Erbschaft

Wie Erben verwaiste Konten finden | 04.10.2018

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© MartinPrescott - istock.com

Verwaiste Konten sind kein Einzelfall

Nicht immer läuft bei der Erbschaft alles rund. In manchen Fällen hatte der Verstorbene verwaiste Konten, von dem die Hinterbliebenen, die das Vermögen erben, nichts wussten. Umgekehrt hatte vielleicht das Geldinstitut lange Zeit keinen Kontakt mit dem Kontoinhaber und weiß nichts von dessen Tod und seinen Erben. Ein Einzelfall ist das nicht: Schätzungen zufolge sollen deutschlandweit rund zwei Milliarden Euro unbemerkt auf Konten von verstorbenen Menschen liegen.

Nachforschungsverfahren für Hinterbliebene oft kostenlos

Wer vermutet, dass noch irgendwo auf irgendeinem Konto etwas Erspartes liegt, kann Nachforschungen anstellen und einen entsprechenden Antrag zum Beispiel beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) stellen. Dieser hilft allerdings nur weiter, wenn es sich um eines seiner Mitgliedsinstitute handelt. Der Bankenverband vertritt über 220 private Banken, darunter die ING-DiBa. Im Auftrag der Erben forscht der BdB in bis zu drei Bundesländern bei den ihm angeschlossenen Banken nach verwaisten Konten von Verstorbenen. Hinterbliebene müssen dafür neben einem schriftlichen Antrag eine Kopie entweder eines Erbscheins oder Testaments mit gerichtlichem Eröffnungsvermerk einreichen. Das Verfahren ist nach BdB-Angaben kostenlos; mit Ausnahme von Berlin und den ostdeutschen Bundesländern, wo eine Gebühr von 20 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer anfällt.

Geld erben: Hier können Sie verwaiste Konten ausfindig machen

  • Auch andere kreditwirtschaftliche Verbände bieten den „Service Kontonachforschung“ an – zum Beispiel: die Volks- und Raiffeisenbanken.
  • Wer verwaiste Konten bei einer Sparkasse finden will, kann sich schriftlich an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband wenden. Dem Schreiben ist immer die Kopie eines Erbscheins oder Testaments beizufügen. Noch einfacher geht es per Mail: nachforschung@dsgv.de.
  • Hatte der Verstorbene vermutlich Rücklagen auf einem Konto in der Schweiz, können die Hinterbliebenen sich an eine zentrale Stelle wenden – den Schweizerischen Bankenombudsmann.

Bank muss Sparguthaben selbst Jahrzehnte später auszahlen

Liegen die Hinterbliebenen mit ihrem Verdacht richtig und stoßen auf verwaiste Konten, ist die jeweilige Bank in Deutschland dazu verpflichtet, das Guthaben auszuzahlen – auch, wenn die letzte Kontobewegung vor Jahrzehnten stattfand. Das entschied das Oberlandesgericht Frankfurt im Oktober 2004 (Aktenzeichen 2 U 12/04). „Es gibt in dem Zusammenhang keine Verjährungsfristen“, betont Klaus Hünlein, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Frankfurt am Main. Eine Verjährung beginnt erst mit der Kündigung eines Kontos zu laufen.

Inhalt der verlassenen Konten kommt auf Verwahrkonto

Nach den Erfahrungen von Hünlein sind einige Geldinstitute dazu übergegangen, verwaiste Konten intern aufzulösen, bei denen es seit zehn Jahren keine Bewegungen in Form von Ein- oder Auszahlungen gab. Die jeweiligen Guthaben würden zunächst auf ein sogenanntes Verwahrkonto transferiert. „Von dort aus wird das Geld nach einiger Zeit von den Banken selbst vereinnahmt“, erklärt Hünlein. Es gilt: Entdecken Erben ein mittlerweile aufgelöstes Konto, muss die Bank das Ersparte auszahlen. Verweigert sie, aus welchen Gründen auch immer, das Vermögen rauszugeben, sollten Verbraucher das Geldinstitut noch einmal schriftlich und unter Fristsetzung dazu auffordern. Sie können außerdem Kontakt zu den Ombudsleuten des jeweiligen Bankenverbands aufnehmen – oder gleich einen Anwalt einschalten.

Verwaiste Konten mit D-Mark-Guthaben

Ist das Sparguthaben der Erbschaft in D-Mark angegeben, können sich Kunden das Geld gemäß des offiziellen Umrechnungskurses (1 Euro = 1,95583 D-Mark) auszahlen lassen. Das gilt allerdings nicht für Sparbücher mit Ostmark. Diese zahlen die Banken nicht mehr aus, da die hierfür vorgesehene Umstellungsfrist ablief. Schlechte Karten haben auch jene, die Sparbücher mit einem Reichsmark-Guthaben aufspüren: Mit dem „Gesetz zum Abschluss der Währungsumstellung“ von 1975 gelten keinerlei Auszahlungsansprüche mehr.

Frühzeitig Kopien von Unterlagen fertigen

Zu überprüfen, ob verwaiste Konten ausfindig zu machen sind – das kann zeitaufwendig sein. Wer seine Hinterbliebenen entlasten will, sollte daher zu Lebzeiten vorsorgen. „Zum Beispiel können Kopien von Unterlagen zu bestehenden Konten Angehörigen ausgehändigt werden“, sagt Hünlein. Eine andere Möglichkeit: Kopien von Bankunterlagen an einem sicheren Ort hinterlegen, zum Beispiel in einem Safe. Dieser muss Erben natürlich bekannt und zugänglich sein. Eine weitere Möglichkeit: Sämtliche Konten mit Bankverbindung im Testament auflisten. So bleibt ganz sicher kein Konto lange unentdeckt.

Tipp: Um verwaiste Konten zu vermeiden, ist es ratsam noch zu Lebzeiten eine Bankvollmacht zu erteilen. Mit dieser kann eine Person Ihres Vertrauens ganz unkompliziert über Ihre Konten und Depots in Ihrem Namen verfügen. Die Person kann dies dann zu Lebzeiten und über Ihren Tod hinaus tun.

Autor: ING-DiBa

Artikel aktualisiert am 04.10.2018


Ihre Meinung

Kommentare (31)


Kommentare

ING

30.07.2019

Hallo Andreas, für diese doch recht spezielle Frage können wir Sie leider nur ein die o.g. Stellen verweisen. Oder Sie wenden sich an einen Anwalt Ihres Vertrauens. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Andreas

30.07.2019

Mein Vater ist 2002 in Frankreich verstorben, habe erst verspätet davon erfahren. Ich bin der einzige Hinterbliebene. Mir liegt nur die Sterbebestätigung des Krankenhauses und das Familienbuch vor, aber keine Erbschaftsdokumente. Kann ich trotzdem nach Konten suchen lassen.


ING

11.02.2019

Hallo Frank, eine Institution, bei der Sie sich melden könnten, ist uns nicht bekannt. Am besten erkundigen Sie sich mal bei einem Fachanwalt für Steuerrecht oder einem sog. Nachlassexperten nach der richtigen Vorgehensweise. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Frank

09.02.2019

Mein Vater ist seit 14 Jahren vrstorben. Er hat ein Nummern Konto in Luxemburg. Keiner weiss wo. Wie kann ich dieses ausfindig machen?


ING

03.12.2018

Hallo Gerhild, Ihr Wunsch ist schon bei uns platziert. Bitte haben Sie noch Geduld. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Gerhild

03.12.2018

ich wollte das gerne ausdrucken, aber die Formatierung der Seite läßt keinen vernünftigen Druck zu. Können Sie den Artikel und insbes. die mails mit einem Druckbutton versehen?


ING

30.11.2018

Hallo Marie, zum 24.11.2018 lautet unser Markenname ING. :-) Deshalb werden Sie bei künftigen Artikeln den Autornamen ING vorfinden. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


marie

30.11.2018

Autor ING-DiBa oder ab jetzt nur ING?


Martin

18.11.2018

Machen Sie doch bitte die Infos von WissensWert "vernünftig" ausdruckbar: Im Browser Firefox kommt auf den Druckbefehl nur Seite 1, bei "Seite vereinfachen" kommen nur die Kommentare ohne den Info-Text! - Oder habe ich da etwas übersehen (siehe k.kühl
12.09.2017)?
Mit freundlichem Gruß


Ernst Meinhardt

16.11.2018

Danke für Ihre rasche Antwort. Wir werden uns an die Raiffeisenkasse wenden. Dort hat meine Frau ihr seit über 40 Jahren nicht mehr genutztes Sparbuch.


ING

16.11.2018

Hallo Herr Meinhardt, für verwaiste Konten gelten auf jeden Fall andere Regeln als bei lebenden Kontoinhabern. Am besten setzt sich Ihre Frau mal mit der ausgebenden Bank in Verbindung. Die jeweilige Bank hat das Konto sicherlich in ihrem System. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Wolfgang

16.11.2018

"In manchen Fällen hatte der Verstorbene verwaiste Konten, von dem die Hinterbliebenen, die das Vermögen erben, nichts wussten."
Einem gruseligen deutsch - und keinem fällt das auf.


Ernst Meinhardt

16.11.2018

Gilt das, was Sie über geerbte verwaiste Konten schreiben, auch für eigene Konten, die man lediglich vergessen hat? Jetzt ist ein Sparbuch aufgetaucht, das meine Frau in den 60er oder 70er Jahren, also als Schülerin, letztmals benutzte. Mit freundlichen Grüssen Ernst Meinhardt


Willi Verhaegh

15.11.2018

1% Zinsen, das ist nur Augenwischerei. Es gilt nur für Neukunden und "Neues Geld". Für Bestandskunden wird nichts getan. Ich bin seit 2008 Kunde. Mittlerweile ist die ING aber nur noch 2. Wahl. Ich bin dabei alles auf die neue Bank umzuziehen.


Lieschen

15.11.2018

Wer garantiert eigentlich die Ehrlichkeit der Betroffenen Banken? Eine Bank , die einen Nachforschungsauftrag erhält, weiß doch dann, dass der ehemalige Besitzer nicht mehr lebt, und dass die Erben offensichtlich keine Informationen über eventuelle Konten haben! Sie könnte also behaupten „wir haben nix“ - und das Geld einstreichen. Merkt ja keiner!


ING

15.11.2018

Hallo Frau Lersch-Schumacher, bitte klicken Sie einmal auf diesen Link: www.ing-diba.de/kundenservice/konto-und-depot-verwalten/formulare/#!k_info_todesfall Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Barbara Lersch-Schumacher

14.11.2018

Stellen Sie ein Formular für eine Verfügungsvollmacht für Hinterbliebene zur Verfügung?

Gruß und Dank! - BLS


Frank

30.10.2018

Am Besten es würde ein Zentralregister bestehen, bei dem Kontoeröffnungen, Schließfächer und Konto Schließungen festgehalten sind. Dann kann auch nichts verloren gehen.
Bzw. am Besten gleich bei der Testaments Hinterlegung.
Der Staat frägt am Ende sowieso wo das Geld her kommt, dass man geerbt hat bzw. dann wenn sich bei der nächsten, eigenen neuen Steuererklärung mehr Zinsen und Erträge befinden als in den Vorjahren.


RÜD Cologne

26.11.2017

Dìe Antwort zur Anmerkung von Karl-Heinz B -theoretischer Selbstschutz der Banken und Bankvollmacht - würde mich noch interessieren.


ING-DiBa

21.09.2017

Hallo Horchemal, wenn Sie in den Bankunterlagen als Erbe benannt wurden, muss ein Vertrag zu Gunsten Dritter vorliegen. Wird uns mitgeteilt, dass ein Kunde verstorben ist, schauen wir, ob uns etwas vorliegt. In dem Fall kommen wir auf Sie zu. Teilt uns niemand mit, dass der Kontoinhaber verstorben ist, können wir nicht reagieren. In vielen Fällen wird die Bekanntgabe allerdings auch von Behörden durchgeführt. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Horchemal

18.09.2017

Was ist, wenn der Erblasser zwar mich in den Bankunterlagen zum Verwahrkonto erkennbar als Erbe benannt hat, ich aber davon nichts weis und andere Erbnachweise nicht existieren ?
Muss sich das Geldinstitut an mich wenden, oder wie wird da verfahren ?


Mr. T.

15.09.2017

Hallo, toll wäre einmal ein Artikel über die Herangehensweise bei Schließfächern von Verstorbenen. Wie aufspüren etc....?

Mit freundlichen Grüßen


ING-DiBa

15.09.2017

Hallo D.O., die Länder haben die verschiedensten Vorgehensweisen bzw. Verfahren. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir keine weiteren Länder aufgeführt haben. Bei Fragen wenden Sie sich am besten direkt z.B. an einen Nachlassverwalter oder einen Notar. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


ING-DiBa

15.09.2017

Hallo BriBa, wir empfehlen Ihnen, sich kurz telefonisch an unsere Kollegen zu wenden: Unter 069 / 34 22 24 können Sie Ihr Anliegen mit ihnen bestimmt klären. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


BriBa

14.09.2017

Wie kann ich mit Vollmacht für die Konten bei der IngDiba verfügen ohne Zugangsdaten vom Verstorbenen erhalten zu haben, bzw. er änderte dauernd die Passwörter ??


Karl-Heinz B

13.09.2017

Jede Bank, die ich kenne, sperrt die Konten aus Selbstschutz, sobald der Tod des bzw. eines Kontoinhabers bekannt wurde - solange bis die Erbfolge klar ist. Eine Bankvollmacht gilt daher nur in der Theorie über den Tod hinaus. In der Praxis kommt es kaum vor.


ING-DiBa

13.09.2017

Hallo k.kühl, gern geben wir Ihre Anregung weiter. Bitte nutzen Sie doch die Druckoptionen Ihres Browsers. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


D.O.

12.09.2017

Erwähnt werden nur Banken in Deutschland, und der Schweiz. Wie sieht es aber im Rest der EU aus ? z.B. Grossbritannien ?


k.kühl

12.09.2017

machen Sie doch gerne diese Dinge "vernünftig" ausdruckbar(?)- oder habe ich da etwas übersehen. mit freundlichem Gruß


Pentaur

12.09.2017

und einen Bart hat er auch - so gewöhnlich :-o
aber die Informationen im Text fand ich Super


Max

09.09.2017

Immer diese Tätattowierten auf den Bildern *Kopfschüttel*, wahrscheinlich frisch aus dem Gefängnis und sich erstmal übers Erbe hermachen wollen.