Wenn´s mal wieder runter geht

Was tun in turbulenten Zeiten? | 06.04.2018

Schaut man sich die Entwicklung der Aktienmärkte im Jahr 2017 an, so könnte man fast den Eindruck gewinnen, die Börse ist eine Einbahnstraße. Allen voran beim US-Leitindex Dow Jones ging es unter geringen Kursschwankungen mit den Kursen nach oben. Eine ähnliche Entwicklung zeigte der DAX. Doch sollte man aus der Vergangenheit nie auf die Zukunft schließen. Ende Januar 2018 zeigten die Aktienmärkte, dass es mit den Kursnotierungen auch sehr schnell und sehr kräftig abwärts gehen kann. Für Anleger stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie man das Depot in solchen turbulenten Zeiten schützen kann.

Kaufen und liegen lassen?

Um das Depot vor fallenden Kursen zu schützen, kommen mehrere Möglichkeiten in Betracht, je nachdem welchen Anlagehorizont man verfolgt und wie risikobereit man ist. Eine Möglichkeit besteht darin, nichts zu tun. Dieses Vorgehen kommt jedoch nur für langfristig orientierte Anleger infrage, deren Anlagehorizont deutlich länger als 5 Jahre reicht und die bereit sind, während dieser Zeit auch größere Kursrückgänge in Kauf zu nehmen. Dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) zufolge zeigt das für den DAX ermittelte Rendite-Dreieck, dass sich Aktien langfristig rentieren. Wer Ende 2012 in den DAX investierte und dieses Investment bis Ende 2017 hielte, erzielte in den vergangenen 5 Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von 11,2 %. Für 20-Jahres-Anlagezeiträume lagen die jährlichen Renditen beim DAX in der Vergangenheit im Schnitt bei rund 9 %. Der schlechteste vom Rendite-Dreieck erfasste 20-Jahres-Anlagezeitraum warf immerhin noch eine jährliche Rendite von 5,7 % ab. (Quelle: www.dai.de/de/presse/pressemitteilungen.html?d=537)

Mit der Methode „Kaufen und liegen lassen“ spart man zugleich Transaktionskosten. Anderseits muss natürlich berücksichtigt werden, dass historische Entwicklungen kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen sind. Zudem lässt sich auch für den langfristigen Anleger nur schwer abschätzen, ob sich die Märkte nicht gerade dann in einer Periode mit länger andauernden Kursrückgängen (Bärenmarkt) befinden, wenn das angelegte Geld benötigt wird.

Mit Stopps und Marktfilter Turbulenzen trotzen

Eine interessante Alternative zum „Kaufen und liegen lassen“ besteht darin, in turbulenten Zeiten den Geldbestand im Depot aufzustocken und erst dann wieder zu investieren, wenn die Märkte in ruhigeres Fahrwasser übergangen sind. Dieser Ansatz lässt sich durch den Einsatz von Stopps und einem Marktfilter umsetzen. Jede Depotposition sollte stets mit einem Stopp abgesichert sein. Ein Stopp ist ein Verkaufsauftrag für ein Wertpapier, der automatisch ausgeführt wird, sobald der Kurs des Wertpapiers ein festgelegtes Niveau unterschreitet. Gehen die Märkte in einen Bärenmarkt über, können die Stopps Verluste begrenzen bzw. aufgelaufene Gewinne sicherstellen.

Um nicht Gefahr zu laufen in einem Bärenmarkt mehrfach mit Verlusten ausgestoppt zu werden, empfiehlt sich zusätzlich die Verwendung eines sogenannten Marktfilters. Dieser hat die Aufgabe anzuzeigen, ob das aktuelle Marktumfeld tendenziell günstig ist oder von einer Anlage besser Abstand genommen werden sollte. Ein möglicher und zugleich einfacher Filter ist die 200-Tage-Linie. Dabei handelt es um den Durchschnittkurs der vergangenen 200 Tage. Notiert beispielsweise der DAX oberhalb der 200-Tage-Linie, könnte dies ein Signal für eine Aufwärtstendenz am Markt darstellen. In diesem Fall könnte ein Investment in Betracht gezogen werden. Notiert der DAX unter der 200-Tage-Linie, könnte dies ein Signal für eine Abwärtstendenz darstellen.

Die Kombination aus Stopps und Marktfilter kann sich in Phasen mit starken oder länger anhaltenden Kursrückgängen bewähren. Geht es an den Märkten mit den Kursen bergab, können die Depot-Positionen ggf. ausgestoppt werden und mit dem verfügbaren Kapital keine neuen Investments getätigt werden. Man steht sozusagen an der Seitenlinie und gönnt dem Depot eine Auszeit. Der Wert des Depots verliert dann nicht im Einklang mit den Märkten, sondern bleibt aufgrund des hohen Geldbestands weitgehend konstant.

Absicherung mit Hebelprodukten nur für Profis

Für Profis ist der Kauf von Put-Optionsscheinen eine Möglichkeit, um sich gegen fallende Kurse absichern zu können. Put-Optionsscheine partizipieren positiv an fallenden Kursen des jeweiligen Basiswerts, z.B. einer Aktie. Die Produkte verfügen über einen Hebel, der sowohl steigende als auch fallende Kursnotierungen verstärkt. Dadurch können hohe Gewinne aber ebenso auch hohe Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals entstehen. Daher eignen sich Optionsscheine nur für Anleger, die über genaue Kenntnisse von Chancen und Risiken sowie Erfahrungen im Umgang mit diesen Produkten verfügen.

Mit Gold sicher durch die Krise?

Wenn sich die Vorzeichen auf den Kurstafeln mehrheitlich rot färben, rückt Gold regelmäßig in den Blickpunkt. Zwar kann es aus Sicht der Risikoverteilung und als Schutz vor möglichen größeren geopolitischen Krisen durchaus Sinn machen, einen kleinen Teil des Vermögens in Gold (z.B. in leicht handelbaren Münzen) zu halten. Hierbei sollte jedoch beachtet werden, dass Gold keine Zinsen oder Dividenden abwirft, Kosten für die Verwahrung anfallen und auch die Wertstabilität keineswegs sicher ist.

Für welche Variante man sich auch entscheidet: Wichtig ist, dass diese zu dem mit der Anlage verfolgten Ziel (z.B. langfristiger Vermögensaufbau) passt und mit den persönlichen Präferenzen hinsichtlich Anlagehorizont und Risikobereitschaft in Einklang steht.


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