Brauche ich das wirklich?

Typische Fehler beim Geldausgeben | 05.04.2019

Umgang mit Geld

Bei finanziellen Entscheidungen geht es nicht immer mit rationalen Dingen zu. Über die typischen Fehler beim Umgang mit Geld.

Viele kennen das: Sie sehen etwa einen schicken Mantel oder ein teures Smartphone – und kaufen es. Obwohl sie das eigentlich gar nicht brauchen. Wo bloß ist im Moment des Shoppens die Ratio geblieben? „Ganz klar, der Umgang mit Geld hat oft auch etwas mit Emotionen und Intuition zu tun“, sagt die Psychologin Monika Müller, die in Wiesbaden als Finanzcoach arbeitet. Allerdings ist dies den wenigsten bewusst, wenn sie finanzielle Entscheidungen treffen.

Es gibt außerdem Situationen, in denen Menschen ohne jede Vernunft Geld ausgeben. Die US-amerikanische Psychologin Kathleen Vohs fand gemeinsam mit Kollegen heraus, dass „saubere“ Geldscheine Menschen „großzügiger“ machten. „Manche Leute geben zum Beispiel blind viel Geld aus, wenn sie vom Bankautomaten mit einem Portemonnaie voller schöner neuer Geldscheine kommen, weil ihnen das ein Gefühl von Leichtigkeit vermittelt“, so Müller.

Wenn Ansehen, Aussehen und Sympathien das Kaufverhalten beeinflussen

„Schon allein das Aussehen eines Verkäufers kann einen Einfluss darauf haben, ob man ein bestimmtes Produkt kauft oder nicht“, erklärt der Verhaltensökonom Bernd Ankenbrand, der an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt lehrt. Er berichtet von Experimenten: Testpersonen sollten auf Basis von vorgelegten Fotos andere danach bewerten, für wie vertrauenswürdig und seriös sie sie halten. Dabei zeigte sich, dass es für Mitarbeiter der Finanzindustrie wie Fondsmanager ein Fluch sein kann, attraktiv auszusehen – sie waren beruflich weniger erfolgreich. Anders dagegen bei Autoverkäufern. US-Wissenschaftler fanden laut Ankenbrand heraus: Je besser Autoverkäufer aussahen, desto mehr Fahrzeuge verkauften sie.

Apropos Autos: „Manche Leute kaufen sich zum Beispiel teure Wagen, weil sie Anerkennung wollen“, erklärt Psychologin Müller. Ein anderes Muster: Jemand kauft sich einen bestimmten Pkw, weil er jemand Bestimmtes oder einen bestimmten Personenkreis nachahmen und mit dem Wagen „dazugehören“ will.

Distanz bewahren und kritisch bleiben

Es gibt aber auch noch andere Fehler im Umgang mit Geld. „Viele glauben selbsternannten Finanz-Gurus“, erklärt Ankenbrand. Das zeigte nach seinen Angaben ein Experiment, bei dem einem ausgewählten Personenkreis, der in Aktien investiert, Prognosen zugeschickt wurden. Den einen wurde mitgeteilt, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) steigen wird. Den anderen, dass der Dax fällt. Keine Frage: Bei einem solchen Experiment liegt der selbsternannte Guru in jedem Fall bei einem Teil der Empfänger mit seiner Prognose richtig. „Die Gefahr ist groß, dass Anleger ihm gegenüber leichtgläubig werden und dann womöglich falsche Finanzentscheidungen treffen“, sagt Ankenbrand. Sein Rat: Distanz wahren, kritisch sein und sich Informationen aus verschiedenen Quellen einholen, bevor man beim Geldanlegen eine Wahl trifft.

Erste Erfahrung prägt einen für die Zukunft

Generell gilt beim Geldausgeben: Man hört zwar von den Erfahrungen anderer, etwa von den Eltern. Doch letztendlich muss man bestimmte Situationen in finanziellen Dingen selbst erleben. „Das ist wie mit der Herdplatte“, erklärt Ankenbrand. Die Eltern sagen zwar wieder und wieder, dass sie heiß ist. Aber erst, wenn wir uns die Finger verbrannt haben, glauben wir es wirklich. „Eine solche eigene Erfahrung prägt einen für die Zukunft, das gilt auch in Finanzfragen“, so Ankenbrand.

Vor einem Kauf mindestens eine Nacht darüber schlafen

Eine andere Situation: Jemand hat einen anstrengenden Arbeitstag oder eine stressreiche Woche hinter sich und will sich nun belohnen. Also Laptop aufklappen und ein paar Online-Shopping-Seiten durchforsten. Auch dann ist die Gefahr groß, dass mehr oder weniger blind Geld ausgegeben wird. Doch wie kann man dies umgehen? „Es ist völlig okay, dass man sich nach einer anstrengenden Zeit selbst belohnen will“, sagt Psychologin Müller. Allerdings sollte eine Kaufentscheidung keinesfalls adhoc getroffen werden. Besser ist es, das ausgewählte Produkt erst einmal in den Warenkorb zu legen.

„Gerade bei größeren Kaufentscheidungen macht es Sinn, erst einmal eine Nacht oder zwei Nächte darüber zu schlafen“, sagt auch Ankenbrand. So nimmt man zunächst einmal Abstand von der Sache, das Unterbewusstsein verarbeitet das Gesehene und Gehörte zu dem Produkt, das man erwägt zu kaufen. Am nächsten oder auch am übernächsten Tag ist dann häufig eine Entscheidung in einer besseren Kombination von Intuition und Rationalität möglich.

Geld macht nicht automatisch glücklich

Übrigens: In den Köpfen vieler Menschen sind „Geld“ und „Unabhängigkeit“ gekoppelt. Ein Trugschluss, wie Müller betont: „Ich muss mir darüber im Klaren sein, dass mir Geld keine Unabhängigkeit gibt, sondern dass ich die nur in mir selbst finde.“ Da kann jemand selbst zum mehrfachen Lotto-Millionär geworden sein: „Wer vorher nicht unabhängig war, wird es auch mit den Millionen auf dem Konto nicht sein“, so Müller.

Generell rät die Psychologin dazu, Emotionen in Sachen Geld grundsätzlich zuzulassen. „Natürlich kann man sich beim Blick auf den Kontoauszug ärgern beziehungsweise freuen“, sagt sie. Entscheidend ist aus ihrer Sicht, dass diese Gefühle nicht alleine handlungsleitend werden.

Alle Ausgaben auf einen Blick

Sie wollten schon immer mal wissen, wie viel Geld Sie im Monat für Lebensmittel, Haushalt und Versicherung ausgeben? Dann ist das kostenlose Girokonto der ING vielleicht was für Sie. Mit der neuen Funktion „Kategorisierung“ können Sie im Internetbanking jederzeit checken, ob ihr Geld noch für die schicken Schuhe reicht. Neugierig? Mehr Infos gibt’s hier.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (13)


Kommentare

christian

17.04.2019

Der beitrag von BERTRAM am 8.4.19 ist so was von SUPER, dass dem nix zugefügt werden muss, aber was kann denn getan werden, dass diese vorschläge endlich auch realsiert werden ? -- das geht an die politik !!!! --- aber die massive lobby-arbeit der banken und versicherungen sollte unbedingt und heftig da nachdruck dahinter setzen


Karl

16.04.2019

Typischer Fehler?
Sich in den Einkaufsläden umsehen und von Verkäufern ansprechen lassen.
Nur einkaufen, wenn man wirklich was braucht und dann auch nichts anderes.


Angelika

12.04.2019

Ich selbst arbeite in der Finanzbranche, und bin immer wieder erstaunt, wie wenig "mündige" Bürger über Geld, Anlegen, Verträge wissen. Sicher versuchen alle mit Seitenlangen Informationen aufzuklären. Oft wird das jedoch nicht verstanden. Ich teile deshalb absolut die Meinung bereits in den Schulen das Thema Finanzen, Verträge zu behandeln. (Ab Klasse 8) Die Aufklärung kann hier nicht an die Eltern weitergegeben werden. Denn was Hans nicht lernt (gelernt hat), lernt Hänschen nimmermehr.


@Joe

10.04.2019

Ich bin vom Gehalt ausgegangen.
Nach Abzug ALLER KOSTEN müsste halt auch Geld vorhanden sein, um dieses Fehlerhaft in Anlagen anlegen zu können.
Da man aber keines oder kaum eines hat, kann man dies dann auch nicht raus finden.
;-)

Gruß
Holger


Joe

09.04.2019

@Holger: Vielleicht ist ja deswegen kein Geld da, weil Fehler gemacht wurden? Ich bin sehr arm aufgewachsen und habe es inzwischen zu einem ordentlich bezahlten Job und etwas Vermögen gebracht, aber ich kenne viele, die brauchbar verdienen, aber nicht wirtschaften können. Verdienst und Am-Ende-des-Monats-Geld-übrighaben muss nicht unbedingt miteinander etwas zu tun haben.


ING

09.04.2019

Hallo Tom, ja - das sollte klappen ;-) Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Tom

09.04.2019

Genau ich meinte die Anzeige der.vorgemerkten Lastschriften. Ist eine Umsetzung noch in diesem Quartal geplant?


ING

08.04.2019

Hallo Tom, wir werden im Laufe dieses Jahres unseren Kunden die Möglichkeit geben, mit ihrem Android-Smartphone mobil zu bezahlen. Den genauen Termin kommunizieren wir, sobald es geht. Meinen Sie die SEPA Pre-Notification? Die bieten wir bereits sein einigen Jahren an. Wir planen auch, die vorgemerkten Lastschriften kurzfristig anzuzeigen - bitte haben Sie hier noch etwas Geduld. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


ING

08.04.2019

Hallo Bertram, danke für Ihren ausführlichen Kommentar und Ihren Vorschlag. Wir versuchen, hier im Blog schon interessante Themen in genau diese Richtung abzuhandeln - z.B. gibt es auch einige Artikel zu Phishing. Ihren Wunsch nach einer Broschüre geben wir gern weiter. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Bertram

08.04.2019

Es würden keine Fehler beim Umgang mit Geld begangen werden, wenn endlich ab der 1. Klasse -> BARGELD Umgang beigebracht werden würde. So würden die Kinder auch Mathe lernen.

Dazu der Wert des Geldes - das man dafür arbeiten muss, es nicht einfach nur durch Eingabe von 4 Ziffern und der Karte einfach so aus dem Automaten "sprudelt".

Und gerade deshalb wäre digitaler Bargeld Ersatz absolut fehl am Platz!!!!!

Neben Bargeld wäre nur zu erwähnen: SEPA-Lastschrift, Überweisung, Dauerauftrag und höchstens noch Kreditkarte (inkl. Vor- / Nachteil und Gefahrenquellen).

Was wichtig wäre, wie damals bei mir ab der, glaube 7. Klasse jedoch am besten schon ab der 4. oder 5. Klasse -> Wirtschafts- und Rechtslehre.
Ab der 1. Klasse sollte einem schon beigebracht werden: Bargeld, Krankenversicherung (gesetzlich / privat), Bafög (wer studieren möchte bzw. die Möglichkeit), Rentenversicherung (gesetzlich / privat), Depot (Anfallende Gebühren, Fonds, Aktien, gegebenenfalls noch Anleihen und das Zertifikate, Optionen auf jeden Fall sehr Risikoreich sind).
Und bei allem: Was die Unternehmen (Sparkassen, Banken, Versicherungen) mit Ihren Produkten wollen, Vermittlungsgebühren, Kosten, etc.

@ING
Wie wäre es wenn Ihr für kleine ein Comic, für ältere eine Broschüre erarbeiten würdet?
Inhalt: Umgang mit Geld, Gefahrenquellen (nicht überall seinen Namen, Kontonummer, Kreditkarten Daten usw. einfach so anzugeben, sich genau anzusehen, wer die Daten möchte / braucht und warum).

Dieses Heft bzw. diese Broschüre könntet Ihr zur Kontoeröffnung verschenken bzw. mit einem niedrigen Preis versehen oder kostenfrei online zur Verfügung stellen -> zum anklicken bei der Kontonummer wenn derjenige online ist....mit Ausdruck Funktion.

Na wäre doch mal was???


Tom

07.04.2019

Können Sie endlich einen Termin nennen wann SEPA Preis notofication und Google Play eingeführt wird?


notting

05.04.2019

@Holger: Deswegen suche ich selbst bei eine Action-Cam für 10-20EUR nach Testberichten im Internet. Im konkreten Fall wollte mein Vater sich sowas aus dem Discounter holen.
Fazit der Testberichte: Beschissene Bildqualität. Aber von alleine kommt mein Vater nicht auf die Idee man in der Richtung zu suchen, bei anderen Sachen sucht er wie blöd, obwohl ja klar ist, dass die Discounter meist irgendwelchen Billig-Schrott im Angebot haben was das angeht :-(

Bei größeren finanziellen Sachen kaufe ich auch mal einen entspr. Testbericht der Stiftung Warentest oder so.

Nachteil wenn Groß-/Eltern für einen sparen: Ggf. ko-Kriterium bzgl. Bafög & Co.

Div. Leute lassen sich auch irgendwelche teuren Telekommunikationsverträge aufschwatzen, die für sie völlig übertrieben sind bzw. sie halt nicht nachrechnen bzw. nicht überlegen was sie brauchen oder sie übertreiben es mit der Nutzung. Hab z. B. ein Prepaid-Handy, mit dem man telefonieren und SMS senden/empfangen kann.
Vorteil: Den Absender kostet es i.d.R. extra Geld mich zu erreichen. Deswegen kriege ich keinen blödsinnigen unwichtigen Scheiß auf mein Handy was auch meine Nerven schont. Sonst wird man ja ständig massiv abgelenkt wg. eben unwichtigem Zeug.

notting


Holger

05.04.2019

Zuerst einmal muss um Fehler begehen zu können überhaupt noch Geld übrig sein.

Im laufe der Zeit habe ich gemerkt ich, dass ich immer weniger Geld zur Verfügung zu habe, um überhaupt Fehler beim Einkauf machen zu können.

Meinem Gefühl nach wird man nur noch betrogen und verarscht, es wird einem so viel eingeredet, was man "braucht".

Viele denken gar nicht an ihre Rente und da wäre es gut, wenn man selber vorsorgt. Am Besten mit einem Vertrag, der Pfändungssicher ist, wo der Staat etwas dazu gibt (ist auch nicht der große Hit) und der auf Fondsbasis läuft, da Aktien im laufe der Zeit alle anderen Anlageformen schlagen.

Eltern, Großeltern sollten bereits anfangen für ihr Kind, Enkel in so Verträgen anzulegen und bei Fonds / Aktien eine gute Mischung machen. Denn mal geht das eine hoch und mal das andere. Das was Augenscheinlich nur runter geht, sofort stoppen (Vertrag und anderen machen) bzw. raus werfen (Fonds, Aktien) und anders anlegen.