzdem arbeiten. „Letztlich sollten Arbeitnehmer, denen ein Arzt bescheinigt hat, dass sie wegen einer Krankheit arbeitsunfähig sind, in jedem Fall zu Hause bleiben.“

Allerdings ist es nicht verboten, bei vorzeitiger Genesung wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Dies gilt auch, wenn die Arbeitsunfähigkeit noch besteht. „Rechtlich ist das möglich“, sagt Fachanwalt Markowski. „Eine Gesundschreibung ist nicht notwendig.“

Die einzige Alternative: Homeoffice

Wer sich beispielsweise eine leichte Erkältung eingefangen hat und nicht voll einsatzfähig ist, kann Homeoffice in Betracht ziehen, wenn der Beruf das zulässt. Der beschwerliche Weg zur Arbeit bleibt erspart und so lässt sich prüfen, inwieweit die Erkrankung die Konzentration und Arbeit einschränkt. Und: Kollegen können sich nicht anstecken. Ist die Arbeit von zu Hause möglich, sollte es allerdings klare Absprachen in Bezug auf Erreichbarkeit und Dauer der Arbeit geben.

Auch wenn es gute Gründe für die Arbeit im Homeoffice gibt – mit dem Arbeitgeber muss das dennoch abgeklärt werden. „Einen Anspruch auf Homeoffice, weil man trotz einer krankheitsbedingten Einschränkung arbeiten könnte, gibt es nicht“, merkt Anwalt Markowski an. Wer zudem schon im Vorfeld krankgeschrieben war, läuft Gefahr sich mit seiner Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung unglaubwürdig zu machen.

Übrigens: Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verpflichtet nicht dazu, das Bett zu hüten. Aktivitäten, wie etwa Spaziergänge, die den Gesundungsprozess nicht behindern, sind erlaubt.

Lohnfortzahlung und Krankengeld

Wer wegen einer starken Erkältung, einem Magen- und Darminfekt oder anderen kurzzeitigen Erkrankungen zu Hause bleiben muss, bekommt in der Regel eine Lohnfortzahlung. Voraussetzung dafür ist ein Attest. „Das muss dem Arbeitnehmer spätestens vorliegen, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage andauert“, so Jürgen Markowski. Einige Unternehmen verlangen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon früher. Arbeitsrechtlich ist das durchaus zulässig.

Achtung: Schicken Arbeitnehmer verspätet oder überhaupt kein Attest ihres Arztes, droht ein Verdienstausfall. Arbeitgeber sind in diesem Fall nicht verpflichtet, den Lohn weiter zu zahlen. Auch ein Krankentagegeld greift erst ab einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens sechs Wochen. Dessen Höhe hängt von der jeweiligen abgeschlossenen Versicherung ab.

Checkliste: Diese Rechte und Pflichten haben Arbeitnehmer, wenn sie kurzzeitig erkranken:

  • Der Arbeitgeber muss über die Dauer der Arbeitsunfähigkeit unverzüglich in Kenntnis gesetzt werden.
  • Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Attest) muss spätestens ab dem dritten Kalendertag (Wochenende und Feiertage inbegriffen) vorliegen. Je nach Unternehmen kann ein Arbeitgeber die ärztliche Bescheinigung auch schon nach einem oder zwei Tagen verlangen.
  • Liegt das Attest verspätet vor, ist der Arbeitgeber nicht zu einer Lohnfortzahlung verpflichtet.
  • Wer im Urlaub erkrankt, kann sich die freien Tage erstatten lassen, sofern ein Attest vorliegt.
  • Ein Attest ist kein Arbeitsverbot des Arztes, sondern ein medizinisch begründeter Nachweis zur Arbeitsunfähigkeit.
  • Wer vorzeitig wieder gesund ist, um arbeiten zu gehen, darf dies ohne erneute medizinische Bescheinigung tun.
  • Wer krankgeschrieben ist, muss nicht zwingend das Bett hüten. Alles, was den Gesundungsprozess nicht behindert, ist erlaubt.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (4)


Kommentare

Joe

11.04.2018

@John: Ich glaube nicht, dass ein Arbeitgeber am ersten Tag eine Krankmeldung verlangen kann. Einen Anruf wohl schon, auch ein Attest auch FÜR den ersten Tag, aber nicht AM ersten Tag. Man kann sich auch die Krankheit attestieren lassen und sie bis zum dritten Tag schicken.


Andreas

04.04.2018

"Wer vorzeitig wieder gesund ist, um arbeiten zu gehen, darf dies ohne erneute medizinische Bescheinigung tun."
Leider ist der Artikel sehr allgemein gehalten und betrachtet nur grundsätzliche Regelungen. Dabei ist zu differenzieren, welcher Art von Arbeit der Erkrankte nachgeht. Und natürlich gibt es ein Arbeitsverbot. Ich glaube nicht, dass ein an Virusgrippe erkrankter Pilot eines Verkehrsflugzeuges oder ein Sprengstoff-Experte in diesem Zustand seine Arbeit verrichten darf. Und eine an einer ansteckenden Krankheit leidenden Schwester auf der Säuglingsstation möchte ich mir gar nicht erst vorstellen. In diesen Fällen ist es der Arbeitgeber selbst, der eine Beschäftigung verbietet.


John

04.04.2018

Mein Arbeitgeber verlangt am ersten Tag eine Krankmeldung. Verantwortungs und skrupellos ist das vom Arbeitgeber, wenn man mit 40 Grad Fieber persönlich die Krankmeldung vorbeibringen soll, da die Post das kaum an dem selben Tag zustellen kann. Das unterstützt auch noch unsere Bundesregierung. 40 Grad Fieber und am Steuer eines Autos, das ist erlaubt! Da sollte man was ändern!!!!!!!!!


Hinz

04.04.2018

Arbeiten trotz Krankschreibung? Was sagt die Berufsgenossenschaft, wenn dann ein Arbeitsunfall passiert und der Arbeitnehmer eigentlich krank geschrieben ist?