Zweite Heimat

Wie der Fiskus die Zweitwohnung mitfinanziert | 29.08.2018

2014-04-08 | Umbau

© contrastwerkstatt - fotolia.com

In Deutschland gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 40 Millionen Haushalte. Etwa zwei Millionen davon haben einen zweiten Wohnsitz. In der Regel ist das beruflich bedingt und wird vom Staat steuerlich begünstigt. Was es zu beachten gilt.

Das Kind macht in zwei Jahren an einem Hamburger Gymnasium Abitur, und dann kommt das Angebot für den Traumjob in Frankfurt. Ein Umzug der ganzen Familie kommt vor diesem Hintergrund nicht in Frage – Pendeln ist angesagt. Die gute Nachricht: Viele Kosten für die Zweitwohnung am neuen Arbeitsort können von der Steuer abgesetzt werden. "Allerdings liegt der Höchstbetrag bei 12.000 Euro im Jahr", sagt Udo Reuß, Steuerexperte des Portals finanztip.de.

Doppelte Haushaltsführung muss beruflich bedingt sein

Mitentscheidend für die steuerliche Anerkennung der Ausgaben für eine Zweitwohnung ist immer, dass diese beruflich bedingt ist. Steuerexperte Reuß: "Das kann aufgrund einer Versetzung der Fall sein, oder weil der Arbeitsplatz gewechselt wurde." Anerkannt wird auch, wenn aus privaten Gründen der Hauptwohnsitz in eine andere Stadt verlegt und dann am bisherigen Arbeitsort ein Zweitwohnsitz gegründet wird. Auch dass der Arbeitsplatz nicht innerhalb eines zumutbaren Zeitraums erreicht werden kann, spricht für eine steuerliche Begünstigung. Laut eines Urteils des Bundesfinanzhofs ist eine Stunde Fahrzeit vom Wohnsitz zur Arbeit zumutbar.

Übrigens: Einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zufolge müssen Verheiratete bei einer berufsbedingten Zweitwohnung keine Zweitwohnungssteuer zahlen. Aufgrund der zunehmenden Wohnungsknappheit in vielen Städten erheben immer mehr Kommunen eine. Berechnet wird diese in der Regel anhand der Jahreskaltmiete. "Wir liegen da zwischen 5% und etwas über 20% Prozent", sagt Sibylle Barent, Steuerreferentin von Haus und Grund Deutschland, dem Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer.

Miete, Nebenkosten und Hausrat: Welche Kosten der Fiskus berücksichtigt

Die Größe der Zweitwohnung ist dem Finanzamt egal – Ausnahme Ausland: Dort dürfen maximal 60 Quadratmeter bewohnt werden. Wie eingangs beschrieben sind allerdings sowohl im In- und Ausland lediglich Ausgaben von 12.000 Euro jährlich absetzbar. Diese Summe kann auf die zwölf Monate eines Jahres verteilt werden: Betragen die Aufwendungen in einem Monat nur 800 Euro, können in einem anderen 1.200 Euro abgesetzt werden. Zu den abzugsfähigen Kosten gehören unter anderem Miete, Nebenkosten wie Heizung, Wasser und Strom, und selbst die Kosten eines Parkplatzes. Reuß: "Auch Aufwendungen für die Wohnungssuche wie die Makler-Courtage können steuerlich geltend gemacht werden."

Gut zu wissen: Sie wollen das neue Sofa oder die Waschmaschine von der Steuer absetzen? Was in der Regel unmöglich ist, kann bei der sogenannten doppelten Haushaltsführung durchaus gelingen. Zumindest nach Ansicht des Finanzgerichts Düsseldorf. Das entschied 2017, dass Hausrat und Einrichtungsgegenstände bei einem beruflich bedingten zweiten Wohnsitz unbegrenzt abgesetzt werden können (Urteil vom 14. März 2017, Az. 13 K 1216/16). Dieses Urteil steht derzeit jedoch im Gegensatz zu einer Verfügung des Bundesfinanzministeriums. "Bis zur endgültigen Entscheidung durch den Bundesfinanzhof (BFH) sollte jeder Steuerpflichtige mit zweitem Wohnsitz diese Ausgaben bei seiner Steuererklärung angeben", sagt Udo Reuß. Erkennt das Finanzamt diese Aufwendungen nicht an, sollte binnen eines Monats Einspruch mit Verweis auf das vor dem BFH laufende Verfahren mit dem Az. VI R 18/17 eingelegt werden. Reuß: "So können Sie Ihren Fall bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung offenhalten."

Übrigens: Bislang konnte auch die Rundfunkgebühr für die Zweitwohnung abgesetzt werden. Diese wurde jüngst jedoch vom Verfassungsgericht in Karlsruhe für Zweitwohnungsbesitzer gekippt. Bis zu einer gesetzlichen Neuregelung können Betroffene einen Antrag auf Befreiung von der Gebühr stellen.

Exkurs 1: Kosten für Wohneigentum geltend machen?

Wer eine eigene Immobilie als Zweitwohnung berufsbedingt nutzt, kann auch diese Kosten absetzen. Steuerexperte Reuß: "In der Regel können jährlich 2% der Anschaffungskosten abgeschrieben werden. Das gilt aber nur für die Kosten des Gebäudes. Der Kaufpreis des Grundstücks findet keine Berücksichtigung." Zu den Anschaffungskosten zählen übrigens auch die Grunderwerbsteuer, Notargebühren und die Ausgaben für einen Makler.

Exkurs 2: Mit einer Ferienwohnung Steuern sparen?

Beteiligt sich der Fiskus auch an den Kosten für eine Ferienimmobilie? Das ist möglich, wenn die Wohnung perspektivisch mit Gewinn vermietet wird. Die Mieteinnahmen sind dann zu versteuern, während die damit zusammenhängenden Werbungskosten abzugsfähig sind. Direkte Vermietungskosten können zum Beispiel vollständig abgesetzt werden.
 
Doch vor allem, wenn die Ferienwohnung vom Eigentümer auch selbst genutzt wird, vermutet das Finanzamt, dass mit der Vermietung langfristig gar kein Geld verdient werden soll. „Dann würde es sich um eine sogenannte Liebhaberei handeln. In der Konsequenz erkennt das Finanzamt die damit verbundenen Kosten nicht an. Andererseits bleiben dann Mieteinkünfte steuerfrei“, erläutert Reuß.
 
Tipp: Ein Eigentümer kann einen Gegenbeweis liefern. Reuß: „In einer über 30 Jahre laufenden Prognoserechnung muss ein Eigentümer darlegen, dass die voraussichtlichen Einnahmen die Ausgaben übersteigen werden. “Für ein Ferienhaus, das gar nicht selbst genutzt wird, ist dieser Nachweis einfach. Da könnte es bereits genügen, wenn die Ferienwohnung von einem Vermittler vermietet wird und im Vertrag festgelegt wurde, dass die Wohnung nicht selbst genutzt wird. „Wer sich aber beispielsweise für 21 Tage im Jahr eine Selbstnutzung vorbehält, darf die auf diesen Zeitraum anfallenden Kosten – auch die anteilige Abschreibung – nicht abziehen“, erklärt Reuß.

Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps und kann eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich einfach an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (19)


Kommentare

Yelena

06.09.2018

Eine Zweitwohnung ist eine Frechheit. Sollte abgeschafft werden.


Zweitwohnbesitzer

05.09.2018

@Norbert
Richtig, das hätte etwas. Einer der ersten Schritte wäre z.B. der Verbot von Firmen im Innenstadtbereich, diese dürften sich nur außerhalb der Stadt ansiedeln, somit müssen die Menschen auch nicht mehr so tief in die Städte reisen um zum Arbeitsplatz zu kommen. Das hätte dann auch den schönen Nebeneffekt, dass die Auto-Belastung im Innenstadtbereich um einiges abnimmt. Dies würde dann auch wieder den Weg freimachen für neue Konzepte, was den Ausbau von Radwegen usw. angeht. Von der besseren Luft und der geringeren Lärmbelästigung gar nicht zu sprechen.


Klara

05.09.2018

Steuervorteile für eine Ferienimmobilie sind auch ungerecht. Nehmen auch anderen die Unterkunft zum Leben und die, die sich eine Ferienimmobilie leisten können, die verdienen eindeutig zu viel. Das muss nicht sein.
UNSOZIAL !!!


Harald

05.09.2018

Ja, ich stimme denen hier zu, die der Meinung sind, dass jeder nur eine Immobilie haben sollte. Dann gäbe es in den Ballungsräumen keine Wohnungsknappheit. Zweitwohnungen haben oft nur die, die auch saumäßig gut verdienen und sich auf dem Land am Wochenende oder im Urlaub dann die Ruhe gönnen.
Das ist unsozial!


Aribert

03.09.2018

Jedem in Deutschland sollte nur eine Immobilie zustehen.
Ob ein Haus oder eine Wohnung. Dann würden wir auch genug Immobilien haben und auch bezahlbare zum kaufen. Denn dann können die Preise nicht so hoch getrieben werden. Da wer Geld hat, richtig Geld, kauft egal wo, zu jedem Preis. Und damit steigen die Mieten und Preise.

Also: 1 Haus oder 1 Wohnung für 1 Person bzw. Paare / Familien.


Jonas

03.09.2018

@Norbert

Du hast es nicht gecheckt?`Ich wohne in der Stadt.
Ein Zimmer kostet mit Stellplatz 650 Euro, Zwei Zimmer hast schon ab so 800 bis 1.000 Euro und drei Zimmer ab 1.000 bis 1.700 Euro.

Und was hat das mit Zweitwohnsitz zu tun? Wenn du auf dem Land wohnst und dann noch eine Zweitwohnung in der Stadt hast, musst du saumäßig gut verdienen.
Sagen wir mal dein Haus bzw. 3 Zimmer Wohnung für Familie kostet auf dem Land 500 euro, dann deine ein Zimmer hier 650 Euro. Das sind schon 1.150 Euro. Dann das Benzin für die Wochenende Heimfahrten usw.
Dann musst dadurch alleine schon 2.500 bis 3.500 Netto haben, dass hätte ich gerne und ich lebe in der Stadt.
Frau verdient ja wohl auch Geld oder nicht?


Horst

03.09.2018

Die Zweitwohnung gehört verboten. Wenn jeder bleiben würde wo er geboren wurde, dann hätte jeder Arbeit. Denn dann müssten die Firmen zu den Arbeitern und nicht die Arbeiter zu den Firmen.
Wieso soll der Prophet immer zum Berg? Es ist bekannt, dass sich die Erde bewegt, warum dann nicht der starre Arbeitgeber? Warum muss immer der Arbeiter flexibel sein? Es wird Zeit, dass sich die Firmen bewegen und auch mal auf dem Land investieren und dort notfalls zukünftige Arbeitnehmer ausbilden, fördern und weiterbilden.


Norbert

01.09.2018

@Zweitwohnbesitzer

Dann müssen sich halt die Firmen, Gemeinden, Länder an die Menschen anpassen, aber wenn die immer zeigen, dass sie ja so flexibel sind werden sie weiter ausgenutzt.


@ Jonas

01.09.2018

Hallo Jonas, so wie Du kann nur jemand schreiben, der irgendwo in der Pampa wohnt. Versuche doch mal im Raum München - Ingolstadt und ca 30 km Umkreis eine Bezahlbare Wohnung für ne Familie zu finden. Gerade dort wo die gut bezahlten Jobs sind, bekommst Du keine angemessene Wohnung für die Familie


Zweitwohnbesitzer

31.08.2018

@Jana

Die Aussage finde ich nicht haltbar. Zweitwohnungen sind leider eher eine Notlösung, welche man eingehen muss, als dass dies eine Luxus-Entscheidung wäre. Ich glaube kaum, dass jemand von seiner Familie gerne die Woche über getrennt ist.
Da sehe ich eher das Problem, dass die meisten Orte nicht die Infrastruktur liefern um entweder gut von zu hause zu arbeiten (fehlende Internet Anschlüsse), oder der Arbeitgeber dieses Model noch nicht verinnerlicht hat. Oder aber, dass es an der Anbindung in die Stadt fehlt. Was bringt es mir, dass ich in der Stadt alle 5-10 min mit dem Bus fahren kann, wenn ich aber von dem Ort vor der Stadt nur alle 60 min in die Stadt komme und das bei mir sogar nur drei mal am Tag (morgens) hin und drei mal am Tag wieder zurück (abends). Klar das ist in dem Fall kein klassisches Model, sodass man einen Zweitwohnsitz in der Stadt unterhält, jedoch bedingte dies sowie weitere Faktoren, dass ein Job in 200km Entfernung angenommen werden musste. Zudem zieht man dann nicht mit der ganzen Familie um, diese Auswirkungen wären viel größer.


Jana

31.08.2018

@Mathias

Wer an seinem Wohnort keine Arbeit hat der soll dann komplett umziehen und nicht einem der in dem Raum wohnt - oft Ballungsraum - eine Wohnung braucht. Der dort geboren oder leben möchte.

Viele Rentner, allein erziehende haben keinen Wohnraum oder können ihn sich nicht leisten, weil nicht genug zur Verfügung steht.

Nur weil es die Zweitwohnsitz Nutzer gibt.

Weg mit den Zweitwohnungen!!!


@John

31.08.2018

Du bist wieder so ein blinder unter den sehenden.
Die, die weniger Geld haben und im Ballungsraum geboren wurden, warum sollten die weg ziehen?
Nur damit ein Dampfplauderer wie du und Böser Kapitalist mit 5.000 Netto oder so bequemes Wochenende Leben auf dem Land haben und in der Stadt unter der Woche die Kohle verdienen, weil sie sonst keine Arbeit hätten auf dem Lande?


@BöserKapitalist

31.08.2018

Nur weil du einen Beruf hast der dir 5.000 Netto oder mehr beschert und du dadurch aber einen Zweitwohnsitz brauchst ist das deine Sache.
Deshalb sage ich auch nehmt den Rentnern und allein erziehenden nicht den bezahlbaren Wohnraum...dann geht doch in eine WG oder da du es dir ja leisten kannst, nimm ein Hotelzimmer!

Dein dich liebender
Jonas


Kirk

30.08.2018

@Harald

Also ich kenne keinen, der nicht lieber auch die Wochentage am Wohnort von Familie und Freunden verbringen würde, als allein in seiner Zweitwohnung zu hocken. So kann wohl nur jemand denken, der vom Staat alimentiert wird und sich um einen passenden Arbeitsplatz keine Gedanken machen muss.


Harald

30.08.2018

@Jonas

Also da kann ich dir absolut nur recht geben. Einige Leben einfach zu luxuriös und jammern dann auf hohen Niveau, dass sie nicht genug verdienen.
Aber eine Zweitwohnung unterhalten.


Mathias

29.08.2018

Es sollte doch Jeder/Jede frei entscheiden können, wo man arbeitet und wohnt. Eine passende Arbeitsstelle ist eben nicht immer am Wohnort des Partners/der Familie verfügbar.
Über die steuerlichen Vorteile kann man natürlich diskutieren.


John

29.08.2018

Lieber Jonas, Freiheit bedeutet sich das zu nehmen, was man braucht, so lange man andere nicht aus deren Wohnung wirft. Es gibt Wohnraum im Überfluss, auf dem Land, im Osten der Republik, nur will dort nicht jeder wohnen. Was sie wohl meinen ist einen Anspruch auf Wohnraum dort zu haben, wo man hin will ;) Diesen gibt es nicht.


BöserKapitalist

29.08.2018

@Jonas: Danke für diesen geistreichen Beitrag!

Mal im Ernst: es ist doch absolut legitim, wenn jemand beispielsweise aufgrund beruflicher Verpflichtungen eine Zweitwohnung unterhält. Diese steuerlich zu begünstigen ist aufgrund der gestiegenen Lebensumstände daher fair und nachvollziehbar. Der Staat hat ja geradezu die Verpflichtung für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen; dieser Pflicht kommt er mit der steuerlichen Verrechnung der doppelten Haushaltsführung nach.


Jonas

29.08.2018

Es sollte ein Verbot von Zweitwohnungen geben. Wir haben Wohnungsknappheit!

Entweder soll man dort hin ziehen wo man Arbeit hat, was anderes arbeiten oder das Pendeln in Kauf nehmen.

Aber hört endlich auf anderen den Wohnraum zu nehmen!!