Die verrücktesten Steuern

Fiskalische Kreativität aus 2.000 Jahren | 27.04.2016

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Steuern sind so alt wie die Welt. Der Erfindungsreichtum der Regierungen bei der Einführung neuer Einnahmequellen war dabei schon immer grenzenlos. Eine Übersicht der verrücktesten Steuern finden Sie hier.

Von Haaren und Federvieh

Viele Steuern ergaben sich aus Launen unterschiedlicher Herrscher. Zum Beispiel die Bartsteuer, die 1705 durch Peter I., den Großen, eingeführt wurde. Auf diese Weise hat er versucht, seinen Untertanen die westliche Bart-Mode näherzubringen. 90 Jahre später hat die britische Regierung sehr zur Vertreibung der Perücken beigetragen. Sie gingen aus der Mode, als das damalige Finanzamt eine drakonische Steuer für parfümiertes Pulver zur Pflege von Perücken eingeführt hat.

Frei nach dem Motto „Mäuse statt Moneten“ versuchte der württembergische Herzog Karl Eugen ab 1789 eine Spatzenplage zu bekämpfen. Jeder Untertan musste ihm jährlich 12 lebende Spatzen bringen. Dafür erhielt er 12 Kreuzer aus der Staatskasse. Gelang der Fang nicht, musste man 12 Kreuzer zahlen.

Fenster zu!

In Frankreich beeinflusste die Fenstersteuer im 19. Jahrhundert die Bauweise vieler Häuser: Zur Straße hin hatten sie kaum Fenster und Türen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Häuserbauer damals besonders auf Kerzenlicht standen oder das Fensterglas besonders teuer war. Die Tür- und Fenstersteuer wurde nach einem komplizierten Tarifsystem gezahlt und hing neben dem Ort auch von der Anzahl der Fenster und Türen sowie deren Lage ab.

Heiter bis wolkig

Haben Sie schon mal von der Regenwassersteuer gehört? Sie wird in Polen von jedem Hausbesitzer gezahlt und entspricht im Prinzip unserer Niederschlagswassergebühr, die ein Teil der gesplitteten Abwassergebühr ist. Nicht zu verwechseln übrigens mit dem Wasserpfennig, der auch heute noch in einigen Bundesländern für die Nutzung von Grund- oder Oberflächenwasser abgeführt wird.

Aber nicht nur Regen, sondern auch Sonnenschein kann die Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Seit über 20 Jahren zahlen Restaurantbesitzer in Venedig eine Schattensteuer. Auf den Balearen wiederum wird nicht der Schatten, sondern die Sonne direkt besteuert: Touristen zahlen täglich 1 Euro Sonnensteuer – damit werden die Kosten für die Strandreinigung bezuschusst.

Geld stinkt nicht

Dieser Spruch stammt von dem römischen Kaiser Vespasian. Der besteuerte nämlich Urin aus öffentlichen Toiletten. In antiken Zeiten hatte der menschliche Urin einen hohen Marktwert, da er durch Gerbereien verwendet wurde.

Was bis heute vielen Sekttrinkern „stinkt“ ist die sogenannte Schaumweinsteuer. 1902 ursprünglich eingeführt, um die kaiserliche Kriegsflotte zu finanzieren, hat sie sich mit einer kurzen Unterbrechung (1933–1939) bis heute gehalten.

Bettensteuer, Steuern auf Fast Food oder etwas ganz anderes? Welche lustigen Steuern sind Ihnen noch begegnet? Nutzen Sie einfach unsere Kommentarfunktion und schreiben Sie uns von Ihrer „Lieblings“-Steuer.

Autor: Kerstin Strube



Ihre Meinung

Kommentare (17)


Kommentare

Ronny

19.05.2019

Die Lohnsteuer, ist wohl eine unberechtigte Steuer in meinen Augen. Warum kassiert der Staat für meinen Lohn steuern, den ich durch ARBEIT erworben habe. Noch nicht einmal auf dem Konto und schon besteuert- Und dann noch die vielen Mehrfachbesteuerungen für diverse Artikel etc.


Horst Norbisrath

22.04.2018

SOLDARITAETDPSZUSCHLAG, mittlerweile abartig.


R. Metzler

11.03.2017

Merfachsteuerbelegung für Einzelprodukte wie zum beispiel Benzin
Mehrwertsteuer und Mineralölsteuer usw.
sozusagen Steuern für Steuern.
ZITAT:
Focus online 01.02.17
Die EU gibt Wolfgang Schäuble Rückendeckung für seine Benzinsteuer-Pläne. Michael Haberland meint: Die Autofahrer werden schon einmal darauf vorbereitet, dass die Mehrfachbelastung durch Steuern und Abgaben weiter steigt.


G.Kühn

17.02.2017

Wenn Regierungen Geld benötigen, wird es immer etwas geben, was
man neu besteuern kann.


Kinderfreund

04.01.2017

Windeln 19% MWST
Tiernahrung 7 % MWST


Prof. Dr. Weiß

03.01.2017

Zweitwohnungssteuer (jaaa, die gibt es hier bei uns, die Gemeinde ist "kreativ"), Grundsteuer und GEZ-Steuer! Wobei mich Letztere zur Weißglut treibt.


Dagmar Kolibaba

08.10.2016

Ich finde die GRUNDSTEUER mies,
immerhin hat man beim Kauf eines Grundstückes bereits Steuern bezahlt und dann muss man das auch noch jedes Jahr erneut tun warum?


Feuerrabe

28.05.2016

Am absurdesten, ungerechtesten, klimaschädlichsten und damit kontraproduktivsten finde ich die von Schäuble und Gabriel geplante Sonnensteuer: Wer selbst (ohne Subventionen) Solarstrom erzeugt und ihn selbst verbraucht, soll künftig trotzdem EEG-Umlage, Netznutzungsumlage oder Stromsteuer zahlen, obwohl er genau das richtige für die Umwelt und gegen die Klimaerwärmung tut. Die Braunkohle-Dreckschleudern bleiben dagegen weiterhin ungeschoren!


Hamburg

22.05.2016

Es wir nicht mehr lange dauern, bis wir für Luft steuern zahlen müssen.
Jeder private und gewerbliche Haushalt müsste längst Insolvenz anmelden, wenn er so haushalten würde wie Vater Staat.


Daniel

19.05.2016

Am besten is doch immer noch die Soli Steuer.


ich

15.05.2016

Gewerbesteuer. der Unterschied reicht zu einem Hebesatz von 200 bis 900%. Verschuldete Kommunen nehmen oft einen hohen Satz und vergraulen Firmen die dann viel zahlen müssten. leidtragende sind kleine Unternehmen. weltkonzerne dagegen zahlen keine. Gewerbesteuer sind für kleine Unternehmen bis 300% mit der Einkommensteuer zu verrechnen. darüber nicht mehr. daher zahlt ein kleines Unternehmen oftmals mehr als wenn nur die Einkommensteuer bezahlt werden müssten.


Alois Bittler

03.05.2016

ALLE!!!


Reiner Dijkstra

30.04.2016

Am kreativsten sind die heutigen Steuerbetrüger.
Durch unberechtigte Mehrwertsteuer-Rückerstattung
und Cum-EX- Aktiendeals gehen unserem Staat hohe zweistellige Milliardenbeträge verloren und die Bundesfinanzminister sehen seit Herrn Eichel tatenlos zu. Eine Straftat ??


Andrea Egerer

29.04.2016

danke Oma! Bei uns wird es mit den Minuszinsen jetzt auch wieder warm im Bett.


heiko prinz

28.04.2016

am dreistesten ist die rundfunksteuer; egal ob man radio und fernsehen hat........zahlen muß man.......
wenn nicht droht knast


Hubert B. Vogel

28.04.2016

Herr Draghi ist die teuerste, unnötigste, undemokratischste und wirkungsloseste Steuer die
wir je erdulden mussten.
Viele Grüße an alle Geschädigten.
HBV


Werner Kistner

27.04.2016

nicht so lustig aber viel raffinierter und einträglicher und für die Steuerzahler wesentlich teurer sind die Nullzinspolitik und das Aufkaufen wertloser Staatsanleihen durch Herrn Draghi.