Widerrufsrecht

Was beim Warenumtausch erlaubt ist – und was nicht | 04.06.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

Zu groß, zu bunt oder bereits vorhanden: Es kann viele Gründe geben, warum Kunden die gekaufte Ware wieder zurückgeben wollen. Aber dürfen sie das so einfach?

Im Laden sah der Pullover noch so schön aus, aber zu Hause angekommen passen weder die Farbe noch die Größe richtig. Und nun? Dürfen Verbraucher bereits gekaufte Ware einfach wieder zurückgeben? Und müssen sie beim Umtausch Gutscheine statt Bargeld akzeptieren? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ihre Meinung zählt!

Widerrufsrecht beim Online-Shopping

Für Online-Shopper gibt es gute Nachrichten: Wer Ware im Internet kauft, hat in der Regel ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Die Frist beginnt ab dem Tag, an dem die Ware erhalten wurde, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Viele Online-Shops erweitern dieses Recht sogar freiwillig auf einen längeren Zeitraum. Der Kunde darf dann seine Ware zurückschicken und erhält sein Geld zurück – und das ohne Begründung. Aber: Beim Rückversand der Ware können Versandkosten entstehen, die der Verbraucher in einigen Fällen selbst übernehmen muss.
 
Da Online-Shopper die Ware nicht vor Ort testen können, dürfen sie daheim alles genau unter die Lupe nehmen. Das gilt nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (Az. VIII ZR 194/16) übrigens auch für Matratzen, selbst wenn die Schutzfolie schon entfernt wurde. Was viele nicht wissen: Laut Stiftung Warentest kann etwa die bestellte Kaffeemaschine getestet und mit ihr erst Kaffee gekocht werden, bevor sie gegebenenfalls an den Händler zurückgeht. Übertreiben sollten es Verbraucher mit dem Ausprobieren aber nicht.

Welche Ausnahmen gelten beim Widerrufsrecht?

Achtung, nicht alle Artikel fallen unter das Widerrufsrecht und können problemlos zurückgegeben werden. Das gilt laut den Verbraucherschützern etwa bei

  • personalisierten Produkten
  • schnell verderblichen Lebensmitteln
  • Bahntickets, Konzertkarten und Veranstaltungen, die an einen festen Termin gebunden sind
  • versiegelten Produkten, die nach § 312g Abs. 2 Nr. 3 BGB aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind, wenn ihre Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde. Hierunter fallen laut Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale NRW etwa freiverkäufliche Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetik- und Hygieneartikel.

Welche Rückgabe-Regeln greifen bei Verkaufsplattformen?

Etwas anders sieht es bei Verkaufsplattformen wie Ebay und Co. aus. Hier gilt das gesetzliche Widerrufsrecht nicht immer, erklärt Stiftung Warentest: Und zwar dann nicht, wenn die Ware von einer Privatperson gekauft wurde. Wer hingegen etwas von einem Händler erwirbt, hat auch hier das 14-tägige Widerrufsrecht.

Gilt das Widerrufsrecht auch im Ladengeschäft?

Wer denkt, er könne Kleidungsstücke aus dem Laden bei Nichtgefallen einfach so zurückbringen, sitzt einem weit verbreiteten Irrtum auf. „Wenn Sie im Laden etwas zurückgeben, sind Sie auf die Kulanz des Händlers angewiesen“, sagt Husemann. Dabei entscheidet auch der Händler selbst, ob er die Ware ganz zurücknimmt – oder sie gegen eine andere umtauschen möchte.

Eine Ausnahme stellen laut Verbraucherschützern finanzierte Verträge dar: Wer etwa im Geschäft ein Smartphone über 200 Euro kauft und eine Ratenzahlung über mindestens drei Monate vereinbart, hat in diesem Fall ein Widerrufsrecht. Das gelte auch bei Zeitungs- und Zeitschriften-Abos.

Was gilt bei reduzierter Ware?

Beim Kauf eines Schnäppchens sind sich viele Verbraucher unsicher: Dürfen sie die reduzierte Jeans später im Laden umtauschen? Auch hier kommt es auf den guten Willen des Händlers an: „Da dies eine freiwillige Leistung ist, kann der Händler die Bedingungen selbst festlegen und reduzierte Ware davon ausschließen“, erklärt Anke Kirchner, Justiziarin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Aber: In solchen Fällen müsse das vorher deutlich gekennzeichnet sein.

Welche Bezahlart dürfen Händler beim Umtausch wählen?

Bargeld, Gutschein oder Kartenzahlung: Welche Bezahlart müssen Kunden beim Umtausch akzeptieren? Dürfen Händler statt Bargeld nur Gutscheine ausgeben? „Ja, dürfen sie“, erklärt Husemann. Da die Rückgabe nur auf Kulanz-Basis stattfindet, können die Händler auch über die Bezahlart entscheiden. Anders sieht das beim Online-Geschäft aus: Hier müssen sich Kunden nicht mit einem Gutschein zufriedengeben, sondern bekommen den Betrag auf das Zahlungsmittel zurück, mit dem sie die Ware gekauft haben.
 
Tipp: Um sich vor einer bösen Überraschung zu schützen, sollten sich Kunden noch vor dem Kauf des langersehnten Laptops oder der neuen Jacke darüber informieren, welche Umtauschbedingungen der jeweilige Händler festgelegt hat – und welche Artikel möglicherweise vom Widerrufsrecht ausgenommen sind.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (5)


Kommentare

STRÜBE

07.08.2020

Superschnelle Reaktion, als mein Girokonto gesperrt war. Danke dafür.


W.Lübke

21.06.2020

Das Umtauschrecht im Online Shopping verführt leider zum Mißbrauch. Da wird wahllos bestellt und anschließend wieder zurückgeschickt. Es kostet ja nichts. Leider!!! Einhergehend mit diese
wirklich schlechten Angewohnheit tragen diese Käufer/innen zu einer gigantischen Umweltverschmutzung bei. Verpackungsmaterial und immer mehr Lieferfahrzeuge auf unseren Strassen. Dazu kommt die massive Unterstützung von schlechten Arbeitsbedingungen bei den großen "Playern" wie Amazon und Co. Interessanterweise glauben zudem Viele, es sei günstiger als im Geschäft. Ein weitverbreiteter Irrtum. Häufig liegen die Preise, selbst bei gebrauchter Ware, deutlich über dem Neupreis im Geschäft vor Ort. Umtauschen oder Rückgabe beim Einkaufen im Geschäft entfällt. Zudem entziehe ich mich jedweder Kontrolle meiner Daten, da ich bar und völlig anonym bezahlen kann.


Marina Wischnewski

20.06.2020

Meine Kinder arbeiten fast alle im Textilhandel; und ich habe schon oft mitbekommen, wie oft Waren zurück gegeben werden.Oft sind es mehrere Teile, vor dem Wochenende gekauft und Montag zurück gegeben.Die Händler sind viel zu tolerant. Ich finde das nicht in Ordnung.


Eisberg

20.06.2020

Hinweise auf Bedingungen bei Reklamationen sowie der Unterschied zwischen Umtausch und Reklamation wären hier zumindest kurz zu erwähnen.


Realist

05.06.2020

Der ach so einfache Umtausch - ein wichtiger Grund für die Beliebtheit des Online-Shopping und leider auch ein Grund für den Missbrauch des Online-Shopping. Wobei die bekannten und oft missbrauchten Versender inzwischen in der Masse konsequent gegen jene Vorgehen, die mehr als 80% aller bestellten Artikel zurück schicken - zum Teil rotzfrech nach einmaliger Benutzung.