Vorsicht vor Langfingern

Taschendiebe auf dem Weihnachtsmarkt | 13.12.2017

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In Deutschland kam es nach Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik 2016 zu 164.711 angezeigten Taschendiebstählen – dabei entstand ein Schaden in Höhe von 51,5 Millionen Euro. Wie viele Überfälle davon auf Weihnachtsmärkten stattfanden, ist unklar. Wer allerdings unbeschwert zwischen Glühwein, gebrannten Mandeln und Co. bummeln möchte, sollte sich an bestimmte Vorsichtsmaßnahmen halten. 

Woran erkennt man Taschendiebe?

Harald Schmidt, Geschäftsführer der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, erklärt, dass Kriminelle sich bestimmter Muster bedienen, wenn es darum geht, ihre Opfer auszusuchen. Sie haben Tricks auf Lager, die Ahnungslose gar nicht als solche wahrnehmen: 

  • Sie rücken dicht an ihr potenzielles Opfer heran und drängeln, bis es sich abwendet und die Tasche wie auf dem Präsentierteller vor dem Dieb liegt. Mit flinken Fingern ist die Brieftasche dann schnell geschnappt. Die Enge zwischen den Buden auf dem Weihnachtsmarkt bietet sich dazu besonders an, wie Schmidt erklärt. 
  • Kriminelle sind oft in einer Gruppe unterwegs. Einer lenkt das Opfer häufig ab, etwa indem er die Kleidung mit Ketchup oder Punsch bekleckert, während der Zweite zuschlägt und die Beute an einen Dritten weitergibt.
  • „Manchmal lassen sich Taschendiebe schon am typisch suchenden Blick erkennen“, erklärt Schmidt weiter. „Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer und schauen eher nach der Beute.“ Wer glaubt, einen Dieb entdeckt zu haben, sollte nach Angaben des Kriminaloberrats andere Personen auf den Verdächtigen aufmerksam machen, die Polizei verständigen und sich Tätermerkmale einprägen.

Wer für diese Tricks sensibilisiert ist, wird weniger wahrscheinlich Opfer von Kriminellen. Schmidt rät Besuchern daher, gewisse Dinge zu beachten. Zusammengefasst sollten Weihnachtsmarkt-Besucher

  • am besten auf leicht zugängliche Taschen und Rucksäcke verzichten,
  • nur so viel Bargeld mitnehmen, wie unbedingt nötig,
  • Geld, Papiere und Bankkarten entweder auf die Innentaschen der Kleidung verteilen oder in einem Brustbeutel oder Geldgürtel verstauen,
  • nicht gebrauchte Dokumente am besten gar nicht erst mitnehmen,
  • besonders im Gedränge verstärkt auf ihre Wertsachen achten,
  • und auch nach dem Marktbesuch in Geschäften, Cafés und öffentlichen Verkehrsmitteln weiter aufmerksam sein
  • auf die Umgebung achten, wenn man den Geldbeutel oder das Mobiltelefon in der Hand hält, denn zuweilen werden diese auch aus der Hand geklaut. 

Beherzigt man diese Tipps und geht aufmerksam über den Weihnachtsmarkt, haben Taschendiebe kaum eine Chance und einem selbst bleiben Panik und Stress – wenigstens bis zum Geschenke-Shopping – erspart. 

Was, wenn die Brieftasche trotz aller Vorsichtsmaßnahmen fehlt?

Wenn das Portemonnaie gestohlen wurde, gelte es schnell zu reagieren, sagt Margit Schneider, Vorstandsvorsitzende vom Verein Sperr-Notruf 116 116. Was genau bedeutet das?

  1. Als erstes sollten sämtliche Karten aus der Geldbörse so schnell wie möglich unter der zentralen Sperr-Notruf-Nummer 116 116 gesperrt werden. Das funktioniert sowohl für Girokarten, als auch für die meisten Kreditkarten. Die Nummer leitet schnell zu den jeweiligen Anbietern weiter und hilft auch bei Mobilfunkkarten, der elektronischen Identitätsfunktion des neuen Personalausweises oder Kundenkarten mit Zahlfunktion. Ein Anruf aus Deutschland ist kostenfrei und rund um die Uhr möglich. Welche Herausgeber unterstützt werden, erfährt man unter sperr-notruf.de.
  2. Der Diebstahl sollte dann unmittelbar bei der nächsten Polizeidienststelle angezeigt werden. Achtung: Nur dort kann die Girocard für das elektronische Lastschriftverfahren der Einzelhändler, das nur mit Unterschrift und ohne PIN-Nummer funktioniert, gesperrt werden.
  3. Zusätzlich sollte das Bankinstitut gesondert informiert werden, wenn beispielsweise mehrere Karten zu einem Konto gehören oder eine Ersatzkarte bestellt werden soll.

Die Polizei – der Freund und Helfer

In der Adventszeit drehen zusätzlich zu den uniformierten auch vermehrt Polizisten in Zivil ihre Runden über die Märkte, um Langfinger auf frischer Tat zu ertappen – so kommt es auch immer wieder zu Festnahmen vor Ort. Gelingt die direkte Konfrontation nicht, sind Diebe meist nur schwer ausfindig zu machen, „zumal die Opfer den Verlust meist erst spät bemerken und die Täter in vielen Fällen nicht beschreiben können“, sagt Schmidt. Das erklärt auch die vergleichsweise geringe Aufklärrate von 6,4 Prozent – ein Grund mehr,  es den Dieben mit unseren Tipps, so schwer wie möglich zu machen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

Mia

21.12.2017

Meine Großmutter pflegte stets eine Anstecker Nadel am Jacken-/ oder Mantelkragen zu tragen, dass nicht befestigt war sondern nur ansteckte, damit man den "Dieb" ordentlich "pieksen" kann...
ich habe es auf einem Markt ausprobiert, einer der mir fast an der Handtasche hing hat den Pieks abbekommen. Es schafft jedenfalls eine sehr schöne Distanz.


wolfgang

20.12.2017

Ich habe meinen Geldbeutel immer in der linken vorderen Hosentasche
an einer Kette. Das heist man kann mir auch wenn ich den Geldbeutel
in der Hand habe diesen nicht so leicht entreisen


Henry

13.12.2017

Geldbeutel in die Hosentasche links oder rechts vorne.
Rucksack Reißverschlüsse immer nach ganz unten ziehen.
Taschen nicht liegen / stehen lassen.
Alles am besten dicht am Körper tragen - ideal Brustbeutel ;-)