Sentiment-Analyse: Die Stimmung macht`s

Im Stimmungsfeld zwischen Gier und Angst | 06.11.2018

Paar beim Onlineshopping

© ING-DiBa

Sentimentanalysen versuchen die Stimmung an den Börsen einzufangen und daraus Anhaltspunktes für die Kursentwicklung von Wertpapieren abzuleiten. Insbesondere dann, wenn die betrachteten Stimmungsindikatoren in Extrembereichen notieren, könnte dies auf eine mögliche Trendwende hindeuten. Die Idee dahinter ist recht einfach: Herrscht an der Börse ein besonders hohes Maß an Optimismus, wird davon ausgegangen, dass die meisten Marktteilnehmer in Erwartung weiter steigender Kurse bereits investiert sind. Dadurch fehlt es jedoch an den notwendigen Anschlusskäufen, die einen Aufwärtstrend am Leben halten können. Im umgekehrten Fall kann ein extrem schlechtes Stimmungsumfeld dahingehend gedeutet werden, dass sich viele Marktteilnehmer in der Erwartung weiter fallender Kurse von ihren Positionen getrennt haben, weshalb der Verkaufsdruck immer mehr nachlässt. Dadurch könnten die Kurse der Wertpapiere schon nahe an ihren Tiefs notieren und Kurserholungen wahrscheinlicher werden.

Auswertung des Trading-Verhaltens

Verschiedene Sentiment-Indikatoren haben sich in den vergangenen Jahren bewährt, um die Stimmungslage an den Börsen zu messen. Zu den bekanntesten Stimmungsbarometern gehört das Put-Call-Ratio. Es wird unter anderem von der Terminbörse Eurex veröffentlicht und als Quotient aus gehandelten Puts zu gehandelten Calls ermittelt. Werte von über eins deuten auf einen tendenziell vorherrschenden Pessimismus hin, da Anleger verstärkt auf fallende Kurse setzen oder ihr Depot gegen fallende Preise absichern. Bei einem Put-Call-Ratio von weniger als eins überwiegt bei den Marktteilnehmern hingegen die Zuversicht für steigende Kurse. Ein Wert von 0,5 etwa, bei dem also doppelt so viele Calls wie Puts gehandelt werden, spricht für einen bereits sehr großen Marktoptimismus. Weil einzelne extreme Tagesausschläge das Bild aber verzerren können, arbeiten Experten meist mit geglätteten Durchschnittswerten mehrerer Tage.

Auswertung von Umfragen

Während beim Put-Call-Ratio die tatsächlichen Handelsumsätze bei Optionen unter die Lupe genommen werden, klopfen Umfrageindikatoren die Stimmung bei den Marktteilnehmern direkt ab. Die Börse Frankfurt etwa befragt seit 2001 jede Woche aktive Anleger nach ihren Markterwartungen. Der draus resultierende Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Als Vorbild dient der von der US-Anlegervereinigung American Association of Individual Investors (AAII) wöchentlich ermittelte Index. Er gibt Aufschluss darüber, welcher Prozentsatz der amerikanischen Privatanleger in den kommenden sechs Monaten mit fallenden, steigenden oder stabilen Kursen rechnet. Das entsprechende Pendant zur Messung der Stimmung unter den professionellen Marktteilnehmern ist das Institutional Investors Sentiment, das vom US-Forschungsinstitut Investors Intelligence seit 1963 einmal pro Woche ermittelt wird. In Deutschland wird im animusx – Investors Sentiment wöchentlich die Stimmung von 1.600 Finanzinvestoren zusammengefasst.

Eines haben alle Stimmungsindikatoren gemeinsam: Sie dienen als Kontraindikatoren, die Anlegern Extremwerte anzeigen und Hinweise darauf geben können, ob sich Trends noch im Frühstadium oder bereits in der Endphase befinden. Weil die Stimmung unter den Marktteilnehmern aber gerade im kurzfristigen Zeitfenster kein verlässlicher Signalgeber ist, sollten die entsprechenden Stimmungsindikatoren zur konkreten Anlageentscheidung allenfalls ergänzend genutzt werden.

Autor: ING-DiBa


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