Liquide im Alter

Immobilien-Leibrente oder Umkehrhypothek? | 15.01.2018

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Es gibt Senioren, die sind wohlhabend und arm zugleich. Klingt paradox? Ist es aber nicht. Denn einerseits sind sie Eigentümer einer Immobilie und leben mietfrei in den eigenen vier Wänden. Andererseits verfügen sie über wenig Geld – weil die gesetzliche Rente von vorne bis hinten nicht reicht. Zusätzliche Einnahmen, etwa aus einer privaten Altersvorsorge, haben sie nicht, weil über Jahre hinweg alles an Erspartem für das Abbezahlen des Immobilienkredits draufging.

Was also tun, wenn Senioren in einer solchen Situation sind und Geld brauchen? Etwa das Haus, in dem man sich wohl und geborgen fühlt, im Alter wieder verkaufen? Das muss nicht sein. Um „Betongeld“ in Bares umzusetzen, gibt es zwei Möglichkeiten: eine Immobilien-Leibrente oder eine Umkehrhypothek.

Das spricht für eine Immobilien-Leibrente

„Eine Immobilien-Leibrente ermöglicht Haus- und Wohnungseigentümern ab 70 Jahren, den Wert ihrer Immobilie in eine lebenslange zusätzliche Rente umzuwandeln“, erläutert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga in Bonn.

Und so funktioniert die Immobilien-Leibrente:

  • Man verkauft Haus oder Wohnung und erhält dafür sowohl eine lebenslange monatliche Leibrente als auch ein lebenslanges mietfreies Wohnrecht.
  • Beides muss im Grundbuch festgeschrieben und notariell beurkundet werden.
  • Die Nutzung der Immobilie wie ein Eigentümer ist weiterhin möglich.
  • Es fallen keine Notar- und Gutachterkosten sowie Provisionen bei Vertragsabschluss an.
  • Man ist besonders flexibel und kann die Immobilie bei Auszug, etwa in ein Pflegeheim, vermieten.
  • Lebt der ehemalige Besitzer besonders lange, erhält er von einem neuen Eigentümer unter Umständen mehr Geld, als die Immobilie wert war.

Aber es gibt auch eine Kehrseite: Stirbt der ehemalige Besitzer unerwartet früh, dann geht die Immobilie quasi unter Wert an den neuen Eigentümer. „Um das Risiko eines frühen Todes abzusichern, kann eine individuelle Mindestlaufzeit von fünf oder zehn Jahren festgelegt werden“, erklärt Hackler. Im Todesfall erhalten dann die Erben über diesen Zeitraum die Rente.

In Deutschland gibt es in Sachen Immobilien-Leibrente nur wenige Angebote. Interessierte könnten bei ihrer Hausbank nachfragen. Denkbar ist eine Immobilien-Leibrente etwa für:

  • Senioren mit einer schuldenfreien Immobilie, in der sie weiter wohnen wollen
  • Senioren ohne nahestehende Erben oder
  • Senioren, die mehr Geld zur Verfügung haben wollen bzw. brauchen

Die wichtigsten Fragen beantwortet die kostenlose Broschüre „Die Immobilien-Leibrente" der Deutschen Senioren-Liga.

Das spricht für die Umkehrhypothek

Neben einer Immobilien-Leibrente gibt es auch die Umkehrhypothek. Hierbei schließen die Eigentümer einen Kreditvertrag mit einer Bank oder Versicherung ab. Das Haus bleibt Eigentum des Besitzers, die Hypothek wird in monatlichen Raten ausbezahlt. Folglich baut sich die Schuldenlast von Jahr zu Jahr auf.

Am Ende der vereinbarten Laufzeit gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder zahlen die Senioren die Hypothek in einer Summe zurück – oder die Immobilie wechselt in den Besitz des Kreditgebers. Zugleich enden die monatlichen Ratenauszahlungen. Ein Vorteil der Umkehrhypothek: „Senioren bekommen Planungssicherheit, da alle wichtigen Faktoren – etwa Höhe der Rente, Zinssatz, Laufzeit im Voraus festgelegt werden“, sagt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen.

So funktioniert die Umkehrhypothek:

  • Eigentümer schließen einen Kreditvertrag mit einer Bank oder Versicherung ab.
  • Durch eine Hypothek fließt an die Senioren Geld, ohne dass ein Eigentümerwechsel erfolgt.
  • Auch die Auszahlung eines Einmal-Betrags ist möglich.
  • Senioren bleiben flexibel – sie können am Ende der Laufzeit die Hypothek zurückzahlen, etwa nach einem unerwarteten Geldsegen durch Erbschaften.
  • Steht während der Laufzeit ein Umzug in ein Pflegeheim an, kann die Immobilie verkauft werden – aus dem Erlös wird dann das Darlehen getilgt.

Aber es gibt einen Haken an der Sache: „Läuft der Vertrag vor dem Tod des Eigentümers aus, droht im hohem Alter doch noch der Umzug“, sagt Hackler. Und die Liquidität, die eigentlich so dringend benötigt wird, fehlt plötzlich. Daher wird die Umkehrhypothek oft mit einer Rentenversicherung kombiniert, um so das lebenslange Wohnrecht zu gewährleisten. Damit wird es aber für die Senioren recht teuer. Hinzu kommen Bankprovisionen, Gebühren und Bearbeitungsentgelte.

© ING-DiBa

Worauf unbedingt geachtet werden sollte

Egal ob Immobilien-Leibrente oder Umkehrhypothek: Senioren sollten sich individuell und unverbindlich beraten lassen. Das ist zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale möglich. „Wichtig ist, sich ein Wertgutachten des Objektes von unabhängiger Seite einzuholen“, betont Oelmann. Denn auf Basis dieses Gutachtens wird schließlich die Höhe der Rente ermittelt. Im Vorfeld muss auch geklärt werden, wer für Instandhaltungs- und Renovierungsmaßnahmen aufkommen muss. „Sind Erben vorhanden, dann sollten sie in die Entscheidung eingebunden werden“, rät Hackler. Das schafft Klarheit.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (29)


Kommentare

ING

22.10.2018

Hallo suse, oh - vielen Dank für den Hinweis! Viele Grüße, Ihr Social Media Team


suse

19.10.2018

kleiner Fehler in der Grafik: Immobilien-Leihrente ;-)


ING

19.10.2018

Hallo Eberhard, vielen Dank für Ihren Hinweis. Stimmt - dies ist nicht immer der Fall. Wir werden den Text entsprechend anpassen. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Eberhard

17.10.2018

Immo-Leibrente
In der Allgemeinheit wie im Punkt 4 dargestellt, "es fallen keine Notarkosten usw an" ist das falsch. So darf das m. E. nicht stehen bleiben.
Siehe Punkt 2. Der Verkauf, die Leibrente, das Wohnrecht, das alles erfordert kostenpflichtige not. Beurkundung und kostenpflichtige Eintragung im Grundbuch !


Brummi

07.10.2018

So wie ich das lese , sind die Bankster nur auf unser sauer verdientes Geld aus und das wir möglichst früh den Löfel abgeben ! Mit mir nicht . Wenn es soweit ist , wird die Imobilie verkauft und das Geld in einem Seniorenheim verbraten und wenn noch was übrig bleibt , können sich die Erben darum streiten !


Felix

25.01.2018

1. Oftmals wollen sich ältere Menschen allerdings auch räumlich verändern
a. weil z.B. der Partner verstorben ist, oder
b. weil z.B. die Kinder aus dem Haus sind und das Haus zu groß geworden ist,
c. weil das Treppensteigen im Haus nicht mehr möglich ist.
2. Auch ist das Thema "welche Renovierungen fallen noch an und wer kümmert sich darum" vor solch einer Variante zu prüfen. Dann ist man unflexibel.
Solch ein Schritt will SEHR wohl überlegt sein!
In vielen Fällen ist ein Verkauf des Eigenheims und gleichzeitiger Umzug in eine Mietwohnung die bessere Alternative.
Auf jeden Fall sollten auch etwaige Erben (so vorhanden) in die Überlegungen mit einbezogen werden. (Bei uns wurde ein Haus von einer verwitweten Dame verkauft - die drei Kinder erfuhren vom Verkauf durch das Inserat des Maklers.)


ING-DiBa

23.01.2018

Hallo Hans-Rudi, interessante Frage. Zurzeit bieten wir dies - wie Sie richtig schreiben - nicht an. Natürlich geben wir Ihren Wunsch aber gern an die Kollegen weiter. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Barenbrügge

23.01.2018

Vor allem für Alleinstehende eine sehr gute Alternative. Darüber werde ich bestimmt noch gezielt nachdenken und mich informieren.


Jurkovske

22.01.2018

Sehr informativ und interessant. Durchaus empfehlenswert.


Jokre

21.01.2018

Gute Ratschläge , die die Probleme beider Lösungen auch andeuten. Eine erwähnenswerte Variante ist die Umkehrhypothekenkonstruktion mit den künftigen Erben als Hypothekengläubigern, da bleibt das Sacheigentum in der "Familie" und man bereichert keine Bank mit Zinsen und Gebühren. Zuverlässige Bewertungen gibt es zu korrekten Kosten bei den gemeindlichen Gutachterausschüssen.


Hans-Rudi

21.01.2018

Ich habe mir unabhängig von diesem Artikel eine Konstellation, Verkauf einer Immobilie mit Leibrente und Lebenslangem Wohnrecht
schon lange überlegt, jedoch in Deutschland keine Bank gefunden
die so etwas macht, was ist der Grund warum ING-DiBa dies auch nicht macht?


Manfred R.

20.01.2018

Ich habe mir letzte Woche den Film "My Old Lady" angeschaut. Ich hätte nicht gedacht, dass ein derartiges System (Leibrente) real ist, schon gar nicht in Deutschland.


Karin Frantzke

20.01.2018

Interessant . Gut erklärt


capri

19.01.2018

Klare und kompakte Darstellung von oftmals mit Spezialwissen überfrachteten Informationen von anderen Anbietern. Hilfreich.


Schubert

19.01.2018

Mich würde interessieren, wie hoch im allgemeinen der Zins bei einer Umkehrhypothek ist. Ist er ähnlich hoch oder niedrig wie einer normalen Hypothek und hängt er in ähnlicher Weise von der Laufzeit ab?


ING-DiBa

19.01.2018

Hallo Herr Schittkowski, wir bieten die von Ihnen beschriebenen Hypotheken definitiv nicht an. Ob sie inzwischen in Deutschland angeboten werden, können wir nicht beauskunften. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Karin

18.01.2018

Ich hatte mich auch schon für die Leibrente interessiert. Ausführlich hier dargestellt. Danke. Jedoch muss ich Anita Recht geben: Nach allem was ich auch darüber gelesen habe und mir sogar schon ausrechnen lassen habe, ist die Rentenaufbesserung viel zu gering. Ich kann sogar sagen, es ist ein Witz. Eine Umkehrhypothek ist ein noch
schlechteres Geschäft.


Schittkowski, Uwe

18.01.2018

Bei der Umkehrhypothek wäre interresanter wenn man eine Hypothek zb, bei schuldenfreiem Objekt, (Wert des Eigenheims ca. 400.00,-Euro) auch einen Kredit in Höhe von ca. 40-50.000,- aufnehmen könnte ohne Zahlung von Tilgung und Zinsen. Die aufgelaufenen Schulden sollen dann nach dem Tod des Eigentümers bei Verkauf abgetreen werden. Diese Möglichkeit gibt es in anderen EU-Ländern z.B. DK, aber soviel ich weiß noch nicht in Deutschland. Für eine Rückantwort wäre ich dankbar.


Anita

18.01.2018

Nach allem, was ich seit vielen Jahren über diese Form der Vermarktung eines Eigenheims im Alter gelesen habe, ist das ein schlechtes Geschäft für den Verkäufer bzw. Kreditnehmer. Meistens ist nur eine rleativ geringe Rentenaufbesserung zu erzielen - und ein Zurück wird später meistens schwierig oder unmöglich. Wohl deshalb ist die Nachfrage nach solchen Modellen, zumindest in Deutschland, recht gering.


ING-DiBa

18.01.2018

Hallo Linda, wie im Artikel erwähnt erhält man/frau neben der Leibrente ein lebenslanges, mietfreies Wohnrecht. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Linda

18.01.2018

Mich würde noch interessieren, ob man bei der Leibrente umsonst weiter dort wohnen kann.


Gold

18.01.2018

Man sollte den Artikel als pdf-Datei downloaden können.


ING-DiBa

18.01.2018

Hallo Gastleser, notarielle Eintragungen im Grundbuch muss daher der neue Eigentümer - also der Käufer - vornehmen und bezahlen. Für den Verkäufer, also den Leibrentenempfänger, fallen somit keine Kosten an. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


lumos

18.01.2018

Vielen Dank, es ist sehr interessant für uns! Sehr aufschlußreich geschrieben.


Willi

18.01.2018

Im Artikel ist soweit alles klar. Aber von der reinen Vermarktung her, wäre ein Verkauf mit eingetragenem Wohnrecht oder das sogenannte Leibgeding deutlich besser für den Besitzer.


HolMich

17.01.2018

guter Artikel, sehr informativ, hab davon gewusst, aber nie richtig recherchiert, jetzt fehlt mir nur noch ein finanzierer, der wird wohl nicht so einfach zu finden sein, ein seriöser!
Danke für die Info


Gastleser

17.01.2018

Widerspruch: Es muß notariell beglaubigt werden! und es fallen keine Notarkosten an!!! Wie denn nun?


nicht schiederer

17.01.2018

Der Artikel ist hat die Thematik klar und ausführlich erläutert. Ich bedanke mich hierfür Lob zollend.


schiederer

16.01.2018

der Artikel hat klares ausführlich erläutert. Anerkennung danke