Überblick verloren?

Das steht in deiner Gehaltsabrechnung │20.08.2019

Wie wird aus dem Brutto- eigentlich der Nettolohn? Und was steht sonst alles auf der Gehaltsabrechnung? Mirella erklärts:

Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, gab es natürlich auch in meinem Leben die klassischen Nebenjobs. Ich habe zum Beispiel als Kellnerin oder Promoterin gearbeitet. Hierfür gab es Gehaltsabrechnungen, und ganz ehrlich, als ich das erste Mal eine gesehen habe, verstand ich eigentlich gar nichts. Was von den vielen Zahlen ist denn bitte mein Gehalt? Und wofür brauche ich den ganzen Rest? Muss ich irgendwas davon wirklich wissen?
Sieht also erstmal ganz schön kompliziert aus, ist es zum Glück aber nicht. Wenn du dir einmal einen Überblick darüber verschafft hast, was für dich wirklich relevant ist und was nicht, ist es eigentlich ganz einfach.

Als erstes ist ganz wichtig: Die Abrechnungen immer aufheben! Nicht nur potenzielle Vermieter wollen gerne Einkommensnachweise sehen. Auch für das Arbeitsamt oder die Steuererklärung sind sie wichtig. Wenn man die Dinger immer erst mühsam zusammensuchen muss, sobald man sie mal braucht, ist das ziemlich nervig.
 
Und zum zweiten: Nicht jede Abrechnung sieht identisch aus! Aber jede beinhaltet dieselben Punkte.

Zunächst mal ist der Unterschied zwischen brutto und netto entscheidend. Brutto bedeutet „vor Steuern und Abgaben“ und netto entsprechend „nach Steuern und Abgaben“. Netto ist also das, was du am Ende wirklich rausbekommst.

Das Bruttogehalt ist idealerweise das, was in deinem Arbeitsvertrag steht. Falls nicht, solltest du da unbedingt drauf hinweisen. Steuerbrutto entspricht in vielen Fällen dem Bruttogehalt. Falls nicht, kann das zum Beispiel an einer betrieblichen Altersvorsorge liegen, die direkt von deinem Bruttogehalt abgezogen wird.

Vom Steuerbrutto nun werden die Steuern und Abgaben berechnet.

Der Kinderfreibetrag ist für 90% der Berufsanfänger noch nicht so wichtig, da die allermeisten bei der ersten Gehaltsabrechnung noch keine Kinder haben.

Die Lohnsteuer zeigt an, wie viel Einkommensteuer du auf deinen Arbeitslohn bezahlst.

So weit so easy. Danach geht dann der Abkürzungs-Dschungel los, denn die weiteren Abgaben neben der Lohnsteuer sind nur mit Kürzeln bezeichnet: KV, RV, AV und PV. Das V steht dabei immer für „Versicherung“. Es geht also jedes Mal um Abgaben, die insbesondere für den Fall relevant werden, wenn du nicht oder nicht mehr arbeitest: im Krankheitsfall, bei Renteneintritt, Arbeitslosigkeit oder im Pflegefall. Alle diese Abgaben teilst du dir mit deinem Arbeitgeber. Sein Anteil steht allerdings nicht auf deiner Abrechnung.

Dein Anteil an der Krankenversicherung (KV) hängt von deiner Krankenkasse ab, wenn du gesetzlich versichert bist. Sie sichert dich im Krankheitsfall ab.

In die Rentenversicherung (RV) zahlst du ein, bis du in Rente gehst. Einmal im Jahr kriegst du Post, in der du nachlesen kannst, wie viel Rente du bekommen würdest und wieviel du bereits eingezahlt hast. Diesen Brief immer gut aufheben!

Die Arbeitslosenversicherung (AV) sichert dich für den Fall der Arbeitslosigkeit ab. Anspruch auf Arbeitslosengeld I hast du in der Regel, nachdem du 12 Monate lang am Stück in diese Versicherung eingezahlt hast. Damit du in jedem Fall immer abgesichert bist, ist es super wichtig, sich umgehend beim Arbeitsamt zu melden, falls ein Job endet und der nächste nicht direkt im Anschluss weitergeht!

Die Pflegeversicherung (PV) schließlich sichert dich im Pflegefall ab.

Dein Nettogehalt beziehungsweise die Auszahlung ist dann am Schluss das, was du wirklich auch überwiesen bekommst. Hiervon zahlst du dann bitte erstmal deine Miete, deinen Strom, Handy, Internet und so weiter, ehe du es auf den Kopf haust, damit sich das Monatsende nicht schon am 15. bemerkbar macht und es ab da nur noch Nudeln mit Ketchup gibt – außer, du liebst Nudeln mit Ketchup! Dann gönn dir.

Wie bei allem gilt natürlich auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel! Wenn du dir unsicher bist, frag deine Familie, Freunde oder den Steuerberater deines Vertrauens um Rat.
 
Hier noch ein Link zu einer Beispielabrechnung. Max Mustermann ist inzwischen in Rente gegangen, aber sein Nachfolger, Benedikt Mustermann, hat den Laden übernommen und alles läuft so weiter wie gewohnt!

Autor: Mirella


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Kommentare (1)


Kommentare

@ING Fehler in der Schreibweise

20.08.2019

Zweiter Absatz:
"Hierfür gab es Gehaltsabrechnungen, und ganz ehrlich, als ich das erste Mal eine gesehen habe, verstand ich eigentlich gar nichts."
Richtig wäre: "...als ich das erste Mal eine gesehen habe, habe ich eigentlich gar nichts verstanden"