So einfach gehts

Nachhaltig und bezahlbar leben?│20.08.2019

In Zeiten von Klimakrise und Fridays For Future ist das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde. Doch wie kann ich meinen eigenen Beitrag leisten? Tipps zur Nachhaltigkeit findest du hier:

Nachhaltigkeit ist zum Glück mittlerweile in aller Munde. Ich selbst beschäftige mich viel damit, wie ich nachhaltiger leben, weniger Ressourcen verschwenden und meine Müllproduktion verringern kann. Aber es gibt einfach nicht überall Unverpackt-Läden und nicht jeder kann es sich leisten, ausschließlich nachhaltig und fair trade einzukaufen, auch wenn ich mir das wirklich wünschen würde.
Wir sind alle nicht perfekt. Wenn das der Anspruch ist, wirkt jede Veränderung automatisch abschreckend. Viel wichtiger, als dass einige wenige ein perfekt nachhaltiges Leben führen, ist doch, dass wir alle unsere Einstellung soweit ändern, wie es für einen jeden möglich ist. An vielen Punkten können wir ansetzen, die einfach eine Frage der Gewohnheit sind – und nicht zwingend ein Kostenfaktor.

EINTÜTEN

Papiertüten gibt es zwar mittlerweile in wahrscheinlich jedem Supermarkt, aber auch die müssen produziert werden. Auch dafür braucht es Energie und Ressourcen. Die meisten Papiertüten werden nicht wiederverwendet – oder maximal dazu genutzt, das Altpapier darin zu sammeln. Daher ist und bleibt die nachhaltigste Art der Verpackung ein eigener Jutebeutel. Der passt in jede Tasche (oder IST einfach die Tasche), ist reißfest auch bei Feuchtigkeit und kann viele hundert Male benutzt werden. Zudem spart man sich so den Tütenberg, egal ob Papier oder Plastik, der sich irgendwie in jeder Wohnung irgendwo hässlich ansammelt.

BE PREPARED!

Ich liebe kochen. Für mich ist das Entspannung pur. Aber auch für diejenigen, die eigentlich keine große Lust zum Kochen haben, kann ein guter Essensplan viel Stress sparen und dazu noch nachhaltig sein. Zum einen vermeide ich so, dass ich ungezielt viel zu viel einkaufe, weil ich spontan irgendwas mitnehme. Wenn ich vorgeplant habe, was ich die Woche über brauche, passiert das nicht so schnell. Zum zweiten fällt bei vielen Fertiggerichten jede Menge Verpackungsmüll an, den ich spare, wenn ich selbst zum Kochlöffel greife. Und zum dritten kann ich die Portionen so bemessen, dass ich immer dann, wenn es schnell gehen muss, etwas selbstgekochtes im Kühlschrank oder Gefrierfach habe, das ich aufwärmen kann. Egal, ob eine Gemüsepfanne mit Reis fürs Büro oder einen leckeren Nudelsalat im Weckglas für die Uni: Mit wiederverwendbaren Boxen – im Idealfall aus Glas – und praktischem Mehrweg-Besteck-Set zum Zusammenschrauben ist man stets auf alles vorbereitet!

EINFRIEREN

Lebensmittelverschwendung ist ein großes Thema in Deutschland. Wir kaufen zu viel, verlieren den Appetit daran oder die Portionen sind für einen Single-Haushalt zu groß. Daher bin ich bei vielen Lebensmitteln mittlerweile dazu übergegangen, sie einzufrieren. Bananen zum Beispiel sind der Hammer. Egal ob Smoothie, Kuchenteig, Bowl oder zwischendurch: Banane geht immer. Wenn meine anfangen, braune Stellen zu kriegen oder ich für ein paar Tage verreisen muss, nehme ich sie einfach aus ihrer Schale und friere sie ein. Mit frischem Spinat und dem meisten Gemüse geht das ebenfalls prima. Einen großen Topf Gemüsebrühe aufsetzen und im Eiswürfelbehälter einfrieren, Mandelmilch im Mixer machen, Aufstriche aus Cashews, Sonnenblumenkernen, Gemüse und Gewürzen ... Und den Schnittlauch dafür habe ich vorher ausgesät, dann abgeerntet, kleingehackt und – genau! – eingefroren.

SAISONAL / REGIONAL

Im Winter wachsen draußen keine Erdbeeren. Ist halt so. Daher esse ich im Winter auch keine. Die schmecken nach nix und mussten von wer weiß wo angekarrt werden. Auf saisonale Produkte zu achten klingt nach einer großen Einschränkung, aber ich sehe es eher als Inspiration. Wenn ich auf meinen Kalender gucke, der mir genau anzeigt, welches Obst und Gemüse gerade regional zu haben ist, bastle ich mir daraus eben Gerichte. So komme ich auf ganz neue Ideen und koche nicht ständig das Gleiche.

PLASTIKFLASCHEN

Wir alle trinken zu wenig Wasser, das wissen wir (und unsere Mütter wissen das auch). Es gibt aber in Deutschland wirklich keinen Grund, Wasser in Plastikflaschen zu kaufen. Unser Leitungswasser ist spitze – also trinken wir es doch! Bei mir Zuhause steht eine Glaskaraffe mit Wasser. Für unterwegs habe ich eine verschließbare Flasche aus Metall. Wenn’s mal ein bisschen mehr Geschmack sein darf, brühe ich mir eine große Kanne Tee auf. So einfach ist das.

KLEIDUNG

Es gibt viele Möglichkeiten, nachhaltig zu shoppen. Aber zugegeben, nachhaltig und unter fairen Bedingungen produzierte Kleidung ist natürlich nicht ansatzweise so günstig zu haben wie Fast Fashion. Der erste Punkt ist hier aber komplett umsonst: weniger Konsum. Eigentlich braucht doch kein Mensch einen ganzen Schrank voll mit nichts anzuziehen. Anstatt sehr viel zu kaufen oder alles bestehende neu zu kaufen, gibt es aber auch die Möglichkeit, in entsprechenden Geschäften super individuelle und schicke Kleidung second hand zu bekommen. Auch auf immer mehr Websites können Privatpersonen ihre Kleidung zum Kauf oder Tausch anbieten – und letztlich ist da ja auch noch der eigene Freundeskreis, der vielleicht einige Schätze im Schrank liegen hat? Beim nächsten Kleiderschrank-Ausmisten also einfach mal ein paar Freunde einladen und gucken, wer davon noch was gebrauchen kann.

RECYCLING / UPCYCLING

Als frischgebackene Handwerkerella kann ich nun natürlich mindestens ein Mehrfamilienhaus mit Pool bauen. Blind! Aber auch für weniger geschickte Menschen kann es durchaus spaßig sein, alte Möbel aufzuwerten oder ganz neue zu kreieren. Das Internet ist voll mit Anleitungen, wie man aus etwas Farbe und ein paar alten Büchern einen Beistelltisch zaubern kann. Upcycling nennt man das. Wem das Basteln und Schrauben wirklich nicht liegt, der bringe seinen alten Kram aber bitte zum Wertstoffhof. Besonders in Elektronik sind viele wertvolle Metalle verbaut, die recycelt werden können. Auch die Stadt bietet einen Service an, um Elektro-Altgeräte abzuholen und fachgerecht zu entsorgen. Die fallen allerdings nicht unter Sperrmüll, also vorher unbedingt darüber informieren, welche Bedingungen die jeweilige Stadt festsetzt, sonst stehen die vier Waschmaschinen und zwölf Uranbehälter auch eine Woche später noch am Straßenrand.

MOBILITÄT

In der Stadt Autofahren ist so ziemlich das Nervigste, was man sich vorstellen kann. Man steht mehr, als dass man sich bewegt, nimmt unterwegs ein Dutzend Radfahrer mit, die auf der Straße fahren müssen, weil dem LKW die Lieferanteneinfahrt zugeparkt wurde und er daher in zweiter Reihe stehen muss, und wenn man irgendwann mal irgendwo angekommen ist, gibt es keinen Parkplatz. Klar, öffentliche Verkehrsmittel sind nicht immer das Gelbe vom Ei, aber oftmals ist man mit ihnen wirklich schneller. Und seit ich nicht mehr mitten in der Innenstadt wohne, darf auch gern mal das Fahrrad zum Einsatz kommen. Ich würde niemals verlangen, dass jetzt bitte alle sofort für immer auf ihr Auto verzichten sollen. Aber ich denke, es gibt viele Strecken, die man aus Gewohnheit mit dem PKW zurücklegt, ohne sich zu fragen, ob es mit Bus oder Bahn nicht genauso gut ginge. Nachhaltigkeit ist keine Frage von 100% oder 0%. Auch kleine Veränderungen zählen.

GRÜNER STROM

Ein Stromanbieter-Wechsel im Netz geht extrem schnell und meist auch ziemlich unkompliziert. Die Anbieter regeln das meiste unter sich, niemand steht plötzlich im Dunkeln da. Seinen Strompreis hat man in der Regel nur für 12 Monate zugesichert, danach kommen dann die Erhöhungen. Wer also seit mehr als einem Jahr bei seinem aktuellen Stromanbieter ist, der kann sich ziemlich sicher sein, dass ein Anbieterwechsel – und eben auch einer zu Ökostrom! – sogar Vorteile mit sich bringt und gar nicht zwingend teurer ist.

INTERNET

Inspiration! Es gibt mittlerweile so viele Kanäle und tolle Menschen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, ohne mit Mistgabeln und Fackeln auf andere loszugehen oder ununterbrochen belastendes Bildmaterial einzublenden. Mit schlechtem Gewissen lässt es sich so viel schwieriger umdenken als mit Freude und Neugier! Egal ob Instagram oder YouTube, wer ein bisschen rumklickt, findet garantiert etwas, das zum eigenen Leben passt und umsetzbar ist. Jeder sollte mit dem anfangen, was sich machbar anfühlt. Step by Step. Denn jeder kleine Beitrag ist wertvoll!

Autor: Mirella


Ihre Meinung

Kommentare (1)


Kommentare

notting

21.08.2019

- Grüner Strom: Schon vor Jahren hat z. B. Stiftung Warentest festgestellt, dass bei vielen "Ökostrom"-Tarifen nur den Normal-Strommix-Kunden der Ökoanteil weggenommen und teurer verkauft wird. Wie hieß ein Artikel hier von vor ca. 2 Wochen: Warum Sie Bewertungen im Netz nicht blind vertrauen sollten │08.08.2019 - auch schon rein von der allg. Zuverlässigkeit des Anbieters her, also kein Kundenservice, falsche Abbuchungen, ...
Außerdem müssen E-Auto-Fahrer nochmal getrennt schauen weil's z. T. Tarife gibt mit denen man dann günstigere Auto-Strom-Tarife für öffentl. Ladestationen bekommt. Aber da wiederum gibt's z. T. Einschränkungen beim Roaming, insb. bei Stadtwerken (Roaming = teuer -> man muss meist in der Hauptsache Nicht-Roaming-Strom an öffentl. Ladesäulen laden).
- Was hier völlig fehlt: Nachhaltigkeit bei Elektronik! Gerade bei Smartphones drauf achten, dass es möglichst lange Sicherheitsupdates gibt! Am besten ein aktuelles Gerät direkt von Google kaufen (bei einem beliebigen vertrauenswürdigen Händler, gibt inzw. deutl. günstigere abgespeckte Versionen mit "a" nach der Nr. der Modellgeneration, die aber auch recht gut sind und sehr lange Sicherheitsupdates bekommen) oder wenigstens ein aktuelles Android-One-zertifiziertes Gerät. Und auch nie Hardware kaufen die zu extrem abgespeckte Hardware hat. Z. T. sind die Prozessoren schon beim Kauf mit Standard-Programmen überfordert. Wie soll das dann nach ein paar Updates werden?! Empfehle bei Notebooks und Desktops aktuell mind. Core i3 oder was vergleichbares von AMD mit mind. 8GB RAM. Eine SSD macht die Sache viel schneller, ist aber pro GB oft recht teuer bzw. werden viel zu kleine verbaut.
- Bzw. dazu gehört auch, dass man insb. über Mobilfunknetze nicht streamt! Trotz geringer Datenrate müssen alle Beteiligten ständig aktiv sein. Wenn man nur einen schnellen Download macht können sich die meisten Beteiligten schnell danach wieder schlafen legen und dadurch richtig Strom sparen im Vergl. mit Streaming. Man kann den Song so (wenn er MP3 ist) auch ohne Zusatzkosten mehrfach anhören selbst wenn man kein Internet hat.
- Generell muss man sich die Frage stellen, ob man ständig erreichbar sein muss bzw. ständig die Datenverbindung braucht wo meist eh nur Schrott kommt. Hab i.d.R. nur ein Dumbphone, d.h. kann nur Anrufe und SMS. So wird man auch nur genervt wenn's wichtig ist weil's etwas Geld kostet wohingegen über Whatapp, Facebook und E-Mail auch viel unwichtiges verschickt wird was einen auch ständig bei der Arbeit etc. stört. Man kann abends daheim im (W)LAN immernoch alles anschauen und eben ruhiger arbeiten. Das entlastet auch die Mobilfunknetze (Funk hat viel höheren Energieverbrauch!), wenn man daheim dann eben einen Festnetz-Internetanschluss verwendet.

notting