Finanzfrage des Monats

Sind Servicegebühren beim Online-Ticket-Kauf zulässig? | 21.10.2019

Servicegebühren Ticketkauf

Warum sollten Verbraucher eine „Servicegebühr“ zahlen, wenn sie ihre Konzerttickets selbst ausdrucken? Sind diese und andere Gebühren überhaupt zulässig?
 
Es ist bequem: Sie sitzen mit Ihrem Laptop auf dem Sofa und schauen sich online nach interessanten Konzerten, Sportereignissen oder Theateraufführungen um – und werden fündig bei einem Anbieter wie Eventim, Reservix, Ticketmaster, ADticket & Co.
 
Der Anbieter macht es sich selbst und Ihnen einfach. Sobald Sie ihm das Geld überwiesen haben, übermittelt er Ihnen auf Wunsch per Email einen Link, über den Sie sich ein E-Ticket abrufen und ausdrucken können. Der Konzertkartenvertreiber CTS Eventim hatte bis vor einigen Jahren für diese print@home-Option eine Servicegebühr von pauschal 2,50 Euro erhoben. Das empörte die Verbraucherzentrale NRW und sie erhob Klage gegen die Servicegebühr. Wenn Kunden online gekaufte Tickets daheim an ihrem Computer ausdruckten, entstünden dem Anbieter keinerlei Material- und Portokosten, argumentierten die Verbraucherschützer.

Bundesgerichtshof erklärt Servicegebühr für unzulässig

Vor dem Landgericht Bremen bekamen sie im Jahr 2016 recht (Az: 1-O-969/15). Doch Eventim gab sich mit dem Urteil nicht zufrieden und ging in Berufung. Der Fall landete vor dem Oberlandesgericht Bremen. Die Richter bestätigten im Juni 2017 das Urteil der ersten Instanz (Az. 5 U 16/16). CTS Eventim legte Revision ein. Jetzt lag der Ball beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Auch dort scheiterte CTS Eventim. Der BGH folgte den Entscheidungen der beiden Bremer Gerichte und befand im August 2018, dass die Vertragsklauseln des Unternehmens teilweise unwirksam waren (Az. III ZR 192/17).
 
Das bedeutet: Wer zu Hause Tickets ausdruckt, darf nicht mit einer Servicegebühr belegt werden. Nach Paragraph 448 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) müssen Käufer nur die Kosten der Versendung einer Ware tragen. Konkret sind das Porto, Verpackungsmaterial und gegebenenfalls eine Versicherung.
 
Tipp: Wer die Servicegebühr bezahlt hat, kann aus Sicht der Verbraucherzentrale seit dem Jahr 2016 das jeweilige Entgelt zurückverlangen. Entsprechende Rückzahlungsansprüche verjähren erst nach drei Jahren zum Jahresende, also Ende 2019. Für diesen Weg gibt es online einen Musterbrief der Verbraucherschützer als Grundlage.

Welche Gebühren bei einem E-Ticket-Kauf erlaubt sind

Fakt ist: Bei einem E-Ticket-Kauf darf nicht nur Eventim, sondern dürfen auch konkurrierende Anbieter dem Käufer keine Servicegebühren berechnen. Andere Gebühren sind aber durchaus statthaft. Wie hoch sie sind und wohinter sie sich verbergen, ist je nach Anbieter unterschiedlich.

  • Eventim: Mal angenommen, Sie möchten am 1. November 2019 über Eventim Karten für einen Abend mit dem Kabarettisten Dieter Nuhr in Berlin buchen und Ihr Ticket selber ausdrucken. Ein Ticket in der Kategorie eins kostet 38,25 Euro. Eventim weist Sie darauf hin, dass der Preis neben der gesetzlichen Mehrwertsteuer eine Vorverkaufs- und eine Buchungsgebühr beinhaltet. Versandkosten kämen hinzu, falls Sie das Ticket per Post ordern möchten.
  • Reservix: Beim Anbieter Reservix heißt es in den AGB Ticketkauf, dass zum Netto-Vorverkaufspreis Gebühren in Höhe von 10% plus 1 Euro für die Bearbeitung und Systembetreuung hinzukommen. Bei der Online-Zahlung fallen Bankgebühren bis zu 5% an. Reservix illustriert dies an einem Beispiel: Ein Ticket, das für 8 Euro netto zu erwerben ist, kostet beispielsweise per Direktüberweisung 10,14 Euro im Online-Vorverkauf. Zum Vergleich: An der Abendkasse kostet das Ticket etwa 11 Euro, bei einem Versand per Post etwa 11,80 Euro.
  • ADticket: Auch der Anbieter ADticket stellt seinen Kunden eine Vorverkaufsgebühr in Rechnung. Das sind den AGB zufolge regelmäßig 10% des Ticketpreises einschließlich Mehrwertsteuer. Hinzu kommen sogenannte System- und Bearbeitungsgebühren in Höhe von 2 Euro für die technische Abwicklung des Kaufs, die Bearbeitung und gegebenenfalls den Postversand des Tickets.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (5)


Kommentare

Udo R.

09.11.2019

Leider hat das höchstrichterliche Urteil für den Verbrauer trotzdem keinen Vorteil. Wie die letztgenannten Beispiele zeigen, nennen die Ticketverkäufer ihre Gebühren einfach um und plötzlich sind diese dann zulässig. Eigentlich sollten die Gebühren die Veranstalter zahlen, denn die profitieren dochh von dem online-Ticketverkauf. Wie sonst könnte ich aus dem hohen Norden ein Ticket für eine Veranstaltung in tiefen Süden kaufen? Der Kauf käme also gar nicht zustande und es würden wohl wesentlich weniger Tickets verkauft.
10% Zuschlag und dann noch zusätzliche Gebühren - der Verbraucher sollte sich wirklich fragen, ob er das mitmacht!


ING

05.11.2019

Hallo zusammen, wir möchten uns für Ihre guten Hinweise bedanken. Der Artikel wird von uns natürlich entsprechend korrigiert! Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Verkehrte Welt

04.11.2019

Erst kommt die Berufung zum OLG, dann die Revision zum BGH.


T-Punkt

02.11.2019

Hier wird mal wieder der größte Mist verzapft. Wenn eine Prozesspartei nach dem ersten Verfahren in Revision geht kann sie anschließend nicht ERNEUT in Berufung gehen weil noch gar kein Berufungsverfahren stattgefunden hat! Ihr habt doch eine Rechtsabteilung, oder? Dann fragt die bitte bevor Ihr hier so einen Köse schreibt.


Melina

28.10.2019

Danke Diba für diesen interessanten Artikel. In der Tat hatte ich den Fall schon paar Mal und nie verstanden warum ich extra zahlen sollte, obwohl ich die Tickets selbst ausdrucken muss. Gut zu wissen, für die Zukunft.
Viele Grüße