Steigende Miete?

So sieht die aktuelle Mietpreisentwicklung in Deutschland aus | 11.03.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

Bezahlbarer Wohnraum? Fehlanzeige! Stattdessen lange Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen und horrende Mietpreise. Geht der Trend weiter nach oben? Und kann ein Mietendeckel helfen?

Bei Mietwohnungen gilt: Wer in einer Großstadt leben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Seit rund zehn Jahren boomt der Immobilienmarkt. 2019 sind die Mietpreise zwar langsamer als im Vorjahr gestiegen, doch nach wie vor geht der Trend nach oben. Laut Immobilienverband Deutschland (IVD) bleibt Berlin unter den Top-7-Städten mit durchschnittlich 9,25 Euro pro Quadratmeter bei den Neuvertragsmieten im Bestand die günstigste Metropole. Die teuerste Metropole ist nach wie vor München mit 14,90 Euro pro Quadratmeter.
 
Bei Neubauwohnungen mit mittlerer Ausstattung wird es noch kostspieliger. Auch in diesem Fall ist München am teuersten: 17,70 Euro kostet der Quadratmeter im Durchschnitt. Berlin und Frankfurt am Main sind unter den Metropolen die günstigsten Städte. Hier zahlt man für eine Neubauwohnung durchschnittlich 12 Euro pro Quadratmeter. In Stuttgart (+ 5,8%) und Berlin (+ 4,3%) sind die Mietpreise für Neubauwohnungen mit mittlerer Ausstattung überdurchschnittlich gestiegen.

Mietpreise steigen in Städten moderater

Die Angebotsmieten stiegen laut des Frühjahrsgutachtens des Branchenverbands Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) im Jahr 2019 um durchschnittlich 3,5%. 2018 betrug das Wachstum 3,8%. Auch der IVD bestätigt, dass sich die Preisdynamik zwischen dem zweiten und dritten Quartal 2018 gegenüber denselben Quartalen 2019 verlangsamt hat. Die Preise für Wohnungsmieten seien in allen Städteklassen und Segmenten nur noch moderat gestiegen. Zudem zeigt eine aktuelle Immowelt-Analyse der Angebotsmieten in Hochschulstädten: Mietpreise für Studentenbuden werden in vielen Städten wieder bezahlbarer. In 26 der 67 untersuchten Städte stagnierten die Mieten für kleine Wohnungen bis 40 Quadratmeter oder gingen sogar zurück. In weiteren 14 Städten stiegen die Mieten nur um maximal 3%.
 
Während die Mieten in den Metropolen langsamer steigen, ziehen einige ländliche Kreise nach. In Biberach, Bamberg oder Bentheim stiegen die Mieten beispielsweise um 4% im Vergleich zum Vorjahr, hat das Hamburger Forschungsunternehmen Gewos errechnet.
 
Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbundes, warnt jedoch davor, die verlangsamte Mietpreissteigerung allzu positiv zu sehen: „Ich sehe noch keine Trendwende.“ In manchen Städten sei zwar eine Verlangsamung zu erkennen, doch der Trend gehe nach wie vor nach oben. „2020 könnten die ortsüblichen Vergleichsmieten in Deutschland im Schnitt um 2,5 bis 3,5% zulegen“, schätzt Siebenkotten.

Mietpreisbremse – Fluch oder Segen?

Berlin reagierte auf die anhaltend steigenden Mieten mit dem Mietendeckel, der Ende Februar 2020 in Kraft getreten ist. Dieser legt fest, dass die Mieten für Wohnungen, die vor 2014 gebaut wurden, auf dem Stand von Mitte 2019 eingefroren werden und erst einmal nicht weiter steigen dürfen. Je nach Baujahr und Ausstattung der Wohnung gelten verschiedene Obergrenzen. Die maximale Mietobergrenze liegt bei 9,80 Euro Kaltmiete je Quadratmeter – bei Neuvermietungen darf diese nicht überschritten werden. Bestandsmieten dürfen nicht mehr als 20% über den Obergrenzen liegen, ansonsten dürfen Mieter eine Absenkung fordern.
 
Das Bundesinnenministerium kritisiert, dass die Mietpreisbegrenzung bereits durch den Bund geregelt worden sei und dass das Gesetz in die Eigentumsfreiheit der Wohnungseigentümer eingreife.
Auch der Branchenverband IVD sieht den Mietendeckel skeptisch. „Der Mietendeckel wird die Probleme auf dem Berliner Wohnungsmarkt noch verschärfen. Bestandshalter und Vermieter werden Investitionen in die Bestandsinstandhaltung reduzieren. Die traurige Ironie des Mietendeckels ist, dass er die Lage für wohnungssuchende Mieter zuspitzen und für noch mehr Ungleichheit sorgen wird“, so Kerstin Huth, Regionalvorsitzende des IVD Berlin-Brandenburg.
 
Mieterbund-Präsident Siebenkotten hingegen begrüßt den Vorstoß und fordert einen bundesweiten Mietendeckel: „Hilfreich wäre es, wenn der Bund gesetzlich den Anstieg der Mieten über fünf Jahre auf die Inflationsrate begrenzen würde.“

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Sozialwohnungen lösen nicht alle Mieterprobleme

Neben der Begrenzung der Mietpreise müsse der Neubau angekurbelt werden, etwa bei geförderten Wohnungen, sagt Siebenkotten. Auch Stefan Körzell, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund, fordert mehr Sozialwohnungen: „Bund, Länder und Kommunen müssen deutlich mehr Geld für bezahlbaren Wohnraum ausgeben, um jährlich mindestens 100.000 preis- und belegungsgebundene Wohnungen zu bauen.“
 
Doch auch der soziale Wohnungsbau hat Tücken: Wenn ein Investor beispielsweise auf einer städtischen Fläche baut, sind daran Bedingungen geknüpft. Soll beispielsweise jede dritte Wohnung eine Sozialwohnung sein, versucht der Investor mit den anderen zwei Dritteln seiner Wohnungen diesen reduzierten Gewinn auszugleichen. Dann sind zwar neue Sozialwohnungen vorhanden, doch die anderen Wohnungen werden deutlich teurer. Die Folge: Die Wohnungslage der Normalverdiener verschlechtert sich.

Zahle ich zu viel Miete?

Wer wissen möchte, ob die eigene Miete zu hoch ist, sollte am besten den örtlichen Mietenspiegel einsehen. Dieser wird von Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern alle zwei Jahre neu erstellt.

Autor: ING


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Kommentare (2)


Kommentare

kl_Vermieter

13.03.2020

habe in letzter Zeit - seit ich Ärger mit meinem Mieter habe - viele Leute getroffen die wegen Ärger mit Mietern ihre leerstehende Wohnung nicht vermieten. Nicht wegen Spekulation, sondern aus Angst sich einen miesen Mieter einzufangen. Aus einer Ehe kann man durch Scheidung entkommen. Trennung vom Mieter ist nicht möglich, wenn dieser es geschickt anstellt.


Sehr witzig

11.03.2020

die hier genannten Mietpreise pro Quadratmeter. Wir wohnen im Osten, haben den Status einer Großstadt verloren und schrumpfen weiter. Für unter 12 Euro kalt pro Quadratmeter bei Bauart "Karnickelstall" (also kaum Stellplatz für Möbel, dafür x-Ecken und Kanten) ist hier nichts neu gebautes zu bekommen. Und Keller gibt es auch nicht mehr - das Fahrrad darf in der Wohnung auf Haken gehängt werden.