Job-Kosten absetzen

Wie Werbungskosten die Steuern senken | 29.05.2019

Werbungskosten

© ING

Manch Steuerzahler fragt sich jedes Jahr erneut, welche Ausgaben die Steuerlast mindern können. In unserer Mini-Serie erklären wir Ihnen alles über Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen sowie in Teil 1 alles über „Werbungskosten“.

Alle Jahre wieder das gleiche Spiel: Die Abgabefrist der Steuererklärung naht. Hektisch werden Kassenbelege und alle weiteren Unterlagen zusammengekramt, in der Hoffnung für das vergangene Steuerjahr eine Rückzahlung vom Fiskus zu erhalten. Wo aber anfangen? Was lässt sich überhaupt steuerlich absetzen und benötige ich wirklich für alles Belege? Gut informiert, können Arbeitnehmer durchaus Steuer sparen. Wir starten in unserer kleinen Steuer-Serie mit den „Werbungskosten“.

Staat berücksichtigt Werbungskosten pauschal bis 1.000 Euro

Der Staat geht davon aus, dass jeder Arbeitnehmer berufsbedingte Ausgaben hat. Deshalb erkennt das Finanzamt ohne Nachweise durch den Arbeitnehmer pro Jahr 1.000 Euro als Werbungskosten pauschal an. „Aber es lohnt sich durchzurechnen, ob die jährlichen Kosten für den Beruf die Pauschale übersteigern“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. „Wenn ja, sollten Arbeitnehmer ihre Mehrausgaben einzeln in der Anlage N auflisten.“ Dabei gilt: „Mehrausgaben müssen sie detailliert anhand von Rechnungen nachweisen können“, sagt Klocke. Die Unterlagen müssen nicht mehr – wie früher üblich – mit der Steuererklärung eingereicht werden. Sie sollten aber mindestens bis zur Bestandskraft des Steuerbescheides aufbewahrt werden. Also meist bis einen Monat nach Erhalt des Bescheides, falls das Finanzamt die Dokumente anfordert.

Auch Rentner können Werbungskosten absetzen?

Das Finanzamt gesteht auch Rentnern eine Werbungskostenpauschale zu. „Für sie fällt die Pauschale mit 102 Euro pro Jahr jedoch deutlich niedriger aus“, erklärt Klocke. Fallen höhere Kosten an, etwa durch einen Rechtsstreit um die Rente oder eine Rentenberatung, berücksichtigt der Fiskus das. Rentner müssen ihre Ausgaben in der Anlage R angeben.

Was Sie als Werbungskosten absetzen können

Grundsätzlich gilt: Alles, was mit dem Beruf in Verbindung steht, kann anerkannt werden. Dazu zählen etwa:

  • Kontogebühr für das Gehaltskonto,
  • Gewerkschaftsbeiträge,
  • Ausgaben für Fachliteratur und
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel.

Arbeitnehmer können aber auch im Rahmen von Fortbildungen neben den Seminarkosten zusätzlich Ausgaben für die Fahrt, Verpflegung und Unterkunft absetzen. Zumindest dann, wenn der Chef die Kosten nicht übernimmt. „Denn beides, also eine Erstattung vom Chef und eine Steuervergünstigung, ist nicht möglich“, erklärt Klocke.
 
Diese Regelung gilt auch für Dienstfahrten, wie Besuche von Messen, Tagungen, Kongresse oder Exkursionen, informiert die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH).
 
Tipp: Die Höhe der Pauschbeträge, die der Fiskus bei Unterkunft und Verpflegung anerkennt, ändert das Bundesfinanzministerium (BMF) regelmäßig und veröffentlicht diese online.

Fiskus erkennt höhere Ausgaben für Computer an

Dass sich das Sammeln von Belegen für Werbungskosten trotz der Pauschale von 1.000 Euro schnell bezahlt machen kann, zeigt das Beispiel Computer und Arbeitskleidung. Laut Verbraucherschützern gilt seit 2018: Arbeitnehmer können nun jährlich 952 Euro (inkl. Umsatzsteuer) pro Gerät angeben. Der Betrag gilt auch für den Kauf, die Reparatur oder Reinigung von Arbeitskleidung. Wer teurere Geräte oder Kleidung kauft, muss diese über mehrere Jahre absetzen. Allerdings berücksichtigt das Finanzamt in der Regel nur die Hälfte des Kaufbetrages. „Es sei denn, ein Arbeitnehmer kann nachweisen, dass er das Gerät gar nicht privat, also ausschließlich beruflich nutzt“, sagt Klocke.

Kosten für Arbeitszimmer nur selten absetzbar

Wer zu Hause arbeitet, kann unter Umständen die Aufwendungen für ein Arbeitszimmer absetzen. Das gilt allerdings ausschließlich dann, wenn der Raum nahezu vollständig für berufliche Zwecke genutzt wird. Das geht aus einer Entscheidung des Bundesfinanzhofes (BFH) hervor (Az.: IX R 52/14). Eine Arbeitsecke im Schlaf- oder Wohnzimmer zählt also nicht. Unbegrenzt darf man die Kosten nur absetzen, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit bildet. „Für alle anderen liegt die Grenze bei höchstens 1.250 Euro pro Jahr. Vorausgesetzt beim Arbeitgeber steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung“, erklärt Klocke.
 
Übrigens: Der absetzbare Höchstbetrag gilt pro Person, das Arbeitszimmer könnte also von mehreren Personen, die das Zimmer nutzen, abgesetzt werden.

Auch ohne Job werden Werbungskosten anerkannt

Wer auf Jobsuche ist, kann Ausgaben für Bewerbungen als Werbungskosten angeben. Klocke vom Bund der Steuerzahler nennt als Beispiele Kosten für Fotos, Bewerbungsmappen, das Porto, aber auch die Fahrt zum Vorstellungsgespräch. Laut Verbraucherschützern gilt dies unabhängig davon, ob man den Job bekommt oder nicht. Wer erst im nächsten Kalenderjahr eine Stelle bekommt, kann die Werbungskosten als Verlust vortragen lassen.
 
Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war.
Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps, die eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen können. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (18)


Kommentare

Kotel

05.07.2019

Bekomme die Arbeitskleidung vom Arbeitgeber gestellt. Muss sie aber selber waschen. Kann ich das bei der ESterklärung mit angeben? Und wenn ja, als was bzw. wo. Vielen Dank.


Sonic

21.06.2019

Ich bin Leasingarbeiter und muss aufgrund meiner Arbeit mich rasieren da ich in einem Chemie Betrieb arbeite, mich würde da mal die Lage interessieren da bei uns Gasmasken Pflicht herrscht bei Betriebsstörungen. Aber klasse für eure Tipps, jetzt wird die Gewerkschaft interessanter ^^


@ Rainer und Jens

20.06.2019

Klarstellung zur GwG-Grenze: im Steuergesetz ist von einem Nettobetrag in Höhe von 800 Euro die Rede. Dieser Betrag gilt auch für Privatpersonen, Kleinunternehmer, Vermieter etc.
Ausnahmsweise gibt es mal eine Steuergerechtigkeit für alle. Das heißt für alle, die keine Umsatzsteuer Erklärung abgeben, dass sie einen höheren Betrag steuerlich geltend machen können. Nämlich die genannten 950 Euro (800 Euro plus 19% Umsatzsteuer) im Artikel.


Rainer

20.06.2019

Noch einmal zur Sofortabschreibung ("GWG-Grenze"): Die Bemessungsgrundlage ist der Preis ohne Vorsteuer, wenn man am Umsatzsteuerverfahren teilnimmt (für Privatpersonen ausgeschlossen).
Für alle anderen zählt die im Kaufpreis enthaltene Umsatzsteuer zur Bemessungsgrundlage. Eine Sofortabschreibung ist also nur bis zu einem Bruttopreis (=Kaufpreis) von 800 Euro möglich. Das gilt für Privatpersonen, aber auch für Unternehmen, die nach §19 UStG nicht am Umsatzsteuerverfahren teilnehmen ("Kleinunternehmer-Regelung") oder Ärzte und Vermieter, die keine umsatzsteuerpflichtigen Leistungen erbringen.


ING

11.06.2019

Hallo Jens, laut eines Artikels bei haufe.de (https://www.haufe.de/personal/entgelt/auch-arbeitnehmer-profitieren-von-abschreibungsverbesserungen_78_417034.html) gilt folgendes: Nach dem aktuellen Gesetz gegen schädliche Steuerpraktiken im Zusammenhang mit Rechteüberlassungen ist zukünftig eine Sofortabschreibung für Anschaffungen bis zu 800 Euro möglich. Da es sich unverändert um eine "Nettogrenze" handelt, ergibt sich für den sofortigen Werbungskostenabzug im Jahr der Anschaffung eine Betragsgrenze von rund 950 Euro.
Falls Sie weitere Fragen zu dem Thema haben, wenden Sie sich doch am besten an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Jens

05.06.2019

Hallo ING, vielen Dank für eure Recherche und ausführliche Antwort. Das heißt dann aber doch im Klartext: Alles über 672,- Euro netto (= 800,- Euro brutto) darf ich als Privatperson nicht sofort in voller Höhe abziehen, sondern muss es über die Nutzungsdauer abschreiben, oder? Beispiel: Ein PC für 700,- Euro netto (= 833,- Euro brutto) wäre für einen Unternehmer unterhalb der 800,- Euro-Grenze (also sofort in voller Höhe abziehbar), aber für mich als Privatperson oberhalb der 800,- Euro und damit nicht sofort in voller Höhe abziehbar. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Danke & Gruß, Jens


ING

05.06.2019

Hallo Jens,

wir haben uns zu Ihrer Frage noch einmal umfassend informiert. Daher leider auch die etwas verspätete Antwort. Ganz einfach ist es nicht, aber so ist das halt mit dem Steuerrecht.

Im Gesetz (§ 6 Abs. 2 S.1 EStG) steht geschrieben, dass „die Anschaffungs- oder Herstellungskosten […] in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden können, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag (§9b Abs.1), 800 Euro nicht übersteigen.“

In §9b Abs. 1 steht, dass „der Vorsteuerbetrag, soweit er bei der Umsatzsteuer abgezogen werden kann, nicht zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Wirtschaftsguts, auf dessen Anschaffung oder Herstellung er entfällt, gehört.“

Privatpersonen geben nun grundsätzlich keine Umsatzsteuererklärung ab und können somit auch keine Vorsteuer geltend machen. Von daher kann die Vorsteuer zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten mitgezählt werden.

Viele Grüße, Ihr Social Media Team


@ @Karl

04.06.2019

Dann muss man endlich mal demonstrieren, dass Arbeitsplätze am Wohnort sind.
Oder warum muss einer 100km pendeln? Falscher Wohnort? Falscher Beruf?
Früher sind die Arbeitnehmer bis zu 50, 60 km mit dem Fahrrad in die Arbeit - täglich bei Wind und Wetter.
Wie mein Opa...der hat das auch überlebt.
Alles nur noch Weicheier heut zu tage.


Maria

04.06.2019

Ich habe für meine letzte Steuererklärung 3 Stunden gebraucht, und dass obwohl ich zur Arbeitnehmereigenschaft noch nebenberuflich selbstständig bin. Man muss sich nur strukturieren, die wichtigen Unterlagen und Informationen am besten schon im Laufe des Jahres immer separat sammeln / abspeichern. Dann hat man, wenn es soweit ist, alles zugriffsicher.
Eine echte Erleichterung ist auch die VaSt (vorausgefüllte Steuererklärung) - dann musst du alle Daten, die das Finanzamt ohnehin schon kennt, nicht nochmal abtippen, sie werden automatisch in die Erklärung hineingezogen. Das Antragsverfahren nimmt u.a. durch Postwege ein paar Tage in Anspruch, muss aber nur einmalig gemacht werden, das Zertifikat ist dann dauerhaft gültig.


@Michael

04.06.2019

Es gibt doch schon keine Doppelbesteuerung mehr. Wir leben doch schon in der Vielfach-Besteuerung, dazu noch Vorauszahlungen wenn du wo noch Einnahmen hast - Witwenrente etc.


@Karl

03.06.2019

Du willst also den Arbeiter der täglich 2x 100 km pendelt mit dem Architekten der in seinem Eigenheim arbeitet in einen Topf werfen.
Oder Du willst Schwerstbehinderte im Rollstuhl ohne Einkommen mit Großunternehmern steuerlich gleich stellen.
Du willst also Zocker an der Börse genauso besteuern, wie die Putze im Büro.
Ungerechter geht es nicht.
Und nur Dummköpfe glauben an eiskalte Betrüger und Abzocker wie Merz, der nur die Interessen der Superreichen vertritt und alle anderen mit tollen Worten belügt und total verblödet.


Margrit

03.06.2019

Gemessen an der Zahl der Rentner, die in der BRD leben, werden diese bei allen Steuertipps in öffentlichen Foren oder angeblichen
kostenlosen Beratungen stiefmütterlich behandelt. Genaue Angaben oder Hinweise gibt es nur kostenpflichtig und auch die sind
eher enttäuschend, besser man macht sich selbst im EStG schlau.


Michael

03.06.2019

Ich sage nur "Doppelbesteuerung"!!!


Karl

03.06.2019

Wann fällt es endlich weg, dass man was absetzen kann, subventioniert wird usw.
Es reicht doch, wenn man eine einzige Staatssteuer zahlt und das auf die Bereiche vom Staat dann aufgeteilt wird, nach Notwendigkeit usw.
Die Steuer ist viel zu kompliziert und warum erst was zahlen und dann teilweise zurück bekommen?
Da könnte man sich ein Haufen Arbeit, Papier, Zeit, Nerven usw. sparen.
Und die Möglichkeit der Steuer Tricksereien würde weg fallen.


Jan

02.06.2019

@Dieter
Dieter hat recht...Elster und Finanzamt sind zu kompliziert. Da soll sich der Steuerberater drum kümmern.
Wollen wir denn noch mehr Berufe abschaffen? Wer hat denn dann noch Arbeit?
Jeder der nur noch alles online macht oder machen möchte, soll sich überlegen wie es an seinem Arbeitsplatz aussieht...denn wenn es so weitergeht ist er selber auch weg...einfach ein KLICK.


Winfried

31.05.2019

Also ich bin mit ELSTER sehr zu frieden. Okay, man muss sich halt ein bisschen mit beschäftigen und nicht nur klicki klicki machen.


Jens

29.05.2019

Seid ihr euch mit den 952,- Euro wirklich sicher? Meines Wissens nach gilt diese Grenze nämlich nur, wenn man die in dem Betrag eventuell enthaltene Vorsteuer (sofern darin Vorsteuer enthalten war) abziehen kann, also netto nur 800,- Euro wirkliche Kosten übrig bleiben. Für alle anderen gilt der Betrag von 800,- Euro als Bruttobetrag. Oder nicht?!?

Danke & Gruß, Jens


Dieter

29.05.2019

also Elster-Online ist ganz schön happig, dazu der aufwendige Vorbereitungskram für die Nutzbarkeit. Zumal leider einer meiner Anträge für die Zugriffe vom FA nicht termingemäß bearbeitet wurde.