Ein Baby ist unterwegs

Was Eltern jetzt steuerlich beachten müssen | 12.11.2019

Elterngeld

In vielen Fällen lohnt sich ein Steuerklassenwechsel für werdende Eltern. Dadurch kann sich das Elterngeld um mehrere hundert Euro erhöhen. Womit Mamas und Papas in spe sonst noch Steuern sparen können.

Es ist ein Steuertrick, der völlig legal ist. Erwarten zwei Verheiratete ein Kind, können sie mit einem Steuerklassenwechsel ihr Elterngeld erhöhen.
 
Generell können Ehepartner zwischen diesen Steuerklassenkombinationen wählen:

  • Steuerklasse IV: Nach der Eheschließung teilt der Fiskus in der Regel beiden berufstätigen Partnern die Steuerklasse IV zu. Optimal ist die Kombination bei Partnern mit ungefähr gleichem Einkommen.
  • Steuerklasse IV mit Faktor: Hierbei werden schon beim monatlichen Lohnabzug Freibeträge oder Pauschalen unter den beiden Partnern prozentual genau aufgeteilt. Größere Steuer-Nachzahlungen oder –Erstattungen bleiben aus – vorausgesetzt, dass die persönlichen Verhältnisse des Paares im laufenden Jahr gleich bleiben.
  • Steuerklassen III + V: Diese Kombination ist ideal, wenn einer der Partner 60% oder mehr zum Haushaltseinkommen beisteuert. Der Besserverdienende wählt Klasse III und hat niedrigere Abzüge. Der andere wählt Klasse V.

Steuerklassenwechsel wenn Nachwuchs ansteht

Maßgeblich für die Höhe des Elterngeldes ist immer das Nettogehalt vor der Geburt“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine in Berlin. Daher kann es sich rechnen, wenn der Partner, der das Elterngeld bezieht, in die günstigere Steuerklasse III wechselt. „Dadurch erhöht sich das Netto-Einkommen und damit später auch das Elterngeld“, sagt Rauhöft.
 
Der Wechsel empfiehlt sich selbst dann, wenn der betreffende Partner eigentlich ein niedrigeres Einkommen hat als der andere. Zwar verfügt das Paar vor der Geburt des Kindes über weniger Geld – der Grund: Der besser verdienende Partner hat mit Steuerklasse V höhere Abzüge. „Das bekommt das Paar aber über die Steuererklärung zurück“, stellt Rauhöft klar.
 
Gut zu wissen: Nicht unbedingt sinnvoll ist der Wechsel, wenn Elterngeldbezieher bereits den Höchstbetrag von 1.800 Euro erhalten. Ein durch den Steuerklassenwechsel erhöhtes Netto hätte in diesem Fall keinen Effekt. Ermitteln lässt sich die Höhe des Elterngeldes zum Beispiel online mit diesem Elterngeldrechner.

So gehen Sie beim Steuerklassenwechsel vor

Derjenige, der die Steuerklasse wechselt, muss ein Antragsformular ausfüllen und beim Finanzamt abgeben. Das Formular ist im Internet abrufbar. „Elektronisch kann der Antrag bislang nicht ans Finanzamt übermittelt werden“, erklärt Rauhöft.

Achtung, Frist beachten: Der Wechsel sollte so früh wie möglich beantragt werden. Wählt die Frau die Steuerklasse III, sollte der Antrag sieben Monate vor dem Monat gestellt werden, in dem der Mutterschutz beginnt. „Die günstigere Steuerklasse muss mindestens sechs Monate gelten, damit der Fiskus sie anerkennt“, so Rauhöft. Einen Monat müssen Paare hinzurechnen, da die neue Steuerklasse generell erst im Monat nach dem Antrag gilt.

Kindergeld? Oder besser Kinderfreibetrag?

Ob Kindergeld oder Kinderfreibetrag – Familien haben Anspruch nur auf eine der beiden Leistungen. Das ist die für sie steuerlich günstigere. „Welche das im Einzelfall ist, ermittelt das Finanzamt automatisch bei der Bearbeitung der jeweiligen Steuererklärung“, so Rauhöft.

  • Kindergeld: Gleich nach der Geburt des Kindes sollten Eltern Kindergeld beantragen. Anlaufstelle ist die für den jeweiligen Wohnort zuständige Familienkasse. Seit dem 1. Juli 2019 beläuft sich das Kindergeld auf 204 Euro. Für das dritte Kind gibt es mit 210 Euro mehr Geld, ab dem vierten Kind 235 Euro. Die Familienkasse überweist den Betrag Monat für Monat auf das Konto eines Elternteils. Wichtig: Unbedingt auf Fristen achten! Die Familienkasse zählt das Kindergeld rückwirkend nur noch für sechs Monate.
  • Kinderfreibetrag: Anspruch auf den Kinderfreibetrag haben beide Elternteile. Für ein gemeinsam veranlagtes Ehepaar sind das derzeit 7.620 Euro. Unverheirateten steht jeweils die Hälfte zu.

„In vielen Fällen lohnt sich für Familien das Kindergeld aber mehr“, sagt Rauhöft. Erst wenn Ehepaare mit einem Kind über ein Jahreseinkommen von mehr als 70.000 Euro verfügen, profitieren sie mehr vom Kinderfreibetrag.

Steuerlast noch für 2019 senken

(Werdende) Mütter beziehungsweise Eltern können noch in diesem Jahr einiges tun, um für 2019 die Steuerlast zu senken. Manches können sie in der Steuererklärung unter „außergewöhnliche Belastungen“ geltend machen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Ärztlich verordnete Schwangerschafts- und Geburtsvorbereitungskurse, sofern die Krankenkasse dafür nicht aufkommt.
  • Rechnungen für Medikamente, die die Krankenkasse nicht zahlt.
  • Fahrtkosten zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt.

Hier gibt es weitere Infos. Wichtig ist, dass die Rechnungen noch in diesem Jahr bezahlt wurden beziehungsweise werden.
 
Sämtliche Kosten im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt können Eltern jedoch nicht absetzen. Für einen Teil müssen sie selbst aufkommen. Es gilt die sogenannte zumutbare Belastungsgrenze. Wie hoch diese ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. Hier spielen Faktoren wie der Familienstand, die Anzahl der Kinder oder die Höhe der Einkünfte eine Rolle.
 
Tipp: Eltern sollten auch dann Kosten in der Steuer angeben, wenn diese unterhalb der Grenze liegen. Der Grund: Das Bundesverfassungsgericht prüft derzeit, ob die zumutbare Belastungsgrenze mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sollten die Richter diese Regelung kippen, bekommen Eltern vom Fiskus womöglich auch rückwirkend Geld zurück.

Autor: ING


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Kommentare (10)


Kommentare

Max aus Leipzig

21.11.2019

Elterngeld und Mutterschutz Geld bleiben höherer ... Meine Kontodaten bringe ich nicht als Beweis ein. Wie gesagt Berechnung z.b. Mutterschaftsgeld Wikipedia.

Und Gesundheit und Elternzeit genießen.


Joe

19.11.2019

@so ein Blödsinn: Ich glaube, dass Sie derselbe Poster wie "auch totaler Unsinn hält sich hartnäckig" sind. Dann bringen Sie doch bitte mal Fakten, warum das hier Beschriebene nicht funktionieren soll.
Der Sinn der Diskussion ist, wie man sein Nettoeinkommen zeitweise höher schraubt, damit das Elterngeld sich erhöht. Dass der Partner dafür zeitweise mehr Steuern zahlt und sich mit dem Steuerausgleich die Steuern wieder nivellieren, wissen wir alle. Nur: Das Elterngeld bleibt trotzdem höher, und insgesamt hat man, obwohl die Steuern nur verschoben werden, damit mehr Geld.


Oma

18.11.2019

frueher gab es gar nichts außer 50 DM kindergeld
also sollen mal alle den ball ein wenig flach halten und froh sein, das der staat hier den eltern inzwischen mehr als großzuegig finanzielle geschenke macht...


so ein Blödsinn

16.11.2019

nur geldgeile Steuerberater werden aus purem Eigennutz behaupten so ein Wechsel lohnt sich. Dabei könnte Euch jeder ehrliche Steuerfachangestellte bestätigen, dass alles hier beschriebene in der Realität nur eine Verschiebebahnhof zur Verwirrung von sich klug haltenden Typen ist und der Staat Euch am Ende gewiss nichts schenkt. Zumal inzwischen die wenigsten Mitbürger das Kopfrechnen noch sicher und richtig beherrschen.
Aber was solls: heute wird sowieso immer öfter Wissen durch Glauben ersetzt. Und heute gibt es sowieso immer mehr selbst ernannte Experten.


Max aus Leipzig

15.11.2019

Alleinerziehende

Da kenn ich mich nicht aus. Würde versuchen einen Steuerfreibetrag zu beantragen. Sollte auch ihr Netto erhöhen.
Somit höheres Netto höheres Mutterschaftsgeld höheres Elterngeld.
Sollte auch bei ... Unverheirateten Paaren funktionieren
Mal Google befragen.


Alissa

15.11.2019

Und wo bleibt der Steuervorteil für Alleinerziehende Eltern?


Max aus Leipzig

15.11.2019

Ja, Steuerklassen Wechsel lohnt sich ...

1.wenn Wechseln dann auf Steuerklasse 3 und 5. Damit ergibt sich ein hoher Unterschied der dann zu zahlenden Steuer ... auch bei Ehepartner einen sehr ähnlichen Bruttolohn verdienen... Und somit ein höheres Netto für die Ehefrau
2. Bitte denke Sie an die Berechnung die Berechnung des Mutterschaftsgeldes... Das wird i.d.R. 6 + 8 = 14 Wochen gezahlt ... Wichtig schaut euch die Berechnung an ... Wikipedia ... Das Mehr zählt euer Arbeitgeber!!!
3. Ein Steuerklassen wechsel zurück kann ja theoretisch nach der Geburt wieder erfolgen
4. Sehr schnelles reagieren nach feststellen der Schwangerschaft ist dringend notwendig... Um ein besseres Elterngeld zu bekommen... Das Finanzamt der Arbeitgeber brauchen ein paar Tage... Und das Mutterschaftsgeld also der Mutterschutz zählt i.d.R. nicht zu der Berechnung des Zeitraums dazu ... Wird der Vorteil beim Mutterschaftsgeld bleiben das höhere Elterngeld könnte es nicht geben
5. Ja es gibt eine Höchstgrenze beim Elterngeld... Wer sich darüber ärgert... zwei Anmerkungen was wäre wenn das Kind 2005 geboren wäre und die gesetzliche Rente hat auch ein Höchstgrenze ...
6. Haben Sie ein paar Euro in Rücklage bei dem Steuerspiel... Sie haben i.d.R. in den mindestens 8 Monaten vor der Geburt wenig Familien Netto

7. Gesundbleiben und die Elternzeit genießen

Max Vater von 3 Kindern


Joe

14.11.2019

@auch totaler Unsinn hält sich hartnäckig
Gibt es irgendwelche Belege für Ihre Behauptung? Normalerweise ist die Steuerklassenaufteilung egal, da nach dem Jahresende mit der Einkommensteuererklärung die Unterschiede wieder ausgeglichen werden. Da geht es nur um eine Steuervorauszahlung oder -nachzahlung.
In dem vorliegenden Fall, wenn es um Elterngeld geht, ist es sehr wohl wichtig, wer welche Steuerklasse hat, da damit über das Nettoeinkommen und somit über die Höhe des Elterngeldes entschieden wird.


Achtung

14.11.2019

Die Aussagen um Text stimmen nicht in allen Fällen!
Es kann sein, das es sich lohnt, für den Ehepartner, der Elterngeld beantragt in die "schlechter Steuerklasse zu wechseln!
Beispiel: wenn man neben den Elterngeld auch noch Teilzeit arbeit und Netto auch mit der schlechten Steuerklasse über 2770 Netto (Netto-Deckelbetrag) verdient.
Leider habe ich dies in noch keinem Artikel zum Elterngeld gefunden. Wenn man den Tipps zum Steuerklassenwechsel blond vertraut, können das schnell 500Euro im Monat weniger sein!
Der Elterngeldrechner ist gut, liefert aber keine Formeln, um die Rechnung nachzuvollziehen. Das ist sehr schade.
Fazit: man muss sich sehr sehr früh Gedanken machen, wer wie viel welches Elterngeld (Basis oder Plus) beantragen will. Sonst kann ein unbedachter Wechsel der Steuerklasse sehr teuer werden!


auch totaler Unsinn hält sich hartnäckig

13.11.2019

und so ist das diesmal mit diesen Ideen der ING.
Dieses Splitting ist in der steuerlichen Realität so hilfreich wie ein blaues Auge und eine gebrochene Nase nach einem Faustschlag. Nur sehr doofe Mitbürger ohne jegliche Rechenkünste glauben diesen uralten Blödsinn. Denn der Staat verschenkt nicht an die Kleinen !!! Steuergeschenke gibt es nur für jene, die schon viel zu viel haben.