Aktienrückkäufe beliebt wie selten

Win-win-Situation für Unternehmen und Aktionäre? | 04.05.2018

Aktienrückkäufe boomen derzeit so stark wie seit vielen Jahren nicht mehr. Anleger schätzen die Kurs stützende Maßnahme und auch die Unternehmen profitieren.

Die deutschen Aktienkonzerne haben im vergangenen Jahr so viele eigene Aktien zurückgekauft wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Berechnungen des Flossbach von Storch Research Institutes zufolge belief sich das Volumen der Aktienrückkäufe im DAX und MDAX zwischen Januar und September 2017 zusammengefasst auf 4,2 Milliarden Euro. Auch in den USA sind Aktienrückkäufe seit Jahren en vogue und haben durch die US-Steuerreform seit Jahresbeginn noch einmal einen Schub erhalten. Allein im Februar summierten sich die Ankündigungen der Firmen auf 153,7 Milliarden US-Dollar, wie das auf solche Transaktionen spezialisierte Analysehaus TrimTabs mitgeteilt hat. Wird dieses Tempo beibehalten, dürfte 2018 ein neuer Rekordwert erreicht werden. Wenngleich von der Entwicklung in den vergangenen Jahren grundsätzlich nicht auf künftige Entwicklungen geschlossen werden kann, wird der derzeitige Trend zu Aktienrückkäufen auf beiden Seiten des Atlantiks von der starken Konjunktur und den infolge steigender Unternehmensgewinne prall gefüllten Konzernkassen gestützt.

KGV sinkt, Dividendenrendite steigt

Aktionäre dürfen sich im Zusammenhang mit Aktienrückkäufen gleich über mehrere positive Effekte freuen. Allein die Nachfrage der Aktiengesellschaft nach eigenen Aktien an der Börse stützt oftmals den Aktienkurs. Darüber hinaus werden die von einer Aktiengesellschaft zurückgekauften Aktien in aller Regel eingezogen, womit sich die Zahl der ausstehenden Aktien verringert. Weil auf weniger ausstehende Aktien verteilt, legen Gewinn und Dividende je Aktie zu, wodurch das KGV sinkt und die Dividendenrendite steigt. Beide Effekte wirken sich in der Regel positiv auf die Nachfrage nach den Titeln an der Börse aus.

Kurspflege ist ein wichtiger Grund für die Unternehmen, eigene Aktien zurückzukaufen. Doch längst nicht der einzige Grund. Mögliche Strafzinsen bei zu hohen Bareinlagen bei den Banken spielen in den Überlegungen der Gesellschaften ebenso eine Rolle wie die Absicherung vor einer feindlichen Übernahme. Auch kann es steuerliche Vorteile mit sich bringen, wenn ein Aktienkonzern eigene Anteile erwirbt. Aktienrückkäufe sind zudem deutlich flexibler als eine Änderung der Dividendenpolitik, bei der die Aktiengesellschaften meist auf eine langfristige und kontinuierliche Entwicklung wert legen.

Nachteile nicht zu vernachlässigen

Während sich Vorstände für den Beschluss eines Aktienrückkaufprogramms, das von der Hauptversammlung abgesegnet werden muss, von den Aktionären und Medien meist loben lassen, bemängeln Kritiker hingegen regelmäßig die Ideenlosigkeit der Unternehmen. Schließlich könnten die für die Aktienrückkäufe aufgewendeten Mittel ebenso für Übernahmen, für Investitionen in den Kapazitätsausbau, für Forschung und Entwicklung oder der Erschließung neuer Märkte und damit für die langfristige Ausrichtung des Unternehmens verwendet werden. Auch das Timing spielt eine entscheidende Rolle. Meist haben Aktienrückkäufe in der Spätphase eines Börsenaufschwungs, wenn die Kassen gut gefüllt sind, Hochkonjunktur. Fallen die Märkte anschließend zurück, hat das Unternehmen seine Aktien zu teuer eingekauft.

Positive Kurseffekte möglich

Auf kurze und mittelfristige Sicht bescheinigen Studien einen klaren Zusammenhang zwischen Aktienrückkäufen und der Entwicklung des Börsenkurses. Einer Auswertung von Morgan Stanley zufolge entwickeln sich die Kurse der Aktien von Konzernen mit Aktienrückkäufen in den zwölf Monaten nach der Ankündigung des Programms spürbar stärker als der Gesamtmarkt. Anleger können die Kapitalmaßnahmen also durchaus in den Auswahlprozess für eine Investmententscheidung einfließen lassen, wenngleich es keine Garantie dafür gibt, dass entsprechend positive Kurseffekte auch tatsächlich eintreten.


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