Vorsorge, Kinderbetreuung und Co.

Wie Sonderausgaben die Steuern senken | 14.06.2019

Sonderausgaben

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Sonderausgaben können Steuern senken. Doch welche Kosten fallen genau darunter und wie viel lässt sich dadurch sparen? Antworten auf diese Fragen, finden Sie in Teil 3 unserer kleinen Steuer-Serie.

Private Ausgaben werden vom Finanzamt nicht anerkannt. So die grundsätzliche Regelung. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Sonderausgaben. Welche dieser privaten Kosten steuerlich absetzbar sind, ist genau definiert. „Im Einkommensteuergesetz gibt es eine Liste“, sagt Udo Reuß, Steuerexperte beim Verbraucherportal „Finanztip“. „Was nicht darauf steht, kann auch nicht abgesetzt werden.“ In unserer Mini-Serie zum Thema Steuern erfahren Sie im dritten Teil, wie Sie mit diesen Ihre Steuern senken können.

Aufwendungen für die Vorsorge werden anerkannt

Die wichtigsten Ausgaben, die anerkannt werden, sind die Vorsorgeaufwendungen. Dazu zählen zum Beispiel Beiträge zur Altersvorsorge, erklärt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Absetzbar sind bis zu 23.712 Euro. Für zusammenveranlagte Ehepaare oder Lebenspartner gilt der doppelte Betrag. Allerdings erkennt das Finanzamt für das Steuerjahr 2018 nur 86%der Ausgaben an, für 2019 dann 88%von 24.305 Euro. Erst von 2025 an gilt der volle Betrag. Beiträge zur Altersvorsorge tragen Steuerzahler in der Steuererklärung in die Anlage Vorsorgeaufwand ein. „Das sind Ausgaben, die jeder hat – und sie lohnen sich“, erklärt Nöll. Eingetragen werden Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zu einem berufsständischen Versorgungswerk oder zur Rürup-Rente.

Auch Kirchensteuer und Ausbildungskosten sind Sonderausgaben

Zudem werden Beiträge zur Kranken-, Pflege- und zu anderen Versicherungen berücksichtigt. Der Punkt „Sonstige Sonderausgaben“ sollte aber nicht vergessen werden. „Hier lassen sich Kirchensteuer, Spenden, Ausgaben für Kinderbetreuung oder Ausbildungskosten absetzen“, erklärt Nöll. In der Anlage Vorsorgeaufwand können Steuerzahler auch die sonstigen Ausgaben für Vorsorge eintragen. So sind Beiträge zur (Basis-) Krankenversicherung sowie die Beiträge für die gesetzliche Pflegeversicherung grundsätzlich in voller Höhe absetzbar. Bleiben die Beiträge unter der Grenze von 1.900 Euro bzw. 2.800 Euro (gilt insbesondere bei Selbständigen), sind Kosten weiterer Versicherungen, etwa der Berufsunfähigkeits-, Privathaftpflicht- oder Risikolebensversicherung absetzbar.
 
Auch die Kosten der ersten Berufsausbildung zählen bisher zu den Sonderausgaben. „Allerdings läuft das bei vielen Studenten ins Leere, weil sie nichts verdienen“, sagt „Finanztip“-Experte Reuß. Jedoch entscheidet das Bundesverfassungsgericht voraussichtlich dieses Jahr, ob diese Ausgaben Werbungskosten sind. Reuß rät daher, die Kosten unbedingt bei den Werbungskosten in Anlage N einzutragen. „Die Steuerbescheide sind dann in diesem Punkt vorläufig, bis das Gericht entschieden hat.“

Ausgaben für Kinderbetreuung absetzen

Wer Kinder hat, kann die Kosten für eine Kinderbetreuung oder die Schulgebühren einer Privatschule in der Anlage Kind geltend machen. Von Gebühren für Kita, Kindergarten, Tagesmutter oder Hort sind zwei Drittel der Aufwendungen, höchstens 4.000 Euro je Kind als Sonderausgaben abziehbar. Dieser Höchstbetrag setzt also Aufwendungen in Höhe von 6.000 Euro je Kind voraus.
 
Genau wie die Ausgaben für Kirchensteuer und Spenden müssen Unterhaltszahlungen in den Mantelbogen der Steuererklärung eingetragen werden. Wer Unterhalt zahlt, muss zusätzlich die Anlage U ausfüllen, die auch der Ex-Partner und Empfänger der Zahlungen unterschreiben muss.
 
Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war.
Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps, die eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen können. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (11)


Kommentare

Elbe 100

25.06.2019

Ohne die Doppelt-und Dreifachbesteuerung wäre es unseren Staatsvertretern auch kaum möglich zu sagen: "Wir schaffen das schon". Als dann lasst uns weiter malochen für Hundertausende die auf Maloche keinen Bock haben. Den Glauben an Gerechtigkeit habe ich schon lange beerdigt........


RG

22.06.2019

Tut mir sehr leid. Für Nichtfachleute sind solche Ausführungen irreführend oder nichtssagend. Man sollte es lassen, dem das Steuerrecht ist viel zu differiert. Wieso sollten völlig unbedarfte Menschen etwas verstehen, was man sich zumindest durch ein Fachhochschulstudium oder eine Weiterbildung nach einem Jurastudium aneignet? Die Ausführungen zu Fragen erinnert dann doch sehr stark an "oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker"...


Sebastian

22.06.2019

Hallo Sonic,

du kannst die kosten für deine Schulung komplett ansetzen. Du kannst dies zum Beispiel mit der Software Wiso Steuer berechnen wie viel du zurück bekommst.

Wenn Kapitalertragssteuer auf Dividendenauszahlungen zu viel abgeführt wurde, kannst du diese über die Steuererklärung zurückholen.
Das erledige ich auch mit der Wiso Software, das ist wesentlich einfacher als sich durch die Elster Formulare zu wühlen und du hast auch ausführliche Erklärungen dabei stehen.


ING

21.06.2019

Hallo Sonic, zu Ihrer ersten Frage können wir Ihnen leider nicht konkret weiterhelfen. Hierzu wenden Sie sich am besten an einen Steuerberater, den Lohnsteuerhilfeverein oder einfach Ihr zuständiges Finanzamt. Um zu klären, warum Sie nicht die gesamte Dividende ausbezahlt bekommen haben, rufen Sie am besten unsere Kollegen unter der 069 / 50 60 30 50 an. Sie schauen dann gleich mal für Sie nach. Danke und viele Grüße, Ihr Social Media Team


Sonic

21.06.2019

Ich mach eine Schulung bei der HWK zu Kfz-Service Techniker (knapp 3500) kann ich die auch geltend machen und mit wie viel darf man rechnen (ledig Steuerklasse 1). Wie schaut es eigentlich bei Aktien aus ? trotz nicht Erreichens des Freibetrag von 801 Euro habt ihr die volle Dividende nicht ausbezahlt ...


Hans

20.06.2019

@Dieter
Ja leider muss ich Ihnen zustimmen. Politik vertritt m.E. leider nicht mehr die Interessen der Bürger.


Ele

20.06.2019

Auch wir als Ehepaar wurden bereits zweimal "zur Kasse" gebeten über die Steuererklärung - satte Nachzahlungen aufgrund Nachbesteuerung! Vom Staat geförderte Produkte als Privatvorsorge kämen für uns heute nicht mehr infrage! Da werden plötzlich Gesetze geändert und es wird in laufende Verträge eingegriffen. Wenn ich 30.000 € für ein neues Dach angespart habe und mir davon dann ca. 23.000 bleiben, dann ist das nicht lustig!!! Von den 10-jährigen Beiträgen für Krankenkasse etc. ganz zu schweigen.


Peter

20.06.2019

Diese negative Erfahrung mit einem sparplan, bei dem vom Bonus wegen der zwischenzeitlich eingeführten Zinserträgssteuer fast nichts mehr übrig geblieben ist, habe ich auch gemacht. Dieser offenkundige Verstoß gegen Rückwirkungsverbot wurde verneint und macht den Staat unglaubwürdig. Für längere Verträge ist man sich nie sicher ob im Nachhinein versteuert werden muss


Gui

20.06.2019

Vorsorge ist zwar absetzbar, aber muss auch versteuert werden. Wenn man nicht privat krankenversichert ist, hält die gesetzliche Krankenkasse bei der Ausschüttung rückwirkend die Hände auf!!! Es ist beschämend, wie mit Rentnern umgegangen wird: Rentenbezüge werden noch mal versteuert, das zweite Mal im Nachgang. Wo bleibt die soziale Gerechtigkeit? Wohl ein Fremdwort in der Regierung, da sie selbst nicht davon betroffen sind: das "reiche" Deutschland hat europaweit die schlechteste Sozialregelung (inkl. Steuergesetze) - das spricht wohl für sich. Wählen? Beschlüsse werden sowieso ohne Befragung der Bevölkerung verabschiedet!!!


Marie

19.06.2019

@Dieter
Stimme Ihnen vollkommen zu


Dieter

14.06.2019

Leider werden bei den Aufwendungen für die private Vorsorge nur die politischen Geschenke an die Versicherungswirtschaft berücksichtigt.
Ich habe 25 Jahre in einen Sparvertrag mit Bonus bei einer Bank eingezahlt, der laut Vertrag mit dem damals gültigen gesetzlichen Renteneintrittsalter aus Auszahlung kommen sollte. Also eindeutig eine private Vorsorge. Zuerst hat der liebe Vater Staat mit seinen Politikern die Zinsbesteuerung, auch für den Bonus, eingeführt und dann das gesetzliche Renteneintrittsalter verändert. Und dann hat Vater Staat mit den Politikern via EU und EZB die Zinsen von durchschnittlich 4,5% für lange Laufzeiten auf 0,001% gesenkt.
Und jetzt fordern skrupellose Demagogen und Lumpen wie Merz sogar Gesetze, damit die private Vorsorge als Spielgeld für die Zocker an der Börse verbrannt werden kann. Als wenn es niemals den "schwarzen Freitag" gegeben hätte. Pfui Deibel.