Nachhaltig Kleidung shoppen

Der Umwelt Gutes tun und dabei sparen | 22.11.2019

Nachhaltig shoppen

Gebraucht statt neu: Wer nachhaltig shoppen will, hat jede Menge Alternativen zur Auswahl. Mit diesen vier Tipps kann man die Umwelt schonen und dabei noch Geld sparen.

Gerade jetzt, wenn es wieder kälter wird, landen oft viele neue Wintersachen im Warenkorb. Rund 64,9 Milliarden Euro gaben die deutschen Haushalte laut Statista im Jahr 2018 für Bekleidung aus. Doch nicht nur der Geldbeutel leidet unter dem Shoppingwahn – sondern insbesondere die Umwelt. Was können Verbraucher dagegen tun? „Es geht darum, weniger, aber wertiger zu kaufen“, sagt Sophia Schneider-Esleben, Designerin für Nachhaltigkeit. Die Faustregel für nachhaltiges Einkaufen lautet: Je länger ein Stück im Umlauf ist, desto besser. Ein positiver Nebeneffekt: Verbraucher können dabei sogar sparen. Vier Ideen zum nachhaltigen Shoppen.

Second-Hand und Flohmärkte

„Second Hand hat die beste Ökobilanz, was den Verbrauch von Energie und lebenswichtigen Ressourcen wie Wasser angeht. Keine andere Strategie verringert die negativen Auswirkungen unseres Modekonsums so effektiv und nachhaltig“, erklärt Dominique Ellen van de Pol, Expertin und Fachjournalistin für nachhaltige Mode. Dem Online-Portal Momox zufolge scheint Second Hand sogar im Trend zu liegen. Laut ihrer Studie haben bereits 53% der Deutschen Kleidung aus zweiter Hand gekauft.
 
Die Hauptgründe: Umweltschutz und niedrige Preise. Die meisten Second-Hand-Shopper seien weiblich (58%) und jung (68% der 16- bis 24-Jährigen). Um Schnäppchen zu finden, können Verbraucher zwischen Second-Hand-Läden, Online-Shops oder Flohmärkten wählen. In sogenannten Pick and Weight-Stores zum Beispiel bezahlt der Kunde die Kleidung nach Gewicht. Die Plattform „Kleiderkreisel“ hingegen bietet Kleidungsstücke von privaten Anbietern an, die den Preis individuell untereinander verhandeln.

Kleidertauschpartys

Eine nachhaltige Alternative zum Kleiderkauf sind außerdem Tauschpartys. Denn: Was dem einen nicht mehr gefällt, kann das neue Lieblingsteil des anderen werden. „Das ist eine tolle Möglichkeit, die Umwelt zu schützen“, findet Maik Pflaum von der Kampagne für Saubere Kleidung. Ein weiterer Vorteil: Bei solchen Anlässen lassen sich kostenlos neue Kleidungsstücke finden. Öffentliche Kleidertauschpartys gibt es regelmäßig in vielen deutschen Städten. Man kann natürlich auch im privaten Kreis tauschen und seine eigene Party veranstalten. Man nehme: eine Hand voll Freunde und aussortierte Kleidungsstücke.

Kleidung mieten

Warum eigentlich ein neues Kleidungsstück kaufen, wenn man es nur für einen bestimmten Anlass braucht? Immer mehr Anbieter stellen sich genau diese Frage und bieten online Kleidung im Verleih an. Dazu gehören etwa die Onlineportale „Myonbelle“ oder „Stay Awhile“, die ihren Kunden monatlich eine Box mit geliehener Kleidung nach Hause schicken. Die Boxen kosten zwischen 39 und 59 Euro pro Monat. Geliehene Babysachen gibt es noch günstiger. Das Verleihsystem „tchibo-share.de“ bietet etwa vier Babybodys für 3,96 Euro pro Monat an.
 
Insgesamt ist das eine gute Sache, doch die Verbraucherzentrale Hamburg rät auf ihrer Seite: Kunden sollten auch bei geliehener Kleidung auf umweltfreundliche Materialien (z.B. Bio-Baumwolle) achten. Das sieht auch Pflaum so und ergänzt: „Die Kleidung muss danach weiter vermietet und darf nicht einfach weggeworfen werden.“

Kleidung ankaufen lassen

Nicht nur der Kauf von Kleidung spielt beim Thema Nachhaltigkeit eine Rolle, sondern auch die Frage, wie man aussortierte Teile wieder loswird. Wer sie einfach in den Müll schmeißt, beendet damit den Textilkreislauf und handelt alles andere als umweltfreundlich. Die Alternative: Kleidung ankaufen lassen – damit kann man sogar etwas Geld verdienen. Neben dem Verkauf auf Plattformen wie „Ebay Kleinanzeigen“ oder „Mädchenflohmarkt“ ist es besonders bequem, seine Teile auf Ankaufsportalen wie „Momox Fashion“ zu verkaufen. So funktioniert’s: Auf der Website erfährt man nach wenigen Klicks den Ankaufspreis für das Kleidungsstück, kann es kostenlos einsenden und erhält danach das Geld. Später wird es dann über „Ubup“ weiterverkauft.
 
Auch große Modeketten bieten inzwischen ihren Kunden den Service an, ausrangierte Kleidung gegen Gutscheine abzugeben. Das geht beispielsweise bei der „Zalando Wardrobe“. Statt Geld erhält der Kunde den Ankaufspreis als Gutschrift. Bei „H&M“ hingegen gibt es für die alten Teile einen Rabattgutschein von 15 Prozent. Doch solche Angebote stehen auch in der Kritik: „Rücknahmesysteme geben vor, den Müllberg verkleinern zu wollen, animieren aber die Kunden durch Rabattaktionen zum Kauf weiterer Kleidung. Das ist ein Widerspruch in sich“, sagt Andreas Voget, Geschäftsführer des Dachverbandes FairWertung e.V. Es sei ökologisch sinnvoller, wenn stattdessen hochwertige und langlebige Textilien hergestellt würden, die länger getragen werden können.

Fazit

Ob Second Hand, Kleidertauschpartys oder Sharing-Plattformen: Es gibt jede Menge Alternativen zum nachhaltigen Shopping. Eines haben all diese Möglichkeiten gemeinsam: Sie verlängern den Lebenszyklus eines Kleidungsstückes, schonen damit die Umwelt sowie ganz nebenbei auch den Geldbeutel. Doch Verbraucher dürfen trotzdem nicht vergessen: Weniger ist mehr – das gilt auch beim nachhaltigen Shoppen.

Autor: ING


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Kommentare (6)


Kommentare

69% kaufen hochwertig ?

26.11.2019

Nun ja :
tolles Image der Marke = hochwertig ?
total überteuert = hochwertig?
Und bitte wie erklären die Kritiker (siehe unten) jene Tatsache, dass der Export gebrauchter Kleidung in den letzten 30 Jahren um unglaubliche 2200% gestiegen ist? Der Nebeneffekt ist, das durch den Export gebrauchter Kleidung nach Afrika die dortige Textilindustrie weitgehend zerstört wurde. Denn was da auf den Altkleidersammelbehältern drauf steht, das ist bekanntlich Lüge pur.


@das Abstimmungsergebnis von Bürger unter 45

25.11.2019

Ihr Kommentar erfüllt jegliche Voraussetzungen für den Begriff beziehungsweise die Mode-Erscheinung des Ausdruckes:
"Ok Boomer"
Und da ich davon ausgehe, dass Sie weit über der von Ihnen angesprochenen 45 ihr Alter beiwohnen, erkläre ich Ihnen hiermit diese Aussage des "Ok Boomer"

"Kaufe-einmal anziehen-wegwerfen" - Ich kenne niemanden, der diesen Lebensstil unter 45 beiwohnt noch hegt. Wiedermal pures hineininterpretieren was man so in der Apotheken-Zeitschrift gelesen hat.
Gerade das Strümpfe stopfen und Nähte flicken etc. erlebt in der heutigen Zeit wieder ein Hoch. Aber das steht nicht über die ach so Böse Gen X und Z.
All Ihre Anmerkungen zu "Schlechter Qualität bei Kleidungsstücken", wie z.B. das sich auflösende bzw. sich in eine klebrige Masse verwandelnde Stück Stretch-Band (ohne "s") lassen sich nur zwei Indikatoren für diese Vorfälle schließen, entweder:
1. Schlechte Qualität von Anfang an gekauft. (Selbst eine billige 10€ Jeans kann bei richtiger Pflege 4 Jahre existieren)
2. Waschanweisungen bzw. Pflegeanweisungen nicht beachtet.
Und Ihre, schon ziemlich genaue und direkte, Vermutung, dass 90% der heute angebotenen Ware nur noch primitiver Müll seien, lass ich einfach mal so da stehen, da dies letztendlich den Rahmen sprengen würde.
All dies schreib ein "Unter 45"-iger.
Was in den vereinfachten Worten auch kürzer gefasst hätte sein können.

Ok Boomer


user21

25.11.2019

Vorsicht allerdings, wenn die gebrauchte Kleidung nur bis 30 Grad oder im Wollwaschgang waschbar ist. Eine Freundin hat, auf welchem Weg weiß ich nicht, Krätzmilben bekommen. Möglicherweise über gebrauchte Kleidung.


Denis Diderot

25.11.2019

Einfach mal "Diderot-Effekt" googlen. Aber vorher das Gehirn einschalten. Dann erübrigt sich der obige Artikel ganz von allein.


das Abstimmungsergebnis = Lüge und Selbstbetrug pur

25.11.2019

Man denke nur an die deutsche Rücksendequote bei Online bestellten Textilien, weshalb immer mehr Versender viele Kunden blockieren.
Anderseits fehlt heute in vielen bezahlbaren Wohnungen der notwendige Platz für einen richtig großen Kleiderschrank. Zumal "kaufe-einmal anziehen-wegwerfen" gerade bei den Mitbürgern unter 45 "in" ist. Und bitte wer unter 45 stopft denn noch Strümpfe oder näht eine gerissene Hosennaht neu nach? Und welcher Schlafanzug-Gummi funktioniert noch nach dem zweiten Waschen? Und das aufgeklebte Stretsch-Band in Rock und Hose verwandelt sich nach dem dritten Waschen in eine klebrige schwarze Schmiere, die Hemden und Blusen versaut. Als sehr aktiver Fußgänger kämpfe ich bei gummiartigen Schuhsohlen schon nach 14 Tagen mit einem Loch drin und nach 3 Wochen bei Thermo-Plastiksohlen mit deren Bruch. 90% der heute angebotenen Ware ist doch nur noch primitiver Müll.


ein extrem unglaubwürdiges Abstimmungsergebnis

23.11.2019

die Masse der heute verkauften Textilien hat nicht mal mehr die Stoffqualität der Putzlappen vor 30 Jahren. Und statt auf Qualität achten heute die Käufer zuerst auf die Marke, dann auf den modischen Schick, ob das Zeug "in" ist, ob der Dreck "Lifestyle" ist und erst dann auf den Preis. Und wenn die Marke gut für das Image ist, dann wird oftmals jeder noch so absurde Preis gezahlt - auch wenn das T-Shirt für 79 Euro nicht mal einen zweiten Waschgang überlebt. Und dann wäre dann auch noch "Geiz ist geil". Wovon leben denn Kick und Co?