Geldfrage des Monats

Gibt es Länder ohne Geld? | 19.12.2018

Gibt es Länder ohne Geld?

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Unsere Geldfrage im Dezember: Gibt es Länder ohne Geld?

Geldlose Staaten – die gibt es tatsächlich nicht. Dennoch existieren vereinzelte Regionen, in denen nicht etwa die jeweilige Landeswährung, sondern noch immer alternative Tauschwährungen zur Zahlung verwendet werden. Ein bekanntes Beispiel: Die indigene Bevölkerungsgruppe Tolai in Papua-Neuguinea verwendet noch heute das Tabu-Muschelgeld als Zahlungsmittel. Es gibt sogar eine Muschelbank, bei der das Muschelgeld in die Landeswährung Kina umgetauscht werden kann. Streng genommen handelt es sich bei dem Tabu-Muschelgeld allerdings gar nicht um Muscheln, sondern um Schneckenhäuser. Sie werden auf eine Schnur aufgezogen, deren Länge später den Wert der Ketten festlegt.

Solche Zahlungsmittel nennt man Primitivgeld. Früher gab es davon die vielfältigsten Varianten: Von gepressten Tee- oder Salzbarren bis hin zu tonnenschweren Steinen. Selbst Zähne, Stofftücher und Kakaobohnen waren mancherorts gängige Zahlungsmittel. Doch bis auf wenige Ausnahmen verschwanden diese Währungen spätestens Mitte des 20. Jahrhunderts. Letztendlich handelt es sich aber selbst bei Steinen, Zähnen oder Muscheln um eine Form von Geld. Gemäß der Definition des Gabler Wirtschaftslexikons gilt als Geld, was ein allgemein anerkanntes Tausch- und Zahlungsmittel ist, auf das sich eine Gesellschaft verständigt hat. Solange jedoch keine Rechtsordnung Händler und Privatpersonen dazu verpflichtet etwa das Tabu-Muschelgeld anzunehmen, handelt es sich auch nicht um eine offizielle Währung oder ein gesetzliches Zahlungsmittel.

Ohne Geld leben? Eine Utopie in Indien will es vormachen

Die Frage drängt sich auf, ob es überhaupt ganz ohne Geld geht? Die rund 2.500 Bewohner der Stadt Auroville in Indien wollen das beweisen. Vor 50 Jahren gründete Mirra Alfassa, Partnerin des berühmten indischen Philosophen Sri Aurobindo, die Stadt. Auroville erhebt seit jeher den Anspruch ein universaler Ort zu sein – frei von Geld, religiösem und politischem Einfluss. Ähnlich wie in der griechischen Agora gilt für Entscheidungen die Gemeinschaft betreffend das Konsens-Prinzip. Statt religiösem Glauben verständigen sich die Bewohner auf die generelle Existenz des Göttlichen. Die Bewohner verfügen über ein Grundeinkommen, für das sie als Gegenleistung täglich mehrere Stunden etwas für die Gemeinschaft tun müssen. Und der Mittelpunkt der Gemeinde stellt ein imposantes Meditationszentrum dar, das sogenannte Matrimandir.

Das alles muss natürlich finanziert werden. Einer Reportage des Nachrichtenmagazins Slate zufolge bezieht die Auroville Stiftung finanzielle Mittel nicht nur aus Spenden oder Fördermitteln der indischen Regierung, sondern auch aus den Verkäufen der Häuser in Auroville an seine Bewohner. Viele von ihnen leben von Ersparnissen oder arbeiten saisonal, um sich den Rest des Jahres das Leben in Auroville zu finanzieren. Und noch etwas hat die Slate-Autorin Maddy Crowell bei ihren Recherchen herausgefunden: Bewohner und Shop-Betreiber in Auroville halten sich nicht unbedingt an die Vorgabe bargeldlos zu leben. Daran zeigt sich: So richtig funktioniert es selbst in der indischen Gesellschaftsutopie nicht ohne Geld.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (8)


Kommentare

@Shangri-La

27.03.2019

Du bist ein Träumer, das haut nicht hin.

Geld wurde erfunden, um Werte vergleichen zu können.
Du hast im Fach Wirtschaft nicht aufgepasst oder?

Dann gehe doch mal wo hin, wo man einen Esel gegen fünf Gänse oder 2 Hühnereier gegen 1 Tomate tauscht?!
Was ist wenn für einen die Tomate wertvoller ist, er keine Hühnereier will, sondern einen Esel? usw.

Also nein, lass mal die Gedanken!
Bargeld muss bleiben!!!

Die Ellbogen Gesellschaft haben wir nur, weil einige unnötig zu viel Geld zusammenbekommen.
Ein Banker, einer von der Versicherung etc. die "eigentlich" nichts bringen / generieren oder der Gesellschaft wirklich nützen wie z.B. ein Bauer bekommen mtl. 1.500,00 bis 2.500,00 Euro Netto - ein höherer oder woanders (Abteilung, Land, etc.) bis zu 5.000,00 oder 25.000,00 Euro....ein Börsenmakler oder Vorstand etc. bis zu paar Millionen und dazu kräftige Bonis usw.

Was bekommt der Bauer? Friseur? Pflegekraft? Kleiner Büromitarbeiter? usw.
Die können nur was leisten, aber nicht generieren wie die anderen Berufe die nur Werte hin und her schieben und einfach was fest setzen (Höhe der Zinsen usw.).


Bert

27.03.2019

Gibt schon Länder ohne Geld bzw. Inseln, aber in einer großen Gesellschaft - Stadt etc. geht das nicht.


ZeukeE44

31.01.2019

Bargeld. Das Thema wird ja heftig diskutiert. Und viele lehnen die Bargeldabschaffung ab. Dabei werden längst weltweit Fakten geschaffen. Nur die ach so klugen und tollen Deutschen hinken mal wieder hinterher. Und so stand dann am letzten Freitag eine junge deutsche Dame in London auf dem Flugplatz, zwar mit viel Bargeld - aber gänzlich ohne Karte. Andere Deutsche hatten zwar eine girocard mit, aber bei der Commerzbank ist das Funksymbol nicht in Sicht. Und dann versuche mal ohne Karte mit Funksymbol im Bus die Mitnahme ins Stadtzentrum oder einen Einkauf beim Bäcker oder den Zugang zur Toilette zu öffnen. Für mich war es Begründung genug zur ing zu wechseln.


Shangri-La

29.01.2019

Fakt ist die Welt würde viel besser funktionieren ohne Geld - Grund verlinkt man den Gegenwert an Nahrungsmittel oder Fundgegenstände wird der Neid der Bevölkerung nachlassen, da jeder die gleiche Chance hat und wirklich nur der findigere gewinnt und nicht der mit dem grössten Ellbogenwinkel - ellenlange zu nichtsführende Diskussionen würde endgültig ad absurdum geführt


Stefan Plenert

18.01.2019

Im Römischen Reich wurde erst
Ware - Ware gehandelt - dann
Ware - Gelde - Ware
Beim Friseur bekomme ich für mein Geld keine Ware. Ich bekomme für das Geld nicht nur Waren und Produkte. Das nahm im R. Reich zu. Irgendwie zu einer Art Inflation im Reich und das Gelde verschwand. Es wurde nutzlos.
Im Feudalismus wurden erst Waren und Produkte auf dem Feudalhof Waren und Produkte abgeliefert. Dann wurde das Geld wieder eingeführt. Fast ist es so, wir bekommen für unser Geld immer weniger Waren und Produkte.
Viele arbeiten ehrenamtlich. Sie bekommen gar kein Geld für ihre Arbeit. Wird das Geld wieder nutzlos?
Wäre es nicht besser, eine Währung für die Welt?


ING

14.01.2019

Hallo Andreas, gern möchten wir auf Ihren Beitrag eingehen.
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Andreas

12.01.2019

Unterstützt meine Petition, die an die ING gerichtet ist und das Ziel hat eine bessere Bargeldversorgung sicherzustellen:

https://www.openpetition.de/petition/online/ing-diba-ag-soll-eine-kooperation-eingehen-um-eine-bessere-bargeldversorgung-sicherzustellen


Holger

21.12.2018

Ohne Geld würde in der "modernen" Welt nicht funktionieren, das geht nur auf Inseln oder kleinen Ländern bzw. Teilregionen etc.
Denn wie soll das bewertet werden? Güter tauschen und Dienstleistungen mit Einheiten für gewisse Min., Stunden etc.? Wäre dann auch nichts anderes wie eine Geldeinheit wie Dollar, Yen, Euro, etc.
Oder hmm, ein kleiner Fernseher sind 4 DAB´s Radio? Aber gibt doch so viele unterschiede....sonst würde doch das eine nicht mehr als das andere kosten. Dann hätte man ein DAB Radio mit gerade mal Senderempfang, das andere mit Senderempfang + Weckfunktion, das nächste mit Senderempfang + Weckfunktion + CD Abspielfunktion usw.
Wie will man da den Wert vergleichen?
Also ohne Geld, reiner Humbug.
Man sollte nicht immer diskutieren, sondern bei dem Bargeld bleiben, das hat sich seit Jahrtausenden bewährt - falls hier wieder einer meckert, ich wäre alte Garde und könne mit Bitschrott oder heißt es Bitcoin etc. anfangen oder nur digital das Geld hin und her schieben. Wie oft soll man das noch sagen, das versteht kein Kryptofanatiker - was ist wenn die Rechnerleistung nicht genug bereit stellt für alle Kryptos, was ist mit dem immensen Stromverbrauch - der alleine für Bitcoins so viel Jahresstrom im Jahr 2017 verbraucht hat wie ganz Argentinien? DAS LAND Argentinien!!!
Bargeld kann man immer mitnehmen, weiter geben usw.