Teilzeitanspruch

Kürzer treten per Gesetz | 06.03.2017

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Wer in Teilzeit arbeitet, verdient weniger Geld – und verfügt dafür über mehr Freiräume. Viele Arbeitnehmer haben einen gesetzlichen Teilzeitanspruch. Oft kommt es auf die Details an.

Kinder, ein Ehrenamt oder die Work-Life-Balance: Gute Gründe, in Teilzeit zu arbeiten, sind oft vorhanden. Zum Glück haben die meisten Arbeitnehmer einen gesetzlichen Teilzeitanspruch. Möchten sie weniger Stunden in der Woche arbeiten, dann sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber.

Wer hat einen Teilzeitanspruch?

Den Teilzeitanspruch hat nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales jeder Arbeitnehmer, der länger als sechs Monate für ein Unternehmen mit mehr als 15 Angestellten arbeitet. Wichtig: Einen Teilzeitanspruch haben reguläre Beschäftigte in Voll- oder Teilzeit; Azubis oder Praktikanten zählen nicht dazu

Ansonsten gelten für Teilzeitkräfte fast die gleichen Regeln wie für Vollzeitkräfte, beispielsweise wenn es um Überstunden geht. Der Urlaub hängt davon ab, wie die Teilzeit gestaltet ist: Arbeitet jemand drei von fünf Tagen pro Woche, stehen ihm drei Fünftel des regulären Urlaubsanspruchs zu. Wer dagegen jeden Tag kommt und zum Beispiel früher geht, bekommt die gleiche Zahl an Urlaubstagen wie eine Vollzeitkraft.

Teilzeitanspruch – Der Antrag: Schriftlich und rechtzeitig

Stellen Sie Ihren Antrag auf Teilzeit drei Monate vor Beginn der verkürzten Arbeitszeit. Das geht mündlich. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) empfiehlt die schriftliche Form – im Streitfall können Sie Ihren Antrag und seinen Wortlaut beweisen. Schreiben Sie in dem Antrag, um welche Stundenzahl Sie Ihre Arbeitszeit verringern möchten. Sie können in dem Antrag schreiben, wie Sie die Stundenzahl auf die einzelnen Tage verteilen möchten. Grundsätzlich empfiehlt der DGB, den Antrag derart zu formulieren, dass der Chef ihn ohne Umstände befürwortet.

Nicht immer besteht ein Teilzeitanspruch

Das Gesetz erlaubt dem Arbeitgeber, den Antrag abzulehnen. Dafür braucht es gute Gründe, erklärt der DGB: Ein „Das ist hier nicht üblich“ reicht nicht. Stattdessen ist der Chef verpflichtet nachzuweisen, dass der Wechsel eines Arbeitnehmers in Teilzeit erhebliche Kosten verursacht oder Organisation und Sicherheit im Betrieb massiv darunter leiden. In solchen Fällen ist von sogenannten betrieblichen Gründen die Rede.

Der Sonderfall: Teilzeitanspruch während der Elternzeit

Während der Elternzeit haben Beschäftigte ebenfalls einen Teilzeitanspruch, beispielsweise für die langsame Rückkehr in den Job oder ein paar zusätzliche freie Stunden zur Kinderbetreuung. In Zusammenhang mit dem Elterngeld Plus ist das für berufstätige Mütter und Väter oft die sinnvollste Variante.

Die Voraussetzungen sind zwar die gleichen wie bei der regulären Teilzeit. Allerdings ist ein schriftlicher Antrag Pflicht. Legen Sie ihn spätestens sieben Wochen vor Beginn der Teilzeit Ihrem Chef vor. Arbeitnehmer können bei dieser Variante ihre Arbeitszeit während der gesamten Elternzeit zweimal verkürzen. Wer aus anderen Gründen kürzer tritt, hat den Teilzeitanspruch einmal alle zwei Jahre.

Die Rückkehr: Besser vorher vereinbaren

Der größte Unterschied bei der Teilzeit in Elternzeit ist, dass Angestellte nach Ende der Elternzeit ganz regulär wieder in die Vollzeitbeschäftigung zurückkehren. Beim regulären Teilzeitanspruch gilt das nicht: Wer einmal kürzer tritt, hat keinen Anspruch darauf, wieder auf Vollzeit aufzustocken.

Ist im Unternehmen gerade eine Stelle frei, dann sind Teilzeitkräfte im Bewerbungsverfahren zu bevorzugen. Und natürlich können Chef und Arbeitnehmer von Anfang an vereinbaren, dass der Wechsel in Teilzeit für eine bestimmte Zeit gilt. Ein Anrecht darauf haben Arbeitnehmer nicht

Autor: ING-DiBa


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Kommentare (2)


Kommentare

notting

06.03.2017

Ich glaube, dass wenn konsequenter drauf geachtet werden würde, dass keine Überstunden verfallen wo per Gesetz bzw. Rechtssprechung Überstunden nicht pauschal mit dem normalen Gehalt abgegolten werden können (wozu die Überstunden vom Betrieb erstmal erfasst werden müssten), hätte man schon deutl. mehr Freizeit etc. und bräuchte auch nicht auf einen Teil des Gehalts zu verzichten, was für viele eh nicht so üppig ist.
Bzw. wenn man nur Überstunden abbaut (egal ob durch Arbeitszeitverkürzung verursacht oder nicht) ist man ja i.d.R. flexibler bzw. kann kurzfristiger mal ein Tag frei auf Überstundenbasis bekommen.

notting

PS: In Wochen betrachtet wird der Urlaub nicht verkürzt, weil man eben pro Woche entspr. weniger arbeitet...


Elvire

06.03.2017

Interessant!