Preissteigerung

Weine und Fruchtsäfte könnten (minimal) teurer werden | 30.10.2019

Weinernte 2019

Die Weinlese in Deutschland ist 2019 magerer als im Vorjahr, aber qualitativ hochwertig ausgefallen. Mit größeren Preissprüngen müssen Verbraucher aber wohl nicht rechnen. Dafür kann es bei den in Deutschland beliebten Fruchtsäften zu Preissteigerungen kommen.
 
„Vinum bonum deorum donum“, besagt ein altes römisches Sprichwort. Auf Deutsch heißt das: „Ein guter Wein ist ein Geschenk der Götter.“ Keine Frage: Das alkoholische Getränk wird seit eh und je geschätzt und verehrt. Was bei Deutschlands berühmten Dichtern und Denkern nicht anders war. „Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“, sagte etwa einst Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Ihm zufolge liegen „im Wein produktivmachende Kräfte besonderer Art“, weshalb er am Tag bis zu drei Flaschen Wein konsumiert haben soll. Und Heinrich Heine (1797-1856) sagte: „Rheinwein stimmt mich immer weich und löst jedes Zerwürfnis.“

Über 130 Rebsorten werden in Deutschland angebaut

Bis in die heutige Zeit stand und steht Wein hoch im Kurs. In aller Regel wird er aber nicht getrunken, um – wie bei Goethe – Geistesblitze zu bekommen. Einen fruchtigen Weißwein, vollmundigen Rotwein oder spritziger Rosé gibt es zu einem feinen Essen und zu festlichen Anlässen. Mit edlen Tropfen lässt sich auch gemeinsam mit Lieblingsmenschen gemütlich der Tag ausklingen.
 
In Deutschland sorgen Winzer in 13 Anbaugebieten für Wein „made in Germany“. Über 130 Rebsorten werden nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) landauf, landab angebaut. Wie sehr deutsche Weine hierzulande geschätzt werden, zeigt auch die Absatzverteilung im Jahr 2018:

  • Weine aus Deutschland: 45%
  • Weine aus Italien: 15%
  • Weine aus Frankreich: 13%
  • Weine aus Spanien: 9%

Schwierige Wetterbedingungen sorgen für geringere Ernte

In diesem Jahr haben schon frühzeitig Wetterkapriolen den Weinproduzenten Sorgenfalten in die Gesichter getrieben. Es war trocken, es gab teils extreme Hitze im Vegetationsverlauf – und das schon im zweiten Sommer in Folge. Je nach Region entstanden Schäden an den Trauben durch Sonnenbrand, aber auch durch Frost oder Hagelschläge. Das alles ließ eine geringe Weinlese befürchten. Und in der Tat: Unter dem Strich fielen die eingebrachten Mengen nochmals geringer aus als zu Beginn der Weinlese prognostiziert.
 
„Die neueste Schätzung für die bundesweite Weinmosternte liegt bei 8,4 Millionen Hektolitern, zuvor war von 8,6 Millionen Hektorlitern die Rede gewesen“, sagt DWI-Experte Frank Schulz. Damit liegt die Weinmosternte 19% unter der Vorjahresmenge. „2018 war mit 10,4 Millionen Hektolitern die Weinmosterntemenge trotz der trocken-heißen Witterung ungewöhnlich ertragreich“, so Schulz. Für das vergangene Jahr wurde somit ein Plus von 18% gegenüber dem langjährigen Mittel von 8,8 Millionen Hektolitern verbucht.

2019 über Cent-Beträge hinaus keine größeren Preissprünge

In 2018 kam es trotz „Super-Ernte“ zu Preissteigerungen beim Wein. Einige Fakten rund um den Weinpreis:
 
2018 legte der Durchschnittspreis für einen Liter Wein In 2018 kam es trotz „Super-Ernte“ zu Preissteigerungen beim Wein. Einige Fakten rund um den Weinpreis:

  • im Lebensmitteleinzelhandel um 17 Cent auf 3,09 Euro zu.
  • Für deutsche Weine gaben laut Schulz die Verbraucher im Schnitt 3,39 Euro pro Liter aus, was einem Plus von 24 Cent pro Liter entspricht.
  • Der gemittelte Preis für den Einkauf heimischer Weine beim Erzeuger und über den Weinfach- beziehungsweise den Onlinehandel ist moderat um fünf Cent auf 6,80 Euro pro Liter gestiegen.

Doch zurück ins Jahr 2019: Obwohl die Winzer wetterbedingt um ihre Ernte bangten, wird laut DWI die Qualität des neuen Jahrgangs von Erzeugern in den Anbaugebieten mehrheitlich als „sehr gut“ beurteilt. Die Weinmosternte lässt sich also auf die Formel „Geringerer Ertrag, aber hochwertig“ bringen. DWI-Experte Schulz glaubt aber nicht, dass dies über Cent-Beträgen hinaus zu nennenswerten Preiserhöhungen führt. „Dafür ist der Konkurrenzkampf auf dem internationalen Weinmarkt viel zu groß“, betont er.
 
Liebhaber von Wein können also beruhigt weiter die edlen Tropfen genießen. Zumal ihnen Hugh Jackson, der britische „Weinpapst“, bescheinigt: „Weintrinker sehen gut aus, sind intelligent, sexy und gesund.“

Auch Fruchtsäfte sind in Deutschland äußerst beliebt

Apropos „gesund“: Wenn es mal kein Wein sein soll, dann schmecken zum Beispiel Fruchtsäfte. Allerdings gilt auch hier: Die Wetterbedingungen in 2019 haben nicht nur Rebstöcken, sondern auch Obstbäumen zu schaffen gemacht. „In diesem Jahr sind die Erträge bei der Obsternte weitaus geringer als in den Vorjahren“, sagt Klaus Heitlinger vom Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF). Möglicherweise war nach seinen Angaben die Obsternte 2019 die schlechteste seit 1991. Das dürfte auch Auswirkungen auf die Preise für Fruchtsäfte haben. „Die Tendenz geht hier nach oben“, erklärt Heitlinger. Für genaue Angaben ist es ihm zufolge derzeit noch zu früh. Vorerst gibt es auch noch Bestände aus dem Vorjahr.
 
In Deutschland sah der Pro-Kopf-Verbrauch der beliebtesten Fruchtsäfte 2018 laut Heitlinger übrigens so aus:

  • Orangensaft: 7,4 Liter
  • Apfelsaft: 7,0 Liter
  • Apfelsaftschorle: 5,1 Liter
  • Multivitaminsaft: 3,9 Liter
  • Traubensaft: 1,0 Liter

Die Bundesbürger sind in Europa sogar Spitzenreiter, was den Konsum von Fruchtsäften insgesamt angeht. Der Pro-Kopf-Verbrauch betrug 2018 in Deutschland 31,5 Liter. Auf Platz 2 landete mit großem Abstand Norwegen mit 23,1 Litern. Am niedrigsten war der Pro-Kopf-Verbrauch an Fruchtsäften in Italien (10,5 Liter), Griechenland (12,3 Liter) und Portugal (12,7 Liter).
 
Egal, ob Sie nun Fruchtsaft oder Wein trinken: Lassen Sie es sich schmecken. Und um es mit dem Künstler Salvador Dali (1904-1989) zu sagen: „Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet Geheimnisse.“

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (14)


Kommentare

über Geschmack kann man sowieso endlos streiten

11.11.2019

und wer bisher nur "Plerre" gewohnt ist, dem würde vermutlich ein
"Chateau Lafite Rothschild 1887" gar nicht munden.
Wobei das Geschmackserlebnis bei den extrem teuren Weinen sowieso mehr auf einem psychologischem Effekt beruht, anstatt auf einem realem Geschmackserlebnis. Das ist genauso wie bei den Automarken und dem Marken-Effekt bei der Bekleidung, Sportgeräten, HiFi-Technik und so weiter. Ich kann dazu nur lächeln -- und spare gewaltig viel Geld.


trugbild

09.11.2019

Wein im Supermarkt kaufen? Ist das Euer Ernst? Und ich kann über meine bevorzugten Italiener und Spanier (Rotwein) sicher nichts schlechtes sagen. Und ja, warum führt man den Rotwein nicht auf?


Rotwein - alles eine Geschmacksfrage

08.11.2019

Weil die eingelagerten Vorräte an Mosel-Spätburgunder ausgetrunken waren und der im Urlaub mal besuchte deutsche Winzer so etwas auch nicht anbot, bestellten wir, auch zur Abwechslung, mal den vom bekannten großen Weinhaus Howesko angebotenen besten Rotwein Süditaliens zum Sonderpreis samt 2 tollen Weingläsern. Leider wurde für uns geschmacklich dieser angeblich beste Rotwein Süditaliens mit seinen vielen internationalen Auszeichnungen im Vergleich mit dem früher getrunkenen "Mosel Spätburgunder (Weinlage Zeller Schwarze Katz) gereift im Weinfass" eine totale Enttäuschung. Und gleiches galt auch für den später bei Hawesko bestellten angeblich besten spanischen Rotwein, der natürlich auch mit einem Haufen internationaler Auszeichnungen höchsten Genuss versprach.


@M

08.11.2019

das haben vor Dir schon andere kritisiert. Ich vermute mal dem Verfasser des Artikels geht es ähnlich wie mir: wenn wir beim Italiener Rotwein bestellen und trinken, dann bekommen wir fast immer Durchfall - weil der Rotwein gepanscht ist! Kaufe ich jedoch den angeblich gleichen Rotwein in Italien direkt vor Ort beim Winzer, dann ist der Rotwein ein Genuss. Nur wer fährt schon bis nach Italien zum Rotweinkauf? Siehe bitte dazu auch den Beitrag von K.P.Petersen. Denn auch deutsche Weingroßhändler haben schon fleißig gepanscht und Glyphosat beigemischt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Glykolwein-Skandal


M

07.11.2019

Wie kann man denn den ROTWEIN vergessen?!?!?!


Demeterwein und andere Witze

07.11.2019

Im Frühsommer 1995 lief auf vielen deutschen TV-Kanälen die Werbung für den Südtiroler Alpenapfel aus biologischem Anbei. Dabei wurde eine idyllische Landschaft mit Äpfelbäumen und Bienchen gezeigt. Unser Sommer-Urlaubsziel lag damals in Südtirol im Martelltal auf rund 2000 m Höhe. Nach nächtlicher Anfahrt über knapp 1000 km begannen wir gegen 05:30 Uhr ab Etschtal unsere Bergfahrt im Martelltal. Und was sahen wir zuerst? Exakt die Landschaft aus der Alpenapfelwerbung -- und dazu Bauern mit Behälter auf dem Rücken und Giftspritze in der Hand. Wir haben damals alle wie auf Kommando schallend gelacht.
Übrigens: inzwischen gibt es in der BRD mehr als 450 (!) verschiedene Bio-Siegel. Niemand kann da noch irgend etwas kontrollieren.


@K.P.Petersen

07.11.2019

industriell kann man "Plerre" durchaus noch billiger produzieren. Und bekanntlich gilt für die Masse der Deutschen "Geiz ist Geil". Fakt ist auch, dass die in den deutschen Supermärkten erhältlichen Weine aus Frankreich, Italien und Spanien fast alle industriell produziert werden - das hat kaum noch was mit richtigem Winzer-Können zu tun. Aber nur diese Art Produktion sorgt dann für wettbewerbsfähige Preise. Und genau deshalb findet man dann auch weltweit in fast allen richtig guten Urlaubsresort im Ausland keine deutschen Weine und keine aus Österreich, weil die im Einkauf zu teuer sind.


klaus P .Petersen

06.11.2019

Bei dem literpreis für Wein von 3,39 kann es sich nur um reinen Glyphosatwein handeln, so was darf man nicht trinken.
Ein Demeterwein kostet mind. 7-9 Euro, den darf man rinken !!


meine Empfehlungen

06.11.2019

bei den Rotweinen 30 XO, Dornfelder Reserve und Spätburgunder Reserve - allesamt vom Weingut Ludger Veit in Osann-Monzel.
Und wer eine Alternative zu dem industriell hergestellten und irrwitzig überteuerten Champagner haben möchte, dem empfehle ich den Winzer Sekt vom Weingut Karlheinz Weis aus Zell an der Mosel.


Wein steht in Deutschland nicht mehr hoch im Kurs

04.11.2019

und nicht umsonst bezeichnen die Winzer an der Mosel die Holländer als Retter des Moselweins. So war z.B. 1993 Alf noch ein Winzerdorf, heute gibt es dort nicht einen eigenständigen Winzer mehr.
Real sinkt seit vielen Jahren der Weinverbrauch in der BRD. Dazu kommt die Dominanz der billigen industriell hergestellten Weine aus Frankreich und Italien und Billigimporte aus Spanien oder Argentinien. Wobei qualitativ die deutschen Weine oftmals besser sind. Und wer einmal richtig guten deutschen Riesling Sekt direkt vom Winzer bezogen und getrunken hat, der verzichtet künftig auf den Kauf von total überteuerten und industriell hergestellten Champagner.


Wein ist nicht gleich Wein

02.11.2019

Zur Erinnerung: vor Jahren gab es mal einen riesengroßen Skandal, weil viele der in den Supermärkten und bei Weinhändlern verkauften Weine mit Herkunft aus diversen Ländern durch die Großhändler mit chemischen Ergänzungen gemischt, gepanscht und in der Menge vermehrt waren.
Ich empfehle daher den Direktbezug beim Winzer. Da ist der Wein zwar etwas teurer, aber der Geschmacksunterschied kann riesig sein.


Eli

01.11.2019

Kalifornischer Wein ist vergleichbar mit Trump. Beide sind schlichtweg schlecht. Wer ihn trinkt ist selbst schuld.


Kritik an ING

01.11.2019

den Rotwein habt Ihr in der Auswahl vergessen. Warum wohl?
Und das kritisiert ein Eiswein-Liebhaber.
Übrigens: die wichtigste Traube der argentinischen Weine trägt den übersetzten Namen "schlechter Geschmack". Weine aus Südafrika, Chile und Neuseeland sind auch gut. Dagegen sind die "Weine" aus Kalifornien nichts weiter als genetisch verändertes Zuckerwasser.


anonymos

01.11.2019

Rotwein gibt's auch noch!