Lange krank – wer zahlt mein Gehalt?

So sind Arbeitnehmer bei längeren Erkrankungen finanziell versorgt

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© Denis Junker

Rund 2 Wochen sind Angestellte pro Jahr durchschnittlich krankgeschrieben. Die finanzielle Versorgung ist diesem Fall einfach: Der Arbeitgeber zahlt weiterhin das Gehalt. Doch was passiert, wenn ein Unfall oder eine schwere Erkrankung zu einer längeren Ausfallzeit führt?

Arbeitnehmer sind gut abgesichert

Arbeitnehmer, die arbeitsunfähig erkrankt sind, erhalten ihr Gehalt für 6 Wochen bzw. 42 Kalendertage weiter – daher auch der Begriff "Lohnfortzahlung". In der Regel bekommt der Arbeitnehmer das Durchschnittsgehalt der letzten 3 Kalendermonate. Durch einen Tarifvertrag kann jedoch eine abweichende Bemessungsgrundlage des fortzuzahlenden Arbeitsentgelts festgelegt werden. Die Höhe und die Voraussetzungen der Lohnfortzahlung regelt das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFG).

Wer bekommt die Lohnfortzahlung?

Anspruch auf die Lohnfortzahlung haben alle Arbeitnehmer einschließlich Auszubildenden, die seit mindestens 4 Wochen in einem Arbeitsverhältnis stehen. Neu eingestellte Arbeitnehmer, die weniger als 4 Wochen angestellt sind, erhalten in der Regel Krankengeld von der Krankenkasse. Generell spielt es für den Anspruch auf Lohnfortzahlung keine Rolle, ob das Beschäftigungsverhältnis sozialversicherungspflichtig ist oder nicht: Auch geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer haben einen Anspruch darauf. Das gilt auch für befristete Beschäftigungen, allerdings endet hier der Anspruch mit dem letzten Beschäftigungstag.

Krankengeld: Rund 70% des Bruttogehalts

Nach Ende der Lohnfortzahlung, das heißt in der Regel nach 6 Wochen bzw. 42 Tagen Arbeitsunfähigkeit, zahlen die gesetzlichen Krankenkassen das sogenannte "Krankengeld". Es beträgt 70 Prozent des Bruttogehalts. Nicht jeder muss dadurch finanzielle Einbußen hinnehmen: Einige Arbeitgeber, wie z.B. die ING-DiBa, gleichen die Lücke zum vollen Gehalt aus – ein großzügiges und freiwilliges Angebot. Das Krankengeld kann ein arbeitsunfähiger Arbeitnehmer - je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit - maximal 78 Wochen lang erhalten.

Wer hat Anspruch auf Krankengeld?

Anspruch auf Krankengeld haben alle Arbeitnehmer, die bei der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert sind und

  • arbeitsunfähig erkrankt und von einem Arzt krankgeschrieben sind oder
  • stationär in einem Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung behandelt werden und
  • die in beiden Fällen keine Lohnfortzahlung mehr erhalten.

Für diejenigen, die Arbeitslosengeld I (ALG I) bekommen, gelten dieselben Regeln wie für Arbeitnehmer. Die Agentur für Arbeit zahlt während der ersten sechs Wochen nach Krankschreibung das Arbeitslosengeld weiter. Danach übernimmt die Krankenkasse mit dem Krankengeld.

Achtung: Andere Regeln für Selbstständige und Privatversicherte

Bei privat versicherten Arbeitnehmern hängt die Zahlung vom individuell vereinbarten Tarif ab. In der Police kann man frei festlegen, ab wann die Auszahlungen beginnen und wie hoch sie sein sollen. Wer selbstständig arbeitet und freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, hat nur einen Anspruch auf Krankengeld, wenn er das ausdrücklich mitversichert hat. Ab wann und in welcher Höhe bei Selbstständigen das Krankengeld gezahlt wird, hängt dann davon ab, was mit der Krankenkasse konkret vereinbart wurde. Unser Tipp: Sollten Sie sich nicht ganz sicher sein, wie Sie im Falle einer längeren Krankheit abgesichert sind, dann fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. Im Ernstfall könnte es zu spät sein.


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Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

ING-DiBa

09.03.2017

Hallo P.Herth, am besten besprechen Sie diese Frage direkt mit Ihrem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


P.Herth

08.03.2017

Wenn die Krankenkasse 70 % des Bruttogehaltes bezahlt, muss ich doch damit rechnen, dass im Steuern etc. nachgefordert werden - oder nicht? Wenn ja, wäre es einen Hinweis wert - sonst kann die Steuernachforderung eine böse Überraschung werden. Danke im Voraus für einen klärenden Nachsatz, schöne Grüße


Ulrich Ehrhardt

07.03.2017

Was da die DiBa mit ihren Angestellten macht , nach 6 WOCHEN Lohnfortzahlung, dann die 30% drauf legt, sodas der Arbeitnehmer bei laengerer Krankheit weit 100% Gehalt erhaelt finde ich sehr lobenswert. Hier sollten sich Mittelständige Unternehmen ab 50 Mitarbeitern ein Beispiel nehmen
Da ich in 15 Jahren Betriebszugehoerigkeit hoechstens 15 Tage insgesamt krank war und nun wegen einer Hueft OP laenger als 6 Wochen ausfalle bin ich ja sehr gespannt wie sich mein Arbeitgeber verhaelt