Handykosten bei Kindern

Ein Smartphone für den Nachwuchs - Kostenfallen vermeiden | 12.11.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Viele Eltern kennen das: Einen Alltag ohne Internet und Smartphone kann sich der Nachwuchs kaum noch vorstellen. Gerade in der Weihnachtszeit wird der Wunsch nach einem eigenen Gerät bei vielen laut. Doch was müssen Eltern beachten, etwa um Kostenfallen zu vermeiden?

„Mama, Papa, ich möchte ein eigenes Handy haben!“ – Diesen Satz haben die meisten Eltern vermutlich schon gehört. Bei vielen Familien dürfte auch in diesem Jahr ein Smartphone auf dem Wunschzettel für Weihnachten stehen – am besten das neueste Modell mit viel Speicherplatz und guter Kamera. Bevor sich Eltern für ein Gerät entscheiden, sollten sie sich aber gut überlegen, welche Voraussetzungen und Wünsche ihr Kind mitbringt.

Alltagsgerät für die Kleinsten

Handys sind inzwischen ein selbstverständlicher Teil des Alltags für viele Kinder geworden. Mehr als die Hälfte (54%) der Sechs- bis Siebenjährigen nutzt zumindest ab und zu ein Smartphone, wie aus einer repräsentativen Umfrage unter 900 Kindern im Alter von 6 bis 18 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom hervorgeht. Vor fünf Jahren lag der Anteil demnach noch bei 20%. „Smartphones und Tablets lassen sich aus der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegdenken. Sie sollten deshalb frühzeitig lernen, kompetent mit den Geräten umzugehen und sich sicher im Internet zu bewegen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.
 
Laut der Initiative Schau hin! sind Kinder in der Regel ab elf Jahren reif für ein eigenes Smartphone. Viele Eltern können jedoch nur schwer einschätzen, wie verantwortungsvoll Tochter oder Sohn bereits sind. Die EU-Initiative Klicksafe hat eine Checkliste erstellt, die Eltern die Entscheidung erleichtern soll:

  • Das Kind kann Sicherheitseinstellungen aufrufen und diese ändern.
  • Es kann Kosten für die Smartphone-Nutzung überschauen.
  • Das Kind kann erkennen, wo Kosten anfallen und entsprechende Einstellungen am Gerät vornehmen.
  • Es kann selbstständig das GPS-Signal, WLAN und Bluetooth aktivieren und deaktivieren.

Falls der Nachwuchs einige Punkte noch nicht beherrscht, sollten diese besprochen werden, empfiehlt Klicksafe. Annabelle Jüppner vom JFF–Institut für Medienpädagogik in München rät darüber hinaus, dass Kinder sich zunächst begleitet ein wenig am Handy ihrer Eltern ausprobieren sollten, bevor sie ein eigenes Gerät bekommen. „Sonst sind die Kids mit den vielen verschiedenen Funktionen und Einstellungen überfordert“, sagt sie. Ein erster Schritt sei es, Kindern vor dem ersten Smartphone ein Handy ohne Internetzugang zu geben.

Stabil und kindgerecht: Ein Smartphone auswählen

Um ein passendes Gerät zu finden, sollten Eltern ihren Nachwuchs in den Auswahlprozess einbeziehen, sagt Jüppner. Dies könne je nach Alter variieren: Geht es vor allem um die Kamera? Oder sind Spiele, Apps, Musik und Social Media wichtiger? An diesen Kriterien können sich dann die Displaygröße und der Speicherplatz orientieren.
 
Mit dem neuesten Gerät sind Kinder laut Schau hin! nicht unbedingt am besten bedient. Wichtiger sei es, dass das Mädchen oder der Junge gut mit dem Smartphone umgehen könne und die Strahlenbelastung nicht zu hoch sei. Laut Medienpädagogin Jüppner ist auch die Stabilität entscheidend. Sie rät zum Kauf eines Mobilgeräts mit Metallrahmen oder einer gummierten Rückseite. Handys mit Displaydiagonalen von 3,5 bis 5,7 Zoll ließen sich auch mit kleineren Händen gut bedienen. Als sinnvolles Zubehör kommen der Expertin zufolge vor allem robuste, stoßfeste Hüllen und eine Displayschutzfolie in Frage. Auch Kinderkopfhörer, die den Lautstärkepegel begrenzen, seien empfehlenswert.

Kostenfallen vermeiden

Je nach Alter, Entwicklung und Fähigkeiten des Kindes empfiehlt die Expertin Apps wie JusProg, die nicht altersgerechte Inhalte auf dem Smartphone sperren. Ebenso weist sie auf Einschränkungen der Smartphone-Funktionen wie eine Passwort-Sperre im App Store hin: Diese verhindert, dass Kinder versehentlich teure Anwendungen herunterladen. Um Kostenfallen zu vermeiden, ist laut Jüppner anfangs auch eine Prepaid-Karte die sicherere Wahl. Mit Daten- und Telefon-Flatrates, die monatlich neu gebucht werden müssen, lasse sich das Nutzungsverhalten zu Beginn erst einmal eingrenzen. Weitere Optionen sind laut der Initiative Schau hin! Laufzeitverträge mit monatlicher Kostenbegrenzung („Kosten-Airbag“) sowie spezielle Verträge für Kinder und Jugendliche, die bei vielen Anbietern erhältlich sind.
 
„Wichtig ist aber, dass die Sicherheitseinstellungen nicht die Begleitung durch die Eltern ersetzen“, betont Medienpädagogin Jüppner. Eltern sollten für ihren Nachwuchs Ansprechpersonen sein und sich mit deren Apps auseinandersetzen. Dies sei insbesondere wichtig, wenn Heranwachsende auf erste Herausforderungen im Netz stießen. „Kids sollten nicht denken, dass sie Mama und Papa gar nicht erst fragen müssen, weil die sich ohnehin nicht auskennen“, sagt Jüppner. Wie Eltern Kinder bei ihrem ersten Smartphone am besten begleiten, fasst ein Informationsflyer von webhelm zusammen.

Autor: ING


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