Vorsicht, Abo-Falle!

Wenn Kinder online zu viel Geld verjubeln | 15.10.2019

Taschengeld & Abo-Falle

Die Versuchungen im Internet für Kinder und Jugendliche sind groß. Was aber können Eltern tun, wenn ihr Sprößling bei Amazon groß eingekauft hat oder bei Spielen in eine Abo-Falle gelaufen ist? Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen:
 
Kostenfalle Internet: Mal hat der zwölfjährige Sohn ohne Wissen der Eltern ein teures Spiele-Abo auf dem Smartphone abgeschlossen, mal die 16-jährige Tochter die exklusive Designerjacke bei Amazon gekauft. Und Eltern wundern sich, dass hohe Rechnungen ins Haus flattern. Das Gute: Es gibt Möglichkeiten, Käufe rückgängig zu machen. Aber: „Wenn Eltern davon erfahren, müssen sie sofort reagieren“, sagt Horst Leis, Fachanwalt für IT-Recht.

Kinder unter sieben Jahren sind nicht geschäftsfähig

Grundsätzlich gilt: Kinder unter sieben Jahren können gar keine rechtlich verbindlichen Verträge schließen, da sie in dem Alter geschäftsunfähig sind. Bei Kindern von sieben Jahren an müssen die Eltern zustimmen, damit ein Vertrag wirksam wird. Leis: „Wenn das Kind etwas ohne Rücksprache kauft und Eltern sich darauf berufen, dass sie nicht zugestimmt haben, ist der Vertrag von Anfang an nichtig.“ Er muss nicht widerrufen oder angefochten werden.
 
Es gibt allerdings eine Ausnahme: Muss das Kind nur maximal einmal so viel Geld zahlen, wie es von seinen Eltern bekommt, ist ein Vertrag gültig. Denn der sogenannte Taschengeld-Paragraf besagt, dass Heranwachsende Verträge des täglichen Lebens abschließen können. Konkret heißt das: Bekommt ein Kind zehn Euro Taschengeld, darf es das Geld so ausgeben, wie es möchte. Ist allerdings ein Abonnement vereinbart worden, bei dem monatliche Zahlungen in Höhe von zehn Euro fällig werden, hätten die Eltern dem Vertrag zustimmen müssen.

So sollten Eltern auf Fehlkäufe reagieren

Was aber tun, wenn ein unerwünschter Kauf im Internet passiert ist? Jurist Leis empfiehlt Eltern, schnell zu reagieren, dem Verkäufer zu schreiben und das Produkt zurückzusenden. Dabei sollten Eltern auf ihre Formulierung achten. Sonst versteht der Verkäufer vielleicht nicht gleich, worum es geht. „Es ist kein Widerruf, sondern richtig ist: Sie verweigern die Genehmigung oder geben keine Elterneinwilligung“, sagt Leis. Wichtig: Das ohne Zustimmung der Eltern erworbene Produkt muss unbeschädigt zurückgesendet werden. Bei Computerprogrammen ist zum Beispiel sicherzustellen, dass sie überall deinstalliert wurden. Wenn Kinder etwas gekauft und heruntergeladen haben, gilt das Gleiche: Das unterliegt genauso dem Genehmigungsvorbehalt der Eltern, wenn es mit Kosten verbunden ist.

Wenn Kinder sich beim Kauf älter machen

Kinder und Jugendliche sind sehr erfindungsreich: Schnell ist Mutters Passwort ausgespäht oder die Bezahldaten der Eltern heimlich genutzt, wenn diese unvorsichtigerweise etwa bei großen Online-Versendern gespeichert wurden. Manchmal machen Kinder sich beim Online-Kauf einfach älter. Dann allerdings trägt auch der Verkäufer eine Verantwortung. „Der Verkäufer muss selbst dafür sorgen, dass er weiß, wie alt sein Vertragspartner ist, vor allem wenn ein Geschäft nicht unter den Taschengeld-Paragrafen fällt“, betont der Rechtsanwalt. Eine Möglichkeit: Der Kauf läuft über eine Kreditkarte, da die nicht an Minderjährige ausgegeben werden. In einigen Fällen kann die Eltern jedoch eine Mitschuld treffen. Leis: „Zum Beispiel wenn sie dem Kind ein Handy geben, dort ihre Kontodaten dauerhaft speichern und freischalten und die Kinder so alleine Apps kaufen können.“ Dann könnten die Eltern schadenersatzpflichtig sein.

Eltern sollten mit dem Nachwuchs die Gefahren im Internet besprechen

Eine der wichtigsten Präventivmaßnahmen, um teure Ausflüge im World Wide Web zu verhindern, ist allerdings der enge Austausch zwischen Eltern und ihrem Nachwuchs. So sollten Eltern schon mit Beginn der Internetnutzung immer wieder mit dem Kind besprechen, wann es wichtig ist, keine Daten im Netz preiszugeben. Auch eine klare Absprache darüber, was die Kinder oder Jugendlichen im Internet dürfen, kann helfen, unerlaubte Käufe zu verhindern.
 
Eine gute Nachricht zum Schluss: Im Vergleich zum Vorjahr ist 2019 die Internetnutzung durch die bis zu 13-Jährigen um 4 Prozentpunkte auf 45% zurückgegangen. Im Vordergrund steht immer noch das Spielen. Für knapp zwei Drittel (63%) ist es die wichtigste Freizeitaktivität. Im Vergleich zu 2018 ist dies ein Plus von 4 Prozentpunkten. Das ergab die repräsentative Kinder-Medien-Studie 2019 im Auftrag von sechs Zeitschriftenverlagen. 

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (2)


Kommentare

Harry

18.10.2019

Es gibt nebenbei gesagt 2 Stufen von Drittanbietersperren. Daher beide Stufen sperren. Zusätzlich noch das Handy für Auslandsgespräche sperren lassen, da diese von den Drittanbietersperren nicht berücksichtigt werden.


Die wichtigsten Hinweise fehlen!

16.10.2019

1. Drittanbieter-Sperre für die Handys einrichten und zwar bevor was passiert! Dann dürfen überhaupt keine Abos etc. über den Mobilfunk-Anbieter abgerechnet werden, unabh. vom Alter des Nutzers!
2. Wenn z. B. über Geschenkkarten bezahlt wurde die man z. B. im Supermarkt kriegt, dürfte es schwierig werden, insb. wenn der Anbieter im Ausland sitzt.

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