Geldfrage des Monats

Nicht bestellt, trotzdem im Briefkasten – dürfen Sie’s behalten? | 27.08.2018

Mann mit Kind am PC

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Unsere Geldfrage im August: Dürfen Sie nicht bestellte Ware behalten, die in Ihrem Briefkasten landet?

Die Frage ist leicht gestellt, aber nicht so einfach zu beantworten. Es gibt verschiedene Situationen mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten.

Dürfen Sie Waren, die Sie nicht bestellt haben, behalten, wenn ein Paket falsch adressiert wurde oder sich der Zusteller in der Tür geirrt hat?

Nein – wenn erkennbar ist, dass Waren an die falsche Person geliefert wurden, zum Beispiel wenn der Lieferschein im Paket einen anderen Namen zeigt, dürfen Sie die Ware nicht behalten, sondern müssen den Versender informieren. Das versendende Unternehmen kann die Herausgabe verlangen, muss aber die Kosten dafür tragen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät: „Stellen Sie dem Absender eine angemessene Frist zur Abholung der Ware und bewahren Sie das Paket sorgfältig auf.“ Falls das Paket an den Nachbarn adressiert ist, können Sie es ihm aushändigen.

Was ist, wenn Unternehmen Waren aus Versehen an mich versenden?

Auch hier gilt: Ist erkennbar, dass ein Irrtum vorliegt (zum Beispiel eine doppelte Lieferung), sollten Sie mit dem Unternehmen Kontakt aufnehmen und die Waren, falls vom Verkäufer gewünscht, herausgeben. Die Kosten muss in diesem Fall ebenso das Unternehmen tragen.

Und wenn Unternehmen ganz bewusst/proaktiv Waren an Sie schicken?

Wenn Sie nichts bestellt haben und die Waren eindeutig an Sie als Verbraucher adressiert sind, können Sie sie behalten. Nach § 241a BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) kann der Unternehmer die Sache grundsätzlich nicht zurückfordern und auch keine sonstigen Ansprüche geltend machen.

Aber: Wenn Ihnen ein Verkäufer zum Beispiel nach Ihrer Bestellung irrtümlich eine falsche Ware liefert, gilt § 241 a nicht.

Wenn ich unbestellte Ware, die bewusst/proaktiv an mich geschickt wurde, behalten darf, muss ich sie dann bezahlen?

Wenn Sie die Ware nicht bestellt haben, müssen Sie dafür grundsätzlich nicht zahlen und können sie nutzen oder entsorgen (§ 241 a BGB). Dazu die Verbraucherzentrale: „Denn nur weil nicht bestellte Ware bei Ihnen ankommt, entsteht noch kein Kaufvertrag, der zur Zahlung verpflichtet.“

Achtung: Selbst wenn Sie sich nur ironisch beim Versender „bedanken“, kann dies schon als Annahme des Angebots gewertet werden, was Sie als Empfänger in die Zahlungspflicht nimmt. Die Verbraucherzentrale rät: „Der sicherste Weg ist deswegen immer, nicht auf die Zusendung unbestellter Ware zu reagieren.“ Auch Mahnungen und Drohbriefe können Sie ignorieren. Im Falle eines Rechtsstreits liege die Beweislast für einen rechtsgültigen Vertrag zwischen Versender und Empfänger immer auf Seiten des Verkäufers.

Achtung: Sie sollten sich bei vermeintlich unbestellter Ware ganz sicher sein, diese wirklich nicht bestellt zu haben, bevor Sie sich freuen und sie annehmen oder nutzen. Stellt sich die vermeintliche Falschlieferung als korrekt heraus und es bestehen Vertragspflichten, können Sie aber in der Regel immer noch von Ihrem zweiwöchigen Widerrufsrecht Gebrauch machen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (1)


Kommentare

Clemens M.

01.09.2018

Also uns ist mal ein Karton mit sechs Flaschen Champangner direkt an unsere Adresse zugestellt worden, die wir natürlich nicht bestellt hatten. Wir haben sie frech ausgetrunken.
Wenige Wochen später kam die zweite Kiste. Warscheinlich ein Abo oder so, mit falschen Adressdaten. Wir hatten aber mit dem Lieferanten nie was zu tun, kannten den garnicht.
Jetzt meldete sich das schlechte Gewissen und ich rief die Firma an. Die waren aber nicht sehr kooperativ, maulten mich an wieso ich die Ware nicht gleich zurückgeschickt hätte usw..
Ich würde von mir aus nicht mehr so handeln. Ist doch deren Fehler.