Steuererklärung für das Corona-Jahr 2020

Das kommt auf Sie zu | 13.05.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

Noch ist sie in weiter Ferne, die Steuererklärung für das Jahr 2020 – sie erstellen müssen Sie erst 2021. Schon jetzt stehen aber einige Steuervorteile in Aussicht. Was Sie im laufenden Steuerjahr wissen sollten:

Das Jahr 2020 hat durch die Corona-Krise unser aller Leben gehörig durcheinander gewirbelt. Viele Beschäftigte sind in Kurzarbeit und andere statt im Unternehmen im Homeoffice. Das hat auch Auswirkungen auf die Steuererklärung für das Jahr 2020 – worauf Sie sich schon jetzt einstellen sollten.

Kurzarbeitergeld

Kurzarbeitergeld ist eine steuerfreie Lohnersatzleistung. Sie unterliegt dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das heißt, die Lohnersatzleistungen werden dem zu versteuernden Einkommen fiktiv zugerechnet. Dafür berechnet der Fiskus den maßgebenden Steuersatz. „Unter dem Strich bleibt das Kurzarbeitergeld zwar steuerfrei, dafür gilt aber für das restliche Einkommen ein höherer Steuersatz“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin. Um dies zu prüfen, muss der Arbeitnehmer für das Jahr 2020 eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt abgeben. „Unter Umständen kann es zu Steuernachzahlungen kommen“, so Klocke
 
Ob es tatsächlich zu einer Nachzahlung kommt, hängt vom Einzelfall ab – etwa

  • wie viel und wie lange Sie Kurzarbeitergeld erhalten haben,
  • ob Sie weitere Einkünfte wie etwa Mieten haben oder
  • ob Sie Ausgaben haben, die Sie steuermindernd absetzen können, etwa den Kauf eines beruflich genutzten Laptops.

Ihre Meinung zählt!

Kurzarbeitergeld und Job in einer systemrelevanten Branche

Wer während des Bezugs von Kurzarbeitergeld einen Job in einer systemrelevanten Branche annimmt, muss die Einnahmen daraus nicht auf das Kurzarbeitergeld anrechnen lassen. „Allerdings darf das Einkommen insgesamt nicht über dem regulären Arbeitsentgelt liegen“, sagt Klocke. Dadurch soll es einen Anreiz geben, auf freiwilliger Basis vorübergehend Tätigkeiten in systemrelevanten Bereichen, zum Beispiel als Erntehelfer in der Landwirtschaft aufzunehmen.
 
Übrigens: Seit dem 1. Mai gilt diese Hinzuverdienstmöglichkeit für alle Berufe – also auch für solche Tätigkeiten, die nicht systemrelevant sind.

Häusliches Arbeitszimmer absetzen – aber wie?

Sie arbeiten pandemiebedingt im Homeoffice – und möchten daher Ihr häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen? „Das ist nicht in allen Fällen möglich“, erklärt Klocke. Eine der Voraussetzungen: Es muss sich um einen separaten Raum handeln, den Sie ausschließlich zu beruflichen Zwecken nutzen. Mit anderen Worten: eine Arbeitsecke im Wohn- oder Schlafzimmer reicht nicht, um die Kosten anteilig als Werbungskosten geltend zu machen. Ferner gilt:

  • Das Arbeitszimmer dürfen Sie lediglich zu 10% privat nutzen.
  • Arbeitnehmer müssen dem Finanzamt einen Nachweis präsentieren, dass das Homeoffice angeordnet war.
  • Auf Nachfrage des Finanzamtes müssen Sie gegebenenfalls einen Grundriss der Wohnung beziehungsweise des Hauses vorlegen. Auch mit Fotos können Sie dokumentieren, dass es sich um einen beruflich genutzten Raum handelt.

Gut zu wissen: Absetzen können Sie anteilig die Kosten für die Warmmiete, die auf das Arbeitszimmer entfallen. „Maximal berücksichtigt der Fiskus einen Betrag von 1.250 Euro pro Jahr“, so Klocke. Sie leben in Ihrer eigenen Immobilie? Dann können Sie anteilig die Abschreibungen und unter anderem die Kosten für Finanzierung, Nebenkosten und die Grundsteuer für die Immobilie in der Steuererklärung ansetzen.

Arbeiten im Homeoffice

Laptops, Tablets und/oder Smartphones – haben Sie solche Geräte von Ihrem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommen, damit Sie zu Hause arbeiten können? Dann ist dies steuerfrei – unter der Voraussetzung, dass die Geräte im Eigentum des Arbeitgebers bleiben.

  • Wer private Geräte nutzt, kann dies bei der Einkommensteuererklärung als Werbungskosten absetzen. Bei einem Gerät, das im Jahr maximal 800 Euro netto – also bei einer Umsatzsteuer von 19% 952 Euro – gekostet hat, dürfen Sie es direkt im Jahr des Kaufs steuerlich geltend machen. „Pauschal akzeptiert das Finanzamt 50% des Kaufpreises für die berufliche Nutzung“, erläutert Klocke. Bei teureren Geräten erfolgt eine Abschreibung über mehrere Jahre, bei Computern und Laptops etwa sind das zum Beispiel drei Jahre.
  • Sie nutzen im Homeoffice Ihre private Telefon- oder Internetleitung? Dann können Sie auch die Kosten dafür als Werbungskosten geltend machen. „In der Regel werden 20% der Rechnung, maximal 20 Euro pro Monat anerkannt“, so Klocke. Bewahren Sie also unbedingt die Rechnungen auf!
  • Ebenfalls absetzen können Sie Einrichtungsgegenstände für Ihr beruflich genutztes Arbeitszimmer oder die Arbeitsecke- etwa ein Schreibtisch, einen Bürostuhl oder ein Bücherregal. Hier gilt ebenfalls: „Bei einem Kaufpreis bis 800 Euro netto können Sie die Ausgaben direkt absetzen, bei höherwertigen Gegenständen erfolgt eine Verteilung über mehrere Jahre“, sagt Klocke. Und: Sie müssen nachweisen, dass Sie etwa den Schreibtisch tatsächlich beruflich nutzen – und nicht Ihr Kind für seine Hausaufgaben.

Kleiner Exkurs: Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen

Gerade diejenigen, die jetzt von zu Hause aus arbeiten, haben höhere Kosten. Etwa für die Toner im heimischen Drucker für Papier. Da es bei manchem Arbeitnehmer in diesen Tagen auf jeden Cent ankommt, können Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen. Dafür müssen Sie Werbungskosten von mindestens 600 Euro nachweisen. Gibt der Fiskus Ihrem Antrag statt, haben Sie bereits am Ende des darauffolgenden Monats ein höheres Nettoeinkommen. Für den Antrag relevant sind in der aktuellen Situation zum Beispiel Aufwendungen für selbst gekaufte Arbeitsmittel wie etwa ein Tablet, ein Taschenrechner und andere Dinge, die Sie im Homeoffice brauchen.
 
Aufgepasst: Den Freibetrag können Sie sich für zwei Kalenderjahre eintragen lassen. Ändern sich die Voraussetzungen für den Freibetrag oder fallen sie komplett weg, müssen Sie das Ihrem Finanzamt mitteilen.
 
Hinweis: Alle im Text genannten Infos beziehen sich auf den Stand am 06. Mai 2020. In der Corona-Krisenzeit können sich Beschlüsse das laufende Steuerjahr betreffend durchaus noch ändern. Sprechen Sie daher mit Ihrem Steuerberater oder informieren Sie sich über die Seiten der zuständigen Finanzämter.
 
Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps, die eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen können. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich einfach an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (11)


Kommentare

Kirsch

13.06.2020

Wie verhält sich denn die " Home Office " Steuererleichterungen gegenüber den Thema : Schüler - Home School Office ?
Dadurch das die Schulkinder ja seitdem von Zuhause aus arbeiten / lernen müssen- mussten, und dadurch ja auch zusätzliche Kosten entstehen : zb: Papier, evtl per Handy live Unterricht Chat hatten, oder dadurch bei vielen Familien , die nicht so gut aufgestellt sind finanziell/ Handy - soft / Hardware mäßig .
Dieses sollte auch alles in dieser Krise berücksichtigt werden! Bzw. Irgendwie ohne Rechnungen für Papier , Grundgebühren für Handy/ Geräte wie zb. Drucker, online - WLAN Bereitstellung.... etc.
Die einzelnen Bundesländer /die Bundesregierung , ja nicht als selbstverständlich ansehen .
Würde mich über weitere Gedanken / Kommentare und sinnvolle Antworten / Ergebnisse interessieren


@LR

26.05.2020

Das Absetzen von dem höhenverstellbaren Schreibtisch können Sie unter Ulk verbuchen, aber ein Versuch schadet nicht. Nur läuft das dann unter Überschreitung der Pauschale und auch das muss man erstmal nachweisen. Es geht tatsächlich nur um die extra gekaufte IT-Ausstattung für das Home Office (PC und Drucker oder mfp und z.B. ein Papier-Schredder mit Sicherheitsgrad oder ein zusätzlicher WLAN-Repeater oder Access-Point). Aber auch da kann ein Nachweis erforderlich werden, dass der Arbeitgeber nichts stellen konnte!


ING

26.05.2020

Hallo LR, Detailinformationen dazu bekommen Sie mit Sicherheit bei Ihrem Steuerberater oder bei Ihrem Finanzamt. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


LR

26.05.2020

Ich habe mir im April einen höhenverstellbaren Schreibtisch fürs Homeoffice gekauft. Das (Multifunktions-/Arbeits-)Zimmer selbst kann ich definitiv nicht absetzen - aber dem Text oben nach, den Schreibtisch schon. Wie genau müsste der Nachweis für die berufliche Nutzung dann aussehen?


@Dagmar

25.05.2020

Bitte welche technischen Geräte meinen Sie? Oder gehören Sie etwa noch immer zu jener Minderheit, die Media Markt und Co tatsächlich für preisgünstig halten? Die IT für das Home Office kauft man schon seit mehr als 10 Jahren preisgünstig eigentlich immer nur online. Mein aktuelles Auto sollte als Neuwagen beim örtlichen Händler irre 35 000 Euro kosten, im Internet habe ich es besser ausgestattet für 22 700 Euro als Neuwagen (mit Tageszulassung) bekommen - und konnte es sofort abholen statt 5 Monate zu warten.


Dagmar

23.05.2020

Wenn ich wegen Corona zu Hause bleiben musste und alle Läden geschlossen waren, wo sollte ich mir dann die technischen Geräte kaufen?
Ich wünsche mir mehr parxisnahe Tipps: Absetzung von Desinfektionsmitteln bei Hausbesuchen oder Absetzung der Kosten für Masken bzw. Kopierkosten im Laden usw.


@AP

22.05.2020

Bitte was kennen Sie für fragwürdige Arbeitgeber? Laut deutscher Rechtsprechung zum Arbeitsrecht ist das Laden eines privaten Handys am Arbeitsplatz immer ein §248c und je nach Gedankenwelt des Richters sogar ein ausreichender Grund für eine fristlose Entlassung. Das ist schon viele Jahre so und trotzdem war vor rund 12 Jahren ein sogar Segway - Nutzer, der sein Gerät im Büro am Arbeitsplatz lud sehr übers eine fristlose Entlassung überrascht. Allerdings haben andere Richter vor 3 Jahren auch mal anders entschieden, obwohl auch diese Richter den Stromdiebstahl (Wert 1,2 Cent) nicht ignorieren konnten.
Zumal der täglich 8 stündige Betrieb eines PC mit 2 TFT wesentlich höhere Stromkosten verursacht, als das sporadische Laden eines Smartphone/iPhone oder gar primitiven Handy.


AP

20.05.2020

Wenn keine Kosten für Fahrten zur Arbeit durch Tanken, Parken etc. anfallen sind die Einsparungen (auch Wegezeiten) dadurch vermutlich höher als die Pauschalen sofern man überhaupt über die 1000 Euro kommt. Zu den Stromkosten fällt mir nur ein, dass bei solchen Wünschen der Arbeitgeber hoffentlich die permanenten Ladungen von Privatgeräten (Handys) auf der Arbeit gegenrechnet... Und lieber vorübergehend Home Office als länger zu Hause und arbeitslos oder krank.


Dieter 2

20.05.2020

Das Home-Office wird wohl bei vielen mit kräftigen finanziellen Einbußen enden. Und hoffentlich übernimmt der Arbeitgeber dann wenigstens die ca. 10 Euro monatlich höheren Stromkosten.


LMWEB

19.05.2020

Sehr richtig JohnDoe!


JohnDoe

17.05.2020

Mir fallen dabei zwei Punkte ein, die zu berücksichtigen sind. Erstens gilt für nicht-selbständige Arbeit eine Werbekostenpauschale von 1000 Euro, unabhängig ob die Kosten tatsächlich angefallen sind oder nicht. In solchen Artikeln klingt es immer so, als ob da noch eine Menge rauszuholen wäre, aber ich glaube, die 1000 Euro zu übertreffen ist für die meisten nicht so einfach. Zweitens führt das Homeoffice dazu, dass der Arbeitsweg / Pendlerpauschale in dieser Zeit wegfällt und somit die Werbekosten per se geringer ausfallen. Wer also sonst einen langen Arbeitsweg hat und Kosten für das Homeoffice geltend macht, sollte ggf. bei Angaben für die Pendlerpauschale vorsichtig sein. Gleiches gilt natürlich auch für die Dauer der Kurzarbeit, wer n Tage zuhause war, muss diese entsprechend bei der Pendlerpauschale abziehen. Erstere können wie in diesem Artikel beschrieben noch versuchen, andere Werbekosten geltend zu machen, letztere fallen zudem noch in eine höhere Steuerprogression.