Ausgesperrt und abgezockt?

Wie Sie Kostenfallen vermeiden | 16.03.2018

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© ALDECAstudio – Fotolia.com

Der Schlüssel liegt drinnen – und Sie stehen draußen. Da hilft oft nur der Schlüsseldienst. Aber Vorsicht, nicht alle Anbieter sind seriös und arbeiten professionell. Doch wer die Tricks kennt, muss sich nicht vor Abzocke fürchten.

Sei es weil die Tür aus Versehen ins Schloss gefallen ist, oder weil der Schlüssel schlicht vergessen wurde: erst einmal macht sich Panik breit. Wer Glück hat, hat Zweitschlüssel bei Nachbarn, Familie oder Freunden platziert, die dann auch noch erreichbar sind. Doch manchmal kommt man um die Hilfe eines Schlüsseldienstes nicht herum. Und das lassen sich einige der Türöffner fürstlich – mit Preisen weit über den üblichen Konditionen – bezahlen. Andere wiederrum brechen die Tür extra brachial auf, damit die Reparatur teurer wird. Oder aber sie kassieren bar und ohne Rechnung ab. Doch mit ein paar Tipps können Sie schwarze Schafe und überflüssige Kosten entlarven.

Wie finde ich einen seriösen Schlüsseldienst?

Der einfachste und sicherste Weg ist es, auf der Website der Handwerkskammer nach einem lokalen Schlüsseldienst zu suchen. Findet man dort jedoch keinen Anbieter mit einem Notdienst wird die Suche allerdings schon schwieriger.

Selbst das Telefonbuch sei nicht unbedingt eine sichere Quelle, sagt Versicherungsexperte Christian Biernoth von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Kontaktieren Sie auf keinen Fall eine Firma, die mit ‚AAA‘ am Anfang des Telefonbuchs steht. Dahinter verbergen sich oft schwarze Schafe“, warnt er. Auch von einer Vermittlung über die Telefonauskunft rät der Experte ab. Es sei schwer zu überprüfen, ob diese zu einem seriösen Anbieter weiterleiten, erklärt Biernoth. Eine Vorsichtsmaß­nahme ist es zwar, auf einen ortsansässigen Dienst zu bestehen. Es besteht jedoch selbst dann die Möglichkeiten, dass sich dahinter eine Callcenter-Masche verbirgt, bei der Schlüsseldienste eine Ortsnähe nur vortäuschen. Die Bundesnetzagentur ließ vergangenes Jahr knapp 70.000 solcher Rufnummern abschalten – die Dunkelziffer ist aber weit höher.

Wer im Internet selbst nach Schlüsseldiensten sucht, sollte etwas weiter nach unten scrollen: Lokale Firmen befinden sich meist im unteren Teil der Trefferliste. Zudem kaufen unseriöse Unternehmen oftmals Anzeigen und erscheinen bei den Suchergebnissen weiter oben.

Gut zu wissen: Wer einen Anbieter unter der örtlichen Vorwahl erreicht, egal ob aus dem Telefonbuch oder aus dem Netz, muss auch nur die Kosten für An- und Abfahrt innerhalb der Ortsgrenzen zahlen!

Was darf ein Schlüsseldienst kosten?

Für das einfache Öffnen einer zugefallenen Tür sind tagsüber, laut Verbraucherzentrale Berlin, zwischen 50 bis 100 Euro üblich. Nachts und am Wochenende betragen die Kosten im Schnitt zwischen 100 und 180 Euro. „Mehr darf eine normale Türöffnung nicht kosten“, bestätigt Biernoth. Sogenannte Sofortzuschläge, Bereitstellungszuschläge oder Spezialwerkzeugkosten sind, nach Ansicht des Amtsgerichts Frankfurt am Main, nicht rechtens. Genauso wenig wie Gebühren für die Bearbeitung oder Buchung, wenn Sie nicht in bar gezahlt haben, das entschied das Landgericht Bremen.

Tipp: Die Verbraucherzentrale Berlin bietet eine Übersicht der durchschnittlichen Preise in allen Bundesländern.

Und wenn der Handwerker plötzlich doch mehr verlangt?

  1. Vereinbaren Sie bereits am Telefon den Komplettpreis für eine Türöffnung – am besten im Beisein eines Zeugen. „Wenn der Anbieter dies ablehnt, empfiehlt es sich, sich nach einem anderen umzuschauen“, sagt Biernoth.
  2. Wurde vorher eine Summe vereinbart, dann gilt dieser Preis – mit einer Ausnahme: Wucherpreise. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Schlüsseldienst das Doppelte des marktüblichen Preises verlangt. Dann ist ein Vertrag unwirksam. Selbst wenn Sie bereits gezahlt haben, können Sie das zu viel gezahlte Geld zurückverlangen.
  3. Unterschreiben sie nie ein vorgefertigtes Auftragsformular, ohne es genau zu prüfen. Und streichen Sie alle Passagen, die am Telefon nicht vereinbart waren. „Bei einer horrenden Rechnung sollten Verbraucher den Betrag lieber überprüfen lassen, als sofort zu bezahlen“, sagt Biernoth.
  4. Zahlen Sie auf keinen Fall in bar! Lassen Sie sich stattdessen eine Rechnung ausstellen. Fällt diese horrend aus, sollten Verbraucher den Betrag anschließend von einem Sachkundigen oder von einem Anwalt überprüfen lassen, als sofort zu bezahlen, empfehlen Verbraucherschützer.

Was tun, wenn der Schlüsseldienst das Schloss austauschen oder die Tür aufbrechen will?

Nach Auffassung der Verbraucherschützer ist ein Schlossaustausch oder Türaufbruch nur in Ausnahmefällen nötig. Oft ist dies eine Masche, um die Preise mithilfe von neuen Produkten, Einbauten oder Reparaturen hochzutreiben. Deshalb schildern Sie dem Handwerker im ersten Gespräch die Lage möglichst detailliert: Ist die Tür nur zugefallen oder ist sie abgeschlossen? Welche Art von Schloss ist betroffen – zum Beispiel ein Sicherheitsschloss? So ist der Notdienst gezwungen, bereits offen am Telefon zu kalkulieren.

Extratipp: Kein Reinkommen – trotz Zweitschlüssel

Sie stehen draußen, aber der Schlüssel steckt von innen? Da hilft in einigen Fällen auch der Ersatzschlüssel des Nachbarn nicht. Nicht bei jedem Tür-Mechanismus können Sie von der anderen Seite einen Schlüssel einstecken, denn beide treffen im Schloss aufeinander. Besitzen Sie noch alte Schlösser, bei denen sich nur ein Schlüssel nutzen lässt, sollten Sie diese austauschen lassen. Im Baumarkt erhalten Sie passende Schlösser ab einem Preis von etwa 50 Euro.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (7)


Kommentare

ioughik

27.03.2018

4. Auswahlpunkt fehlt: Nein ich passe einfach auf dass mir die Türe nicht zufällt ;)


Marion

25.03.2018

Super, der Extra-Tipp --- Schloss austauschen gegen eines, das man von außen sperren kann, wenn innen der Schlüssel steckt, und einen Ersatz-Schlüssel bei einem Nachbarn oder Freund in der Nähe deponieren --- das ist es! Sollte auch in Erwägung gezogen werden, wenn ein Senior oder eine Senioren alleine lebt, da ist schnell mal die Türe ins Schloss gefallen, und hilfsbereite Nachbarn können nur helfen, wenn das Schloss so modern ist, dass man es auf jeden Fall von außen aufsperren kann ...


Alfred Coenen

19.03.2018

Dank für ihre ausführlichen Ratschläge!


Tip

19.03.2018

Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, bei der Polizei anzurufen und nach einem dort registrierten Schlüsseldienst zu fragen.


Hans D. Höhne

18.03.2018

Ich habe die zugefallene Tür meiner Tochter ohne Beschädigung schnell geöffnet. (Dem Inschenieur ist nichts zu schwör)


Harry

18.03.2018

Am einfachsten ist es einen Schlüssel wo zu deponieren oder sich an einer Kette an die Jeans zu hängen bzw. für Kinder und Jugendliche, einfach den Schlüssel mit einem Band (Gummi, Stoff) um den Hals hängen.
PS: Man muss ja nicht alle Schlüssel immer dabei haben. Keller, Briefkastenschlüssel, Fahrradschlüssel etc. kann man in der Wohnung lassen und bei Bedarf dann nehmen und runter. Aber da sieht man mal wieder die Bequemlichkeit der Leute. Nur keine Treppe zu viel oder oft gehen, man könnte sich ja nebenbei zu viel bewegen.


Armin Wieland

16.03.2018

Der Hinweis, dass der örliche Schlosser oder Schreiner das genauso gut macht, nur regelmäßig günstiger wäre sehr nützlich.
Leider stehen diese Handwerker nicht unter Schlüsseldienst.