Onlineshopping

Lebensmittel online bestellen: Praktisch und preiswert? | 10.11.2020

Geld, das von Himmel fällt?

In der Corona-Pandemie sind alle angehalten, Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren. Viele Menschen möchten daher auch den Gang in den Supermarkt vermeiden. Die Folge: Ein Boom der Lebensmittel-Lieferdienste. Warum die Pandemie als Durchbruch für die Branche gilt und worauf Verbraucher achten sollten.

Mit wenigen Klicks den Einkaufswagen zusammenstellen, die Adresse eingeben und fertig – Online-Shopping wird immer beliebter. Das gilt mittlerweile nicht nur für Kleidung, Bücher und Elektronik, sondern auch für Lebensmittel. Große Supermarktketten und spezielle Food-Online-Händler liefern frische und haltbare Produkte bis vor die eigene Haustür. Der Service ist praktisch, hat aber auch seinen Preis. Alle Vor- und Nachteile auf einen Blick.

Durchbruch dank Corona

Lebensmittel-Bringdienste, die mit stationären Supermärkten konkurrieren, hatten zunächst einen schwierigen Stand. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland verzichtete lange auf den Service: 2018 lag der Online-Anteil am deutschen Lebensmittelumsatz laut Stiftung Warentest nur bei etwa einem Prozent. Die Corona-Pandemie hat die Kaufgewohnheiten der Konsumenten jedoch deutlich verändert und auch Online-Händlern Türen geöffnet.
 
Wie eine Studie des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) im Auftrag des Tiefkühllieferanten Eismann ergab, haben vor allem Familien in den vergangenen Monaten auf Lebensmittel-Lieferdienste zurückgegriffen. Im August 2020 gaben demnach 31 Prozent der Familien-Haushalte an, dass sie Lebensmittel online bestellen. Im Vorjahr lag ihr Anteil nur bei 19 Prozent. 62 Prozent der Familien sagten außerdem, dass sie häufiger Lebensmittel bestellt hätten als 2019.
 
Die Wirtschaftsprüfer von PwC sprechen von einem „Durchbruch“ für den Online-Lebensmittelhandel in Europa. Laut einer PwC-Studie hat sich der Anteil der europäischen Verbraucher, die ihre Lebensmittel hauptsächlich online kaufen, in städtischen Regionen um 10 Prozentpunkte erhöht. „Während des Lockdowns ist der Online-Einkauf von Gütern des täglichen Bedarfs rasant angestiegen, obwohl Lebensmittelgeschäfte und Drogerien die ganze Zeit über geöffnet waren“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

Unkompliziert, sicher, frisch

Die Gründe für das wachsende Interesse an Online-Services liegen auf der Hand: Verbraucher können Zeit sparen und müssen keine schweren Einkäufe in ihre Wohnung schleppen. In der Pandemie versprechen die Dienste zudem Einkaufen mit geringerem Infektionsrisiko – und ermöglichen es Eltern, auf ihre Kinder aufzupassen, während der Kindergarten geschlossen oder seine Öffnungszeiten eingeschränkt hat. Gerade Anbieter mit einer eigenen Lieferflotte könnten frische und insbesondere tiefgekühlte Produkte sogar besser heil ans Ziel bringen als Verbraucher, die selbst in den Supermarkt gehen, betont Lars Hofacker vom EHI Retail Institut. „Die können etwa Speiseeis und andere gekühlte Waren teilweise besser liefern als man selbst im eigenen Auto, da sie bessere Kühlmöglichkeiten besitzen.“
 
Bei Diensten mit eigenen Lieferfahrzeugen falle zudem weniger Müll an, sagt Hofacker. Außerdem bucht man bei den Anbietern immer ein passendes Lieferfenster mit, so dass man im Idealfall daheim die Waren direkt in Empfang nehmen kann. Anders sieht das bei Anbietern aus, die ihre Waren per Paketdienst liefern lassen.

Preise variieren nach Händlern und Produkten

Ob Lieferdienst mit eigener Flotte oder Paketdienst – nicht immer haben Verbraucher die Wahl, für welchen Anbieter sie sich entscheiden. Bislang sind viele Online-Lebensmittelhändler vor allem in Großstädten unterwegs. Welche Möglichkeiten es in der eigenen Region gibt, zeigt die Plattform Foodly an. Dort können Kunden ihre Postleitzahl eingeben und auf einen Blick sehen, welche Händler in ihrer Region liefern und wann das nächste freie Zeitfenster für die Lieferung ist. Zum Teil sind längere Wartezeiten normal – gerade am Anfang der Corona-Krise konnten viele Händler den wachsenden Bedarf nicht decken. Viele haben ihre Kapazitäten inzwischen aber angepasst.
 
Wer sich Mehl, Brot und Gemüse bringen lassen möchte, sollte jedoch nicht nur auf die Lieferzeiten achten. Auch die Preise und Mindestbestellwerte variieren. Einige Händler liefern nur ab einem Warenkorb von mehr als 50 Euro, andere verzichten komplett auf solche Beträge, verlangen aber ähnlich wie bei anderen Online-Shops Versandkosten. Neben diesen fielen zum Teil auch höhere Preise für Lebensmittel im Vergleich zum stationären Handel an, schreibt Ökotest mit Bezug auf einen eigenen Test unter sieben Online-Händlern. Demnach fallen vor allem Produkte teurer aus, die kühl gehalten oder sorgfältig verpackt werden müssen. So entspreche der Preis für eine Tafel Schokolade etwa dem im Supermarkt um die Ecke, während frische Produkte wie Bananen deutlich teurer seien als im Laden. Es lohnt sich also, genau hinzusehen und Preise sowie Lieferbedingungen zu vergleichen.

Hamsterkäufen vorbeugen

Verbraucher, die sich angesichts steigender Infektionszahlen noch einmal mit Toilettenpapier oder Nudeln eindecken möchten, sind bei Online-Lieferdiensten übrigens nicht unbedingt besser beraten als im stationären Supermarkt: Einige Shops wollen Hamsterkäufen vorbeugen und liefern daher nur noch bestimmte Mengen von einigen Produkten, wie Ökotest berichtet. Generell gilt demnach bei Diensten, die sich an Privatkunden richten: Lieferung nur in haushaltsüblichen Mengen.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (4)


Kommentare

Realist

23.11.2020

Es gibt da ein altes schönes Lied, von einer Straße "wo das Leben noch lebenswert ist" und wo nicht interessiert, wer was ist und wer was hat. Aber Ansichten zur Lebensqualität wandeln sich - und Katarina oder Anatol gehören halt zu jener Generation, für die nur das smartphone/iPhone ständig vor dem Gesicht das Leben lebenswert macht. Nur werden die beiden wohl in einigen Jahren in riesigen Müllbergen ersticken und in Orten mit irrwitzig vielen toten Läden leben müssen. Hoffentlich werde ich diese Zustände altersbedingt nicht mehr erleben müssen ... .


Anatol Bakunin

18.11.2020

Was ist jetzt besser, in der Schlange bei Aldi sich dem erhöhten Corona Risiko auszusetzen? oder besser zu Hause beleiben und Essen Auf Rädern bestellen??


Katharina

17.11.2020

Frische Lebensmittel werde ich auch in Zukunft nur vor Ort auf Märkten und in Geschäften kaufen. Abgepackte lange haltbare Lebensmittel kann man genauso gut online kaufen. Die Innenstädte werden sich wandeln. Die Forderung des Handels und der geöffneten Geschäfte nach Zuschüssen finde ich absurd. Der Umstieg Richtung online findet sowieso statt.


Dieter 2

14.11.2020

Es sind gerade die stark wachsenden Lieferdienste für Fast/Junk-Food und Lebensmittel, die die Müllberge an Verpackungen explosionsartig wachsen lassen. Und es sind insbesondere die extrem lebensfernen Genrationen Z und FFF, die die absoluten Fans dieser Liederdienste sind. Und die damit real die Hauptverursacher der Vermüllung unserer Erde sind. Gleichzeitig wird über das Sterben der Innenstädte gejammert - geht es eigentlich noch absurder?