Schulden

Die Privatinsolvenz kann ein Ausweg sein | 26.05.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

Schulden über Schulden: Wenn die Mahnungen ungebremst ins Haus flattern, sehen viele Verbraucher nur einen Ausweg: die Privatinsolvenz. Was Sie dazu wissen müssen.

Manchmal kann es schneller gehen als man denkt. Zahlungsschwierigkeiten beim Hauskredit, der Miete oder dem Telefonanschluss. Wenn der Schuldenberg ohne Aussicht auf Besserung wächst, kann es für Privatpersonen einen Ausweg geben: die Privatinsolvenz. In Deutschland haben laut Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel im ersten Halbjahr 2019 etwa 42.000 Verbraucher eine Insolvenz angemeldet. Und diese Lösung ist besser als ihr Ruf vermuten lässt.

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Wann kann eine Insolvenz sinnvoll sein?

Spätestens wenn Mahnungen ins Haus flattern und irgendwann sogar der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, wissen Schuldner: So kann es nicht weitergehen. Die Insolvenz ist hier eine mögliche Lösung. Doch der Schritt in die Privatinsolvenz scheint beängstigend, schließlich ist er mit einigen Hürden verbunden: Das Verfahren kann langwierig sein, zieht einen Schufa-Eintrag mit sich und zwingt zu seinem eingeschränkten Konsumverhalten. Doch die Insolvenz bietet Verbrauchern auch die Möglichkeit, spätestens nach sechs Jahren schuldenfrei zu sein und einen Neuanfang zu beginnen. Aber: „Ein Insolvenzverfahren ist nur dann sinnvoll, wenn man die Ursachen der Schuldenproblematik abgestellt oder in den Griff bekommen hat. Ein Insolvenzverfahren zu beantragen bei ungeklärten Unterhaltsverpflichtungen oder aktuellen Miet- und Stromschulden, führt regelmäßig ins Chaos“, erklärt Frank Wiedenhaupt von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung.

Was wird gepfändet – und was nicht?

Dieser Schritt macht vielen Schuldnern besonders Angst: die Pfändung. Doch was darf überhaupt eingezogen werden? „Abzugeben sind in der Regel nur Luxusgegenstände“, erklärt Zerhusen. Alle Sachen, die zur bescheidenen Lebensführung gehören, dürfe der Schuldner behalten. Der Fernseher wird also nur dann gepfändet, wenn es ein Luxusgerät ist. Und was ist mit dem Auto? „Das Auto ist geschützt, wenn es zur Fortführung des Jobs benötigt wird und kein Luxusfahrzeug ist“, sagt der Verbraucherschützer. Doch es seien nicht nur analoge Vermögenswerte pfändbar, erklärt Wiedenhaupt. Auch digitale Werte, wie Kryptowährungen, können eingezogen werden.
 
Außerdem wird ein Teil des Einkommens gepfändet. Doch dabei steht dem Schuldner ein Existenzminimum seines Einkommens zu. Wie viel das ist, richtet sich nach der Pfändungstabelle des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.
 
Beispielrechnung: Wer monatlich 1.700 Euro netto verdient, muss als Alleinstehender rund 365 Euro als pfändbaren Betrag abgeben, mit einem Kind sind es rund 39 Euro.
 
Wichtig: Der Schuldner braucht ein Pfändungskonto, damit die Pfändungsfreigrenzen eingehalten werden. Das kann er bei seiner Bank beantragen und sein Girokonto in ein sogenanntes P-Konto umwandeln lassen.

Wird der Schuldner von allen Schulden befreit?

Das Ziel des Insolvenzverfahrens ist, den Schuldner von allen Schulden zu befreien. Doch es gibt ein paar Ausnahmen, erklärt Zerhusen. Dazu gehören:

  • Bußgelder
  • Geldstrafen
  • vorsätzlich und pflichtwidrig entzogener Unterhalt
  • Schulden aus bestimmten Steuerstraftaten
  • Schadensersatz aus vorsätzlicher und unerlaubter Handlung (z. B. Schmerzensgeld bei Körperverletzung)

Was das Insolvenzverfahren kostet

Auch wenn der Schuldner nach der Insolvenz im besten Fall schuldenfrei ist, entstehen während des Verfahrens Kosten:

  • Gerichtskosten
  • Kosten für Treuhändler

„Diese sind grundsätzlich vom Schuldner zu tragen”, sagt Wiedenhaupt. In einem Verfahren, in dem keine Vermögenswerte eingezogen werden konnten, könne man mit etwa 2.000 Euro rechnen.

So läuft das Verfahren ab

Im Regelfall dauert das Insolvenzverfahren sechs Jahre. Das ist eine lange Zeit. Doch die kann unter Umständen auch verkürzt werden: „Schuldner können die Verfahrensdauer auf fünf Jahre reduzieren, wenn sie bis dahin alle Verfahrenskosten beglichen haben“, erklärt Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Und es geht noch kürzer: Wer darüber hinaus innerhalb von drei Jahren 35% der Gläubigerforderungen begleicht, ist nach drei Jahren schuldenfrei.
 
Laut Verbraucherzentrale läuft das Verfahren in sechs Schritten ab:

  1. Versuch der außergerichtlichen Einigung
    Lehnt auch nur ein Gläubiger die angebotene Ratenzahlung ab, scheitert diese Einigung und ein Insolvenzantrag muss gestellt werden.
  2. Beim Insolvenzgericht einen Antrag stellen
    Hier muss eine Bescheinigung eingereicht werden, dass es einen Versuch der außergerichtlichen Einigung gab.
  3. Schuldenbereinigungsverfahren
    Falls es das Gericht für sinnvoll hält, unterstützt es den Schuldner bei einem erneuten Versuch, mit den Gläubigern eine Einigung zu erreichen.
  4. Insolvenzverfahren
    Hier wird die Vermögens- und Schuldensituation festgehalten. Außerdem pfändet ein Insolvenzverwalter so viel Vermögen wie möglich, um dann durch den gewonnenen Ertrag den Gläubigern einen Teil der Schulden zurückzuzahlen.
  5. Insolvenzplanverfahren
    Durch einen Sanierungsplan kann das Insolvenzverfahren verkürzt werden. Beispiel: Der Schuldner erhält von seinen Eltern ein Darlehen für eine Einigung mit den Gläubigern. Hier kommt das Insolvenzplanverfahren ins Spiel. Mehr Infos zum Verfahren gibt die Verbraucherzentrale NRW.
  6. Wohlverhaltensphase
    In dieser Phase muss der Schuldner so viel wie möglich zurückzahlen. Ist dieser Schritt geschafft, ist das Ziel erreicht: Der Schuldner ist von seiner Restschuld befreit.

Autor: ING


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Kommentare (2)


Kommentare

ING

29.05.2020

Hallo Dieter 2, was sollen wir sagen? Natürlich ist uns da ein Lapsus unterlaufen, Sorry und Danke für den Hinweis! Eine Korrektur wird zeitnah erfolgen. Viele Grüße und auch Ihnen schöne Pfingsten, Ihr Social Media Team


@Redaktion

29.05.2020

Copy und Paste hat mal wieder Fehler produziert. Schaut bitte mal auf die fette Bitcoins-Zeile sinnfrei im Thema.

Dieter 2 wünscht deshalb erholsame Pfingstfeiertage