Geldfrage des Monats

Wer Wespennester selbst entfernt, zahlt Strafe? | 17.06.2019

Kind mit Lupe


Lästig und gleichzeitig schutzbedürftig: Wespen und Hornissen. Warum man Wespennester lieber nicht auf eigene Faust umsiedeln sollte und weshalb das eigentlich auch nicht nötig ist. Unsere Finanzfrage des Monats.

Unsere Geldfrage im Juni: Wer Wespennester selbst entfernt, zahlt Strafe?

Zwar hat der vergangene Rekord-Sommer unzählige schöne Sommertage beschert, auf der Kehrseite aber auch eine höhere Wespenpopulation als im nasskühlen Sommer 2017 hervorgebracht. Aus Panik oder weil die Wespen als Störenfriede angesehen werden, hatten sicherlich viele Menschen sofort den Wunsch: Weg mit dem Tier oder gleich dem ganzen Nest. Das sollte aber besser ein Experte erledigen. Andernfalls drohen tatsächlich hohe Strafgebühren!

Der Grund? Wie jedes wildlebende Tier unterliegen alle Wespen dem allgemeinen Naturschutz (§ 39 Bundesnaturschutzgesetz). Sie dürfen daher weder gefangen noch verletzt oder getötet werden. Auch darf man ihre Nester nicht zerstören. Ausnahmen für die Entfernung oder Umsiedelung von Nestern gelten, wenn Gefahr besteht – beispielsweise für Allergiker. Wespennester dürfen aber auch dann nur in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde entfernt oder umgesiedelt werden.

Achtung: Verbraucherzentralen warnten im Sommer vor dubiosen Firmen, die teils horrende Preise im oberen 3-stelligen Bereich für die Entfernung von Wespennestern verlangten. Üblich seien zum Beispiel laut Verbraucherzentrale Thüringen Kosten zwischen 80 und 150 Euro.

Wer sich über den Schutzstatus der Wespen hinwegsetzt, muss mit Bußgeldern im Maximalfall von bis zu 10.000 € für nicht besonders geschützte und bis zu 50.000 € für besonders geschützte Arten rechnen – zumindest in der Theorie. Wer sich nun allerdings sorgt, dass er in der Vergangenheit „in Notwehr“ einer Wespe zu Leibe gerückt ist und dabei gesehen wurde, braucht keine Angst vor finanziellem Ruin haben: Einer Correctiv-Recherche zu Folge werden diese Bußgelder in der Praxis kaum verhängt – oftmals nur bei uneinsichtigen Wiederholungstätern. Das Strafmaß geht auf den §69 des Bundesnaturschutzgesetzes zurück.

Wespe ist nicht gleich Wespe!

Wer nach dem vergangenen Sommer einen Rochus auf die schwarz-gelben Flieger hat, sollte nicht alle Wespen unter Generalverdacht stellen, wie der Naturschutzbund (Nabu) informiert. „Die Tatsache, dass nur wenige Menschen mit der Lebensweise von Wespen oder Hornissen vertraut sind, hat zur Bildung von Mythen und Vorurteilen beigetragen“, erklärt NABU-Expertin Melanie von Orlow. Dem Menschen nahe kommen überhaupt nur zwei Arten: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Sie haben es jedoch weniger auf uns, als auf süße Getränke und Speisen, genauso wie auf deftige Nahrungsmittel abgesehen.

Die Deutsche und die Gemeine Wespe leben in dunklen Höhlen, Ecken, Nischen oder Mauerspalten. Meist gut versteckt vor dem Menschen. Anders als vermutet, ist ihr Zuhause also nicht in einem Wespennest. Dieser Irrglaube macht vor allem einer Wespenart zu schaffen: der Langkopfwespe. Obwohl sie Menschen und dessen Nahrung normalerweise vollkommen links liegen lassen, sind ihre Nester freihängend und gut sichtbar – etwa auf dem Dachboden, unter Regenrinnen und Dachvorsprüngen. Auch die furchteinflößend große Hornisse zeigt ein ähnliches Nistverhalten. Beide Wespenarten fallen inzwischen unter §44 des Bundesnaturschutzgesetzes für besonders geschützte Arten. Dabei sind sie eigentlich ziemlich harmlos: Die Langkopfwespen und Hornissen verteidigen normalerweise nur den Bereich um ihr Nest und sind kaum eine Gefahr, wenn man sie in Ruhe lässt. Im Gegenteil: Die Tiere sind als Schädlingsbekämpfer gegen Fliegen und Mücken äußerst nützlich.

Tipp: Wartet man den Winter und die ersten Frostnächte ab, erledigt sich das Wespennest-Problem sogar von selbst, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) informiert. Das Wespenvolk stirbt – mit Ausnahme der Königinnen, die die Nester für ein sicheres Winterquartier verlassen und im nächsten Frühjahr ein Neues bauen. Die alten, leeren Nester zersetzen sich mit der Zeit selber oder können gefahr- und straflos entfernt werden. 

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (13)


Kommentare

Ellena

22.08.2019

Mieter können bei ihrer Wohnungsgesellschaft anrufen, die dann einen Kammerjäger beauftragt, der das Wespennest entfernt bzw. umsiedelt und der richtige Fachmann ist. So hat es jedenfalls bei uns problemlos geklappt, als unter dem relativ kleinen Balkontisch mit einmal ein großes Wespennest war.


Klimawandel

26.06.2019

Die einleitenden Worte diese Beitrages sind leider nicht nur falsch, sondern tragen zur populistischen Meinungsmache bei, die man so nicht stehen lassen sollte.
Der Sommer 2018 war mit Nichten ein "Rekord-Sommer mit unzähligen schönen Sommertagen".
Es war ein absoluter Hitzesommer, der dem Klimawandel geschuldet ist.
Noch mehr daneben ist allerdings die Behauptung, dass der Sommer 2017 "nasskühl" war.
Er war ebenfalls, wie nahezu alle Sommer seit der Jahrtausendwende, deutlich zu heiß.
Wenn einem diese Fakten nicht bekannt sind, sollte man Abstand davon nehmen subjektive (falsche) Meinungen zu verbreiten.

Was die Wespen in diesem Kontext betrifft, ist es -wie so oft- ein Menschen gemachtes Problem. Denn gäbe es den Klimawandel nicht, gäbe es auch keine zunehmenden Wespenplagen.


jack

24.06.2019

UV-Lampen-Hochspannungsgitter. Wir sind ein Süßwaren Herstellungsbetrieb, noch gibt es kein Problem. Ab Ende August stellen wir langer Zeit 10 dieser Geräte auf. Jegliches Chinin verglüht vorzüglich. Die Damen und Herren des KVR Abteilung Lebensmittelaufsicht, sahen darin niemals ein Problem. Unsere Kollegen handeln ebenso.


@der anti-wolf

24.06.2019

komisch ich habe auch schon im gartenmarkt die richtigen tips bekommen auch dort sprays verkauft werden
und ich glaube die muessen einem das auch sagen und nicht nur spray verkaufen


Naturfreund

23.06.2019

Wenn der Mensch sein Haus oder Garten wespenfrei haben will, wird er bestraft. Wenn Landwirte auf dem Feld Glyphosat sprühen, ist es in Ordnung und man muss es akzeptieren, auch wenn das eigene Grundstück nebenan liegt.


Auch Ameisen sind Wespen

22.06.2019

Sie schreiben: Wespen sind nicht gleich Wespen. Das stimmt, denn vielen Menschen sind nur die beiden bekanntesten Arten geläufig. Die Taillenwespen (Apocrita) sind eine Unterordnung der Hautflügler (Hymenoptera) und umfasst etwa 140.000 Arten. Auch alle Bienen und sogar Ameisen fallen darunter. Die Echten Wespen (Vespinae) bestehen nur aus 61 Arten. Die beiden gängigsten Arten haben bekanntlich keinen guten Ruf. Insbesondere hektische Bewegungen fassen sie schnell als Bedrohung auf und können stechen. Es fällt vielen Menschen nicht immer leicht, bei Annäherung der Tiere ruhig und gelassen zu bleiben. Aber es hilft ungemein. Auch Wespen haben im letzten Jahr unter der Trockenheit gelitten. Gerade diese Insekten sind darauf angewiesen, regelmäßig Wasser zu finden. Sie können in recht kurzer Zeit ohne Wasser verdursten. Daher waren 2018 Wassertränken nicht nur für Vögel lebenswichtig. Danke.


Birger Buhl

21.06.2019

Schöner Artikel, aber auch nicht fehlerfrei, letzter Absatz: "Die Deutsche und die Gemeine Wespe leben in dunklen Höhlen, Ecken, Nischen oder Mauerspalten. Meist gut versteckt vor dem Menschen. Anders als vermutet, ist ihr Zuhause also nicht in einem Wespennest." - Äh, doch, nur eben an anderen Orten, meistens unterirdisch.
Und im Tipp steht: "Das Wespenvolk stirbt – mit Ausnahme der Königinnen, die die Nester für ein sicheres Winterquartier verlassen und im nächsten Frühjahr ein Neues bauen." - Falsch, die Königinnen sterben auch. Nur die Jungköniginnen überleben, aber die verlassen schon zur Paarung das Nest und bauen sich dann im Frühjahr natürlich kein "Neues" sondern ein Eigenes.


Battefeld

21.06.2019

Die Beseitigung der Nester der nicht geschützten Arten Deutscher und Gemeiner Wespe ist im unmittelbaren Wohnumfeld einschließlich Terrasse immer wegen möglicher Gefahren gerechtfertigt. Bislang gab es deswegen noch nie Bußgelder. Bei der Hornisse sieht das anders aus.


Peterhörnchen

20.06.2019

Mein Tip, Wespennest ein Jahr lang akzeptieren und danach lassen, wie es ist. Es siedeln sich dann keine Wespen mehr an, weil sie irrtümlich meinen, diese Region ist schon besetzt. Das hat sich bei mir seit Jahren bewährt.


Manu

20.06.2019

Man nehme eine ausreichend lange Stange, kloppft bisschen gegen das Nest bis es abfällt, die Wespen flüchten, man muss nix bezahlen, niemand (inkl. der Wespen) kommt zu Schaden und gut ist.
Die siedeln sich schon woanders an..
Schädlingsbekämpfer sind eher für schwierigere Stellen, riesen Nester oder Angsthasen.


Der Anti-Wolf

20.06.2019

Kann es sein, dass hier eine Verwechslung vorliegt?
In den Garten- und Baumärkten wird Spray gegen Wespen verkauft, mit dem Hinweise, dieses nicht gegen H o r n i s s e n einzusetzen. Die stehen wirklich unter Schutz. Wespenspray und Wespenfallen (z. B. mit Bier, damit die armen Tierchen noch mal ein schönes Erlebnis haben) hat bisher offenbar nur die ING verboten, ich habe woanders nichts Entsprechendes gelesen. Was aber NaBu oder ähnliche Experten dazu sagen, muss nicht verbindlich sein. Solange die bei Hochwasser ihre Tiere jämmerlich verrecken lassen und straffrei weitermachen können (z. B. Buch bei Tangermünde), sind sie auch für mich keine moralische Instanz.


Thema schon gehabt

18.06.2019

Thema: Wie lange ein Euro Schein im Umlauf hatten wir schon, stellt doch einfach den Link zum nachlesen ein.

Zeigt doch den Kaugummi kauern - die überall ihre Reste hin kleben und den Rauchern ihr Fehlverhalten auf, ihre sch**** Kippen überall ins grüne zu werfen, aus dem Auto, im Sand ausdrücken etc.
Das ist so widerlich!!!
Und die E-Zigaretten verursachen wieder ein Haufen Plastik für das nachfüllen des flüssig Tabaks usw.
Außerdem geht der "Dampf" lt. Gesundheitsexperten - und die müssen es ja wissen - viel schneller, da Dampf in die Lungen und ins Gewebe und schädigen dieses.

Rauchen, egal was ist absolut uncool und "dumm". Also wer von sich behauptet er wäre intelligent oder auch nicht so "doof", der würde nicht rauchen.


Tip vom Fachmann

17.06.2019

Mir ist es selber vor kurzem so gegangen, daß sich plötzlich Wespen unmittelbar im Briefkasten ansiedeln wollten. Ein kurzes Telefonat beim örtlichen Schädlingsbekämpfer (klingt schlimm, ist aber der richtige Ansprechpartner), und schon hatte ich den richtigen Rat: "Aussommern". Wenn sich Wespen an einer geschützten Stelle ansiedeln wollen, dann für Durchzug sorgen, den Briefkasten also beispielsweise eine Weile offenstehen lassen. Das mögen die Tierchen nicht, weil sie dann nicht in Ruhe werkeln können, und werden sich einen anderen Platz suchen. Klappt natürlich nur, wenn noch kein großes Nest gebaut ist.

Ansonsten Rat vom Fachmann holen: Schädlingsbekämpfer, Bau- und Gartenmarkt, Tierarzt, Jäger, Naturschutzbehörde ... Deren Telefonnummer sollten schnell recherchierbar sein, ohne auf dubiose Anbieter reinzufallen. Und im allgemeinen kennt man ja auch die nächstliegenden Leute. Ist jedenfalls bei uns auf dem Dorf so.