Mehrgenerationen-Urlaub

Ein neues Reisesegment mit vielen Vorteilen | 23.02.2018

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Urlaub mit der Familie bedeutet längst nicht mehr, dass nur Mutter, Vater und Kind verreisen – immer öfter sind auch die Großeltern mit von der Partie. Ein Trend, den Reiseanbieter längst erkannt haben und der für Familien viele Vorteile bietet.

Der klassische Familienurlaub ist passé, heute verreisen Oma und Opa mit den Enkeln, der Sohn fährt mit seinen Eltern in den Urlaub, bringt seine Stiefkinder mit und die neue Partnerin gleich noch dazu. „Das tradierte Familienbild existiert heute nur noch in Ausnahmefällen“, sagt Martin Linne von der Gesellschaft für Tourismusforschung. Die klassische Familie aus Vater, Mutter, Kind(er) ist schließlich heute nicht mehr das einzige Familienmodell. Seit 2017 gibt es die Ehe für alle, gleichzeitig werden Ehen häufiger geschieden und hinterlassen Alleinerziehende oder es entstehen Patchwork-Familien.

Rentner sind heute fitter und reiselustiger

Einen weiteren Grund für so einen Mehrgenerationen-Urlaub sieht Linne in den Folgen des demografischen Wandels. Angesichts steigender Lebenserwartungen nimmt die Zahl der Senioren stetig zu. Und: Sie sind gesundheitlich fitter denn je, heißt es beim Veranstalter Neckermann. Das fördert auch ihre Reiselust. Obendrein geht es Rentnern finanziell so gut wie kaum einer nachkommenden Renten-Generation: „Unter den heutigen Senioren gibt es sehr viele Wohlhabende, die es sich auch gerne etwas kosten lassen, mit ihren Enkeln und/oder Kindern gemeinsam Urlaub zu machen”, sagt Torsten Kirstges, Direktor des Instituts für innovative Tourismus- und Freizeitwirtschaft an der Jade-Hochschule. „Reisen nur die Enkel mit, dürfte es nahezu üblich sein, dass Oma und Opa einladen. Bei Bevölkerungsschichten, die finanziell weniger gut gebettet sind, wird sich hingegen jeder Familienteil an den Kosten beteiligen müssen“, sagt der Experte.

Gelegenheit, Großfamilie zu sein

Kirstges sieht daher einen Trend zum Mehrgenerationen-Urlaub, der sogar an Bedeutung zunehmen werde. „Viele Familien sind räumlich auseinandergerissen, beruflich bedingt wohnen Kinder und Enkelkinder oft weit weg von Oma und Opa”, sagt Kirstges. Der gemeinsame Urlaub biete so eine „gute Gelegenheit, Großfamilie zu sein, sich auszutauschen“, meint Kirstges. So ein Familienurlaub hat also auch ganz praktische Seiten: Die Eltern können endlich einmal entspannen, während sich die Großeltern um die Enkelkinder kümmern.

Rückzugsmöglichkeiten einplanen

„Wenn man die Nähe nicht gewohnt ist, kann eine solche Reise zu Konflikten führen“, sagt Tourismusforscher Linne. Auch Reise-Experte Kirstges empfiehlt Rückzugsmöglichkeiten einzuplanen: Jeder einzelne, zumindest aber Paare, Kinder und Großeltern sollten bestenfalls ein eigenes Zimmer in der Ferienwohnung, im Clubhotel oder auf dem Kreuzfahrtschiff haben. Generell eignen sich alle Orte für einen Mehrgenerationen-Urlaub. Wichtiger ist die Gestaltung des Trips. Linne rät zu Aktivitäten, die für jede Generation machbar sind: baden, angeln, essen gehen, bummeln und einfach entspannen.

Kinderbetreuung abgeben

Die Reiseveranstalter haben sich bereits auf Großfamilien eingestellt: In Familienhotels großer Reiseveranstalter wohnen Kinder im Zimmer der Eltern meist kostenlos. Einige Resorts bieten große Familienapartments mit genügend Platz für Kind und Kegel an. Generell lohne es sich, nach Kinderfestpreisen und Rabatten Ausschau zu halten, raten Reiseexperten. Fast alle Urlaubsveranstalter machen derartige Angebote. Besonders attraktiv für Familien, weil die Kosten vor Ort überschaubar bleiben: Ein All-Inclusive-Urlaub mit umfassender Kinderbetreuung und Unterhaltung für die ganze Familie.

Früh buchen und bares Geld sparen

Der erste Schritt zum Mehrgenerationen-Urlaub ist jedoch die Buchung selbst. Und die sollte so früh wie möglich geschehen. Gerade für Familien mit Schulkindern, da diese an die Ferienzeiten gebunden sind. Während der Schulferien sind die Preise für Flüge und Hotels oft deutlich höher. „Wenn sich die in fünf Bundesländern überschneiden, wird das Angebot auf jeden Fall knapp. Hier sind Frühbucherangebote sinnvoll”, erklärt Kirstges. Insbesondere gilt das für Fernreisen, wie etwa nach Thailand oder in die USA. Hier lohnt es sich sogar schon ein halbes Jahr vor Reiseantritt zu buchen.
 
Doch ganz gleich, ob All-Inclusive-Clubhotel, Kreuzfahrtschiff oder Ferienhaus – damit der Urlaub mit der ganzen Familie für alle entspannend und vergnüglich wird, sollte jedes Familienmitglied bei der Planung mitentscheiden dürfen. So können sich alle aus der Mehrgenerationen-Familie auf den gemeinsamen Urlaub freuen.

Autor: ING-DiBa


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