Rückblick – Das war 2018

Politik und Konjunktur bremsen Aktienrallye aus | 05.12.2018

Paar beim Onlineshopping

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Eine der längsten Aufwärtsbewegungen an den internationalen Aktienmärkten ist in diesem Jahr ins Stocken geraten. Fast zehn Jahre lang kletterten die Aktienkurse rund um den Globus praktisch ohne Unterbrechung nach oben. Erst vor wenigen Wochen konnten die wichtigsten US-Indizes noch neue Bestmarken erreichen. Unterstützt wurde die Rallye lange Zeit von einem starken Wachstum der Weltwirtschaft und steigenden Unternehmensgewinnen. Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung hat US-Präsident Trump der heimischen Wirtschaft einen zusätzlichen Schub verpasst, mit der Senkung der Unternehmenssteuern die Investitionen angeheizt und den US-Konzernen einen kräftigen Gewinnzuwachs ermöglicht. Die amerikanische Notenbank hat bereits vor einer Überhitzung der Wirtschaft gewarnt, nachdem das Bruttoinlandsprodukt der USA Mitte des Jahres so stark wie zuletzt vor vier Jahren zugelegt hatte. 

Zins- und Währungssorgen der Schwellenländer

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Stärke hat Fed-Chef Jerome Powell die Leitzinsen in diesem Jahr bereits dreimal angehoben, was auch Auswirkungen für den Rest der Welt hat. Gerade die Schwellenländer schieben eine hohe Schuldenlast vor sich her. Lauten die bestehenden Kredite auf US-Dollar, reagieren diese Länder meist besonders sensibel auf steigende US-Zinsen. Durch die Kapitalverlagerung internationaler Investoren aus den Schwellenländern in die USA haben deren Währungen in diesem Jahr teilweise massiv an Wert verloren, womit sich die Schuldenlast in der Heimatwährung erhöht. Zu den prominentesten Beispielen gehört die Türkei, die sich dem drastischen Währungsverfall mit einer kräftigen Erhöhung der Leitzinsen entgegenstemmt.

Abschwächung des Wirtschaftswachstums

Neben aufkommenden Zinssorgen lasten aber auch die protektionistischen Maßnahmen der USA in besonderem Maße auf den internationalen Börsen. Handelszölle vor allem auf Einfuhren aus China verteuern viele ausländische Produkte in den USA. Der Internationale Währungsfonds hat deshalb längst schon vor den Auswirkungen eines möglichen Handelskriegs auf das weltweite Wirtschaftswachstum gewarnt. Von einem Abschwung der Weltkonjunktur wäre schließlich auch Europa betroffen, das mit dem italienischen Haushaltsstreit, der ungelösten Flüchtlingsproblematik und dem in wenigen Monaten bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens ohnehin schon genug eigene Probleme zu lösen hat. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute sowie die Bundesregierung haben deshalb bereits ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft für dieses und das kommende Jahr auf jeweils 1,8 Prozent zurückgenommen, nachdem das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren geschrumpft ist. Entsprechend notiert der deutsche Aktienindex DAX wenige Wochen vor Silvester deutlich unter seinen Jahreshochs.

Gold kein Krisen-Profiteur mehr

An den Rohstoffmärkten konnte Gold jedoch nicht von den gestiegenen politischen Unsicherheiten profitieren. Das Edelmetall, das im Frühjahr am großen charttechnischen Widerstand bei knapp 1.370 US-Dollar gescheitert war, kämpft inzwischen mit der Marke um 1.200 US-Dollar. Die zunehmende Verschlechterung der konjunkturellen Aussichten sowie eine Erhöhung der US-Förderung haben auch den Ölpreis in den zurückliegenden Wochen deutlich zurückbuchstabiert. Im Jahresverlauf war Öl der Sorte Brent zwischenzeitlich auf mehr als 80 US-Dollar je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2014 gestiegen. Unter dem Strich neigt sich ein anspruchsvolles Börsenjahr 2018 seinem Ende entgegen. Einen Ausblick auf 2019 wagen wir in der kommenden Ausgabe.

Autor: ING-DiBa AG


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