Halloween-Effekt und Co.

So beeinflusst die Saison den Aktienmarkt | 30.10.2017

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© ING-DiBa

Ob Januar-, Wochenend-, oder Halloween-Effekt, um solche Börsenweisheiten kommt man als Anleger nicht herum. Inwiefern sich die Saison wirklich auf die Aktienmärkte auswirkt und welche Anomalien es gibt, erfahren Sie hier.

Wenn Sie Ihr Geld in Aktien anlegen, haben auch Sie sicher schon einmal vom Januar-Effekt gelesen oder den Spruch: „Sell in may and go away“ (dt.: „Verkaufe im Mai und zieh dich zurück“) gehört.

Der Halloween-Effekt

Zusammen mit dem Spruch „sell in may“ beschreibt der Halloween-Effekt einen der bekanntesten Kalender-Effekte. In Kombination beschreiben diese beiden Anomalien das Phänomen, dass die Renditen der Aktienmärkte zwischen dem 31. Oktober – dem besonders in den USA als Halloween bekannten Feiertag – und dem 30. April deutlich höher sind als von Mai bis September.

Ein Erklärungsversuch für diese Abnormität ist die allgemein positive Stimmung rund um den Jahreswechsel, die auch nach Neujahr noch eine Zeit lang anhält. Belegt ist aber vor allem die Tatsache, dass Anlässe für einen Börsensturz – das heißt zum Beispiel der Anschlag am 11. September 2011 oder die Lehman-Pleite – sich größtenteils in den Sommermonaten ereigneten.

Trotz der hinkenden Erklärung ist der Halloween-Effekt eine der wirklich gut belegten Aktienmarktanomalien. Bei der Betrachtung unterschiedlichster Märkte konnten Forscher tatsächlich Trends zwischen den Monaten Mai und November feststellen.

Der Januar-Effekt

Diese Anomalie zeigt sich – wie der Name schon sagt – Anfang des Jahres und wird daher auch als Neujahrs-Effekt bezeichnet. Sie beschreibt die besonders hohen Erträge in den Anfangstagen eines neu angebrochenen Jahres.

Als Ursache für den Januar-Effekt scheinen der Jahreswechsel und die damit verbundene Bemessung der Steuer naheliegend. Bei dieser Theorie wird unterstellt, dass Investoren am Ende des Jahres Aktien, die schlechte Renditen erzielt haben, mit Verlust verkaufen. Diese Verluste werden anschließend mit den Gewinnen verrechnet und mindern so die Steuerlast. Anfang des neuen Jahres kaufen die Investoren dann neue Aktien – ordnen ihre Anlagen neu. Die Preise steigen also wieder.

Der Wochenend-Effekt

Montags sind die Renditen der Aktien meist negativ, den Rest der Woche im Durchschnitt positiv – diese schlichte Kuriosität beschreibt der Wochenend-Effekt.

Zurückzuführen ist das wahrscheinlich auf die Informationen, die die Anleger erhalten. So ist es üblich, dass Unternehmen negative Schlagzeilen am Wochenende veröffentlichen, sofern dem nicht eine Pflicht zur Ad-hoc-Veröffentlichung entgegensteht. So haben die Anleger Zeit, um sich mit der Information auseinanderzusetzen und den ersten Schock zu überwinden. Montags fallen die Kurse dann zwar, allerdings in den meisten Fällen nicht so stark, wie wenn die negative Entwicklung in der Handelswoche veröffentlicht worden wäre.

Der Feiertag-Effekt

Dieser Effekt zeigt sich vor und nach Feiertagen. Rund um Tage, an denen nicht gehandelt werden kann, weisen die Märkte deutlich höhere Renditen auf.

Als mögliche Ursache sehen Forscher zum einen die allgemein positive Grundstimmung, die die Menschen rund um Feiertage zeigen. Zum anderen werden sogenannte „short seller“ als Verursacher dieser Abweichung eingestuft. Diese Investoren haben eine besondere Strategie: Sie verkaufen Aktien, die sie nicht besitzen – betreiben sogenannte Leerverkäufe. Das tun sie, weil sie auf sinkende Kurse setzen: Sie gehen also davon aus, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt die Aktie günstiger kaufen können, als sie sie jetzt verkaufen, und dadurch Gewinne erzielen. Steht ein Feiertag bevor, versuchen „short seller“ meist ihre Positionen auszugleichen, da sie an den Feiertagen nicht auf mögliche Risiken reagieren können. So kommen dann die höheren Kurse zustande.

Gibt es das nun wirklich?

Sie sehen: Es gibt einige Anomalien, die sich auf dem Aktienmarkt zeigen und scheinbar in Verbindung mit dem Kalender stehen. Viele Wissenschaftler haben sich in den letzten Jahrzehnten mit diesen Phänomenen auseinandergesetzt und die Aktienmärkte erforscht. Dabei kommen sie zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Die Kalender-Effekte sind also höchst umstritten – sowohl deren Existenz als auch deren Ursachen.

Oft sind es besonders die Emotionen der Anleger, die den Markt beeinflussen. Es ist also auch möglich, dass es sich bei den Kalender-Effekten um sogenannte „selbsterfüllende Prophezeiungen“ handelt – das bedeutet, die Anleger glauben so sehr an die Existenz dieser Abnormitäten, dass sie dementsprechend handeln. Das wiederum führt dazu, dass die Märkte entsprechend reagieren – die Prophezeiung wird wahr.

Autor: Linda Ruppel



Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

Hans SG

15.11.2017

Den Wochenend-Angst-Effekt erkenne ich auch.
Sell in May... hat für mich keinen Sinn. Tatsächlich sind der Mai und der September laut Statistik negative Monate, in Verbindung mit den Monaten Juni, Juli und August werden die Sommerverluste aber mehr als kompensiert. Selbst wenn es in einigen Jahren in der Sommerzeit zu einem leichten Verlust führt, dann kann der Privatanleger diesen Verlust mit Ausstieg und Wiedereinstig nicht ausgleichen, das der Spread zwischen An- und Verkaufskurs und die Handelsspesen den kleinen, theoretischen Gewinn längst aufzehren. Bestenfalls verzichtet man von Mai bis September auf Neuinvestitionen in Indexpapiere. Einzelne Aktienkurse könne sowieso ganz andere Kursverläufe haben.


matilu

08.11.2017

Zum Wochenend-Effekt habe ich folgende Meinung: Viele Anleger haben Angst, das gerade am Wochenende in der Welt etwas passieren könnte und sie dann nicht an der Börse darauf reagieren können. Somit gehen die Kurse gerade an Freitagen- auch wegen ggf. schlechter Unternehmensnachrichten- oftmals nach unten. An Montagen erholen sich viele Kurse im laufe des Tages aber wieder. Für mich ist das der "Wochenend-Angst-Effekt".


Eberhard

03.11.2017

diese Effekte habe ich schon sehr lange beobachtet und habe auch beim Anlegen dieses Phänomen beachtet, meistens mit Erfolg