Finanzen und Verträge

Was man über das Trennungsjahr wissen sollte | 15.02.2019

Finanzen und Verträge

© MartinPrescott - istock.com

Gemeinsame Verträge, Konten, Versicherungen: Wenn die Ehe in die Brüche geht, müssen die Partner jede Menge klären. Vieles muss sogar schon vor der Scheidung geregelt werden – im sogenannten Trennungsjahr. Eine Übersicht.

Im Jahr 2017 wurden laut Statistischen Bundesamts 153.501 Ehen geschieden. Eine Scheidung ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch mit viel Papierkram verbunden. Ehepartner würden deshalb am liebsten alles möglichst schnell über die Bühne bringen. Doch der Gesetzgeber verlangt vor der Scheidung ein Trennungsjahr: Zwischen den Ehepartnern darf mindestens ein Jahr lang keine häusliche Gemeinschaft bestehen und beide dürfen auch nicht die Absicht haben, diese wiederherzustellen (§ 1567 BGB). „Eine Anmeldung des Trennungsjahres ist nicht nötig oder möglich. Der Trennungszeitpunkt sollte jedoch zu Beweiszwecken dokumentiert werden“, erklärt Mathis Ruff, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. Doch was passiert in diesem Jahr mit gemeinsamen Konten und Versicherungsverträgen? Und was mit der Steuerklasse?

Eigenes Girokonto eröffnen

Wer getrennt voneinander lebt, will oft auch sein Vermögen nicht mehr teilen. Daher kann es sinnvoll sein, bereits im Trennungsjahr eigene Girokonten zu eröffnen. „Es bietet sich beispielsweise an, Lohnzahlungen und andere Einkünfte auf das eigene Konto umzuleiten“, rät Mathis Ruff. Das gemeinsame Konto sofort zu kündigen, sei jedoch gut zu überlegen, gerade dann, wenn darüber Verbindlichkeiten wie Mietzahlungen laufen. Zunächst müssen wichtige Fragen geklärt werden: Ist das Konto ausreichend gedeckt bzw. wurden die Gläubiger über die veränderten Kontoverbindungen in Kenntnis gesetzt?

Übrigens: Das Guthaben auf dem Konto kann bei einer Trennung beiden Kontoinhabern je zur Hälfte zustehen, unabhängig davon, wer welche Summen auf das Gemeinschaftskonto eingezahlt hat, erklärt Mathis Ruff.

Versicherungsverträge überprüfen

Als Ehepaar lohnt es sich in vielen Fällen, gemeinsame Versicherungen abzuschließen. Doch wenn die Ehe aufgelöst werden soll, gehören auch die Verträge auf den Prüfstand. Die Trennungszeit sollte dafür genutzt werden, mit den Versicherern zu klären, wer welchen Vertrag übernimmt. „Zunächst muss eine Aufstellung sämtlicher Versicherungen gemacht werden: Wer ist Versicherungsnehmer? Wer ist die versicherte Person? Wer zahlt den Beitrag?“, rät der Kölner Finanzberater Matthias Wörmann. Zu den Versicherungen, die überprüft werden sollten, zählen z.B.:

  • Haftpflichtversicherung
  • Hausratversicherung
  • Rechtsschutzversicherung

Oft ist bei diesen Versicherungen nur einer der Ehegatten Versicherungsnehmer und der andere mitversichert. „Diese Mitversicherung können auch getrenntlebende Eheleute mitunter bis zur Rechtskraft der Scheidung aufrechterhalten”, erklärt Mathis Ruff. Spätestens nach der Scheidung benötigt aber jeder eine eigene Versicherung.

Bei Lebens- und Rentenversicherungen sollten die Ehepartner überprüfen, wer als Begünstigter angegeben ist. „Das Bezugsrecht kann man einfach ändern“, sagt Matthias Wörmann. Aber Achtung: Davon, solche Versicherungen vorzeitig und ohne fachmännischen Rat aufzulösen, rät der Finanzberater ab. Das könnte laut Mathis Ruff zu finanziellen Einbußen führen.

Wer bisher bei der gesetzlichen Krankenversicherung über den Ehepartner mitversichert war, sollte sich noch bevor die Scheidung rechtskräftig wird um eine eigene Versicherung kümmern und entsprechende Fristen mit der Krankenkasse besprechen, sagt Matthias Wörmann. Während des Trennungsjahres besteht die Mitversicherung in der Regel noch.

Steuerklasse vorerst behalten

Und was passiert mit der Steuerklasse während des Trennungsjahres? Erst einmal bleibt alles beim Alten: „Eheleute können im Kalenderjahr ihrer Trennung die zuvor gewählten Steuerklassen III/V oder IV/IV beibehalten“, sagt Inga Bethke von der Bundessteuerberaterkammer. Aber: Das gilt nur für das laufende Kalenderjahr. Spätestens zum 1. Januar des auf die Trennung folgenden Kalenderjahres ändern sich die Steuerklassen. Das Einkommen wird dann wie das eines Singles mit Steuerklasse I oder bei einem Kind, das im Haushalt lebt, mit Steuerklasse II versteuert. Trennen sich die Ehepartner also Anfang Dezember, können sie nur noch einen Monat lang in der alten Steuerklasse bleiben. Findet die Trennung im Januar statt, erfolgt der Steuerklassenwechsel erst ein Jahr später.

Achtung: In jedem Fall sollte die Trennung dem Finanzamt frühestmöglich mitgeteilt werden, sagt Inga Bethke. Sollte keine Einkommenssteuererklärung abgegeben werden und die Lohnsteuerklassen nicht rechtzeitig verändert worden sein, sei damit zu rechnen, dass das Finanzamt für das auf die Trennung folgende Jahr Steuernachzahlungen verlangen kann.

Checkliste – Woran Sie im Trennungsjahr denken müssen:

  • Eigene Girokonten eröffnen und Zahlungseingänge und -ausgänge auf das neue Konto umleiten. Prüfen, ob das gemeinsame Konto gekündigt werden kann.
  • Gemeinsame Versicherungsverträge überprüfen: Welche Verträge müssen angepasst werden? Wer ist Versicherungsnehmer und wer braucht eine eigene Versicherung?
  • Dem Finanzamt die Trennung mitteilen und bis Ende des laufenden Kalenderjahres die Steuerklasse beibehalten – danach muss gewechselt werden.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (10)


Kommentare

ING

29.07.2019

Hallo Wiebke, bitte rufen Sie kurz bei unseren Kollegen unter 069 / 34 22 24 an. Sie klären gern die Möglichkeiten mit Ihnen. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Wiebke

27.07.2019

Guten Tag,

wie kann ich eine Zahlungsumleitung erwirken?


Caesar

26.02.2019

Am besten gar nicht heiraten!
Heiraten kostet Geld, Scheiden lassen kostet Geld und dann auch noch seine Rente teilen müssen...neee danke.
Und das heut zu tage, wo Mann oder Frau schnell weg sind, wenn eine Kleinigkeit nicht passt.


Steffen Z.

24.02.2019

Wer bitte schön soll denn bei einer Trennung die Schuldfrage eindeutig beantworten? Es gehören immer Zwei dazu und das Zerwürfnis hat womöglich schon Jahre zuvor ganz unbemerkt begonnen. Daher finde ich, ist es gut, wie es inzwischen geregelt ist.


Andrea J.

24.02.2019

Herr Beck!
Den*die Schuldige*n gibt es in der Regel nicht - das sollte heute doch jede*r wissen - auch dass viel Missbrauch mit der "Schuld" betrieben wurde! Es lebe die Reformation des Scheidungsrechts!


Monika

22.02.2019

Der Artikel ist für Scheidungen, bei denen ein Partner sich querstellt leider keine große Hilfe. Wichtig ist vor Auszug alle Verträge, Verdienst- und Rentenunterlagen des Ex zu kopieren oder abzufotografieten. Wenn er nachher keine Angaben macht verzögert das die Scheidung völlig unnötig. Auch der Mietvertrag muss sofort einseitig gekündigt werden, wenn der Ex kein schriftliches Einverständnis erklärt, sonst darf man zahlen, obwohl man längst ausgezogen ist. Unbedingt eigenes Girokonto, spätestens ab Trennungsbeginn.


Dr. Peter Beck

22.02.2019

Ich halte das heutige Scheidungsrecht für äußerst ungerecht. Das Schuldprinzip, wie es vor der Reformation des Scheidungsrechts galt, sollte wieder reaktiviert werden. " Der Schuldige bekommt nichts ".


Martina J.

22.02.2019

1. Formular nicht auffindbar
2. Info FinAmt unsinnig.
3. Wichtige Tipps, wie z.B. Einholung einer Auskunft über die Höhe der gegenseitigen Versorgungsausgleichsansprüche, fehlen komplett !


ING

18.02.2019

Hallo Adam D. haben Sie vielen Dank für den wichtigen Hinweis! Wir kontrollieren das gleich einmal. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Adam D.

17.02.2019

Zu dem unteren Text wird im Link nicht das Formular bereit gestellt & ist nicht auch nicht im Finanzamt Dschungel zu finden.

Daher ist ihr Artikel nur teilweise gut & verwirrend.

Achtung: In jedem Fall sollte die Trennung dem Finanzamt frühestmöglich mitgeteilt werden, sagt Inga Bethke. Das entsprechende Formular gibt es hier.