Dauerniedrigzinsphase: Warum senkt die EZB die Zinsen?

Die Doppelstrategie der EZB | 23.06.2014

2014-06-23 | Dauerniedrigzins


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Die Europäische Zentralbank (EZB) schreibt weiter Geschichte: Der Leitzins, der Preis, den Banken für ihren Kredit bei der EZB zahlen, steht auf mageren 0,15%. Der Einlagenzins, den Banken beim Geldparken bei der EZB erhalten, ist sogar negativ. Aber was sind eigentlich negative Zinsen und Nullzinsen, und warum macht die EZB das?

Die Rolle der EZB

Hauptaufgabe einer Zentralbank ist es, für Währungsstabilität zu sorgen. Zu viel Inflation ist nicht gut, zu wenig aber auch nicht. Eine Zentralbank versucht über den Zins, die Konjunktur und damit letztendlich auch die Inflation zu steuern. Denn die Höhe des Zinses beeinflusst die Bereitschaft von Unternehmen und Verbrauchern zum Sparen, Investieren oder einer Kreditaufnahme. Bei hohen Zinsen wird mehr gespart und weniger investiert, wodurch die Konjunktur eher abgebremst wird. Bei niedrigen Zinsen steigt die Kreditaufnahme. Gleichzeitig sinkt die Hürde für realwirtschaftliche Investitionen.

Warum tritt die EZB wieder in Aktion?

In vielen Ländern im Euroraum nimmt die Konjunktur immer noch keine Fahrt auf. Das erwartete Wachstum von rund 1% für dieses Jahr im Euroraum ist nach 2 Jahren Schrumpfkurs zu wenig. Selbst wenn man den positiven Prognosen glaubt, dauert es noch 3 bis 4 Jahre, bis die Wirtschaft des Euroraums wieder auf dem Niveau vor der Krise angekommen ist. Da kann geldpolitische Unterstützung nicht schaden.

Was bedeutet der geldpolitische Schritt?

Mit der erneuten Leitzinssenkung und dem negativen Einlagezins verfolgt die EZB ein großes Ziel: Sie will die nach wie vor schleppende Kreditvergabe im Euroraum wieder ankurbeln. Seit Anfang 2012 schrumpfen die Kredite im Euroraum. Während das schwache Kreditwachstum in Deutschland eher darauf zurückzuführen ist, dass Unternehmen häufig gefüllte Kassen haben und Investitionen aus eigener Kraft stemmen können, bremsen in Griechenland, Spanien oder Portugal die im Vergleich zu Deutschland teureren Kredite sowohl Unternehmen als auch Verbraucher. Die EZB verfolgt zum Erreichen ihres Ziels eine Doppelstrategie: Mit dem negativen Einlagenzins und noch mehr billigem Geld sollen Banken angeregt werden, mehr Kredite zu günstigeren Konditionen auszugeben. So soll letztendlich Wirtschaftswachstum und dann auch Arbeitsplätze geschaffen werden. Für die EZB geht es darum, die gesamte Wirtschaft des Euroraums wieder in Schwung zu bringen.

Wird die Strategie aufgehen?

Die Strategie der EZB kann, muss aber nicht aufgehen. Es gibt keinen Automatismus, dass billiges EZB-Geld auch wirklich zu einer steigenden Kreditvergabe führt. Die Kreditwürdigkeit von Unternehmen ändert sich dadurch natürlich nicht. Die EZB hat also keine Garantie dafür, dass ihre Maßnahmen auch greifen werden. Denn die Probleme im Euroraum – und vor allem im Süden – sind nicht nur konjunktureller, sondern auch struktureller Art.


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