Die geheime D-Mark

Deutschlands Ersatzscheine während des Kalten Krieges | 15.04.2014

Eine unbekannte Serie der Deutschen Mark, die im Krisenfall schnell die aktuelle ersetzen kann, das klingt eher nach Agentenfilm als nach Realität. Doch laut Bundesbank gab es in Deutschland tatsächlich eine Notfallserie, die vielen bis heute kaum bekannt sein dürfte. Was steckt dahinter?

Notgeld


© Dieter Konrad/Fotolia.com

In den sechziger Jahren parallel zu den offiziellen DM-Scheinen gedruckt, blieb die Serie der Öffentlichkeit weitestgehend verborgen. Ein geheimes Projekt, über das sich die Bundesbank bis heute sehr bedeckt hält. Fest steht: Es gab zwei unterschiedliche Währungsserien. Einmal die Bittrof-Serie, die Banknoten bis 100 DM beinhaltete. Zum anderen die Bundeskassenscheine. Dabei handelte es sich um Banknoten mit den Wertstufen 5, 10 und 50 Pfennig bzw. 1 und 2 DM.

Doch warum existierten diese Serien überhaupt?
Laut der Süddeutschen Zeitung ist es wahrscheinlich, dass die Banknoten im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg gedruckt wurden. Zum Beispiel, weil man die Destabilisierung der Deutschen Mark mit gefälschten DM-Scheinen aus den Staaten des Warschauer Paktes befürchtete. In diesem Fall hätte man die DM als ungültig erklären und sofort neue Banknoten – die Bundeskassenscheine und die Bittrof-Serie – in Umlauf geben können. Möglich ist auch, dass das Notgeld im Falle einer Hyperinflation in Umlauf gegeben worden wäre. Als Indiz dafür gelten die Bundeskassenscheine: Denn in Krisenzeiten mangelte es oft an Münzen, weshalb man Scheine an Stelle von Geldstücken herstellte. Aufgrund ihres Metallgehalts wurden Münzen in der Vergangenheit schon eingeschmolzen oder auch von der Bevölkerung gehortet. Das sollten die Scheine verhindern.

Wo wurde das Notgeld aufbewahrt?
Das Geld soll in Tresoren der Bundesbank gelagert worden sein. In diesem Zusammenhang Erwähnung findet das Frankfurter Direktorium, dort befanden sich wahrscheinlich etwa 10 Milliarden des Notgeldes. Ein versteckter Bunker in Cochem beherbergte wohl gut 15 Milliarden. In den 300 unterirdischen Metern lagerten die Scheine wahrscheinlich 20 Jahre lang.

Was ist aus dem Ersatzgeld geworden?
1988 hat sich die Bundesbank beziehungsweise das Finanzministerium dann entschieden, Bundeskassenscheine und die Bittrof-Serie zu vernichten. Laut der Süddeutschen Zeitung zerstörte man diese, da sie nicht mehr als fälschungssicher galten. Im Rahmen der Entsorgung durch private Firmen verschwanden einige Banknoten – um später bei Auktionen wieder aufzutauchen. Diese erklärte die Bundesbank umgehend als Diebesgut und beschlagnahmte alle auftauchenden Exemplare. Dennoch kursieren auch heute noch Bundeskassenscheine im Internet, für ungefähr 30 Euro erhält man 1 DM der Bundeskassenscheine. Im Gegensatz dazu werden Banknoten der Bittrof-Serie selten bis nie angeboten.

Es wird vermutet, dass auch in anderen Ländern, wie der Schweiz und Österreich Ersatzserien existierten. Bis heute gibt es kaum Aussagen über diese geheimen Projekte. Laut der Süddeutschen Zeitung überlege die Bundesbank jedoch, die deutschen Ersatzscheine im Rahmen einer Ausstellung zu präsentieren. Davor müssten aber die Hintergründe ihrer Entstehung als Erstes aufgearbeitet werden. Man darf also gespannt sein.


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