Halbzeit im Börsenjahr 2019

Welche Themen Anleger beschäftigen | 08.08.2019

Halbzeit im Börsenjahr 2019

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Die Hoffnungen waren groß, doch auch der G20-Gipfel Ende Juni in Osaka brachte keinen durchschlagenden Erfolg im Handelskonflikt zwischen den USA und China. Noch immer streiten sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt um Zölle und ein neues Handelsabkommen. Die wirtschaftliche Auseinandersetzung der beiden Großmächte hat inzwischen Bremsspuren im globalen Wirtschaftswachstum hinterlassen, gerade in China und der Eurozone haben sich die Wirtschaftsdaten im ersten Halbjahr eingetrübt. Der Internationale Währungsfonds erwartet für die Industrieländer nunmehr noch ein Wachstum von 1,8 % in diesem Jahr, für Deutschland hat der IWF seine Prognose auf ein Plus von 0,8 % zurückgenommen.

Aktienmärkte: gutes erstes Halbjahr

Umso erstaunlicher scheinen vor diesem Hintergrund die teils kräftigen Zugewinne an den internationalen Aktienmärkten in den ersten sechs Monaten 2019. So konnte der MSCI World Index in diesem Zeitraum um rund 16 % zulegen. Die Wall Street verbuchte gemessen am S&P 500-Index gar einen Gewinn von rund 17 %, während sich die im EURO STOXX 50 notierten europäischen Aktien ebenfalls um rund 16 % verteuerten. Tatsächlich legten aber nicht nur Aktien in den ersten sechs Monaten 2019 deutlich zu, sondern auch andere Anlageklassen. So verteuerte sich etwa Öl der Nordseesorte Brent dank verlängerter Förderbegrenzungen der OPEC im ersten Halbjahr um 19 %. Auch wenn die Zahlen des ersten Halbjahres beeindrucken, gilt es doch zu berücksichtigen, dass es sich dabei um eine Momentaufnahme handelt und diese vergangenen Entwicklungen kein Indikator für die in Zukunft zu erwartende Kursentwicklung sind.

Zinspolitik der Notenbanken im Fokus

Angesichts der zunehmenden Unsicherheiten stehen die Notenbanken davor, ihre Geldpolitik wieder zu lockern. So versicherte die amerikanische Fed, bei den nächsten Zinsentscheiden „angemessen“ zu handeln, was nichts anderes als das Ende des jüngsten Zinserhöhungszyklus bedeuten dürfte. Auch die Europäische Zentralbank steht nach Worten Mario Draghis bereit, um mit geldpolitischen Maßnahmen der schwächelnden europäischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. In diesem Umfeld ist der Goldpreis gegen Ende des ersten Halbjahres angesprungen und erstmals seit sechs Jahren wieder über die Marke von 1.400 US-Dollar je Unze geklettert. Im Niedrigzinsumfeld befinden sich zudem die Renditen an den Anleihemärkten im freien Fall. Mit minus 0,4 % markierte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe im ersten Halbjahr ein neues Rekordtief.

Im Zeichen politischer Entwicklungen

Nach dem starken ersten Halbjahr könnte die Volatilität in der zweiten Jahreshälfte wieder zunehmen. Eine neue Liquiditätszufuhr durch die Notenbank würde den Aktienmärkten zwar als zusätzlicher Treibstoff dienen, scheint in der Kursentwicklung der vergangenen Monate aber zumindest zu einem guten Teil bereits vorweggenommen zu sein. Entscheidenden Einfluss auf die Märkte dürfte weiterhin die Entwicklung auf geopolitischer Ebene haben, wo mit dem noch immer in der Schwebe befindlichen Brexit und den Iran-Spannungen Brandherde bestehen. Das Zünglein an der Waage bleibt aber vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China. Ein gutes Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA könnte US-Präsident Trump zunehmend unter Druck geraten, einen Deal abzuschließen, um das Risiko einer Rezession oder eines Einbruchs am Aktienmarkt zu vermeiden.

Autor: ING-DiBa AG


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Kommentare (4)


Kommentare

Achim

10.08.2019

Ich muss Kommentator Franz leider zustimmen.
Die Märkte hatten im 2. HJ 2018 eine erhebliche Talfahrt gemacht und sich nun im 1. HJ 2019 wieder etwas erholt. Für längerfristig orientierte Anleger ergaben sich auf Sicht von einem Jahr keine substantiellen Gewinne. Und die Talfahrt hat zum Beginn des 2. HJ 2019 wieder begonnen...


Franz

09.08.2019

"Aktienmärkte: gutes erstes Halbjahr"
So, so ein gutes erstes Halbjahr sehen sie. Naja es komm immer auf die Perspektive an. Nachdem die Aktienmärkte gegen Ende letzten Jahres massive eingebrochen sind sehe ich das jetzt nur als eine leichte fragile Erholung.
Im Grunde sind wir seit 2017 in einer Seitwärtsbewegung mit Tendenz nach unten.


Falsch verstanden!

09.08.2019

Wissen Sie wie ich mich nach dem Lesen dieses Textes gefühlt habe? Schrecklich!
Ich habe von Anfang an ANGLER statt ANLEGER gelesen und war total verwirrt!!!


Antonius Besser

09.08.2019

Ihre Informationen sind sehr interessant und hilfreich.