Private Bauhelfer

Die Meldung zur gesetzlichen Unfallversicherung für sie ist Pflicht | 25.04.2018

2014-04-08 | Umbau

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Ein Haus bauen – das geht ins Geld. Nicht selten überlegen private Bauherren, wo sie sparen können. Oft sind es Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen, die anbieten, in ihrer Freizeit auf der Baustelle auszuhelfen. Für den Bauherrn ist das finanziell von Vorteil, schließlich sind private Helfer günstiger als Mitarbeiter von Fachfirmen. Aber Achtung: Private Helfer sind keine gelernten Bauarbeiter. Insofern lauern gerade für Laien zahlreiche Gefahren – etwa Nässe auf Baugerüsten, provisorische Treppen oder Baugruben. Schon ein falscher Tritt kann zu einem Unfall mit fatalen Folgen führen.
 
Doch keine Sorge, es gibt die gesetzliche Unfallversicherung, konkret: die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). Es ist Pflicht des Bauherrn, seine Helfer dort binnen einer Woche nach Baubeginn anzumelden. Das geht einfach über einen Online-Service auf der BG BAU-Webseite. Anschließend erhält der Bauherr per Post einen Fragebogen. Dort trägt er die Anzahl seiner privaten Helfer, deren Arbeitsstunden und die auszuführenden Arbeiten ein. „Auch gewerbliche Firmen, die zum Einsatz kommen, müssen aufgelistet werden“, erläutert Joachim Förster, Pressesprecher der BG BAU.

Kosten des Versicherungsschutzes

Die Kosten für die Versicherung richten sich nach der Zahl der Helferstunden. Die BG BAU legt für die Berechnung ein fiktives Arbeitsentgelt für eine geleistete Arbeitsstunde zugrunde. Im Bauzeitraum 2017 beträgt dies für nicht gewerbsmäßige Bauarbeiten 11,90 Euro in den alten und 10,64 Euro in den neuen Bundesländern. Der Beitragssatz liegt bei 12,1647 Prozent. Durch Multiplikation dieser Faktoren beträgt der Beitrag je Helferstunde in den alten Bundesländern 1,45 Euro und in den neuen Bundesländern 1,29 Euro. Der Mindestbeitrag bei der BG BAU beträgt 100 Euro.
 
Die Berechnung der Beiträge für Versicherte bei Eigenbauarbeiten setzt sich zusammen aus den geleisteten Helferstunden, dem fiktiven Arbeitsentgelt und dem Beitragssatz.

  • Beispiel 1
    Ein Bauherr in Düsseldorf, der einen Helfer im Jahr 2017 in seiner Freizeit 100 Stunden auf seiner Baustelle beschäftigt. Die Berechnung: 100 (die Helferstunden) multipliziert mit 11,90 Euro (West) multipliziert mit 0,121647 (Beitragssatz) ergibt einen Beitrag von 144,76 Euro.
  • Beispiel 2
    Ein Bauherr in Leipzig, der einen Helfer in seiner Freizeit 100 Stunden auf seiner Baustelle beschäftigt. Die Berechnung: 100 (die Helferstunden) multipliziert mit 10,64 (Ost) multipliziert mit 0,121647 (Beitragssatz) ergibt einen Beitrag von 129,43 Euro.

Versicherungsschutz

Der Versicherungsschutz umfasst Unfälle während der Tätigkeit auf der Baustelle sowie auf dem Weg zu und von der Baustelle. An Leistungen gewährt die BG BAU bei Arbeits- und Wegeunfällen die Heilbehandlung, Maßnahmen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation, Zahlung von Verletztengeld, Renten im Fall der Erwerbsminderung bis hin zu Sterbegeld sowie Rentenzahlungen an Hinterbliebene.

Gefälligkeitsdienste

Wenn Verwandte oder Freunde Gefälligkeitsdienste am Bau erbringen, dann ist der Versicherungsschutz unter Umständen ausgeschlossen. „Solche Handreichungen gelten rechtlich nicht als arbeitnehmerähnlich“, erklärt Förster. Klare Definitionen gibt es weder in gesetzlichen Vorschriften noch in der sozialgerichtlichen Rechtsprechung. Generell gilt: Je enger die soziale Bindung zwischen Bauherrn und Helfer ist, umso eher kann von einer Gefälligkeitsleistung ausgegangen werden. Wenn sich der Bauherr unsicher ist, sollte er sich vor Baubeginn bei der BG BAU erkundigen.

Nachbarschaftshilfe und Schwarzarbeit

Gegenseitige unentgeltliche Hilfe von Nachbarn auf der Baustelle ist erlaubt. Wenn der helfende Nachbar aber regelmäßig nach Feierabend einer wirtschaftlich relevanten Tätigkeit nachgeht, kann Schwarzarbeit vorliegen. Und das kann für den Bauherrn richtig teuer werden. Wenn die Schwarzarbeit aufgedeckt wird, müssen nicht nur Steuern und Sozialabgaben nachgezahlt werden, sondern es drohen auch Bußgelder – in Extremfällen bis zu 100.000 Euro.
 
Der Bauherr selbst und sein eingetragener Ehe- oder Lebenspartner sind vom gesetzlichen Versicherungsschutz übrigens ausgenommen. „Sie haben aber bei der BG BAU die Möglichkeit, sich freiwillig zu versichern“, sagt Förster. Dazu reicht ein schriftlicher und ansonsten formloser Antrag. Wer bereits eine private Unfallversicherung hat, sollte deren Leistungsumfang mit dem von der BG BAU angebotenen Schutz abgleichen.

Autor: ING-DiBa


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