Flugzeug, Bus oder Bahn

Womit lässt es sich am besten reisen? | 22.05.2018

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In Ferienzeiten oder an Feiertagswochenenden entsteht leicht der Eindruck, ganz Deutschland begebe sich auf Wanderschaft – sei es zum Besuch bei Verwandten oder für einen Kurzurlaub in die Berge oder ans Meer. Auf den Autobahnen stören Staus, im Flugverkehr kann es leicht zu Verspätungen kommen und die Bahn fällt wieder mal aus. Wir wollen wissen, was ist denn das beste Verkehrsmittel, um quer durch die Republik und zu unseren EU-Nachbarn zu reisen?

Vor- und Nachteile des Fliegens

Klar: Für viele gilt das Flugzeug als das schnellste Verkehrsmittel. Doch der Eindruck täuscht. Gemessen an der reinen Flugzeit ist man zwar schnell am Ziel, Flughäfen liegen allerdings oft außerhalb von Städten. Die Fahrtzeiten vom und zum Flughafen schlagen ordentlich zu Buche. Zeitfresser warten auch am Flughafen selbst, etwa beim Check-In oder am Gate. Günstig kann das Fliegen im Vergleich zum Bus- oder Bahnfahren zwar sein, oft gibt es die besten Preise jedoch nur an Randzeiten – etwa am frühen Morgen, späten Abend, außerhalb der Ferien und nicht an Wochenendtagen.

Und was ist mit der Pünktlichkeit? „80 Prozent aller Flüge in Europa sind pünktlich“, sagt Christian Winkler, Verkehrsforscher beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Allerdings: Ein Flugzeug gilt auch noch als pünktlich, wenn es bis zu einer Viertelstunde zu spät landet. Bei der Bahn dagegen gilt ein Zug, der sich über fünf Minuten verspätet, bereits als unpünktlich. „Deshalb sind Flugzeug und Bahn in Sachen Pünktlichkeit nicht ganz leicht miteinander zu vergleichen“, betont Winkler. Bei deutlichen Flug-Verspätungen können Reisende immerhin Entschädigungen verlangen.

Vor- und Nachteile des Busfahrens

Ob mit einem Reise- oder mit einem Fernbus: Wer sich hierfür entscheidet, hat im Vergleich mit Flugzeug oder Bahn in der Regel die längste Reisezeit. Das liegt vor allem daran, dass auf vielen Strecken Staus vorprogrammiert sind. Vor dem Ticketkauf macht es daher Sinn, sich über die Route des Busses, die aktuelle Verkehrslage und größere Baustellen auf dem Weg zu informieren. Kommt es tatsächlich zu einer Verspätung, haben auch Fernbusreisende Rechte. Sie können Ansprüche beispielsweise in Form von unentgeltlichen Mahlzeiten oder Erfrischungen geltend machen.

Der große Vorteil dieser Reiseart: Im Vergleich zu Flugzeug und Bahn ist Busfahren deutlich günstiger. Zudem kann die Fahrt gut genutzt werden: ein Buch lesen, einen Kaffee trinken oder einen Plausch halten. Demgegenüber stehen Nachteile: So dürfen Reisende in der Regel zusätzlich zum Handgepäck nur ein Reisegepäckstück mitnehmen. Beim Marktführer Flixbus muss Zusatzgepäck gegen eine Gebühr von zwei Euro direkt beim Buchen mit angemeldet werden – eine Garantie, dass dafür Platz ist, bekommen Reisen jedoch nicht. Sperriges Sondergepäck und Fahrrädern kosten neun Euro extra.

Vor- und Nachteile des Bahnfahrens

Zugfahren mit der Deutschen Bahn kann günstig sein – neben einer Bahncard mit finanziellen Vorteilen lockt das Unternehmen oft mit Sparpreisen. „Nicht zuletzt aufgrund der Konkurrenz durch die Fernbusse hat die Bahn die Preise gesenkt“, sagt Winkler. Bahnreisende kommen somit günstig ans Ziel kommen – und komfortabel. Die Reisezeit lässt sich zum Essen, Schlafen oder Lesen nutzen. Auch schnell ist das Reisen mit der Bahn: Mittlerweile verkehren zwischen deutschen Metropolen ICE-Sprinter. Die Strecke zwischen Berlin und München dauert nur noch knapp vier Stunden.

Allerdings: Gemäß der Pünktlichkeitsstatistik der Deutschen Bahn waren Züge im Fernverkehr etwa im März 2018 deutlich unpünktlicher. Aus Sicht von Winkler kann dies aber nicht immer den Bahnbetreibern angelastet werden. „Das System ist komplexer als etwa der Busverkehr auf Straßen“, betont der Verkehrsforscher. Wenn unwetterbedingt Bäume auf Oberleitungen fallen und sie zerstören, ist die Reparatur oft zeitaufwändig und betroffene Streckenabschnitte nicht oder nur eingeschränkt nutzbar.

Über 400 Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland

Seit im Jahr 1994 die Bahnreform auf den Weg gebracht wurde, fiel das Eisenbahnmonopol des Bundes. Die Deutsche Bahn ist nicht das einzige Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), das auf dem deutschen Schienennetz unterwegs ist. Derzeit tummeln sich nach Angaben des Bündnisses Allianz pro Schiene über 400 EVU auf dem deutschen Markt.
Betreiber des deutschen Schienennetzes ist seit 1999 die DB Netz AG. Will ein EVU Trassen der Deutschen Bahn nutzen, muss es sich an die DB Netz AG wenden. Die Bundesnetzagentur hat hierbei eine Kontrollfunktion. Hier können sich EVU auch beschweren, wenn sie kein grünes Licht für Trassen der Deutschen Bahn erhalten.

Die Neuen: Busanbieter im Schienenverkehr

Das Münchner Start-up Flixbus setzt seit einiger Zeit auf den Gleisen Flixtrains ein und macht damit der Deutschen Bahn Konkurrenz. Die Angebote richten sich an Reisende, denen die Fahrt mit dem Fernbus zu zeitaufwändig und mit der Deutschen Bahn zu teuer ist. Tickets von Köln nach Hamburg gibt es bereits ab 9,99 Euro. Ein weiteres EVU, das auf dem deutschen Schienennetz unterwegs ist, ist etwa Thalys, mit Fahrten zum Beispiel von Köln nach Paris. Verlässlicher als die Deutsche Bahn können aber auch diese EVU nicht sein: „Wenn unwetterbedingt Züge umgeleitet werden müssen, dann erreichen auch diese Bahnen nicht unbedingt pünktlich ihr Ziel“, sagt Winkler.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

Joe

05.06.2018

Wie Umweltfreund sagt, die Umweltfreundlichkeit fehlt komplett. Gehen Sie mal auf atmosfair.de und geben Sie einen innereuropäischen Flug ein. Da wird mit einem CO2-Wert gerechnet, der 9-10 Litern Spritverbrauch entspricht, und das pro Person! Macht bei einem Urlaub mit 4 Personen 36-40 Liter Spritverbrauch auf 100 Kilometer. Deswegen bevorzuge ich im Urlaub das eigene Auto, Dieselproblematik hin oder her. 5-6l/100 km sind unschlagbar, da braucht sogar die Bahn mehr (2-2,5 l pro Person für 100 km).


Umweltfreund

30.05.2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
aus meiner Sicht wurde bei Ihrem Artikel über Flugzeug, Bus und Bahn das Wesentliche nicht aufgeführt. Die Schadstoffemission von Flugzeugen ist mehr als 10 Mal höher wie der bei Bus und Bahn. Für nicht geschäftlich Reisende verbietet sich daher das Fliegen. Nur Grün wählen hilft also nicht (siehe Bonusmeilenflieger C. Ö. ). Mit freundlichen Grüßen


notting

22.05.2018

Vor- und Nachteile des Auto fahrens hätte man etwas ausführlicher schreiben können (als quasi nichts zu schreiben)...
Selbst in Großstädten ist es in vielen Fällen so, dass man mit dem ÖPNV um ein vielfaches länger unterwegs ist wie mit dem Auto, Staus auf der Fahrbahn vs. getrennte Schienen bzw. Busspuren hin oder her. Teilw. sogar nur mit Schrittgeschwindigkeit und auch nur im Optimalfall, also wenn man exakt so zur Haltestelle läuft, dass genau wenn man ankommt der letzte ist der einsteigt (und da hat man noch kein Ticket gekauft)...

Und nein, ich bin nicht in den allerbilligsten Hotels unterwegs und suche nicht die ÖPNV-techn. bescheuertsten Route aus. Wenn sowas ist, liegt das quasi immer an der Weisung meines Arbeitgebers oder ich habe nix besseres z. B. bzgl. Fortbildung gefunden (wobei's da auch Anweisungen bzgl. Hotelkosten gibt)...

Also selbst wenn man vllt. auf dem Hin-/Rückweg mit dem Auto langsamer ist (was ich meist bezweifle, hab da öfters fast 1h(!) Umsteigezeit lt. Fahrplan(!) obwohl ich extra zum nächsten Bhf. fahre, wo ca. stündl. ein Zug pro Richtung fährt und zwischendrin auch Busse fahren), spart man dann ggf. am Ziel Zeit.

Bzw. auch bzw. gerade die Bahn ist schnell mal teurer wenn man nicht alleine unterwegs ist, auch bei hohen Spritspreisen. Z. T. ist es sogar billiger mit dem (vorzugsweise eigenen) Auto zu fahren, gerade wenn man ansatzweise flexibel (=Normalpreisticket), schnell (=ICE & Co.) und komfortabel (=1. Klasse) wie im Auto unterwegs sein will. Viele nutzen ja nicht mal ihre Wartungsintervalle aus (=diesbzgl. keine Mehrkosten) bzw. etwas Langstrecke tut vielen kurzstrecken-geplagten Autos auch mal gut.

notting