Börsenbarometer im August

Welche Börsennews die Märkte beeinflussen | 25.08.2018

Geerbte Verträge nach dem Tod

© vadimguzhva - istock.com

Im Juli erreichte der Handelskonflikt zwischen den USA, China und der Europäischen Union (EU) eine neue Eskalationsstufe – das machte sich zeitweise weltweit bei den Aktienkursen bemerkbar. Auch das Sommerloch verhinderte Spitzenwerte an den Börsen. Zum August hin zeigten sich jedoch erste Erholungserscheinungen. Nachdem die Vereinigten Staaten Strafzölle auf China-Importe verlangten, reagierte China mit Gegenzöllen auf US-Produkte. Die Drohung von US-Präsident Donald Trump über Zölle auf europäische Autos belastete die Kurse von Autowerten. Ein Treffen von Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sorgte gegen Monatsende für eine Entschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und der EU und könnte der Grund für einen erneuten Kursauftrieb an den europäischen Börsen gewesen sein. Unterdessen schwelte der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter. Investoren und Wirtschaftsforscher warnten bereits davor, dass ein Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China das weltweite Wachstum drosseln könnte. Analysten prognostizierten, dass dann in Deutschland die Unternehmensgewinne einige Quartale schwächer wachsen und die Kurse eine längere Verschnaufpause einlegen werden.

Wirtschaftsforscher sehen wachsende Risiken für Eurozone

Die Konjunkturforscher des deutschen ifo-Instituts, des italienischen Istat und des Schweizer KOF warnten in einer gemeinsamen Analyse vor wachsenden Risiken durch einen verstärkten Protektionismus und politische Spannungen innerhalb der EU-Staatengemeinschaft. Dennoch erwarten die Ökonomen, dass sich die Konjunkturerholung im Euroraum zum Jahresende wieder leicht beschleunigen sollte.

IWF warnt vor Immobilienblase in Deutschland

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht derzeit Anzeichen für eine Immobilienblase in Deutschland sowie Belastungen durch einen harten Brexit und eine protektionistische Handelspolitik. "Der Preisanstieg bei Hauspreisen in Deutschlands dynamischsten Städten verdient eine genaue Beobachtung", heißt es bei dem Fonds in seinem jährlichen Bericht zu Deutschland. Deutschlands Wirtschaft stehe mittel- und langfristig vor erheblichen Wachstumsproblemen.

Briten wollen Referendum über Brexit-Bedingungen

Eine Mehrheit der Briten sprach sich im Juli erstmals für eine Volksabstimmung über die endgültigen Brexit-Bedingungen aus. Das von der britischen Regierung vorgelegte Weißbuch zum Brexit traf auf Vorbehalte in Brüssel. Michel Barnier, Brexit-Chefunterhändler der EU, lehnte die Vorschläge Mays zu Zöllen ab. Bis Oktober soll nun ein endgültiger Vertrag über die künftigen Beziehungen geschlossen werden. Unterdessen rief die EU-Kommission die Wirtschaft und alle staatlichen Stellen dazu auf, sich für einen harten Brexit ohne Vertrag zu wappnen.

Börsen-Chef Weimer: Dax könnte größer werden

Der Chef der Deutschen Börse, Theodor Weimer, kann sich eine Erweiterung des wichtigsten Börsenbarometers in Deutschland vorstellen. "Von der Größenordnung der deutschen Wirtschaft her wäre es durchaus gerechtfertigt, dass man mal perspektivisch darüber nachdenkt, den Dax auch etwas breiter aufzustellen", sagte Weimer bei der Feier zum 30. Jahrestag des Deutschen Aktienindex (Dax) der 30 wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften. Zum Vergleich: Der britische Börsenindex FTSE hat 100 Unternehmen, der japanische Nikkei 225. Zurzeit halten nur etwas mehr als zehn Millionen Menschen Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds.

Eurozone: Inflation über EZB-Schwelle

Die Teuerung in der Eurozone zog im Juli weiter an. Die Inflationsrate steigt auf 2,1%, wie das europäische Statistikamt Eurostat mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Dezember 2012. Damit wird die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von mittelfristig knapp 2% erstmals seit Januar 2013 wieder überschritten. Bislang will die EZB über den Sommer 2019 hinaus den Leitzins auf dem aktuellen Niveau von 0% halten. Die Anleihekäufe sollen ab Oktober zurückgefahren und zum Jahresende eingestellt werden.

Insolvenzverfahren der Containerfirma P&R eröffnet

Mit der formellen Eröffnung des Insolvenzverfahrens des Grünwalder Containeranbieters P&R gab der offiziell bestellte Insolvenzverwalter Michael Jaffé neue Details in dem womöglich größten deutschen Anlageskandal bekannt. Demnach wurden seit mehr als zehn Jahren Container nur auf dem Papier verkauft. Neu eingeworbene Gelder seien dazu genutzt worden, laufende Verbindlichkeiten aus Mietzahlungen und Rückkäufen gegenüber Altanlegern zu begleichen. Anleger können nun ihre Forderungen anmelden. Die Frist dafür endet am 14. September.

Termine im August

Am 1. August hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Zinsentscheidung getroffen und den Zinssatz unverändert gelassen. Die Bank of England (BoE) hat den Leitzins am 2. August um 0,25% erhöht. Unternehmen und Finanzdienstleister in den USA, Deutschland und der EU ziehen Bilanz zum Geschäftsverlauf des ersten Halbjahres und geben einen Ausblick auf das Gesamtjahr. Am 17. August war ein kleiner Verfallstag an der Börse.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (4)


Kommentare

Joe

04.09.2018

@Janosch: Warum ist eine 25%ige Kapitalertragssteuer untragbar? Es kann doch nicht sein, dass man Gewinne macht und keine Steuern dafür zahlt!
Was jedoch ungerecht ist:
-Die Investmentsteuerreform von 2018 trifft nur Fondsanleger. Die Milliardäre, die ihre Aktien schon seit Jahrzehnten halten (Quandt, Schaeffler, Plattner etc), zahlen auf Aktiengewinne auch weiterhin keinen Cent.
-In den nächsten Jahren soll die Kapitalertragssteuer wieder auf den persönlichen Steuersatz, der meist über 25% liegt, erhöht werden. Da Firmen bereits Steuern zahlen, bevor sie Dividende abführen, liegt der Gesamtsteuersatz damit zu hoch.
-Wenn man mit einer Anlage Verluste macht und dann aufhört, weil man z.B. pleite ist, kann man dann diese Verluste mit früheren Gewinnen gegenrechnen? Ich weiß nicht, wieweit ein solcher Rücktrag geht.


Janosch

03.09.2018

Für Anleger gibt es kaum noch alternativen und eine 25%ige Kapitalertragssteuer für Langzeitinvestoren ist untragbar.
Man soll für sein Alter vorsorgen und dann werden Gewinne so hoch versteuert, bin ja kein Zocker.
Aber wenn ich einen Verlust einfahre, was bekomme ich dann?


Günther Strebel

31.08.2018

Die völlig verfehlte Geldpolitik hat viele Investoren zum Schulden machen verleitet. Dieser Effekt war nach der Finanzkrise zwar gewollt um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Jetzt wäre es aber längst an der Zeit gegenzusteuern - wie es die FED in USA seit 2018 tut. Wir ersticken in einem weltweiten Schuldenkarusell, die nächste Finanzkrise wird von dieser Schuldenkrise ausgelöst - dann werden nicht nur die Aktienmärkte einbrechen sondern das Platzen der Immobilienblase ist unausweichlich........
Leider .......


Harald

27.08.2018

Immobilienblase:

Nachdem immer mehr Großinvestoren und besonders aus den Erdöl Ländern Reiche hier zu lande und in Europa Immobilien kaufen (als Wertanlage, da Erdöl in Zukunft rarer wird bzw. ausgeht) oder auch die großen kriminellen Clans ihre Drogengelder etc. in Immobilien locker anlegen - kein normaler Bürger mehr sich ein Eigenheim leisten kann, wird es ganz sicher eine Riesen Blase geben...wie in Amerika. Sie wird explodieren. Allerdings kaufen dann wieder nicht die "normalen" Bürger, sondern gleich wieder im großen Stil Fonds und Reiche. Der Staat müsste dies endlich verbieten! Jeder dürfte max. 2 bis 3 Immobilien haben. Und Fonds oder Reiche dürften die Wohnungen und Häuser nur im "sozialen" Rahmen, mit angemessener Erhöhung vermieten dürfen, zudem sollten überall genug Sozialwohnungen frei sein. In jedem Objekt eine bestimmt Anzahl an günstigen Wohnungen.

Brexit:

Hier sollten wir hart bleiben. Die Briten wollten raus mit allen Konsequenzen, keine gemeinschaftlichen Zahlungen und Unterstützungen für ein Euroland.
Also sollten Sie auch nicht die Annehmlichkeiten haben wie die Euroländer. Handel ja, aber günstige Konditionen nein!

Italien:

Wenn die mit Austritt drohen, sollten die sich erst mal überlegen was sie damit anrichten. Zum einen wie Experten sagen könnte es schlimmer kommen als Griechenland und Europa ziemlich hart schaden, zum anderen lernen die doo*** Italiener nicht aus dem Brexit?
Firmen gehen (somit auch viel Geld und Arbeitsplätze), die Währung gerät unter Druck, Preise steigen rasant, etc. etc.

Ich denke zur Zeit gibt es arrogante, egoistische und Landes zerstörerische Einzelpersonen die keine Ahnung mehr von Landes- und Weltführung haben...siehe Türkei, Nordkorea, USA.....

Die einzigen die einen kühlen Kopf bewahren sind Europa, Großteil Asiatischer Raum und man muss sagen Russland.