Öl: Schmiermittel der Weltwirtschaft

Diese Faktoren beeinflussen den Ölpreis | 08.01.2019

Paar beim Onlineshopping

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In den verschiedenen Berichten zum Ölmarkt wird oft mit unterschiedlichen Zahlen und Angaben zum Ölpreis jongliert. Für private Anleger ist es da nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Zu den am häufigsten beobachteten und gehandelten Rohölsorten gehören das Western Texas Intermediate (WTI) und Brent. WTI wird in den Ölfeldern der USA gefördert und vornehmlich an der New York Mercantile Exchange gehandelt. Der Handelsplatz für Rohöl der Nordseesorte Brent ist die Londoner Warenterminbörse.

Nach den starken Preisrückgängen in den Jahren 2014 und 2015 verzeichnete WTI seit dem ersten Quartal 2016 wieder steigende Notierungen und erreichte im Oktober 2018 ein Vierjahreshoch. Doch anschließend fiel der Preis. Ende November 2018 lag der Preis für ein Barrel WTI erstmals seit mehr als einem Jahr wieder unter 50 US-Dollar. Ein Barrel entspricht 159 Litern und ist die gängige Handelseinheit des Rohstoffs. Auch die Nordseesorte Brent verbilligte sich und fiel Ende November 2018 auf das tiefste Niveau seit über 12 Monaten.

Ölangebot steigt schneller als die Nachfrage

Sorgen um ein Überangebot von Rohöl auf dem Weltmarkt haben die jüngste Korrektur eingeläutet. Gerade die USA fahren ihre Produktion weiterhin in einem hohen Tempo nach oben und sind mittlerweile zum größten Ölproduzenten der Welt aufgestiegen. Da sich das Angebot zuletzt schneller erhöht hat als die Nachfrage, notieren die Öl-Lagerbestände inzwischen auf Rekordniveau. Auch aus den zur OPEC gehörenden Ländern kam in den vergangenen Monaten mehr Öl als ursprünglich erwartet, nachdem die Folgen der von den USA verhängten Iran-Sanktionen weniger schwerwiegend waren als zunächst angenommen. Die 1960 gegründete OPEC versucht die Interessen der aktuell 14 zugehörigen Förderstaaten zu wahren und hatte mit ihrer Förderpolitik viele Jahrzehnte lang einen großen Einfluss auf den Ölpreis.

Auf der anderen Seite dürfte die Öl-Nachfrage im kommenden Jahr niedriger ausfallen als vor wenigen Monaten gedacht. Zuletzt rechnete die OPEC noch mit einer Nachfrage von 31,5 Millionen Barrel Öl pro Tag. Mit strikten Fördergrenzen versucht das Kartell deshalb, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, das Angebot knapp und die Preise damit stabil zu halten.

Während niedrige Ölpreise den Förderstaaten und großen Ölkonzernen Kopfzerbrechen bereiten, atmen andere Branchen auf. Die Luftfahrtbranche freut sich über geringere Kosten für Kerosin und die Logistikbranche über günstigere Preise für LKW-Diesel an den Zapfsäulen. Auch die Chemiebranche zeigt sich stark vom Ölpreis abhängig, immerhin macht Rohöl als wichtigster Rohstoff der Branche und Energieträger mehr als ein Drittel der Produktionskosten aus.

Verschiedene Einflussfaktoren auf den Ölpreis

Ob die Anfang Dezember 2018 beim OPEC-Treffen in Wien beschlossene Begrenzung der Fördermengen ausreicht, um den Ölpreis wieder in höhere Preisregionen steigen zu lassen, bleibt abzuwarten. Neben Angebot und Nachfrage spielen noch eine Reihe weiterer Faktoren in die Preisfindung hinein. Politische Entwicklungen in den Förderländern können ebenso Auswirkungen auf den Ölpreis haben wie Naturkatastrophen in den jeweiligen Förderregionen. Branchenexperten warnen zudem schon länger davor, dass die vergleichsweise niedrigen Investitionen der Ölfördergesellschaften in die Erschließung neuer Förderfelder in einigen Jahren zu einem Versorgungsengpass führen können.

Autor: ING-DiBa AG


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