Vorsicht, Abofalle

Schützen Sie sich vor Fallen beim WAP-Billing | 10.03.2017

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© innatyshchenko – fotolia.com

Für viele ist WAP-Billing noch immer ein Fremdwort – obwohl dubiose Dienste auf diesem Weg seit Jahren Mobilfunkkunden abzocken. Deshalb gilt: Schützen Sie sich vor Fallen. Das geht einfacher als Sie denken.

WAP steht für Wireless Application Protocol, eine vor vielen Jahren eingeführte Technologie zur Datenübertragung. WAP-Billing ermöglicht, über die Mobilfunknummer zu zahlen. Anfallende Kosten, zum Beispiel städtische Parktickets, können bei Kontakt über ein Mobilfunknetz direkt über die Mobilfunkrechnung („Billing“; engl. für Abrechnung) beglichen. Der Dienstleister bekommt beim Kauf Ihre SIM-Kartennummer übermittelt. „Der Anbieter schaut, welchem Mobilfunkprovider die Nummer zugeordnet ist “, erklärt Ralf Trautmann vom Portal „Teltarif.de“. Er berechnet dann sein Tun.

Wofür ist WAP-Billing gut?

„In diesem Bezahlverfahren liegt viel Potenzial, da es eine gute Alternative zum Kleingeld ist“, sagt Nick Kriegeskotte vom Digitalverband Bitkom. Zahlen, wie häufig Verbraucher in Deutschland WAP-Billing nutzen, gebe es nicht.
 
Wie funktioniert die Abzocke beim WAP-Billing? WAP-Billing nutzen Kriminelle, die die Technik für ihre Zwecke missbrauchen. „Leute, die versuchen, Abos unterzuschieben, haben damit einfache Möglichkeiten“, sagt Trautmann. Oft ist die Abzocke verschleiert. Dann reicht oft ein einziger Klick auf einem Werbebanner in einer Spiele-App aus, um einen Kauf auszulösen.
 
In einigen Fällen befinden sich die Kaufbuttons unter einem anderen Bildschirmfenster – wer dann auf das Fenster klickt, löst den darunterliegenden Button aus. Der Besuch einer Website verursacht in Extremfällen ebenfalls Kosten, ohne, dass Sie das merken. Das Problem bei all diesen perfiden Vorgehensweisen: „Sie sind nicht immer zu erkennen“, sagt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wo lauern beim WAP-Billing besonders häufig Gefahren?

Besonders oft lauern WAP-Billing-Fallen in werbefinanzierten Apps auf dem Handy. Klicken Sie dort generell nicht auf Banner, rät Trautmann. Im Browser laufen Nutzer ebenfalls Gefahr, mit unbedachten Klicks unbemerkt kostenpflichtige Verträge abzuschließen. Häufig geht es um Klingeltöne, Spiele, Service-Themen und Erotikinhalte. Generell klappt WAP-Billing, wenn das Smartphone per Mobilfunk mit dem Internet verbunden ist. Im WLAN funktioniert es nicht, weil Drittanbieter dort die SIM-Kartennummer nicht erhalten. Die Gefahr lauert also vor allem unterwegs. 

Wie schütze ich mich beim WAP-Billing?

Surfen im WLAN ist nicht die einzige Schutzmöglichkeit beim WAP-Billing. Einzelne Mobilfunkanbieter nutzen ein „Handshake“-Verfahren. Ehe sie etwas berechnen, schicken sie dem Nutzer eine SMS mit der Bitte um Bestätigung, wie Trautmann erklärt. Wer ungewollt etwas bestellt, bekommt damit die Gelegenheit, selbst zu reagieren – und den Kauf nicht zu bestätigen. Die Regel war dieses Verfahren lange nicht. Kriegeskotte zufolge verfügen bis Ende 2016 „nahezu alle großen Mobilfunkunternehmen“ über ein Redirect-Verfahren. Damit leiten die Anbieter den Verbraucher vor dem Bezahlen auf eine Zwischenseite des Netzbetreibers weiter und fragen dort noch einmal, ob er dieses Produkt oder diese Dienstleistung kaufen möchte. Erst dann erfolgt der Kauf.

Wie klappt sicheres WAP-Billig sonst noch?

Eine weitere Möglichkeit für sicheres WAP-Billing ist eine Drittanbietersperre. Dann können Dritte nichts mehr über die Mobilfunkrechnung einfordern. Die Sperre lässt sich bei allen großen Providern einrichten, sagt Trautmann. Oft ist der Nutzer, der von sich aus sich an den Anbieter wendet. Nachteil: Kostenpflichtige Anruf- und SMS-Dienste können ebenfalls von einer Drittanbietersperre betroffen sein. Das hängt vom Anbieter ab.

Was tun, wenn ich nach WAP-Billing eine falsche Geldforderung erhalte?

Käufe im Internet sind wirksam, wenn Nutzer dem Kauf explizit über einen Kaufen-Button zustimmen. Ist dieser Button verschleiert, komme kein Vertrag zustande, sagt Verbraucherschützerin Steffen. Dann sind Sie nicht verpflichtet zu zahlen. Beanstanden Sie Geldforderungen, die Sie für falsch halten, empfiehlt Steffen. Dem Mobilfunkprovider erklären Sie schriftlich, dass Sie den Vertrag mit dem Drittanbieter für unwirksam halten. Die Frist beträgt acht Wochen nach Rechnungszustellung. Damit umgehen Sie das Risiko, dass der Provider bei Nicht-Zahlung der strittigen Beiträge den Netzzugang sperrt.

Und was ist, wenn ich per Lastschrift zahle?

Wer WAP-Billing per Lastschrift zahlt, kontaktiert zügig den Provider, um den Posten des Drittanbieters von der Rechnung entfernen zu lassen. Abwimmeln und auf den Drittanbieter verweisen: Das dürfen Mobilfunkunternehmen einem Urteil des Landgerichts Potsdam zufolge (Az.: 2 O 340/14) nicht, solange sie über die Mobilfunkrechnung Geld für die Leistungen fordern.
 
Gezahltes Geld fordern Sie vom Drittanbieter zurück. Der Kontakt zum Drittanbieter ist oft nicht leicht herauszufinden: Hier hilft der Mobilfunkanbieter. Es lohne sich, beim Mobilfunkprovider um eine Rückzahlung zu kämpfen. „Einige Anbieter machen das aus Kulanz“, sagt Steffen. 

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (11)


Kommentare

Wolfgang Zürn

21.03.2017

Ihre Ratschläge sind echt hilfreich!


Gabriele K.

18.03.2017

Trotz, dass ich mich sehr mit diesen Themen beschäftige, war mir noch nicht bekannt, dass via Wlan ein gewisser Schutz besteht. Sehr guter Artikel! Vor allem auch für ältere Leute (z.B. meine Schwiegereltern) sehr verständlich erklärt. Die älteren Herrschaften sind ja meist vollkommen überfordert mit den englischen Begriffen und umständlichen Erklärungen. TOP!


Christian Niepelt

18.03.2017

Abhilfe schaffen und Drittanbietersperre beim Provider einrichten lassen. Solange der Verbraucher solchen "Methoden" ausgesetzt wird, halte ich das Verfahren für zu unsicher.


pampers

17.03.2017

Ich kaufe grundsätzlich nichts übers Handy. Trotzdem danke für die Hinweise


Ernestozck

17.03.2017

Danke für die nützlichen Artikel.
Bin kürzlich auch in so eine "WAP-Billing Falle" getappt....Habe lediglich eine Webseite vergrößert und schon ein Abo abgeschlossen! Der Mobilfunkbetreiber hat mir aber aus Kulanzgründen den Betrag wieder gutgeschrieben und mir eine Drittanbieter-Sperre eingerichtet.


Hellmut

17.03.2017

Klar dargestellt - war füt mich interessant - nun weiß ich Bescheid


ingid r.

16.03.2017

ich kaufe nichts übers handy ein.mein rechner ist zu hause.meine überweisungen sind sichere anbieter. was ich nicht kenne, lasse ich die finger von.
ich war schon 2x betrogen worden- amazon und noch ein anderer anbieter wovon ich noch nie was gehört habe. ich habe dicke rechnungen vor mir gehabt.da ich aber keine ware entgegen genommen habe, keine unterschrift von mir da war, habe ich anzeige erstattet.
aus der traum mit abzocken. .ansonnsten gehe ich meistens mit dem handy über mein eigenes w lan.


Volker Racho

14.03.2017

Es wäre noch wichtig gewesen auf die Drittanbietersperre hinzuweisen: Diese kann man sich von seinem Mobilfunkbetreiber schnell und kostenlos einrichten lassen. WAP-Billing ist dadurch gesperrt und Abo-Fallen ein Riegel vorgeschoben.


Lutz Uhsemann

14.03.2017

gute tips, danke


Juan Orta

13.03.2017

Es Währe leichter einfach mit dem eigenen Handy in der Kasse ein Ticket mit Barcode Scannen und gleich Automatisch Bezahlt mit eine Bestätigung vom Bank.


Marcel Bomhoff

11.03.2017

Vielen Dank, super informativ :)