Von Kühlungsborn bis Venedig

Wo Urlauber Kurtaxe oder „Eintritt“ einplanen müssen │10.07.2019

Tourismusabgaben

An manchen Ferienorten sind Zusatzkosten fällig, die schnell ein ordentliches Loch in die Urlaubskasse reißen. Und wofür zahlt man eigentlich genau? 

Diese fünf Formen der Tourismusabgaben gibt es:

Flug, Unterkunft, Versorgung. Was viele Reisende in ihrem Reise-Budget vergessen, sind Posten wie Kurtaxe und andere Tourismusabgaben – und die können ziemlich teuer sein, vor allem zur Hauptsaison. In vielen Fällen bekommen Reisegäste eine Gegenleistung, wie freies Parken oder Rabatt auf Eintrittskarten. Häufig geht es jedoch nur um eines: die Touristenmassen einzudämmen. Wo Reisende Zusatzkosten einplanen sollten.

1. Kurtaxe in Deutschland

Die Kurtaxe ist heute eine gängige Tourismus- oder Fremdenverkehrsabgabe, die von einzelnen Kommunen selbst erhoben wird. Tatsächlich gibt es die Gebühr schon seit 1507: Im Schwarzwaldstädtchen Baden-Baden mussten Gäste erstmals eine solche Steuer entrichten. „Die Gäste wissen jedoch oft nicht, wofür sie eigentlich zahlen“, sagt Prof. Martin Lohmann vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa in Kiel.

Inzwischen sind in Deutschland mehr als 350 staatlich anerkannte Heilbäder, Kurorte und Tourismusorte berechtigt, eine Kurtaxe von Urlaubern zu verlangen. „An der Nordseeküste wird generell von Tagesgästen mit wenigen Ausnahmen ein Strandeintritt verlangt“, erklärt Sonja Janßen, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Nordsee. „Das ist gängige Praxis.“ Das soll die Finanzierung touristischer Angebote, Infrastruktur und den Erhalt der Umwelt, etwa durch regelmäßige Säuberung der Strände, sicherstellen.

Im friesischen Wangerland zum Beispiel zahlen alle Gäste, die nicht direkt dort wohnen oder über einen längeren Zeitraum Urlaub machen, für den Strandbesuch verpflichtend drei Euro – auch, wenn es nur um einen Spaziergang geht. In vielen Ostseebädern in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern variieren die Preise je nach Standort und Saison. Kühlungsborn verlangt zwei Euro am Tag, während in Grömitz 2,80 Euro und in Binz 2,60 Euro fällig sind. Die teuersten Kurtaxen gibt es auf den Nordseeinseln. Vor allem auf dem ostfriesischen Eiland Juist können die Ferien mit 3,50 Euro pro Tag und Person schnell ins Geld gehen: Ein zweiwöchiger Urlaub kostet eine vierköpfige Familie 192 Euro. Am günstigsten sind die Kurtaxen mit durchschnittlich 50 Cent in Polen.

2. Bettensteuer: Von Hamburg bis Mallorca

Bettensteuer – noch nie gehört? Die Steuer ist auch bekannt als Kultur- und Tourismusförderabgabe, Citytax, Beherbergungs- oder Übernachtungssteuer und wird im In- und Ausland erhoben. Die Bettensteuer berechnet sich meist nach Übernachtungsanzahl, Unterkunftsklassifizierung (je mehr Sterne, desto höher ist die Abgabe) und Art der Reise – bei Pauschalreisen ist die Gebühr in der Regel enthalten. Mittlerweile erheben nach Informationen des ADAC etwa 30 Städte in Deutschland eine Bettensteuer. Touristen in Hamburg zahlen beispielsweise einen gestaffelten Nettopreis pro Übernachtung. Mit den Einnahmen will die Hansestadt laut eigener Aussage Kulturangebote fördern. Die Stadt Freiburg veranschlagt 5%, und Reisende in Frankfurt sollten mit zwei Euro extra pro Nacht rechnen.

Wer nach Amsterdam reist, muss seit kurzem ebenfalls tiefer in die Tasche greifen: Jede Übernachtung kostet seit Mai 2019 in der niederländischen Hauptstadt drei Euro. Mit den geschätzten Mehreinnahmen von rund 100 Millionen Euro wolle man das historische Stadtbild in Schuss halten. Und auch in anderen europäischen Städten wird eine Bettensteuer verlangt: Wer nach Rom reist, zahlt pro Nacht zwei bis fünf Euro, in Barcelona sind zwischen 50 Cent und 2,50 Euro fällig. Mallorca-Reisende müssen mit ein bis vier Euro Bettensteuer pro Person und Nacht rechnen. Urlauber in Österreich zahlen 3% und Frankreich-Liebhaber 20 Cent bis 1,50 Euro.

3. Einreisegebühr in Neuseeland bis Venedig

Immer mehr Länder und Städte verlangen eine Art „Eintritt“. Venedig etwa fordert von Tagesgästen drei Euro – ab 2020 ist sogar eine Erhöhung auf sechs Euro geplant. Je nach Tourismusaufkommen kann der Betrag erhöht oder reduziert werden. Die Maßnahme soll dazu führen, dass Tagesgäste ihren Aufenthalt in der berühmten Lagunenstadt an weniger stark frequentierten Tagen planen, um den Massentourismus zu bekämpfen. Professor Martin Lohmann glaubt, dass sich die Besucherströme auf diese Art etwas entzerren lassen könnten. „Dass die Eintrittsforderung Gäste generell von einem Besuch abhalten könnte, halte ich aber für unwahrscheinlich.“

Eine Einreisegebühr plant auch Neuseeland ab Oktober 2019. Reisende sowie Transit-Reisende müssen bei ihrer Ankunft umgerechnet einmalig 20,50 Euro blechen. Auch auf der afrikanischen Insel Sansibar kann nur urlauben, wer zuvor umgerechnet etwa 44 Euro zahlt. Die Ausreise kostet noch mal genauso viel. Und auch in der Dominikanischen Republik ist noch vor der Passkontrolle eine sogenannte „Touristenkarte“ für knapp neun Euro fällig.

4. Touristenabgabe für Kreuzfahrtpassagiere

Um den Touristenandrang durch Kreuzfahrtschiffe einzudämmen, erheben einige stark frequentierte Häfen eine Steuer. Das norwegische Spitzbergen hat schon vor zehn Jahren von Kreuzfahrtpassagieren eine Gebühr in Höhe von umgerechnet 15,00 Euro verlangt. Island und Amsterdam veranschlagen sieben und acht Euro pro Person. Seit Januar 2018 sollen Kreuzfahrtpassagiere auf Mallorca pro Person und Tag in der Hauptsaison zwei Euro abtreten – sofern das Schiff weniger als zwölf Stunden im Hafen liegt. Einzige Ausnahme sind Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, deren Wechselhafen in Palma ist.

Übrigens: Seit der Einführung der Kreuzfahrtsteuer legen Reedereien die Kosten mittlerweile auf den Kunden um – oder routen ihre Schiffe um, etwa nach Rotterdam, um die Abgabe in Amsterdam zu vermeiden.

5. Ökosteuer auf den Malediven

Inzwischen erheben einige Länder eine Okötaxe- oder steuer. Seit 2015 zahlen Touristen auf den Malediven pro Übernachtung knapp fünf Euro. Der Betrag gilt in Hotels, Resorts sowie Kreuzfahrtschiffe und ist häufig in Pauschalarrangements mit eingerechnet. Mit den Einnahmen soll das Ökosystem der tropischen Inselgruppe geschützt werden. Die sogenannte Green Tax muss nicht gezahlt werden, wenn Urlauber weniger als zwölf Stunden in einer Unterkunft verbringen.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (8)


Kommentare

Peter

14.07.2019

worauf beziehen sich bitte die Kommentare (z.B. Thema Dachzelt)?


Jörg

10.07.2019

Wo ist da das große freie Europa, wenn ich an jeder Ecke für Selbstverständlichkeiten wie einen Spaziergang an der Strandpromenade und ähnlichem bezahlen soll. Noch gibt es schöne Plätze und Leute die sich über höfliche Gäste freuen.
Dort gebe ich mein Geld dann auch gerne aus.
Wo sich für viel Geld eigentlich nur die Touristen gegenseitig anschauen und die Einheimischen kaum noch normal leben können, verstehe ich Gegenmaßnahmen aber Touristen kann ich auch anderswo ohne Eintritt ansehen.


tom 1963

10.07.2019

und die ING "bereichert" sich im nicht € Ausland beim Einsatz ihrer DEBIT VISA mit 1,75% Auslandeinsatzgebühr.
Nehmen wir an Ferienhaus in USA über 3000€ dann fallen 52,50€ an.


ING

10.07.2019

Hallo Tiroler, danke ,Sie haben Recht: Dort ist ein Link enthalten. Wir haben den Kommentar aber als gut gemeinte Hinweise verstanden. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Tiroler

10.07.2019

Ich halte den ersten Eintrag für einen Werbespam. Sollte gelöscht werden


Dieter 2

10.07.2019

Auf Usedom hat jeder etwas von der Kurtaxe. Dagegen ist die teurere Kurtaxe in Zingst unverständlich - denn selbst für die öffentlichen Toiletten am Strand wird extra kassiert und viele davon sind sowieso zu.


Was soll das denn?

10.07.2019

Die Ratschläge mit dem Dachzelt und Co halte ich für einen sehr schlechten Witz und einen sehr schlechten Vorschlag. Denn bitte wo will der Vorschlagende sich mit seinem Fahrzeug mit Zelt oben drauf sich hinstellen? Etwa in die Pampa? Da kann er, außen in Schweden, ganz schnell mal 3000 Euro Geldstrafe zahlen. Und Zeltplatzgebühren sind auch längst happig und man ist weit weg von dem Ziel - der City.


Kurtaxen? Eintrittsgeld?

10.07.2019

Da hilft nur im Auto pennen :-) Oder kleinen Bus / Van umbauen.
Lescars Luftmatratze für die Rückbank mit Kompressor (Zigarettenanzünder) oder für gesamte Kofferraum Breite.
Camping Toiletten (chemisch / trocken) oder ins Restaurant
oder so gehen.
Von James Baroud gibt es Dachzelte www.james-baroud.de/hartschalenzelte ca. 1.800 bis 3.500 Euro. So
pi mal Daumen.