Bares Geld sparen

Zuzahlung bei Medikamenten vermeiden | 27.08.2018

Paar beim Onlineshopping

© shapecharge - istock.com

Immer weniger Medikamente gibt es ohne Zuzahlung. Wie Patienten jetzt reagieren können und wer grundsätzlich von der Zuzahlung befreit ist, können Sie hier nachlesen.

Mit diesen 3 Tipps beim Medikamentenkauf bares Geld sparen:

  1. Einfaches Mittel: nachfragen!
  2. Nicht so einfach, aber wirksam: Kassen-Rabattvertrag kennen
  3. Aufwändig und mit ungewissem Ausgang: voll zahlen und Einreichen

Tipp 1: Einfaches Mittel - nachfragen!

Wer sich informiert und das Gespräch mit seinem Apotheker sucht, kann die Zuzahlung vermeiden. Zunächst hilft es, sich einen Überblick zu verschaffen: auf www.aponet.de wird zweiwöchentlich eine aktuelle Liste zuzahlungsfreier Medikamente angeboten. Doch was tun, wenn das eigene, präferierte Medikament von dieser Liste verschwindet? Dann hilft es, in der Apotheke nach noch zuzahlungsbefreiten Alternativen zu fragen. Hier kommt das AWVG ins Spiel und entlastet an der Apothekenkasse.

Tipp 2: Nicht so einfach, aber wirksam - Kassen-Rabattvertrag kennen

2007 wurde das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (WSG) verabschiedet. Es ermöglicht den Kassen, einen individuellen Rabattvertrag mit einzelnen Herstellern zu vereinbaren. Seit 2011 gilt: Die Verträge laufen zwei Jahre und können dann neu ausgehandelt werden. Deshalb lohnt sich ein taktischer Kassenwechsel nur selten.
Das WSG macht es für Patienten nicht gerade leichter, den Überblick zu behalten, kann aber je nach Wahl der Kasse dazu führen, dass ein eigentlich zuzahlungspflichtiges Medikament an Versicherte bestimmter Kassen doch ohne oder mit reduzierter (um 50%) Zuzahlung ausgegeben werden kann. Die Apotheker sind sogar verpflichtet, die rabattierten Medikamente auszugeben, wenn sie gewisse Voraussetzungen erfüllen:

  • gleicher Wirkstoff
  • gleiche Wirkstärke
  • gleiche oder als austauschbar festgesetzte Darreichungsform
  • identische Packungsgröße
  • eine Zulassung für das gleiche Anwendungsgebiet liegt vor.

Ausnahmen von dieser Verpflichtung:

  • Arzt verhindert Austausch durch Ankreuzen des "aut-idem"-Feldes
  • der Apotheker meldet pharmazeutische Bedenken an
  • eine Versorgung muss sofort erfolgen und das Medikament müsste zunächst bestellt werden.

Tipp 3: Aufwendig und mit ungewissem Ausgang - voll zahlen und einreichen

Patienten haben die Möglichkeit, ungeachtet der oben stehenden Regelungen auf ihr Wunschpräparat zu bestehen. Sie zahlen dann den vollen Apothekenverkaufspreis und reichen die Belege bei ihrer Kasse ein. Die erstattet aber in der Regel nicht in voller Höhe, denn Rabatte und Abschläge darf sie einbehalten. Da die Höhe weder dem Patienten noch dem Apotheker bekannt sind, trägt der Patient das Risiko. Oft berechnet die Kasse zudem Bearbeitungsgebühren.

Immer frei: Volljährige nach Erreichen der Belastungsgrenze und Minderjährige

Auf Antrag bei der Kasse gänzlich von der Zuzahlung befreit sind:

  • volljährige Patienten nach Erreichen der Belastungsgrenze von 2 Prozent des Jahresbruttoeinkommens
  • volljährige, chronisch-kranke Patienten nach Erreichen der Belastungsgrenze von 1 Prozent des Jahresbruttoeinkommens

Ohne Antrag stets befreit sind Kinder und Jugendliche bis zu ihrem 18. Geburtstag.

Die Zuzahlung ist nicht zu verwechseln mit der Aufzahlung. Diese, auch "Mehrkosten" genannten Beträge sind zu leisten, wenn der Preis eines Medikaments über dem Erstattungshöchstbetrag liegt. In diesem Fall ist nicht nur die Zuzahlung, sondern zusätzlich die Differenz zu dieser Obergrenze zu leisten.

Fazit: Zuzahlungen bei Medikamenten sind ein komplexes Thema, ein geschickter Umgang, das Interesse sich zu informieren und der Mut, hartnäckig nachzufragen können helfen, bares Geld zu sparen. Hier gilt, was auch die Werbung lehrt: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Artikel aktualisiert am 27.08.2018

Autor: ING-DiBa



Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

Hans

09.07.2017

Oder bei DocMorris bestellen und die Hälfte der Zuzahlung sparen


Klaus

22.12.2016

Kleine Info für den Kommentator "Joachim": Die ZumutbarkeitsGRENZE liegt bei 2% bzw. in besonderen Fällen (chronisch krank, schwerbehindert) bei 1%. Von z.B. 30.000€ brutto gehen diverse Freibeträge ab (für Kinder und Ehegatte). Es bleiben dann z.B. 15.000€ übrig. Davon 1% oder halt 2%, ist der Betrag an Zuzahlung die man selbst tragen muss. Was drüber geht bekommt man von der Kasse zurück. ABER ACHTUNG!!! Die Kassen kennen zwar alle Rezepte und Zuzahlungen, man muss sie aber trotzdem selbst nachweisen!! Vorauszahlungen sollte man schon garnicht machen!! Man gibt den Kassen einen kostenlosen Kredit und wenn man im entsprechenden Jahr doch weniger Zuzahlung als geplant leisten muss, gibt es KEINE RÜCKZAHLUNG! Das ist Deutschland ... kein weiterer Kommentar :-((


Joachim

05.12.2016

Sie erwecken den Eindruck, dass man von der Zuzahlung befreit ist, wenn diese 1% bzw. 2% des Jahresbruttoeinkommens übersteigt. Meine Kasse ist der Meinung, dass die Zuzahlung nur auf max. 1% bzw. 2% begrenzt wird. Man bezahlt vorab 1% (2%) des geschätzten Jahresbruttoeinkommens an die Kasse und ist dann für das kommende Jahr befreit.