Reisen und Corona

Können sich Verbraucher vor einer Reiseabsage schützen? | 07.09.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Die Urlaubsreise steht an – und kurz bevor es losgehen soll, wird sie dann doch noch wegen der Corona-Pandemie abgesagt. 

Das Urlaubsjahr 2020 ist ein besonderes: Viele Reisen wurden seit der Corona-Pandemie verschoben, abgesagt oder gar nicht erst gebucht. Urlauber sind sich unsicher: Was sollten sie bei einer Buchung beachten? Bleiben sie auf den Kosten sitzen, wenn für das Reiseland eine Reisewarnung ausgesprochen wird? Und können sie sich überhaupt gegen das Risiko einer Reiseabsage schützen? Fünf Fragen – und die Antworten von Experten.

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1. Sollte man derzeit überhaupt eine Reise buchen?

Noch immer durchkreuzt die Corona-Pandemie viele Urlaubspläne. Sollte man es trotzdem wagen, eine Reise zu buchen? „Es gibt Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen oder auch Ausgangssperren. Wer jetzt eine Reise für den Herbst in diese Länder bucht, nimmt solche Risiken in Kauf“, warnt Sabine Fischer-Volk, Reiserechtsexpertin der Kanzlei Karimi Rechtsanwälte Berlin. Die Folge: Diese Urlauber könnten später nicht kostenfrei stornieren, wenn sie deswegen dann doch nicht reisen wollen. Ihr Tipp: Reisende sollten vor einer Buchung die Hinweise des Auswärtigen Amts für das jeweilige Reiseland gut durchlesen.
 
Sich gegen das Risiko einer Reiseabsage abzusichern, hält Expertin Fischer-Volk jedoch für unmöglich: „Keiner kann vorhersagen, zu welchen Maßnahmen das Virus die Länder noch zwingen wird.“ Wer das Risiko minimieren will, könne zum Beispiel einen Urlaub oder Ausflüge im eigenen Land buchen. Doch einige Anbieter zeigen sich derzeit flexibel: „Manche Veranstalter handhaben es so: Wenn man jetzt bucht, kann man bis zu zwei Wochen vorher kostenfrei umbuchen“, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Es empfiehlt sich ein genauer Blick in die Buchungsbestimmungen.

2. Was bedeuten Reisewarnungen für den anstehenden Urlaub?

Aufgrund von Corona-Neuinfektionen hat das Auswärtige Amt neue Reisewarnungen ausgesprochen - was bedeutet das für die Urlauber? In der Regel führen die Warnungen dazu, dass Pauschalreisen vom Reiseveranstalter abgesagt werden. Die gute Nachricht: Kunden können ihre Reise in so einem Fall kostenlos stornieren – und bekommen die Anzahlungen zurückerstattet. Das erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg.
 
Aber: Für Individualreisende, die Unterkunft und Flug separat gebucht haben, gelten andere Regeln. Falls die Fluggesellschaft etwa den Flug wie geplant durchführt, gibt es kein Geld zurück. Hier sollten sich Verbraucher an die Airline wenden, denn viele zeigen sich derzeit in Sachen Umbuchung kulant. Generell gilt aber: Eine Reisewarnung ist lediglich eine Empfehlung des Auswärtigen Amtes und „kein Reiseverbot“, betont Verbraucherschützerin Rehberg. „Wenn ich trotzdem in das Land reisen will, kann ich das machen.“

3. Was sollten Urlauber bei der Bezahlung beachten?

Nicht selten bleiben im Fall einer Reiseabsage Urlauber auf ihren Kosten sitzen. Schließlich müssen sich Hoteliers, Ferienhausvermieter und Fluggesellschaften laut Fischer-Volk im Gegensatz zu Reiseveranstaltern nicht gegen eine mögliche Insolvenz absichern. „Geraten sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten, ist das Geld oft ganz verloren“, erklärt die Rechtsexpertin. Sie rät, bei solchen Buchungen möglichst keine hohen Vorauszahlungen zu leisten. Bei Flugtickets komme man jedoch leider nicht umhin, schon bei der Buchung den vollen Preis zu zahlen.

4. Gibt es Versicherungen, die bei einer Reiseabsage wegen Corona zahlen?

Möchte man aus Angst vor einer Ansteckung seine Reise stornieren, hilft eine Reiserücktrittsversicherung nicht: Laut Angaben des Bundes der Versicherten (BdV) übernimmt keiner der am Markt angebotenen Reiserücktrittstarife die Kosten dafür. Gezahlt werde nur, wenn die Reise aus einem unvorhersehbaren und wichtigen Grund nicht angetreten werden kann. „Zum Beispiel, wenn der Versicherte, ein Angehöriger oder ein Mitreisender einen schweren Unfall hat oder unerwartet schwer erkrankt“, sagt Bianca Boss vom BdV. Andere Versicherungen, mit denen sich Verbraucher gegen das Risiko einer Reiseabsage absichern können, gebe es nicht.

5. Was können Verbraucher tun, um sich vor hohen Stornogebühren zu schützen?

Damit es erst gar nicht zu hohen Stornierungskosten kommt, können Urlauber ein paar Dinge beachten. Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland gibt Tipps:

  • Es kann sich für Individualreisende lohnen, für wenige Euro mehr eine Stornierungsoption dazu zu buchen. Viele Anbieter hätten derzeit ihre Storno-Regeln angepasst.
  • Urlauber sollten sich überlegen, ob sie statt einer Individualreise lieber eine Pauschalreise buchen. Dann stünden die Chancen besser, die Reise beispielsweise im Falle einer zweiten Corona-Welle kostenlos zu stornieren.
  • Damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt, sollten sich Verbraucher vor einer Buchung über aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise informieren.

Autor: ING


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Kommentare (1)


Kommentare

Carsten Kettner

25.09.2020

Angesichts der sich täglich ändernden Corona-Zahlen ist die Entscheidung, die Reise anzutreten oder nicht eher eine kurzfristige. Es ist unmöglich, mehrere Woche im Voraus vorherzusagen, wie sich die jeweilige Situation im Land verändern wird. Bei Individualreisen ist es auch geboten, die Bestimmungen möglicher Transitländer zu prüfen.